Onkologisches Forum Celle e. V.

24.09.16: Neue Zahlen zur Wirkung der Castoren aus Lüchow
01.07.16: Hautkrebsgefahr nicht unterschätzen!
07.05.16: Feinstaub erhöht Krebsrisiko
30.04.16: Nach NDR-Bericht: Tchibo ruft Spielzeug zurück
27.04.16: Geografie der Genesung
11.04.16: Steimbke: Krebshäufigkeit knapp unter kritischem Wert
17.01.16: Duftkerzen nicht ungefährlich
21.12.15: Asbest nur von Profis entfernen lassen!
21.12.15: Asbest lauert an unerwarteten Orten
03.11.15: Mehr Krebs an Autobahnen
16.10.15: Polizisten nach Schießtraining an Krebs erkrankt
05.10.15: Krebs-Gift in Möbeln
10.07.15: Ungewöhnlich hoher Anstieg der Krebserkrankungen in Achim

11.05.17: NDR zu Bothel
23.12.15: Studienergebnisse aus Bothel lassen auf sich warten
23.02.16: Krebs nach Fracking?

03.05.15: Fische stark belastet
22.02.15: Studie verweist auf Zusammenhang zwischen "Roundup" und Krebs
24.05.15: Mate produziert Krebs
16.05.15: Kolumbien stellt Coca-Vernichtung mit Glyphosat ein
09.02.15: Krebs-Chemikalie in NRW-Flüssen
02.01.15: Baden-Württemberg plant Maßnahmen gegen Feinstaub
18.08.14: Wie schädlich sind Erdgasbohrungen?
14.09.14: Erhöhte Krebsrate in Bothel
18.09.14: Krebs durch Erdgasförderung?
27.09.14: Viele Kranke in Erdgasregion
27.01.15: Später Preis des Rauchens
12.01.15: Mülldeponie: Amtsärztin startet Vorstoß, um Krebs-Zahlen zu ermitteln
11.11.14: Feuerwehr: Krebs als Berufskrankheit?
07.01.15: Warnung vor Schichtarbeit
19.09.14: Kommunen fordern mehr Informationen über Stromtrasse Suedlink
03.11.14: Hochspannungsleitungen und Krebs
07.11.14: Tschernobyl - Häufung von aggressivem Schilddrüsenkrebs
03.03.15: Fukushima-Folgen
08.10.15: Fukushima: Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei Kindern bestätigt
31.07.15: Nukleararbeiter bekommen häufiger Krebs
30.07.15: Strahlenschäden - Ausstieg aus der Verharmlosung
04.09.14: Piloten und Flugbegleiter haben erhöhtes Hautkrebsrisiko
08.10.14: Alte Dämmstoffe können Krebs erzeugen
08.10.14: Giftiger Stoff in Handschuhen gefunden
25.09.14: BfR warnt vor Gift in bunten Bäckertüten
11.08.14: Bundeswehr warnt vor Krebs durch Carbon-Fasern
11.09.14: John Meyers wühlte sich wochenlang durch die Trümmer
04.03.15: Kosmetika für Kids können Krebs auslösen
18.08.14: Gefährliches Shampoo
18.08.14: BUND rät von Deos mit Aluminium ab
12.01.15: Wie gefährlich ist Aluminium in Deos?
18.08.14: PCB-Belastung in Schulen
25.08.14: Asbest und die Folgen: Der harte Kampf um Entschädigung
19.09.14: Wiesbaden: Krebsgefahr im Finanzamt?
13.11.14: Handystrahlen und Krebs
06.03.15: Handytrahlen beschleunigen Krebs
30.05.16: Handystrahlen mit Krebs in Verbindung gebracht
28.11.14: Triclosan in Hygienartikeln eventuell krebsauslösend
07.07.16: DuPont soll Millionen für Teflon-Fall zahlen
 

 

 

Neueste Zahlen – auch jene aus Lüchow-Dannenberg

Krebs durch den Castor? Gesundheitsamt legt erstmals belastbare Zahlen vor

Das atomare Zwischenlager Gorleben, in Hintergrund die Castor-Behälter: Die Transporte durch die Region sorgten stets für Befürchtungen einer Gesundheitsbelastung der Bevölkerung.

Lüchow. Sie war ständig präsent: Die Befürchtung, dass der in Gorleben eingelagerte Atommüll oder die zurückliegenden Castor-Transporte einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Neue Auswertungen des Landeskrebsregisters lassen einen solchen Schluss hingegen nicht zu.

Zum ersten Mal sind in den neuesten Zahlen, die aus dem Jahr 2013 stammen, auch jene aus Lüchow-Dannenberg nahezu vollständig enthalten.

Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Gesundheitsamtes Uelzen/Lüchow-Dannenberg, lobte, dass es erstmals gelungen sei, rund 90 Prozent der hiesigen Krebsfälle zu melden. Er bezeichnet diese Entwicklung als „großen Schritt der Ärzteschaft nach vorne“. Für die häufigsten Krebsarten lauten die Lüchow-Dannenberger Zahlen:

Prostatakrebs...

...ist die häufigste Krebserkrankung bei den Männern. In den Jahren 2008 bis 2012 hat es im Schnitt 41 solcher Fälle pro Jahr gegeben. Ein relativ niedriger Wert, den Wermes auf „zu wenige Meldungen“ zurückführt.

Brustkrebs...

...ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In den Jahren zwischen 2008 und 2012 erkrankten im Schnitt jährlich rund 56 Frauen daran, 2013 waren es 51. Wermes ordnete den Wert als leicht, aber statistisch nicht evident und deshalb zufällig erhöht ein.

Lungenkrebs...

...ist bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebsart. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten daran im Schnitt jährlich 29 Männer und zwölf Frauen, 2013 waren es 27 Männer und 16 Frauen. Das entspricht einer leichten, aber statistisch laut Wermes nicht signifikanten Erhöhung.

Darmkrebs...

...ist bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsart. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten pro Jahr durchschnittlich 23 Männer und 25 Frauen daran, 2013 waren es 25 Männer und 24 Frauen. Die Werte bewegten sich laut Wermes leicht unter dem Schnitt, allerdings ebenfalls ohne Signifikanz.

Schilddrüsenkrebs

Diese Erkrankung ist zwar selten, für die Lüchow-Dannenberger Auswertung aber nicht unerheblich, weil unter anderem radioaktive Strahlenbelastung die Krankheit auslösen kann. Doch die Fallzahlen – zwischen 2008 und 2013 erkrankten im jährlichen Durchschnitt 0,4 Männer und eine Frau – bewegen sich deutlich, wenn auch nicht statistisch signifikant, unterhalb des Durchschnitts.

Leukämie

Atomare Strahlung kann auch Blutkrebs auslösen. Doch auch bei dieser Erkrankung gilt laut Wermes: Die Zahlen sind zwar leicht, aber nicht signifikant erhöht. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten durchschnittlich sechs Männer und vier Frauen daran, 2013 waren es sechs Männer und fünf Frauen. Wermes betonte, dass auch er sich die Lüchow-Dannenberger Leukämie-Zahlen sehr genau ansehe, bisher aber nie eine Auffälligkeit zu entdecken gewesen sei.

(Allgemeine Zeitung Uelzen, 24.9.16, Benjamin Piel)

 

 

Hautkrebs: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Die Haut kann so manches wegstecken. Aber wer sich ungeschützt der Sonne aussetzt, lebt gefährlich. Im schlimmsten Fall droht Hautkrebs. Auf welche Warnsignale man achten sollte.

Wenn die Sommersonne vom Himmel brennt, lebt die Haut besonders gefährlich. Das Risiko für Hautkrebs werde von vielen unterschätzt, sagen Experten. Besonders hellhäutige Menschen, die sich leicht einen Sonnenbrand einfangen, seien gefährdet. Ein Überblick über zentrale Fakten zu schwarzem und weißem Hautkrebs: 

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an, sagt der Ärztliche Koordinator des Hauttumorzentrums Mannheim, Jochen Sven Utikal. «Sind genügend Schäden vorhanden, funktioniert die Reparatur der Zellen nicht mehr effektiv - dann kommt es zum Krebswachstum.» Risikofaktoren für Hautkrebs sind laut Experten schwere Sonnenbrände, vor allem in der Kindheit, und Solarienbesuche. «Gebräunt zu sein ist nach wie vor ein Schönheitsideal - dabei gibt es die gesunde Bräune nicht», sagt Oberärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Die Bräune zeige an, dass die Haut geschädigt worden sei - und sich das nächste Mal schützen wolle.

Hautkrebs-Symptome: Wenn's blutet und juckt

Anfangs haben die meisten Menschen beim schwarzen Hautkrebs Experten zufolge so gut wie keine Beschwerden. «Man sieht einfach ein Muttermal, das sich verändert hat», erläutert Utikal. «Beim weißen Hautkrebs wächst irgendetwas, ein Knötchen an der Haut, oft im Gesicht.» In beiden Fällen könne es bluten und jucken. Während der weiße Hautkrebs überwiegend an Körperstellen auftritt, die oft der Sonne ausgesetzt sind, kann sich der schwarze Hautkrebs laut Medizinern auch anderswo bilden.   

Weißer Hautkrebs häufiger als schwarzer

Der schwarze Hautkrebs tritt viel seltener auf als der weiße. «Bei schwarzem Hautkrebs gehen wir pro Jahr von 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner aus», sagt Facharzt Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum Bonn Friedensplatz. Er komme besonders oft zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr vor und mit Mitte 50. Experten beobachten in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei jungen Frauen. Bei dem hellen Hautkrebs spricht Reinhold von bis zu 400 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Einwohner. «Weißer Hautkrebs tritt häufiger bei Männern auf, die durch fehlende Kopfhaare oder Berufe unter freiem Himmel eher gefährdet sind.»

Schwarzer Hautkrebs kann Utikal zufolge schon ab einem Millimeter Tumordicke streuen, das mache ihn so heimtückisch. Betroffen sein könnten etwa Lymphknoten, Lunge und Gehirn. «Dort wächst er weiter und kann lebenswichtige Strukturen schädigen.» Sei dieser Krebs erst einmal weit fortgeschritten, könne er nur sehr schwierig behandelt werden, sagt Hassel. «Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zu denen zu gehören, die das langfristig packen.»

Die Medizinerin geht davon aus, dass heute wegen neuer Therapien bei etwa 35 Prozent der Patienten der gestreute schwarze Hautkrebs langfristig kontrollierbar ist. «Das bedeutet aber auch, dass wir mehr als 50 Prozent der Patienten nicht langfristig helfen können und sie daran sterben. Da können wir allenfalls eine Lebensverlängerung erreichen.» Laut Reinhold ist der schwarze Hautkrebs im Alter von 18 bis 30 Jahren die zweithäufigste Todesursache.

Schwarzer Hautkrebs zwingt zur Operation

Der helle Hautkrebs streut sehr viel seltener. Er könne aber die Lebensqualität der Patienten deutlich einschränken, weil oft operiert werden müsse, sagt Reinhold. «Meist sind das sonnenexponierte Stellen wie Nase oder Ohren und das kann verbunden sein mit Funktionseinschränkungen.» Hassel erläutert, je mehr Tumoren jemand habe, umso mehr OPs müsse er über sich ergehen lassen. «Das kann prinzipiell zu einer Entstellung führen.» Das Risiko, dass der weiße Hautkrebs streue, sei aber bei einem gesunden Immunsystem klein.

Beim schwarzen Hautkrebs gibt es Mediziner Reinhold zufolge im Anfangsstadium keine Alternative zur Operation. Hat der Tumor gestreut und kann nicht mehr operiert werden, gibt es neue Therapien, die das Immunsystem gegen den Tumor stimulieren, wie Utikal aus Mannheim sagt. «So kann man versuchen, dass der Patient möglichst lange gut lebt.»

Bei sehr frühen Formen von weißem Hautkrebs kann laut Reinhold eine Tumortherapie mit Medikamenten eingesetzt werden, verabreicht als Creme. «Außerdem gibt es noch die photodynamische Therapie, bei der man mit Creme und Licht behandelt. Bei einem weiter fortgeschrittenen Tumor ist die Operation die Therapie der Wahl.» 

Vorsorge besonders wichtig

Die Heilungschancen hängen davon ab, in welchem Stadium die Krankheit entdeckt und behandelt wird. Beim schwarzen Hautkrebs sei eine früh erkannte, dünne Geschwulst in hohem Maße heilbar, sagt Reinhold. «Bei den Frühformen beträgt die Heilungschance 93 Prozent. Wenn man zu lange gewartet hat, sinken die Heilungschancen auf bis unter 50 Prozent.» Dank neuartiger Therapien haben sich Utikal zufolge die Prognosen im fortgeschrittenen Stadium massiv verbessert.

Die Heilungschancen beim weißen Hautkrebs sind den Experten zufolge sehr gut. Hassel sagt, nach Operationen betrügen sie für den einzelnen Tumor fast 100 Prozent. Ein Problem sei aber, dass in der Folge meist weitere Tumoren entstünden.

(Augsburger Allgemeine, 1.7.16, Christine Cornelius/dpa)

 

 

Bis zu 80 Prozent!

Feinstaub erhöht Sterberisiko durch Krebs deutlich

Ältere Menschen, die dauerhaft einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, haben ein deutlich erhöhtes Sterberisiko für verschiedene Krebsarten. Das geht aus der Studie eines internationalen Forscherteams hervor, das hierfür über mehrere Jahre die Todesursachen von Zehntausenden Menschen in Hongkong untersucht hat.

Die Studie mache deutlich, dass Feinstaub in Großstädten weltweit "so viel und so schnell wie möglich reduziert werden muss", sagte Mitautor Neil Thomas von der britischen Universität Birmingham.

Bis zu 80 Prozent höheres Risiko

Bei einer um zehn Mikrogramm erhöhten Konzentration von Feinstaub pro Kubikmeter Luft erhöhte sich das Risiko, an Krebs im oberen Verdauungstrakt zu sterben, um 42 Prozent, so die Wissenschaftler. Das Sterberisiko durch Krebs an der Leber, Pankreas oder Gallenblase stieg demnach um 35 Prozent. Bei Frauen nahm das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, sogar um 80 Prozent zu, wie die Forscher berichteten. Die Experten aus Hongkong und Großbritannien veröffentlichten ihre Studie im Journal "Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention".

Höchst gefährliche Mikropartikel

Als Feinstaub werden winzige Partikel bezeichnet, die eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Ursprung der Schadstoff- Teilchen können etwa Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie- , Kraftwerks- oder Heizungsanlagen sein. Je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen sind die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub verschieden.

Als besonders gefährlich gelten ultrafeine Teilchen mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die sich tief in den Bronchien und Lungenbläschen festsetzen oder sogar ins Blut übergehen können.

(Kronenzeitung/Wien u.a., 7.5.16)

 

 


Nach ARD "Markencheck"-Recherche:

Tchibo ruft Kinderspielzeug zurück

Der ARD Markencheck hat in einem Spielzeug aus dem Tchibo-Sortiment einen gesundheitsschädlichen Stoff entdeckt. Für den "Tchibo-Check" (Montag, 02.05., 20:15 Uhr im Ersten) ließen die WDR-Reporter eine ferngesteuerte Spielfigur der "Minions" ("Kevin") im Labor untersuchen.

Dabei wurden hohe Mengen des Stoffs Naphthalin in der aufblasbaren Spielfigur gefunden. Naphthalin kann u.a. zu starken Haut- und Atemwegsreizungen führen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Unbedenklich sind laut Labor Naphthalin-Werte unter 2 mg/kg. Der gemessene Naphthalin-Wert im PVC-Hauptmaterial des "Minions" beträgt 74 mg/kg. Auch in den Rollen des fernsteuerbaren Spielzeugs wurde ein hoher Naphthalin-Wert von 45 mg/kg gemessen.

Krebserregende Stoffe: Vorsicht bei ferngesteuerter Minion-Spielfigur

Tchibo verkaufte die "Minion"-Spielfigur "Kevin" im Weihnachtsgeschäft 2015. Das Hamburger Unternehmen sagt, aufgrund der Anfrage des Markenchecks habe man ebenfalls einen "Minion" auf Naphthalin-Werte überprüfen lassen. Laut Tchibo "entsprechen auch diese Werte nicht den Anforderungen, die wir an ein Produkt stellen". Daher habe man sich entschlossen, das Produkt zurückzurufen. Kunden werden gebeten, das komplette Set zurückzugeben.

(sba/news.de/PrDpa, 30.4.16)

 

 

Krebstherapie: Geografie der Genesung

Auch der Wohnort entscheidet darüber, ob eine Krebsbehandlung erfolgreich ist – wichtig ist eine kompetente Anlaufstelle.

Die Diagnose ist schlimm genug. Dass Krebs auch eine logistische Herausforderung ist, merken Betroffene und ihre Angehörigen, wenn es um die richtige Anlaufstelle für die Behandlung geht. Ist es für ein optimales Ergebnis womöglich entscheidend, wo man lebt? Diese Frage stellte die Deutsche Krebsgesellschaft in der letzten Woche mit ihrer Diskussionsveranstaltung „Therapiefaktor Wohnort – die Tücken der Versorgungslandschaft in der Onkologie“ in Berlin.

Es ist eine schockierende Frage, hat doch der Patient zumindest auf dem Papier einen Rechtsanspruch darauf, nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis behandelt zu werden. Ohne Ansehen der Person, ohne Ansehen auch des Ortes, an dem sie lebt.

Geringere Überlebenschancen in sozioökonomisch schwachen Landkreisen

Als im Juni 2014 eine Untersuchung aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) im Fachblatt „International Journal of Cancer“ veröffentlicht wurde, war deshalb die Aufregung groß. Lina Jansen und ihre Kollegen hatten für die 25 häufigsten Krebserkrankungen Informationen von rund einer Million Patienten zusammengetragen, die zwischen 1997 und 2006 ihre Diagnose bekommen hatten. Die 200 Landkreise, die sie dabei berücksichtigten, unterteilten sie nach Einkommen, Arbeitslosenquote, Rate an Verbrechen und Verkehrsunfällen in fünf Gruppen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Profil.

Die Forscher belegten, dass die Menschen in den Landkreisen, die in diesen Punkten schlechter abschnitten, auch hinsichtlich des Überlebens im Fall von Krebs schlechtere Chancen hatten. In den sozioökonomisch schwächsten Landkreisen hatten nach fünf Jahren im Schnitt nur 56,5 Prozent der Erkrankten überlebt, in den anderen deutlich über 60 Prozent. Die Ungleichheit war am größten, wenn man nur auf die ersten drei Monate und nur auf Krebsarten schaute, die sich heute schon recht gut behandeln lassen. Das lag nicht nur daran, dass Menschen aus ärmeren Regionen tendenziell erst in einem späteren Stadium der Krankheit ärztliche Hilfe suchen.

Zertifizierte Krebszentren

Auch aus anderen Ländern mit einem guten Gesundheitssystem waren zuvor schon ähnliche Ergebnisse gekommen. Unterschiede in der Erreichbarkeit spezialisierter Behandlungszentren dürften in einem Flächenland wie Kanada eine größere Rolle spielen. „Wer so viele Zentren hat wie wir, könnte glücklich sein“, sagte dagegen bei der Veranstaltung die ehemalige Brustkrebspatientin Ulla Ohlms, die sich als engagierte Patientenvertreterin heute für die Patienten-Tumorbank Path engagiert.

Sie meinte die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Organkrebszentren, von denen es inzwischen etwa für Brust-, Darm-, Lungen- und Prostatakrebs schon eine große Anzahl gibt. Von den Versicherten seiner Kasse würden heute 83 Prozent der Frauen mit Brustkrebs, aber nur 30 Prozent der Männer mit einem Prostatakarzinom in zertifizierten Zentren behandelt, berichtete Christoph Rupprecht von der AOK Rheinland/Hamburg. Die Brustzentren waren die ersten, die zertifiziert wurden.

Therapie gemäß Behandlungsleitlinien erhöht Lebensqualität

Zentrum, das meint in diesem Fall nicht unbedingt ein Gebäude und ein gemeinsames Dach. „Wichtig ist nicht der Ort, sondern die angegliederten Spezialisten“, sagte Jochen Heymanns vom Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen. Entscheidend ist, dass die Spezialisten sich regelmäßig treffen und über die Behandlung beraten. „Unsere Daten zeigen, dass es die Chance auf ein längeres Überleben erhöht, wenn man sich in diesem Rahmen behandeln lässt“, berichtete Rupprecht.

Die „Brenda“-Studie, die der gynäkologische Krebsspezialist Rolf Kreienberg an der Universität Ulm ins Leben rief und die Daten von mehr als 13 000 Frauen umfasst, belegt noch etwas anderes: Die Teilnehmerinnen, deren Therapie sich nach den Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften richtete, deren Empfehlungen sich auf gute wissenschaftliche Studien stützen, hatten bessere Chancen auf Heilung und gute Lebensqualität.

Was bringen zusätzliche Angebote?

Bringt es den Erkrankten zusätzlich einen Nutzen, wenn sie von ihrer Krankenkasse Angebote bekommen, die über die Empfehlungen der Leitlinien hinausgehen? Eine brisante Frage, denn solche Angebote gibt es nur punktuell. Im Rahmen des „Netzwerkes Genomische Medizin“ wird zum Beispiel einer Gruppe von Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg mit unheilbarem Lungenkrebs an der Uniklinik in Köln eine umfassende molekulare Tumordiagnostik angeboten. Getestet werden auch genetische Veränderungen des Tumors, denen heute noch nicht beizukommen ist. Auswertungen sollen zeigen, was das den Erkrankten langfristig bringt.

Schon heute empfiehlt die Leitlinie „Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom“ Untergruppen von Erkrankten einige dieser Tests, weil neue Mittel aus der Gruppe der Kinasehemmer ihnen die Chance auf ein längeres Leben ohne Fortschreiten der Krankheit oder sogar auf Heilung bieten. „In Feld-Wald-Wiesen-Kliniken gibt es aber Leute, die davon keine Ahnung haben“, kritisierte Heymanns. „Viele Krankenhäuser können die Tests nicht machen und schicken die Patienten dafür zum niedergelassenen Onkologen“, ergänzte Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. Rupprecht nannte als nachahmenswertes Beispiel Frankreich, wo der Zugang zu Tests umfassend ist. „91 Prozent der Patienten erhalten sie, das Ergebnis liegt im Mittel nach 18 Tagen vor.“

Wichtiger als der Wohnort ist für Krebspatienten heute wahrscheinlich das Wissen um eine kompetente Anlaufstelle. Dass in den schwächeren Landkreisen die Überlebenschancen geringer sind, wie die DKFZ-Studie zeigte, lässt sich auch als Informationsdefizit deuten. Erste Informationen über Krebszentren, Kliniken und die Kriterien, auf die es ankommt, vermittelt neben dem Hausarzt, der in vielen Fällen die erste Anlaufstelle ist, zum Beispiel der Krebsinformationsdienst.

(Der Tagesspiegel, 27.4.16, Adelheid Müller-Lissner)

 

  

Steimbke: Zusammenhang mit Erdöl- und Erdgas-Förderung noch nicht nachzuweisen

Krebs-Häufigkeit knapp unter kritischem Wert

STEIMBKE - „Klar, mache ich mir Sorgen, aber es ist kein Platz für Ängste, Panik oder gar Hysterie!“ Knut Hallmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Steimbke, empfing am Montag auf Einladung des Landkreises Fachleute und zahlreiche Vertreter verschiedener Medien, um über den aktuellen Stand der Untersuchungen bezüglich des Verdachts einer erhöhten Krebs-Häufigkeit in Verbindung mit der Erdöl- beziehungsweise Erdgasförderung in der Mitgliedsgemeinde Rodewald zu berichten.

Als Grundlage diente ihm und den übrigen Experten der Bericht des Krebsregisters zu Lymphom- und Leukämie-Erkrankungen in Rodewald. Neben Hallmann waren Dr. Torsten Vogel vom Fachbereich Gesundheitswesen und Manuel Wehr vom Fachbereich Umwelt des Landkreises Nienburg, Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt und Kathrin Otte vom gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (Genuk) im Küsterhaus Steimbke erschienen. Sie verkündeten, dass die Krebs-Häufigkeit „nur knapp unterhalb des kritischen Wertes“ liegt.

Laut Untersuchungsbericht des Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) war – statistisch – für Rodewald in den Jahren 2005 bis 2013 von 12,7 Lyphom- und Leukämie-Erkrankungen auszugehen gewesen, die tatsächliche Zahl liege aber bei 20 Fällen. „Damit ist die Erkrankungs-Rate zwar erhöht, jedoch nicht als statistisch auffällig einzustufen“, besagt das Gutachten. Allerdings liege sie eben knapp unter dem kritischen Wert von 21 Fällen. In der Samtgemeinde seien 46 Neuerkrankungen (erwartet: 36,2) beobachtet worden, was eine statistisch ebenfalls nicht auffällige Erhöhung bedeute. Unter Hinzunahme der umfangreichen Zahlen des Kinderkrebsregisters sehe die Lage allerdings anders aus, so Dr. Vogel. In den Jahren 1987 bis 2014 seien in der Samtgemeinde sechs Fälle (erwartet: 1,7) dokumentiert, davon allein in Rodewald vier statt 0,6. Das sei sehr wohl „eine signifikante Erhöhung“, so der Mediziner.

„Wir müssen hier weitersuchen“

Für Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt steht nach diesen Erkenntnissen fest: „Wir müssen hier weitersuchen.“ Und zwar nach Ursachen. Im Zentrum des Verdachts, als Auslöser der Erkrankungen infrage kommen zu können, steht nach einem auslösenden Bericht des Nordeutschen Rundfunks (NDR) aus dem Jahr 2014 das Gelände der BEB (Erdgas- und Erdöl-Gesellschaft) Rodewald, das inzwischen der Firma Wintershall gehört. Letztere hatte zuletzt umfangreiche Sanierungen mit dem Austausch von rund 10?000 Tonnen belasteten Erdreichs vorgenommen und zeige sich absolut kooperativ, so Samtgemeindebürgermeister Hallmann.

Ob die seit mehr als 50 Jahren laufende Förderung mit den Erkrankungen zu tun habe, sei verbindlich nicht zu beantworten, so die Experten. Es gelte nun, noch mehr der verteilten Fragebögen zurückzubekommen, um dann in persönliche Interviews einzusteigen mit dem Ziel, weitere Risikofaktoren zu ermitteln. Anhand der Resultate würden weitere Schritte eingeleitet, so Manuel Wehr. Er beteuerte: „Wir tun alles, was erforderlich ist!“

Derzeit, so Wehr weiter, liefen Untersuchungen weiterer Bohrschlammgruben, um zu erfahren, ob von denen Gefahren ausgehen. Ein Auge werfen die Experten dabei nicht nur auf die Wirkungen von Benzol, sondern auch auf Schwermetalle wie beispielsweise Quecksilber.

Kathrin Otte erklärte, dass überhaupt nicht bekannt sei, was vor Jahrzehnten alles in die Luft gelangt sei. „Es gibt keinerlei Aufzeichnungen und Messwerte, mit denen wir heute arbeiten könnten“, sagte sie. Es gelte dringend, jetzt damit zu beginnen und den Gesetzgeber aufzufordern, Werte für Umweltrisiken festzulegen.

Zu den Otte-Aussagen passe laut Manuel Wehr ein TÜV-Gutachten aus dem Jahr 1988 mit der Nachricht über einen um ein Vielfaches überschrittenen Wert der sogenannten Kaltgasfackel. „Da hätte das Bergamt reagieren müssen“, so Kathrin Otte. Es bestehe weiter Klärungsbedarf, weshalb der Landkreis unter Einschaltung des Landes geprüft wissen will, ob nachträglich auf der Basis des besagten Gutachtens von 1988 eine Immissionsprognose insbesondere für Benzol möglich ist. Aus dieser sei dann abzuleiten, ob und in welchen Bereichen auch Bodenbelastungen durch die Emissionen der Kaltgasfackel entstanden sein könnten. Abhängig von entsprechenden Erkenntnissen wolle der Landkreis orientierende Bodenuntersuchungen veranlassen, wie es Pressesprecher Torsten Rötschke, der auch die Begrüßung der Teilnehmer vorgenommen hatte, erklärte.

Der Bericht des EKN bestätige die Notwendigkeit des vom Landkreis Nienburg eingeschlagenen Weges, mehr über die einzelnen Fälle in Rodewald in Erfahrung bringen zu wollen. Nur so seien mögliche Ursachen zu erforschen, so das EKN. Unabhängig vom vorgelegten Bericht erklärt das Landesgesundheitsamt nach einer toxikologischen Bewertung der vorliegenden Umwelt-Gutachten zum ehemaligen BEB-Betriebsgelände Suderbruch, dass sich „ein gesundheitliches Risiko für die Wohnbevölkerung aus den Umweltdaten aus den Jahren 2011 bis 2014 nicht ableiten“ lasse.

Wie schwierig die Untersuchungen und der Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Erdgas- und Erdöl-Förderung sowie den erhöhten Erkrankungs-Zahlen sind, beweist dieser Satz aus dem EKN-Bericht: „Die Bewertung, die Fallzahlen seien nicht signifikant erhöht, sagt aus, dass die beaobachtete Erhöhung auch nur rein zufällig zustandegekommen sein könnte. Die Einstufung, ab wann eine Erhöhung signifikant ist, hängt von der vorab festgestellten Fragestellung und Auswertungsstrategie sowie vor allem von den akzeptierten Unsicherheiten bei der Einstufung – den sogenannten Irrtumswahrscheinlichkeiten – ab.“

(Kreiszeitung.de, 11.4., Kurt Henschel)

 

 

Duftkerzen könnten Krebs auslösen

In Duftkerzen könnten mehr unerwünschte Stoffe enthalten sein, als bisher gedacht. Das ist das Ergebnis einer Studie am National Centre of Atmospheric Science an der University of York in Großbritannien. Vor allem Duftstoffe von Zitronen und Limonen sind gern verwendete Inhaltsstoffe für Duft- und Reinigungsprodukte sowie Raumerfrischer. Doch bei Kontakt mit Luft verwandelt sich der beliebte Duftstoff in Formaldehyd, das als ein potenzieller Krebsauslöser gilt.

Das ist nicht neu - bekannt ist, dass Formaldehyd giftig ist und neben der Möglichkeit, Krebs auszulösen, generell gewebezersetzend wirken dürfte. Es kann unter anderem Nasenbluten, Husten oder Augenbrennen auslösen.

Konzentrationen bis zu 100 Mal höher als vermutet

Die britischen Forscher waren jedoch überrascht, dass die in den untersuchten Produkten enthaltenen Limonenduftkonzentrationen bis  zu 100 Mal höher waren, als bisher gedacht. Und das sehen die Forscher aus einem weiteren Grund sehr problematisch. Moderne Wohnungen und Häuser sind so gut gedämmt, dass wenig Luft entweichen kann. Das erhöhe die Verweildauer der ohnehin bereits hohen Formaldehyd-Konzentrationen und könnte langfristig zu negativen Gesundheitsfolgen führen. Die größten Mengen wurden übrigens in Billigprodukten gefunden.

Manche Zimmerpflanzen können giftige Stoffe absorbieren

Studienleiter Alastair Lewis rät generell zu mehr Vorsicht bei der Verwendung von Duftkerzen oder duftenden Reinigungsmitteln. "Wir wissen nicht, welche Konsequenzen es hat, wenn man langfristig Formaldehyd ausgesetzt ist." Der beste Weg, Formaldehyd in geschlossenen Räumen zu vermeiden, sei regelmäßiges Lüften - besonders,  unmittelbar nachdem man Lufterfrischer oder Duftkerzen verwendet habe. Ebenso können Zimmerpflanzen helfen, Formaldehyd und andere giftige Stoffe zu absorbieren. Besonders gute Effekte fand Lewis in früheren Studien bei Efeu, Geranien und Farnen.

(kurier.at, 18.1.16, iteu)

 

 

Asbest löst Krebs aus: Nur Profis sollten ihn entfernen

Asbest wurde zwischen 1960 und 1990 in fast allen Gebäuden benutzt. Doch wer ihn entfernen möchte, muss dafür einen Profi holen.

Asbest ist eigentlich der ideale Baustoff, da er nicht riecht und auch nicht strahlt. Doch leider wird er verarbeitet zum Risiko für die Gesundheit. Werden die Fasern eingeatmet, steigt nämlich das Risiko für Krebs.

In Deutschland ist Asbest seit 1990 verboten. Doch davor wurde er in fast allen Gebäuden verbaut. Da Asbest besonders langlebig ist, kann er damit immer noch eine große Gefahr für die Gesundheit sein. Doch wann muss er entfernt werden?

Oft befindet er sich in Platten aus Asbet-Zement, die in Dächern oder Fassaden verbaut sind. In diesen Fällen muss er nicht zwingend entfernt werden. Der festgebundene Asbest ist kein Risiko für die Gesundheit. Gefährlich wird es aber, wenn Hobby-Handwerker den Zement einfach bearbeiten - und damit krebserregende Stoffe freisetzen.

Asbest im Haus: Handwerker dürfen ihn nicht entfernen

Neben dem festgebunden Asbest kann der Stoff aber auch nur lose gebunden im Haus vorliegen. In diesem Fall kann er leichter Fasern abgeben. Das ist beispielsweise im Fensterkitt oder bei Fußbodenklebern der Falll.

Hausbesitzer sollten dann auf jeden Fall Profis holen. Auch vor dem Einbau einer Heizung sollte beispielsweise ein Fachmann gefragt werden. "Am Ende hat der Bauherr die Gewissheit, wo sich Asbest und andere Gefahrenstoffe im Haus befinden und kann das bei der Planung der Arbeiten berücksichtigen",  sagt Jörg Wohlgemuth, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen der IHK Offenbach am Main.

Handwerker dürfen Asbest nicht entfernen - denn das kann tödliche Folgen haben. In jedem Fall sollten daher Fachfirmen gerufen werden.

(Augsburger Allgemeine, 21.12.15)

 

 

Asbest lauert dort, wo man ihn nie vermuten würde

Asbest gilt als extrem krebserregend: Der Stoff wurde einst in 3000 Produkten eingesetzt. Stichproben zeigen, wo Asbest in Gebäuden noch immer allgegenwärtig ist. Heim- und Handwerker sind gefährdet.

Die Gefahr durch krebserregenden Asbest in Dachplatten oder an Fassaden ist seit Langem bekannt. Doch Experten zufolge wird das Risiko durch andere Gefahrenquellen bislang unterschätzt.

Der Stoff gilt als extrem gesundheitsgefährdend. Er zerteilt sich in feine Fasern, die leicht eingeatmet werden können. Das kann zu einer chronischen Entzündung der Lunge führen und letztlich Krebs verursachen. Asbestose, also Lungenverhärtung, ist bereits seit 1936 als Berufskrankheit anerkannt.

Viele Mieter, Wohnungs- und Hausbesitzer wissen nicht, dass auch in ihren Wohnräumen Asbest verbaut ist. Doch laut Experten wurde der gefährliche Stoff zwischen 1960 und 1990 in mehr als 3000 Produkten eingesetzt. Etwa 70 Prozent des Asbests gelangten als Asbestzement in die Häuser.

"In Häusern, die zwischen 1960 und 1990 gebaut wurden, ist mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Asbest zu finden", sagt Torsten Mußdorf, Geschäftsführer des Norddeutschen Asbestsanierungsverbandes (NAV).

In Deutschland sei die Verwendung neuer Asbestprodukte seit 1990 zwar verboten, erklärt Rolf Packroff von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. "Aber Asbest ist wegen seiner Langlebigkeit noch immer allgegenwärtig."

Tödliche Fasern in Putzen und Fliesenkleber

In den meisten Fällen befindet er sich in Platten aus Asbestzement, die in Dächern, Fassaden oder Luftschächten verbaut wurden. Auch Carports wurden gern mit diesen Platten errichtet. "Dabei handelt es sich um fest gebundenen Asbest. Der kann ruhig im Haus bleiben, es gibt keine Verpflichtung, ihn zu entfernen", erklärt der Fachmann. "Auch gesundheitlich sind solche Asbestprodukte für Bewohner älterer Gebäude in der Regel kein Risiko", betont Packroff.

Voraussetzung ist allerdings, dass sie in Ruhe gelassen werden. "Gefährlich wird es, wenn Asbestprodukte nicht erkannt und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen bearbeitet werden."

Neben dem festgebundenen Asbest kann sich auch noch jede Menge schwach gebundener Werkstoff im Haus finden. "Der ist gefährlicher als der fest gebundene, weil er dazu neigt, Fasern abzugeben", erklärt Mußdorf.

Asbest ist oft in Fliesenkleber, Fensterkitt, Dichtungsschnüren, Rohrummantelungen, aber auch in Fußbodenklebern enthalten. "Ein Laie kann ihn dort kaum identifizieren." In Fachkreisen ist seit Langem bekannt, dass auch Putze und Spachtelmassen Asbest enthalten können.

"Frühere Untersuchungen konzentrierten sich auf Spachtelmassen von Leichtbauwänden und spezielle Putze, zum Beispiel Sockelputze", sagt Jörg Wohlgemuth, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen der IHK Offenbach am Main.

Asbest kann auch im Flächenspachtel stecken

Neuere Analysen belegen aber, dass asbesthaltige Putze in weitaus mehr Fällen Verwendung fanden. Betroffen sind insbesondere Putze, von denen erhöhte Reißfestigkeit gefordert wird, zum Beispiel in Heizungsnischen, Fensterlaibungen und an Türanschlüssen. Aber auch Flächenspachtel, zum Beispiel auf Beton.

Laut Gesamtverband Schadstoffsanierung ist davon auszugehen, dass in etwa einem Viertel der vor 1995 errichteten Gebäude asbesthaltige Spachtelmassen oder Fliesenkleber verbaut sind. Bundesweite Aussagekraft hätten die bisher nur vereinzelt gesammelten Stichproben jedoch nicht, sagt Wohlgemuth.

Das Thema Asbest im Innenraum sei durch Untersuchungen wieder neu entdeckt worden. Bei einem Pilotprojekt in Hamburg sind an Wandputzen an Schulen in 15 Prozent der Proben Asbest entdeckt worden.

Es fehlten immer noch mehr systematische Untersuchungen, die etwas über die Freisetzung bei Bauarbeiten an asbesthaltigen Flächen aussagen, so Wohlgemuth. Solche Prüfungen wären wichtig, um die Gefährdung besser einschätzen zu können. "Nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Menschen im Umfeld der Baumaßnahme."

Was bei Sanierungsarbeiten zu beachten ist

Im Jahr 2012 starben laut einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mehr als 1500 Menschen in Deutschland an den Folgen einer schweren asbestbedingten Erkrankung. Die Krankheiten treten oft mit mehr als 30 Jahren Verzögerung auf. Insgesamt starben zwischen 1994 und 2012 mehr als 26.000 Menschen an den Folgen.

Wegen der fehlenden gesicherten Erkenntnisse über die frühere Verwendung in Innenräumen sei auch die Bauwirtschaft verunsichert, so Wohlgemuth. "Für den einzelnen Sanierungsfall müssen viele Proben aus einem Haus gesammelt werden, um etwas über den Asbestgehalt aussagen zu können."

Um sich und sein Umgebung nicht in Gefahr zu bringen, sollte zuerst einen Fachmann befragt werden, bevor man in einem älteren Gebäude Hand anlegt. Dabei muss es sich nicht einmal um eine komplette Sanierung handeln, schon der Einbau einer neuen Heizung oder das Verlegen einer Elektroanlage sollte Anlass für eine Asbestprüfung sein.

Finden sich Anhaltspunkte für eine Asbestbelastung, wird der Experte Proben nehmen und diese auswerten lassen. "Am Ende hat der Bauherr die Gewissheit, wo sich Asbest und andere Gefahrenstoffe im Haus befinden, und kann das bei der Planung der Arbeiten berücksichtigen."

Das schützt den Hausbesitzer auch vor Schadenersatzforderungen. "Der Bauherr ist verantwortlich für sein Haus", stellt Wohlgemuth klar. "Er muss die beauftragten Firmen informieren, dass Asbest verbaut wurde, und möglichst auch, wo."

Tödlicher Leichtsinn für Heimwerker

Rolf Packroff von der BAuA ergänzt: "Grundsätzlich müssen Asbestprodukte von Fachfirmen entfernt werden, für Heimwerker ist das verboten." Denn für diese Arbeiten gelten strenge Schutzmaßnahmen entsprechend der Gefahrstoffverordnung und der Technischen Regel TRGS 519. "Nur Firmen, die über staatlich geprüfte sachkundige Mitarbeiter verfügen, dürfen solche Asbestarbeiten ausführen."

Ebenfalls in den meisten Fällen für Privatleute verboten ist das Entfernen von Asbestzement. "Es ist tödlicher Leichtsinn, wenn Bauherren, um Geld zu sparen, selbst Bauteile aus ihrem Haus ausbauen", sagt Mußdorf.

Denn ist Asbest enthalten, werden beim Sägen, Bohren, Schleifen, aber auch beim einfachen Zerschlagen von Teilen viele Fasern freigesetzt. Und der Asbest versteckt sich eben oft dort, wo viele ihn nicht vermuten. Wer zum Beispiel alte Fußbodenplatten herausreißt, riskiert eine Asbestbelastung der Räume, weil sie brechen oder Reste zurückbleiben könnten. "Oder auch nur das Absägen einer Fensterbank kann die ganze Wohnung kontaminieren."

Deswegen gelten für Asbestarbeiten strengste Vorsichtsmaßnahmen. Werden Spritzasbest, Brandschutzpappen und andere besonders asbesthaltige Produkte entfernt, muss der gesamte Sanierungsbereich vollständig abgeschottet und unter Unterdruck gehalten werden.

Personen dürfen nur durch Schleusen hinein- und hinausgehen, müssen nach der Arbeit duschen und sich vollständig umkleiden. "In diesem sogenannten Schwarzbereich sind Atemschutzgeräte und Vollschutzanzüge Pflicht", sagt Packroff.

Bei Asbestzement ist zwar kein Schwarzbereich erforderlich, wohl aber sind Atemschutz und Staubschutzoveralls vorgeschrieben. "In Altbauten sollte grundsätzlich auf staubfreies Arbeiten geachtet werden, sowohl von Handwerkern als auch von Heimwerkern", sagt Packroff.

Nicht nur wegen des Asbests, sondern auch wegen anderer möglicher Schadstoffe. "Als Faustregel gilt: Möglichst feucht arbeiten, Atemschutz benutzen und den Staub gut absaugen."

(Die Welt, 21.12.15, Katja Fischer)

 

 

Gefährliche Abgase

Kinder an Autobahnen bekommen eher Krebs

Das Risiko an Leukämie zu erkranken, ist für Kinder, die direkt an Autobahnen wohnen, deutlich höher als bei jenen, die weiter entfernt davon zu Hause sind.

Jährlich erkranken in der Schweiz 200 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an Krebs. Damit ist die Krankheit nach Unfällen die wichtigste Todesursache in der Altersgruppe. Als Ursachen werden neben der genetischen Veranlagung auch Umwelteinflüsse angenommen. Besonders Autoabgase stehen im Verdacht, da sie Benzol und andere bekannte krebserregende Stoffe enthalten.

Eine Studie von Berner Forschern hat diesen Zusammenhang nun erhärtet, wie sie im «European Journal of Epidemiology» schreiben. Das Team um Ben Spycher und Claudia Kuehni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM) untersuchte für den Zeitraum von 1985 bis 2008 die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern, die weniger als 100 Meter, 100 bis 250 Meter, 250 bis 500 Meter und über 500 Meter von der nächsten Autobahn oder -strasse entfernt wohnen.

Zwei Methoden, ein Ergebnis
Dabei stützten sich die Forscher auf Daten des Schweizer Kinderkrebsregisters (SKKR) und der Schweizerischen National Kohorte (SNC), die alle in den Volkszählungen 1990 und 2000 erfassten Kinder einschliesst, insgesamt über 2 Millionen. Aufgrund dieser Daten verglichen die Forschenden anhand von zwei Untersuchungsmethoden die Leukämiehäufigkeit in den verschiedenen Distanzkategorien.

Bei der ersten Methode wurden nur Fälle gezählt, die man zum Zeitpunkt der beiden Volkszählungen erfasst hatte, bei der zweiten, etwas weniger präzisen Methode orientierten sich die Wissenschaftler an einem grösseren Zeitraum. Die erste Methode ergab insgesamt 1783, die zweite Methode insgesamt 4263 Krebsfälle.

Erhöhtes Risiko

Beide Methoden zeigten sehr ähnliche Resultate: Für Leukämien wurde bei Kindern in der Distanzkategorie unter 100 Meter ein um 47 Prozent (erste Methode), beziehungsweise 57 Prozent (zweite Methode) erhöhtes Risiko gefunden im Vergleich zu Kindern, die mehr als einen halben Kilometer zur nächsten Autobahn oder Autostrasse wohnten.

«Zwar erkrankten in dieser Distanzkategorie im Beobachtungszeitraum ‹nur› 30 Kinder an Leukämien», sagte Claudia Kuehni in einer Mitteilung der Universität Bern. «Bezogen auf Personenjahre entspricht dies jedoch einer Leukämierate von 7,2 Fällen pro 100'000 Personenjahren im Vergleich zu 4,5 Fällen pro 100'000 Personenjahren bei Kindern, die weiter als 500 Meter von einer Autobahn oder Autostrasse entfernt lebten.» Dieser Unterschied sei trotz der tiefen Fallzahlen statistisch signifikant.

Bei Kleinkindern relevant

Untersucht wurden Kinder und Jugendliche von 0 bis und mit 15 Jahren. Die Risikoerhöhung konnte jedoch nur in der Altersklasse von 0 bis 4 Jahren festgestellt. Bei den Älteren gab es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Distanzkategorien, wie Ben Spycher auf Anfrage sagte.

Für andere Krebsarten, etwa Hirntumore und Lymphome, fanden die Forscher keine klaren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Dass lediglich bei Leukämien ein erhöhtes Risiko gefunden wurde, deuten die Forscher als Indiz, dass Benzol eine mögliche Ursache darstellt. So ist bekannt, dass eine hohe Benzolbelastung am Arbeitsplatz bei Erwachsenen Leukämien auslösen kann.

(20min.ch, 3.11.5, jcg)

 

 

Giftskandal

Polizisten nach Schießtraining an Krebs erkrankt

Polizisten, die an Krebs erkranken, weil sie beim Schieß-Training giftigen Dämpfen ausgesetzt sind. Und eine Behördenspitze, die die Gefahren kennt und ein Gutachten darüber unter Verschluss hält. Kein TV-Krimi, sondern bittere Realität bei der Berliner Polizei. Mit mindestens zehn an Krebs erkrankten Einsatzkräften. Und möglicherweise sogar zwei Todesfällen.

Jahrelang trainierten Polizisten, darunter auch die Spezialeinheiten SEK und MEK, in der ursprünglich militärisch genutzten Schießanlage an der Bernauer Straße. „Die Bahnen hier waren für 50 Meter Distanzschießen ausgelegt“, sagt Michael Böhl vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Und weiter: „Dementsprechend waren die Absauganlagen für die beim Schießen entstehenden und hochgiftigen Pulverdämpfe über der 50-Meter-Markierung angebracht.“ Doch die Polizisten schossen aus den üblichen 25 Meter Entfernung – und atmeten die somit kaum abgesaugten Dämpfe jahrelang ein. In gesundheitsschädlicher, möglicherweise sogar tödlicher Konzentration. Böhl: „Von rund 100 Polizisten, die regelmäßig dort trainierten, sind zehn Personen an Krebs erkrankt. Mindestens zwei davon sind gestorben.“

Zwar wurde die betroffene Halle 7 auf dem Areal wegen anderer Mängel 2013 geschlossen. Doch wie jetzt bekannt wurde, existiert bereits seit 2010 ein TÜV-Bericht, in dem unter anderem steht: „Diese Einrichtung ist nicht für Schüsse aus 25 Metern ausgelegt. Es ist erforderlich, die gesamte Lüftungstechnik anzupassen.“ Unklar ist bislang, wer in der Behördenspitze diesen TÜV-Bericht kannte. Und warum dennoch nicht gehandelt wurde. Fakt ist: Noch 2011 teilte die Senatsinnenverwaltung, damals unter Leitung von Dr. Ehrhart Körting (SPD), mit: „Bei Einhaltung der vorgegebenen Bedingungen besteht keine Gesundheitsgefährdung.“ Frank Henkel (CDU), der aktuelle Innensenator, sagt jetzt: „Falls es damals tatsächlich solche gravierenden Versäumnisse gegeben hat, muss das dringend aufgeklärt werden. Polizeipräsident Kandt wird unverzüglich eine Untersuchung einleiten. Wir werden das Ergebnis abwarten und uns weitere Schritte vorbehalten.“

Der Personalrat der Berliner Polizei will nicht erst auf eine langwierige Untersuchung warten. Und erstattete noch gestern Strafanzeige gegen unbekannt.

(Berliner Kurier, 16.10.15, P. Debionne)

 

Krebs-Gift in Möbeln des Museums nachgewiesen

Kunstsammlungen brauchen dringend neue Grafikschränke

(Chemnitz) Die Mitarbeiter der Kunstsammlungen am Theaterplatz waren offenbar über Jahre hinweg giftigen Gasen ausgesetzt. Die Einbauschränke im Grafikkabinett des Museums, die 1957 installiert worden waren, dünsten demnach krebserregendes Formaldehyd aus. Im Körper einer Mitarbeiterin seien Abbauprodukte der chemischen Verbindung nachgewiesen worden, teilte die Stadtverwaltung in einer Information an die Stadträte mit. Die Verantwortlichen sehen daher dringenden Handlungsbedarf und wollen sämtliche belastete Möbel demontieren und durch neue ersetzen lassen.

Das wird kein leichtes Unterfangen: Die 1923 gegründete Sammlung verfügt über einen Gesamtbestand von etwa 8000 Zeichnungen und 20.000 druckgrafischen Blättern. Sämtliche Arbeiten - unter anderem von Edvard Munch, Karl Schmidt-Rottluff und Lyonel Feininger - müssen ausgeräumt, gesichert und anschließend zwischengelagert werden. Dabei dürfen die belasteten Räume derzeit nur stundenweise betreten werden - bei ausreichender Lüftung.

Formaldehyd wird auch heute noch bei der Herstellung von Lacken, Farben und Klebern benutzt - wenn auch in geringerer Konzentration als noch vor Jahren. Am häufigsten anzutreffen ist es in Holzspanplatten, denn sie bestehen zu 50 Prozent aus Kleber, ein Viertel davon ist Formaldehyd.

(Freie Presse/Chemnitz, 2.10.15, su)

 

 

Ungewöhnlich hoher Anstieg der Krebs-Neuerkrankungen in Achim

In der niedersächsischen Stadt Achim (Landkreis Verden) hat die Auswertung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Krebs-Neuerkrankungen festgestellt. In Achim seien „statistisch auffällig viele neu diagnostizierte Mesotheliom-Erkrankungen“ aufgetreten, berichtet der Landkreis Verden.

Das niedersachsenweite Monitoring des EKN hat auf regionaler Ebene das Auftreten der Krebserkrankungen analysiert und dabei eine ungewöhnliche Erhöhung von Krebsfällen in der Stadt Achim festgestellt. „Der Landkreis Verden wurde vom Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen über diese Auffälligkeit informiert“, berichtet der Landrat Peter Bohlmann (SPD). Nun sei eine umgehende Aufklärung der Befunde erforderlich, um Gewissheit bezüglich der Ursachen zu erhalten.

Deutliche Erhöhung der Krebserkrankungen bei Männern

In den Jahren 2008 bis 2012 wurden beim EKN vierzehn Fälle von Mesotheliom-Erkrankungen registriert, während auf der Basis der durchschnittlichen niedersächsischen Erkrankungszahlen lediglich vier Neuerkrankungen zu erwarten waren, berichte der Landkreis Verden. Die Erhöhung habe sich auch im Jahr 2013 fortgesetzt (sechs Fälle beobachtet, 0,8 statistisch zu erwarten). Die vertiefenden Analysen hätten gezeigt, dass die Erhöhung bei Männern, nicht jedoch bei Frauen vorliege. Sämtliche erkrankten Männer seien zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre gewesen, wobei dies im Vergleich zu der Altersverteilung der Mesotheliom-Erkrankungen bei Männern in ganz Niedersachsen keine Besonderheit sei. Auch hier würden 90 Prozent der Fälle im Alter über 60 Jahren auftreten.

Asbestbelastung Ursache der vermehrten Krebserkrankungen?

Mesotheliome gehören laut Angaben des Landkreises Verden „zu den eher seltenen Krebserkrankungen.“ Die bösartigen Bindegewebstumore, bei denen in der Regel das Rippenfell betroffen ist, würden oftmals durch einem Schadstoffkontakt mit Asbest ausgelöst, der vielfach beruflich bedingt sei. „Da Mesotheliom-Erkrankungen meistens durch Asbestbelastungen am Arbeitsplatz verursacht werden“, konzentrieren sich die aktuellen Nachforschungen zu den Ursachen der erhöhten Erkrankungszahlen in erster Linie auf berufliche Zusammenhänge der Betroffenen, berichtet der Leiter des Verdener Gesundheitsamtes, Dr. Bernhard Krüger. Angesichts der langen Latenzzeit dieser Erkrankung sei davon auszugehen, dass die auslösenden Belastungen mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Nun müsse zweifelsfrei geklärt werden, ob es sich um zurückliegende Belastungen aus der Arbeitswelt handele, ergänzt Landrat Peter Bohlmann.

Monitoring der Krebserkrankungen durch das EKN

Insgesamt erkranken in Niedersachsen laut offiziellen Angaben jährlich rund 48.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor und fast 22.000 Menschen versterben an einer Krebserkrankung. Die gemeldeten Erkrankungen und Todesfälle werden durch das EKN ausgewertet, um die gewonnen Daten für die Ursachenforschung, Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsplanung bereitzustellen. Das neu eingeführte Monitoring auf Gemeindeebene ermöglicht dabei einen interkommunalen Vergleich, der statistisch auffällige Krebshäufungen – wie in der Stadt Achim – leicht erkennbar macht. Allerdings ist dies nur der erste Schritt. Viel entscheidender ist, dass anschließend die Ursachen ermittelt und gegebenenfalls behoben werden.

(Heilpraxisnet, 10.7.15, fp)

 

 

Woher kommt der Krebs?

Untersuchungsergebnis liegt noch nicht vor

BOTHEL. Das Ergebnis der Ursachenforschung zu den gehäuften Krebserkrankungen in der Samtgemeinde Bothel lässt weiter auf sich warten.

Das teilte jetzt Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle nach einem Gespräch mit dem Rotenburger Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Stümpel mit: „Der hat gesagt, dass sich das verschiebt, weil viele seiner Mitarbeiter wegen der Flüchtlinge eingespannt sind. Ich habe ihm geantwortet, dass die Begründung verständlich sei, wir aber nicht länger warten können.“

Wann mit einem Ergebnis der Untersuchungen zu rechnen ist, ist nicht bekannt.

(Neue Presse, 23.12.15, SV)

 

 

Krebs in Bothel: Ärzte fordern mehr Kontrollen

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse einer sogenannten Krebsbefragung in Bothel im Landkreis Rotenburg haben sich nun die Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges in der Angelegenheit zu Wort gemeldet. Vertreter der Regionalgruppe Rotenburg fordern eine unabhängige Studie mit Schadstoffmessungen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren in dem Fall. Das Augenmerk solle dabei auf den "möglicherweise für ursächlich gehaltenen Stoffen" liegen, hieß es in einer Mitteilung.

(NDR, 11.5.17)

Erhöhen Bohrschlammgruben das Krebsrisiko?

In Bothel erkranken überdurchschnittlich viele Männer an Blutkrebs. Laut einer Untersuchung könnte das mit der Nähe zu Bohrschlammgruben und Erdgasförderstellen zu tun haben. Video (01:24 min)

Kontrollen "nicht von der Erdgasindustrie"

Darüber hinaus fordern die insgesamt zehn Ärzte, dass die Kontrollen der Gas- und Erdölindustrie so umfassend wie möglich ausgeschöpft werden müssten. Diese Kontrollen dürften nicht von der Erdgasindustrie und ihren Verbänden vorgenommen werden, so die Mediziner weiter. Unabhängige Stellen sollten dies übernehmen. Die Bohrschlammgruben, die im Verdacht stehen, für die erhöhten Zahlen von Krebserkrankungen in der Region, müssten zeitnah saniert werden - die Kosten hätten die Verursacher zu übernehmen. Bis die Ergebnisse der geforderten Prüfungen vorliegen, sollten alle Frackingvorhaben eingestellt werden, heißt es in der Erklärung weiter.

Fragebogen im November 2014

Der Landkreis hatte im November 2014 alle 6.978 Einwohner von Bothel mit einem Fragebogen angeschrieben und zu eigenen Krebserkrankungen beziehungsweise Erkrankungen von Angehörigen befragt. Dabei wurden bei den Männern 37 Fälle von hämatologischen Krebserkrankungen mit Hilfe des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes näher analysiert. Die räumliche Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben habe bei diesen Fällen einen Anhaltspunkt für einen möglichen Zusammenhang gegeben, hieß es. Acht der Männer waren zudem lange in der holzverarbeitenden Industrie tätig.

(NDR, 28.4.17)

 

 

Krebs nach Fracking-Bohrungen?

Ärzte unterstützen "Krebsdorf"-Bewohner

Eine statistisch erhöhte Zahl an Krebsneuerkrankungen treibt die Bewohner im Landkreis Rotenburg um. Sie vermuten einen Zusammenhang mit Fracking-Bohrungen in der Nähe. Ärzte fordern eine unabhängige Untersuchung.

ROTENBURG. Im niedersächsischen Rotenburg haben mehr als 200 Ärzte einen gemeinsamen Brandbrief an die Gesundheitsministerin des Landes, Cornelia Rundt (SPD) geschickt. Hintergrund sind die "statistisch unerwartete Häufung von hämatologischen Krebsneuerkrankungen" in der nahegelegenen Gemeinde Bothel und dem Ort Rotenburg, wie es in dem Schreiben heißt.

Die Ärzte fordern darin Geld für eine Industrie-unabhängige Ursachenforschung, wie einer der Ärzte, der Umweltmediziner Dr. Matthias Bantz, der "Ärzte Zeitung" sagt. Das war im September 2015. Vergangene Woche ist die Ministerin nach Rotenburg gekommen.

41 statt 21 Neuerkrankungen

"Die Patienten sind irritiert und beunruhigt", sagt Bantz. Deshalb haben 80 Prozent der niedergelassenen Ärzte und 75 Prozent der Klinikärzte des Ortes unterschrieben. Kein Wunder. Denn nach Zahlen des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen sind in den Jahren 2003 bis 2012 41 Männer in der Gemeinde Bothel an Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs erkrankt.

Statistisch zu erwarten gewesen wären 21 Neuerkrankungen, geht aus dem Register hervor. In Rothenburg liegt die Steigerung bei 30 Prozent bei Männern über 60 Jahren.

Ob Rückstände aus der Erdgasförderung oder Fracking-Bohrlöcher für die Erkrankungen ursächlich sind, sei derzeit unklar, sagte Ministeriumssprecher Uwe Hildebrandt der "Ärzte Zeitung". Diese Position wiederholte Rundt auf dem Treffen in Rotenburg. Inzwischen habe der Landkreis in Bothel 8000 Fragebögen an die Haushalte verteilt, weil das Krebsregister für die fraglichen Jahre nur anonymisierte Daten vorhält. Der Rücklauf betrug 5000 Bögen.

Kein Fracking bei Trinkwasser-Förderung

"Die Auswertung läuft, sagt Hildebrandt. Und dass es keinen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Bohrungen und den Erkrankungen gebe. Man könne ihn weder konstatieren noch ausschließen. Diesen Standpunkt vertrat Rundt auch bei ihrem Besuch in Rothenburg.

Bantz allerdings findet einen Zusammenhang zwischen den Bohrungen und den Erkrankungen plausibel. "Leukämie und Lymphdrüsenkrebs sprechen jedenfalls sehr auf Benzole an, die bei den Bohrungen frei werden können". Die Ärzte forderten deshalb bei dem Treffen mit der Ministerin, dass sofort gehandelt wird. "Wir fordern, dass nach dem Vorsorgeprinzip vorgegangen wird", sagt Bantz. "Bis die Unschädlichkeit bewiesen ist, müssen die Förderungen aus dem Verkehr gezogen werden."

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber wäre schon froh, wenn keine zusätzlichen Anlagen gebaut und die bestehenden genau beobachtet würden. "Wir wollen kein Fracking, wo Trinkwasser gefördert wird", sagte Weber der "Ärzte Zeitung". Indessen sei die Rotenburger Rinne, eine Trinkwasser führende Schicht, schon mehrfach durchbohrt worden. "Auch Bremen fördert daraus Trinkwasser."

(Ärzte Zeitung, 23.02.2016, Christian Beneker)

 

 

 

Krebserregende Stoffe

Fische stark mit Medikamenten belastet

Bei Untersuchungen von Fischen haben Prüfer Rückstände des Arzneimittels Malachitgrün nachgewiesen. Das Mittel steht im Verdacht, Krebs zu erregen, und ist bei Speisefischen nicht zugelassen. Auch Abbauprodukte verschiedener Antibiotika wurden gefunden.

Der Bundesregierung liegen einem "Spiegel"-Bericht zufolge alarmierende Zahlen über antimikrobielle Medikamente in Fisch- und Krustentierprodukten aus Zuchtbetrieben vor. Bei Untersuchungen im Rahmen des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel meldeten die Prüfer des Bundes in 183 Fällen Nachweise von pharmakologisch wirksamen Stoffen, wie das Magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet.

Lachs und Forellen betroffen

Überwiegend handelte es sich demnach um Rückstände der Fisch-Arznei Malachitgrün, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen und Erbgut zu schädigen. Das Antiparasitikum Malachitgrün darf bei Speisefischen nicht als Arzneimittel angewendet werden.

Zudem seien Abbauprodukten verschiedener Antibiotika und Antiseptika nachgewiesen worden. Bei Krustentieren meldete Deutschland dem Bericht zufolge 306 Mal den Fund solcher Abbauprodukte. Die Daten stammten aus Untersuchungen von Lachs, Forellen oder Shrimps aus Aquakulturen im Zeitraum von 2005 bis Ende März dieses Jahres.

Illegale Medikamente ins Futter gemischt?

Bei sechs Prozent aller Stichproben fanden die Kontrolleure demnach Arzneimittel. Aus welchen Betrieben die belasteten Proben im Einzelnen stammten, könne das Bundeslandwirtschaftsministerium nicht sagen, berichtete das Magazin.

Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer sind die Ergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass in der Fischzucht Medikamente - im Falle von Malachitgrün sogar illegal - ins Futter gemischt werden. "Dieser Masseneinsatz von Arzneien sorgt für Resistenzen und gefährdet die Gesundheit von Menschen", sagte Krischer dem "Spiegel".

(focus.online, 3.5.15, dpa)

 
 

Studie weist Zusammenhang zwischen "Roundup" und Krebs nach

Forscher des Indian Institute of Toxicology Research haben vor kurzem das krebserregende Potenzial des Unkrautbekämpfungsmittels Roundup (Glyphosat) bestätigt, in dem sie menschliche Hautzellen (HaCaT ) einer extrem niedrigen Konzentration dieses marktführenden Herbizids aussetzten.
Die Forscher hatten bereits vorher von der Tumor-fördernden Wirkung von Glyphosat berichtet. In einem zweiphasigen karzinogenen Modell von Mäusehaut durch Unterbrechung der Proteine, die die Calciumregulierung signalisieren (Ca2+) und zu oxidativem Stress (SOD1) führen, wurde das deutlich. Man war aber im Rahmen dieser Untersuchung nicht in der Lage, die exakten molekularen Mechanismen dahinter zu erklären, also zu belegen, wie Glyphosat zur Tumorförderung beiträgt.
Die neue Studie, die in „ISRN Dermatology” veröffentlicht wurde, zielte darauf ab, den exakten Modus kanzerogener Aktivitäten zu klären. Dabei fanden sie den möglichen Mechanismus, der dazu führt, dass Glyphosat krebserregende Eigenschaften besitzt, nämlich durch das Herunterregulieren der mitochondrialen, selbstzerstörenden Signalpfade sowie durch die Störung verschiedener Zellsignale und regulierender Komponenten.
Zellanreichernde Wirkungen erfolgten mit Konzentrationen niedriger als .1 mM bis zu 0.01 mM – vier Größenordnungen geringer als die Konzentrationen, die man normalerweise in landwirtschaftlichen GV-Anwendungen findet (z.B. 50 mM).
Die Tatsache, dass niedrigere Konzentrationen höhere Wirkung bei der Anreicherung zeigten als höhere (die das Zellwachstum unterdrücken) indiziert, dass Roundup ein potentieller endokriner Störfaktor ist und macht weiter deutlich, warum konventionelle toxische Risikobewertungen nicht adäquat sind. Sie berücksichtigen nämlich nicht, dass bei abnehmender Konzentration bestimmte toxische Wirkungen – z.B. endokrine Störungen – tatsächlich ansteigen.
Die Forscher verwendeten Roundup Original (Glyphosat 41 %, Polyethoxethyleneamine (POEA) ≅15 % von Monsanto, St. Louis, MO, USA) und stellten folgende Veränderungen an den menschlichen Hautzellen, nachdem diese der chemischen Mischung ausgesetzt waren, fest:
    - signifikanter Anstieg der Zellvermehrung
    – Anstieg der oxidativen Belastung – wie die Messung der ROS-Levels ergab
    – Zellzyklus-Disregulierung, gekennzeichnet durch eine Akkumulation von Zellen in der S-Phase (Anzeichen für Krebs)
    – Zunahme an Zellkern-Antigenen (PCNA), ein Marker für zunehmende Zellvermehrung
    – Zunahme an Bromodeoxyuridin (BrdU), ein Marker für zunehmende Zellvermehrung
    – Sinkende Werte im Bereich des Proteins IP3R1, ein Widerstandsindikator für Zelltod
    – Anstieg des Bcl-2 Proteins, ein tumorförderndes Genprodukt
    – Abnahme bei Bax-Proteinen, ein tumor-unterdrückendes Genprodukt
    – Caspase-Unterdrückung (wird verbunden mit der Verhinderung von Zelltod)
    – Veränderungen in der Expression der Ca2+ verbindenden Proteinfamilie (S100 Familie) S100A6/S100A9, die mit zahlreichen Krebsarten in Verbindung gebracht wird. Z.B. Lungenkrebs, Darmkrebs und Melanomen
Die Forscher fassten ihre Ergebnisse wie folgt zusammen:
In der Studie wurde gezeigt, dass Glyphosat möglicherweise Zellwachstum bei HaCaT Zellen hervorrufen kann. …. Die Studie bietet zum ersten Mal Einblicke in die Mechanismen glyphosat-induzierter neoplastischer Potentiale im Hautsystem von Säugern.

[i] Jasmine George, Sahdeo Prasad, Zafar Mahmood, Yogeshwer Shukla. Studies on glyphosate-induced carcinogenicity in mouse skin: a proteomic approach. J Proteomics. 2010 Mar 10;73(5):951-64. Epub 2010 Jan 4. PMID: 20045496
[ii] Jasmine George, Yogeshwer Shukla. Emptying of Intracellular Calcium Pool and Oxidative Stress Imbalance Are Associated with the Glyphosate-Induced Proliferation in Human Skin Keratinocytes HaCaT Cells.

(netzfrauen.org, 24.2.15)

 

 

WHO: “Mate produziert Krebs”

Mate-Tee wird aus Blättern der Yerba-Pflanze gemacht, die hauptsächlich entlang der Flüsse Paraná und Paraguay angebaut wird. Die Temperatur bei der Mate-Tee getrunken wird, ist möglicherweise ausschlaggebend für das Entstehen mehrerer Krebsarten.

Die Nachricht ist nicht ganz neu, stufte die Internationale Agentur für Krebs-Forschung (IARC) heißen Mate-Tee bereits 1991 in die Risikoklasse 2A ein, was für Lebensmittel und Produkte steht, die möglicherweise Krebs beim Menschen verursachen.

Das Thema kam im Zusammenhang mit der intensiven Diskussion um die Einstufung von Glyphosat als wahrscheinlich Krebserregend durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einigen Wochen auf. Hersteller von Herbiziden, die diesen Stoff enthalten, sind alles andere als glücklich über die Veröffentlichung der WHO und verwiesen auf die Klassifizierung aus dem Jahr 1991 unter dem Motto “genau so giftig wie Mate-Tee”.

Die IARC spezifizierte seinerzeit nicht die Gründe für die Entstehung von Krebs durch Mate, sondern verwies auf eine Reihe von Untersuchungen, die alle ein erhöhtes Krankheitsrisiko bei heißem Konsum des Tees feststellten. Drei Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mate und Speiseröhrenkrebs auf. Ein Studie aus Uruguay kommt zu dem Schluss, Mate-Trinker hätten ein zehnfach höheres Krebsrisiko als Mate-Abstinenzler.

Ganz generell beschreiben alle Studien ein höheres Auftreten von Krebsarten im Bereich Margen-Darm bei Mate-Konsumenten. Der Verdacht zielt klar auf die Trinktemperatur, allerdings kann dafür keine Studie Belege liefern.

Das Nationale Institut für Yerba Mate (INYM) in Argentinien wies diese Warnungen allerdings zurück. Gerónimo Lagier, Sprecher der Organisation erklärte gegenüber dem britischen Sender BBC, er habe keine Beweise gesehen, dass es in Argentinien oder Uruguay mehr Fälle von Speiseröhrenkrebs gäbe als anderswo in der Welt.

Lagier entkräftigte, Mate werde nicht mit kochendem Wasser zubereitet, sondern nur bei einer Temperatur von 80 Grad Celsius. Das sei sehr gesund, der Tee enthalte viele Vitamine und Minerale und sei ein “Reaktivator des zentralen Nervensystems”.

Argentinien ist der größte Produzent von Mate auf der Welt und Mate gilt als beliebtestes Getränk im Nachbarland, in 2013 wurde Mate gesetzlich zum Nationalgetränk (infusión nacional) ernannt. Laut INYM trinken die Uruguayer allerdings im Durchschnitt pro Kopf die doppelte Menge wie die Argentinier. Auch in Paraguay, Brasilien, Bolivien und Chile wird Mate gerrn getrunken. Ebenfalls im Libanon und in Syrien gilt das Getränk als “in”, Syrien ist der größte Mate-Importeur auf der Welt.

(Das Wochenblatt/Asuncion?, Quelle: Última Hora, 24.5.15, Stefan Undorf)

 

 

Monsanto zittert um Milliardengeschäft

Kolumbien geht neue Wege in der Drogenbekämpfung. Das Land will die illegalen Coca-Pflanzen nicht mehr mit Glyphosat besprühen – und damit vernichten – weil das Herbizid möglicherweise Krebs erregt. Bedingte Freude darüber dürfte der US-Konzern Monsanto verspüren. Ihm drohen Milliardeneinbussen.

Kolumbien vollzieht eine Wende in der Drogenbekämpfung: Es stellt

die Besprühung von illegalen Coca-Pflanzungen mit dem Herbizid Glyphosat ein – man kennt es unter dem Handelsnamen «Roundup Ready».

Ende März hatte die Weltgesundheitsorganisation das Herbizid als möglicherweise krebserregend eingestuft. Jetzt bangt der Hersteller des Pflanzengifts, der US-Konzern Monsanto, um ein Milliardengeschäft. Denn «Roundup ready» wird auch in der Landwirtschaft eingesetzt.

Spätestens ab Oktober ist in Kolumbien Schluss mit dem Einnebeln von illegalen Coca-Pflanzungen. Bis dahin sollen Alternativen zum Gift Glyphosat entwickelt sein. Das Gift wirkt ähnlich wie das von den Amerikanern einst im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange. Es lässt die Pflanzen verdorren.

Menschen klagen über Hautausschläge, Miss- und Fehlgeburten

Der Verdacht, dass «Roundup Ready» nicht unbedenklich ist, wie dies sein US-amerikanischer Hersteller Monsanto behauptet, äussern die Menschen in den Gebieten Kolumbiens mit illegalen Coca-Feldern schon lange. Von Hautausschlägen, Miss- und Fehlgeburten ist die Rede.

Noch erschreckender sind die Klagen aus den Dörfern Südamerikas, um die herum genveränderter Mais und Soja angebaut und aus der Luft mit Glyphosat behandelt wird. Die Pflanzen selbst sind resistent gegen das Gift, das ist der Dreh an dieser Art Landwirtschaft.

Die Häufigkeit, mit der Krebs auftritt oder Kleinkinder mit Geschwüren am Rücken oder Hirnschäden zur Welt kommen, ist überdurchschnittlich hoch. Die Vermutung, der Wind trage das Spritzgift in die Dörfer herüber, ist zumindest nicht abwegig.

«Der Königsweg der modernen Landwirtschaft»

Jüngst hat die Weltgesundheitsorganisation nachgezogen und festgestellt, es gebe Anzeichen dafür, dass Glyphosat Krebs auslöse. Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.

Bis auf Kolumbien beharren in Südamerika Regierungen und die Landwirtschaftslobby immer noch darauf, «Roundup Ready» und genveränderter Mais oder Soja seien der Königsweg der modernen Landwirtschaft.

Widerstand gegen Glyphosat-Verbot

Gegen das Verbot des Herbizides gibt es in Kolumbien aber Widerstand: vom amerikanischen Botschafter bis hin zur Armee – die vor einer Kokain-Schwemme warnt. Die Debatte über die Gefährlichkeit des Glyphosats dürfte schnell auch Argentinien und Brasilien erfassen – Länder, die im grossen Stil genveränderten Mais und Soja anbauen.

Zuletzt müssen sich auch die Konsumenten weit weg von den Plantagen ihre Gedanken machen. Zumal genveränderter Mais und Soja aus Südamerika auch in Europa stark eingesetzt wird, als Kraftfutter in der Tiermast. Es ist also nachvollziehbar, dass Monsanto um ein Milliardengeschäft zu zittern beginnt.

(SRF/Schweizer Radio und Fernsehen, 16.5.15, Ulrich Achermann)

 

 

Krebs-Chemikalie in NRW-Flüssen

Giftiges PCB der RAG im Flusswasser - Keine Entwarnung sagen Umweltorganisationen

Die Belastung von Flüssen in NRW mit der krebserregenden Chemikalie PCB aus Bergwerken war in der Vergangenheit weitaus höher, als der Kohlekonzern RAG öffentlich einräumen will. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“, wurden PCB aus Hydraulikölen der Bergwerke bei Sonderuntersuchungen der Wasserämter an zahlreichen Stellen gefunden, an denen die RAG ihre Grubenwässer in Flüsse einleitet. Besonders betroffen waren Flüsse wie die Emscher und die Ruhr. Bei beiden Flüssen war die Gesamtbelastungen mit PCB teilweise so hoch, dass die EU-Qualitätsziele für Gewässer verfehlt wurden.

Gefahren für Mensch und Tier

Die Situation in einigen kleineren Bächen und Zuläufen war teilweise so dramatisch, dass Ordnungsbehörden eingreifen mussten, um die Gesundheit von Mensch und Tier zu schützen, schreibt der „Spiegel“ unter Berufung auf Messprotokolle und Analysen. Mancherorts waren die Belastungen in dem Jahr 2004 bis zu 80-mal höher als der zulässige Grenzwert. Auf Anordnung der Behörden musste die RAG damals die Giftquellen aufspüren und kontaminiertes Grubenwasser in alte Schächte umleiten.

Keine Entwarnung

Die RAG und ihre Aufsichtsbehörde verweisen darauf, dass die PCB-Konzentrationen in den vergangenen Jahren in den Flüssen zurückgegangen seien. Umweltexperten erklären das mit dem Fakt, dass das krebserregende Gift unter Tage durch die neue Wasserhaltung mit Millionen Kubikmetern Wasser verdünnt wird. Die Gesamtmenge ausgespülter Gifte könnte, so befürchten laut „Spiegel“ Umweltorganisationen, durch das steigende Grubenwasser sogar noch ansteigen.

(Wallstreet online, 9.2.15)

 

 

Baden-Württemberg

Neue Maßnahmen gegen Feinstaub?

Nachdem die EU das Land Baden-Württemberg wegen der hohen Feinstaub-Werte gerügt hatte, prüft die Landesregierung nun neue Maßnahmen gegen Feinstaub.

Stuttgart - Der Kampf gegen Feinstaub bleibt eine große Aufgabe für die Politik - vor allem in Stuttgart soll er nach einem Rüffel aus Brüssel verschärft werden. Die EU-Kommission hatte im November zu hohe Werte des Schadstoffs in der baden-württembergischen Landeshauptstadt gerügt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Als Reaktion darauf bereitet das Land gerade eine Stellungnahme an den Bund vor, wie ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Mit ihr solle die EU überzeugt werden, dass Land, Kommune und Bund Maßnahmen ergreifen werden, um die Grenzwerte in absehbarer Zeit einzuhalten.

Am Stuttgarter Neckartor wurde der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bis zum 25. November an 61 Tagen überschritten - die EU erlaubt aber nur 35 Grenzüberschreitungen im Jahr. Das teilte das Verkehrsministerium auf Anfrage mit. Eine bis Ende Dezember laufende - also vollständige - Jahresbilanz lag zunächst nicht vor.

Die EU verpflichtet ihre Mitglieder schon seit 2005, hohe Feinstaubwerte einzudämmen. Denn die winzigen Teilchen werden eingeatmet und können Krankheiten wie Asthma oder Krebs auslösen. Feinstaub entsteht beim Verbrennen vor allem in Fabriken, beim Heizen und im Verkehr. Um ihn zu reduzieren, wurden in Deutschland unter anderem Dieselrußfilter und Umweltzonen in Großstädten eingeführt.

Verkehrsstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) sagte, in Stuttgart und Reutlingen werde noch einmal systematisch geprüft, mit welchen Maßnahmen die Feinstaubbelastungen eingedämmt werden könnten. Die Umweltzone in Reutlingen wird zum 1. Februar erweitert. In Tübingen wurde sie bereits zum Jahresbeginn ausgedehnt. In Schramberg (Landkreis Rottweil) soll die Umweltzone von „gelb“ voraussichtlich im Februar auf das strengere „grün“ umgestellt werden, das schon in allen anderen baden-württembergischen Umweltzonen gilt.

Zudem ist eine Landesverordnung in Arbeit, die den Einsatz von Baumaschinen in Umweltzonen regeln soll. Die Bauwirtschaft hatte sich bereits gegen die Pläne von Grün-Rot gewandt, eine Pflicht zur Nachrüstung von Baumaschinen mit Rußpartikelfiltern einzuführen.

(Stuttgarter Zeitung, 2.1.15, SIR/dpa)

 

  

Wie schädlich sind Erdgasbohrungen?

Das Dorf der Krebskranken

Im niedersächsischen Söhlingen fürchten die Bewohner, dass Erdgasförderung Krebs verursacht. Der Nachweis ist gar nicht so einfach.

SÖHLINGEN taz | Ein Satz reicht aus, und das Leben von Anja Kremer entgleist. Vor ein paar Wochen sitzt sie bei ihrer Frauenärztin, etwas ist in ihrer linken Brust, etwas Hartes, sie hat es selbst ertastet. Die Ärztin untersucht Anja Kremer mit Ultraschall, und während sie konzentriert auf den Monitor blickt, hält die Ärztin inne und sagt ernst: „Da ist etwas.“ Das war der Satz. Kremer ist 44 Jahre alt, stellvertretende Marktleiterin in einem Supermarkt, ein taffes Arbeitstier, sagt sie über sich und jetzt: Brustkrebs.
Sie wirkt trotzdem unwirklich fröhlich, wie sie das in der Küche ihres Hauses erzählt, das in diesem Fall eine wichtige Rolle spielt: Es steht in Söhlingen, einem Ortsteil der Gemeinde Hemslingen, Landkreis Rotenburg, Niedersachsen. Das Dorf ist umringt von Erdgasförderstellen. Z?1, Z?11 oder Z?5 heißen sie, durchnummeriert verbergen sie sich in der Landschaft, eingezäunte Betonflächen mit Tanks, Rohren, Baracken, Pipelines knapp unter der Erdoberfläche. Niedersachsen ist die Erdgaskammer Deutschlands. Allein im Landkreis Rotenburg befinden sich über 100 dieser Förderstellen. „Wie kann es sein, dass in Söhlingen alles totgeschwiegen wird?“, fragt Kremer.
Sie möchte wissen, ob sie vielleicht wegen der Erdgasförderung Krebs hat. Aus den Förderstelle dringt zu viel Quecksilber, das ist erwiesen, eine liegt nur einige hundert Meter von Kremers Haus entfernt. Wie viel Quecksilber es genau ist, weiß keiner, weil das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie jahrelang mit der Aufsicht des Betreibers Exxon Mobil geschlampt hat. Erst die Messungen von Umweltverbänden vor Ort zeigten die Verschmutzung an.
Alles deutet auf einen Umweltskandal, aber einfach zu belegen ist dieser Zusammenhang nicht.

Das Problem mit der Statistik

In ihrer Küche beginnt Anja Kremer mit einer guten Nachricht. „Die Knochen sind nicht befallen“, berichtet sie, das schwarze Haar bereits auf Schulterlänge gekürzt, weil die Chemotherapie bald beginnt. Kremer will an diesem verregneten Sommertag in Meyers Landgasthof, dort wird die Frage „Quecksilber durch Gasbohren?“ diskutiert, moderiert vom Nordwestradio. Auf der kurzen Autofahrt ziehen Häuser aus roten Klinkersteinen und kleine Höfe vorbei, Weiher und Wälder. Kremer und ihre Freundin Silke Döbel, Initiatorin einer lokalen Bürgerinitiative, können genau aufzählen, welches Familienmitglied in welchen Häusern an welchem Krebs erkrankt ist.
Mittlerweile haben sich Experten des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen der Fälle angenommen. Sie untersuchen auf Antrag des Landrats, ob es im Landkreis Rotenburg zwischen 2003 und 2012 mehr Krebserkrankungen als in vergleichbaren Gebieten gab. In Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs. In einem 1.400-Seelen-Dorf wie Söhlingen müssten statistisch binnen zehn Jahren rund 90 Menschen Krebs bekommen. Wie viele es tatsächlich sind, weiß noch niemand. Die vielen Krebsfälle in Söhlingen, sie könnten also ebenso eine eingebildete Epidemie sein, weil auf einmal alle darüber reden.
In Söhlingen ist eines jedoch definitiv anders: Seit Jahren kommt es zu Zwischenfällen in der Erdgasförderung. Ein Grund ist das sogenannte Lagerstättenwasser. Es dringt mit dem Erdgas Tausende Meter aus dem Untergrund mit nach oben, samt den dort natürlich vorkommenden Stoffen wie Quecksilber oder Benzol, die in zu hohen Konzentrationen Krebs verursachen können. Exxon Mobile presst es wieder in den Untergrund zurück, allerdings nicht an der Stelle, wo es nach oben kam. Meist fließt das Lagerstättenwasser erst kilometerweit durch Pipelines. Bei einer Leitung wurde in Söhlingen erstmals im Jahr 2007 eine zu hohe Konzentration von Umweltgiften gemessen.

Lasche Aufsicht generell

Auf der Suche nach den Ursachen derartiger Fälle zeigt sich vor allem eins: In Deutschland werden Erdöl und Erdgas vor sich hin gefördert. Aufsicht und Kontrollen sind erschreckend schwach. Die Gesetze sind so gestrickt, dass die Umweltbelastung über Jahre hinweg systematisch übersehen werden kann.
Das Bundesamt für Geowissenschaft schreibt jetzt dazu auf taz-Anfrage: „Tragen nicht genehmigungsbedürftige Anlagen zum Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen in relevanter Weise bei, ist zu prüfen, ob die nach dem Stand der Technik gegebenen Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung ausgeschöpft sind.“ Übersetzt heißt das: Erst wenn ein Umweltskandal nachgewiesen ist, wird über Maßnahmen nachgedacht, wie er verhindert werden kann. Es ist die glatte Umkehr des Vorsorgeprinzips.
Doch es geht noch weiter: Das Bergbauamt in Niedersachsen hat jahrzehntelang nicht ein einziges Mal gemessen, ob die Förderstellen die Umwelt mit Schadstoffen belasten. Das gibt das Amt offen zu. Stattdessen verließ sich die Behörde blind auf Exxon Mobil.

Der Konzern schätzte nur

Und was machte der Konzern? Er ließ zwar in den 90er Jahren Aktivkohlefilter einbauen, die Quecksilber aus den Abgasen filtern, wenn Gas abgefackelt wird. Doch andere Schadstoffe entfernt die Anlage nur „als Begleiteffekt“. Auf Nachfrage kristallisiert sich heraus: Auch Exxon misst nicht, was aus den Schornsteinen kommt. Der Konzern schätzt nur, seit Jahrzehnten. Anhand von „Standardfaktoren“.
Auch bei der Frage, ob das kontaminierte Lagerwasser aus den Förderplätzen in die Umwelt gelangt, beschränkte sich Exxon Mobil auf Schätzungen. „Eine regelmäßige Entnahme von Bodenproben findet nicht statt“, schreibt der Konzern auf Anfrage der taz – das änderte sich erst, als Umweltverbände die Belastungen angeprangert haben. Erst dann fing auch das Bergamt an, selbst Proben zu nehmen.
Das Vertrauen von Silke Döbel und Anja Kremer in Exxon Mobil und die Aufsichtsbehörden ist deswegen zerstört. Das wird an dem Abend in Meyers Landgasthof deutlich. Ein Pressesprecher und ein Chemiker von Exxon Mobil sind gekommen, eine grüne Landespolitikerin, der Vorsitzende einer Bürgerinitiative, ein Vertreter des Bergamtes.

„Eine Gesundheitsschädigung ist uns nicht bekannt“

Die Vertreter von Exxon Mobil müssen einiges einstecken. „Sie machen hier Milliardengewinne auf Kosten der Söhlinger Bürger. Ich würde sie ins Bohrloch stecken, wenn ich könnte“, schmettert ihnen der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Uelzen ins Gesicht. Es geht um die für Anja Kremer so wichtige Frage: Sind die gemessenen Werte gesundheitsschädlich? „Eine Gesundheitsschädigung ist uns nicht bekannt“, sagt der Exxon-Chemiker. „Mein Puls schlägt jetzt schon höher“, sagt Anja Kremer verärgert. Sie hat sich ein Kissen unter den Arm geklemmt, damit die frischen Narben der Brustoperation entlastet werden.
„Wenn wir etwas über Gesundheitsgefahren wüssten, würden wir selbstverständlich sofort etwas unternehmen“, ergänzt der Chemiker. An Kremers Tisch ruft Silke Döbel: „Das ist bereits zu spät.“ Der Chemiker: „Dass wir wissentlich die Gesundheit der Bürger gefährden, kann man nicht unterstellen.“

Nabu wird aktiv

Exxon Mobil ist besonders unter Druck, seit im Mai 2014 der Naturschutzverband Nabu Proben in Gräben und auf Äckern an mehreren Förderstellen rund um Söhlingen gezogen hat: Es gibt zu viel Quecksilber. Das Bergbauamt bestätigte die Funde. Die Werte liegen zwischen 0,09 und 120 Milligramm pro Kilogramm Erdreich. Ab einem Milligramm dürfen eigentlich keine Tiere mehr auf dem Acker weiden. Auf Kinderspielplätzen sind 10 Milligramm erlaubt. Die Grenzwerte sind überschritten. Allerdings nur an einigen Stellen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Söhlingen seit Jahren systematisch belastet ist.
Die Geschichte wird noch komplizierter, ruft man Hermann Kruse an, Toxikologe an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Er ist einer von zwei unabhängigen Gutachtern, die im Jahr 2012 eine Söhlinger Familie untersuchten. Ihr Haus liegt mitten im Söhlinger Erdgasfeld, Rohre mit Lagerwasser führen in nur 300 Meter Entfernung daran vorbei. Immer wieder liegen unangenehme Gerüche in der Luft, sagt die Familie. Nachdem 2012 ein Leck in einem der Rohre auftritt, sind die Grenzwerte von Quecksilber und Benzol überschritten. Kruse lässt direkt vor Ort Blutproben von Vater, Mutter und Tochter nehmen und gekühlt ins Labor bringen.
Die Schadstoffwerte liegen leicht über dem Durchschnitt, sind aber definitiv nicht gesundheitsgefährdend. „Die Menschen in Söhlingen sind auf keinen Fall hoch belastet“, sagt Kruse. „Nur in dem Fall würde es bei der kleinen Einwohnerzahl überhaupt zu einer statistisch signifikanten höheren Krebsrate kommen.“ Das Problem ist in Fachkreisen bekannt: Bei kleinen Fallzahlen lassen sich die Faktoren, die zu den Erkrankungen führen, kaum isolieren. Der Toxikologe hält trotzdem auch eine leicht erhöhte Belastung für nicht akzeptabel. Denn Quecksilber lagert sich über Jahre im Gehirn ab, Benzol im Rückenmark. Mit Bluttests lässt sich das leider nicht feststellen. „Wer lässt sich schon Proben aus seinem Gehirn nehmen?“, fragt Kruse.

Auswertung im September

Mit den methodischen Problemen konfrontiert, schreibt das Landesgesundheitsamt, dass verschiedene Aspekte berücksichtigt würden. „Grundsätzlich ist es niemals auszuschließen, dass erhöhte Schadstoffbelastungen zu einer höheren Krebsrate vor Ort führen können“, heißt es. Im September werden die Ergebnisse veröffentlicht. Sollte dann eine „überzufällige regionale Häufung“ von Krebsfällen gefunden werden, dann wird es weitere toxikologische Untersuchungen geben. Den Söhlingern bleibt bis dahin nichts anderes übrig, als den Beschwichtigungen von Exxon zu glauben.
Auch die Mitarbeiter des Konzerns in der Region sind entsetzt, aber aus anderen Gründen: Am Rande der Diskussion im Landgasthof erzählt einer, der seit 20 Jahren die Anlagen wartet, seine Kinder würden in der Schule gemobbt. „Wir gelten auf einmal überall als die Vergifter.“ Ein Kollege schnappt sich empört das Mikrofon: „Ich arbeite seit 38 Jahren für Exxon Mobil und werde regelmäßig auf Quecksilber geprüft“, sagt er, nie habe es Probleme gegeben. Einer aus der Ecke der Bürgerinitiative ruft, da habe er wohl Glück gehabt, und der Exxon-Mann kontert: „Hab ich etwa Haarausfall?“
Anja Kremer hört sich das alles mit dem Kissen unter ihrem Arm an, kommt nicht zu Wort und sagt leise: „Ich finde das alles schockierend.“

(Ingo Arzt, taz vom 18.8.14)

 

 

Erhöhte Krebsrate in Bothel

Untersuchung ist abgeschlossen / Infoabend findet Montag statt

Landkreis Rotenburg. „Als wir das Ergebnis bekommen haben, hat das Betroffenheit ausgelöst. Wer eine Krebserkrankung in der Familie miterlebt hat, der weiß, was da für Sorgen und Ängste dranhängen“, sagt Landrat Hermann Luttmann. Eine Untersuchung hat ergeben, dass in der Samtgemeinde Bothel vermehrt Krebserkrankungen vorkommen. Die Ursachenforschung beginnt nun.

Luttmann berichtete, Silke Döbel, eine Anwohnerin aus Söhlingen, sei im vergangenen Jahr in seiner Sprechstunde gewesen und habe dort die Vermutung geäußert, es gebe in Hemslingen und Söhlingen wegen der nahen und zahlreichen Erdgasförderstellen, vermehrt Krebsfälle. „Ich habe daraufhin sofort Kontakt zum Gesundheitsamt hergestellt. Daraufhin wurde der Arbeitskreis gegründet und in Abstimmung mit den Bürgerinitiativen wurde dann die Anfrage beim epidemiologischen Krebsregister gestellt“, so der Landrat.

Weil Hemslingen und Söhlingen zu wenig Einwohner haben, um statistisch sicher Aussagen über Krankheitshäufungen zu treffen, wurden die Krebsfälle in der gesamten Samtgemeinde Bothel unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Bei Männern wurde eine erhöhte Rate von Leukämien und Lymphomen nachgewiesen. Dies sind Krebsarten des lymphatischen und blutbildenden Gewebes. Aufgrund von Daten einer Vergleichsregion, dem Bezirk Lüneburg, wurden 21,3 Krebsfälle dieser Art erwartet. Tatsächlich konnten 41 nachgewiesen werden. „Schon 21 Fälle sind relativ viel, die tatsächliche Zahl liegt aber doppelt so hoch“, konstatierte Joachim Kieschke vom epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) während der Vorstellung der Zahlen für die Presse im Rotenburger Kreishaus. In einer genauen Betrachtung der Altersgruppen wurde festgestellt, dass von dem Krebs vor allem Männer zwischen 60 und 74 Jahren, und, aber in deutlich weniger Fällen, Kinder bis 14 Jahren betroffen sind.

Eine Signifikanz bei Frauen konnte nicht festgestellt werden. Dort wurden die erwarteten 16,8 Fälle sogar mit 15 leicht unterschritten. Andere gesicherte Signifikanzen konnten bei den weiteren der insgesamt 15 Untersuchungsgruppen, die zusammen etwa 98 Prozent aller Krebsfälle ausmachen, ebenfalls nicht festgestellt werden.

Sowohl Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Stümpel, als auch Kieschke machten deutlich, dass die Untersuchung keinerlei Hinweis auf eine mögliche Ursache der Krebserkrankungen gibt. „Wir konnten nichtmal feststellen, dass innerhalb der Samtgemeinde an bestimmten Stellen Häufungen auftauchen“, so Kieschke.

Und wie geht es nun weiter? Während Luttmann deutlich machte, dass nun auch mit umliegenden Regionen gesprochen werden muss, da die erhöhten Krebsraten sich eventuell nicht nur auf die Samtgemeinde Bothel beschränken und vielleicht sogar bis in den Heidekreis reichen, sagte Stümpel: „Die Ursachenforschung ist nicht einfach, weil viele Faktoren in Frage kommen und man nicht nur einen betrachten kann. Schlimmstenfalls kommen am Ende zwei oder drei in Betracht. Die Beantwortung der nun offenen Fragen wird Monate in Anspruch nehmen.“

Luttmann machte deutlich, dass die Arbeitsgruppe, in der auch Bürger sitzen, das weitere Vorgehen begleiten wird. Über genaue Maßnahmen – etwa die geforderten Luftmessungen in der Nähe von Erdgasbohrlöchern – konnte der Landrat noch nichts sagen, da Beratungen bislang nicht stattgefunden haben.

Kommentar von Stephan Voigt:

Welchen Grund haben die erhöhten Krebsraten in der Samtgemeinde Bothel? Wieso betreffen sie nur Männer? Weshalb sind vor allem Ältere als Erkrankte auszumachen? Ist das ein Phänomen, das sich ausschließlich auf Bothel beschränkt? Gibt es dort vielleicht doch regionale Unterschiede in der Krankheitshäufung?

Die nun vorgestellten Studienergebnisse werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Aber sie weisen auf eine Tatsache hin, über die zurecht von allen Seiten gesagt wird, dass sie Betroffenheit auslöst: In Bothel treten mehr Krebserkrankungen auf, als zu erwarten wäre.

Reflexartig zu behaupten, dies hänge mit der Erdgasförderung zusammen, ist leicht – zu leicht. Nicht umsonst weisen die Fachleute daraufhin, dass die Studie keinerlei Auskunft über den Grund für die Erkrankungen gibt. Insofern sollte nun schnellstens die Ursachenforschung beginnen – ergebnisoffen, wie es immer so schön heißt.

Dies schließt aber natürlich auch ein, dass die Erdgasförderung als mögliche Ursache in Betracht kommt und die Bohrstellen nun mehr in den Fokus von Untersuchungen rücken müssen. Darauf müssen sich die Energieunternehmen einstellen. Mehr noch: Sie sollten dies als Chance begreifen. Schließlich kann auch herauskommen, dass von der Gasförderung keinerlei Gefahr ausgeht an Krebs zu erkranken.

So erschreckend die bisherigen Erkenntnisse sind, gilt es nun, Sachlichkeit zu bewahren. Die Bürgerinitiative um Silke Döbel, die bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse für die Presse im Kreishaus zugegen war, hat eben diese Sachlichkeit wohltuend erkennen lassen: keine lauten Zwischenrufe, keine infantilen Protestaktionen und eine Presseerklärung, die die Fakten darstellt und Forderungen auflistet. Andere Anti-Fracking-Vereinigungen stellen sich deutlich schlechter dar.

(© Rotenburger Rundschau, Stephan Voigt, 14.09.14)

 

 

Krebs durch Erdgasförderung?

Landkreis Verden. Die Landesbehörden müssten aktiv tätig werden: Das fordert die CDU-Kreistagsfraktion in Folge eines Berichts, nachdem in der Samtgemeinde Bothel im Kreis Rotenburg doppelt so viele Männer an Lymphdrüsenkrebs und Leukämie erkrankt sind, wie das statistisch zu erwarten gewesen wäre. „Ein Sonderforschungsprogramm für die Folgen der Erdgasförderung ist ein Gebot der Stunde“, erklärte Fraktionsvorsitzender Wilhelm Hogrefe.

Nachdem im Nachbarlandkreis Rotenburg festgestellt wurde, dass in der dortigen Erdgasförderregion eine stark erhöhte Zahl an Krebserkrankungen aufgetreten sind, sollte nach Ansicht der CDU nun auch für die Erdgasförderregion im Landkreis Verden eine detaillierte Untersuchung erfolgen. „Dies ist in erster Linie eine Aufgabe der Landesbehörden“, meinte Hogrefe. Das Land verfüge über die notwendigen statistischen Daten. Zudem habe Niedersachsen mit seinen Universitätskrankenhäusern, Medizinischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen für Geowissenschaften eine enorme Fachkompetenz. Dies gelte ebenso für die Untersuchung weiterer negativer Folgen der Gasförderung, sagte Hogrefe.

Bereits vor den Sommerferien war bekannt geworden, dass in der Nähe von Erdgasbohrstellen im Landkreis Rotenburg weit überhöhte Quecksilberwerte in Bodenproben festgestellt wurden. „Die Landesbehörden genehmigen immer mehr Gasbohrungen und das Land kassiert die Förderabgabe. Wann es aber um die Aufklärung negativer Folgen der Gasförderung geht, tut Hannover viel zu wenig“, sagte Hogrefe

(Weser Kurier, Michael Kerzel, 18.9.14)

 

 

Angst vor dem Krebs

Viele Kranke in Erdgasregion

Überdurchschnittlich viele Menschen erkranken in der niedersächsischen Gemeinde Bothel an Krebs. In der Region wird Erdgas gefördert. Jetzt fragen sich Bürger: Gibt es einen Zusammenhang?

Hemslingen - Kühe und Pferde grasen auf Weiden mitten im Ort, Kinder toben vor den Häusern. Silke Döbel winkt aus ihrem Auto den Nachbarn zu. Auf ihrer Fahrt durch Hemslingen in Niedersachsen kommt sie an hübschen Einfamilienhäusern und Bauernhöfen vorbei. Immer wieder zeigt sie auf einzelne Häuser: „Die Frau hat Krebs. Der Mann ist gerade an Krebs gestorben.“ Allein dieses Jahr musste die 44-Jährige drei Freunde beerdigen, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben. Auch ihre eigene Familie ist betroffen.

Dass etwas in Hemslingen nicht stimmt, vermuten die Bürger schon länger. Doch jetzt haben sie Gewissheit: Es gibt überdurchschnittlich viele Krebsfälle in der Samtgemeinde Bothel, zu der der rund 1400 Einwohner zählende Ort gehört. Das hat eine Untersuchung des niedersächsischen Krebsregisters kürzlich ergeben. Danach erkrankten 41 Männer von 2003 bis 2012 an Leukämie und Lymphomen. 21 wären statistisch zu erwarten gewesen.

Das Ergebnis hat die Menschen in der Region aufgerüttelt. Auch Döbel, die gemeinsam mit anderen Bürgern für die Untersuchung gekämpft hat, verbringt seither noch mehr schlaflose Nächte. „Es gibt eine Ursache dafür. Nur welche?“, fragt sie sich. Einen Verdacht haben viele. Der kleine Ort auf etwa halber Strecke zwischen Bremen und Lüneburg ist umringt von 20 Erdgasförderstätten, die nächste ist gerade mal 500 Meter von Döbels Haus entfernt.

In der Bevölkerung ist vor allem die Angst vor der umstrittenen Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten (Fracking) groß, die in der Gegend bis 2011 eingesetzt wurde. Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke bereitet die konventionelle Erdgasförderung aber mehr Kopfzerbrechen. Im Sommer hatte das Landesbergamt erhöhte Quecksilberwerte an zwei Bohrplätzen von Exxon Mobil gemessen. Der giftige Stoff kommt natürlicherweise in Erdgaslagerstätten vor und gelangt bei der Förderung an die Oberfläche.

Doch auch andere Substanzen wie krebserregendes Benzol könnten dabei austreten, erläutert Otte, die sich ebenfalls für die Krebsstudie in Bothel stark gemacht hat. „Welche das sind und welche Auswirkungen diese auf die Gesundheit haben, wissen wir nicht.“ Sie fordert deshalb eine langfristige Gesundheitsuntersuchung, die auch andere Erdgasregionen in Niedersachsen einbezieht. Davon gibt es etliche – immerhin werden in dem Bundesland fast 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium sieht zurzeit keinen Zusammenhang zwischen der erhöhte Krebsrate in Bothel und der Erdgasförderung. Es will diesen aber auch nicht ausschließen. Experten sollen jetzt die Ursache für die vielen Krebserkrankungen finden. Der zuständige Kreis Rotenburg will dafür mehr über die Betroffenen erfahren, wo sie zum Beispiel wohnen und arbeiten. „Das wird eine ganze Zeit dauern“, sagt Landrat Hermann Luttmann (CDU). Die Daten des Krebsregisters sind anonymisiert und lassen deshalb keine Rückschlüsse auf Parallelen bei den einzelnen Fällen zu.

(Handelsblatt, 27.9.14, dpa)

 

 

Später Preis des Rauchens

Erstmals werden in diesem Jahr mehr Europäerinnen an Lungenkrebs sterben als an Brustkrebs. Nun rächt sich, dass die Frauen im Zuge der 68er-Bewegung verstärkt mit dem Rauchen anfingen.

Der Führungswechsel kommt überraschend. Erstmals wird der Anteil der Frauen, die 2015 in Europa an Lungenkrebs sterben, größer sein als jener der Todesfälle durch Brustkrebs. Zu diesem Ergebnis kommen Mediziner aus Italien und der Schweiz, die Datenbanken der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgewertet und die Entwicklung seit 2009 analysiert haben. Im Fachmagazin Annals of Oncology (online) stellen sie ihre Daten vor.

Das Forscherteam aus Mailand und Lausanne um Carlo La Vecchia hat die Daten zu Krebserkrankungen und -todesfällen aus 28 EU-Ländern analysiert und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die einwohnerreichsten Nationen Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Polen gelegt. Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge ist 2015 im EU-Raum mit etwa 1,36 Millionen Krebstoten zu rechnen, davon 766 000 Männer und 594 000 Frauen.

Trotz dieser hohen Zahlen sind das im Vergleich zum Jahr 2009 immerhin 7,5 Prozent weniger Männer und 6,1 Prozent weniger Frauen, die einem Tumor zum Opfer fallen werden. "Wir müssen vorsichtig sein, das sind zwar erst noch Vorhersagen", sagt La Vecchia. "Andererseits haben sich aus den Projektionen der Langzeittrends bisher immer recht zuverlässige Prognosen erstellen lassen."

Während der Anteil nahezu aller Tumore an den Todesursachen zurückgegangen ist, gibt es einen Anstieg beim Lungenkrebs der Frauen. Neun Prozent mehr als 2009 werden 2015 vermutlich einem Bronchial-Karzinom zum Opfer fallen. Das entspricht umgerechnet 14,24 Frauen auf 100 000 Einwohner. Der Anteil der Frauen, die an Brustkrebs sterben werden, ist hingegen um 10,2 Prozent zurückgegangen und läge damit ganz knapp dahinter.

Diese Entwicklung geht vor allem auf das veränderte Rauchverhalten der Frauen im 20. Jahrhundert zurück, vermuten die Mediziner. Besonders im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen 1968 hätten in den Folgejahren mehr Frauen angefangen zu rauchen.

In Großbritannien und Polen liegt das Lungenkrebsrisiko für Frauen besonders hoch

Jahrzehnte später schlägt sich dies in den Statistiken zu diversen Erkrankungen nieder. Zwei Länder führen in der unrühmlichen Statistik. "Die Frauen in Polen aber besonders jene in Großbritannien leiden schon seit längerem häufiger unter Lungenkrebs und haben einen größeren Anteil an entsprechenden Todesfällen zu beklagen", sagt La Vecchia. "Die Britinnen haben schon im Zweiten Weltkrieg vermehrt angefangen zu rauchen, in den anderen EU-Ländern ging das erst später los."

Die Unterschiede sind beeindruckend. Während in Großbritannien 21 Frauen pro 100 000 Einwohner an Lungenkrebs sterben und in Polen 17 von 100 000, ist der Anteil in Spanien mit acht von 100 000 weniger als halb so groß. "Dass die Tendenz bei fast allen Tumorarten nach unten geht, ist eine gute Nachricht", sagt Fabio Levi, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Aber Rauchen bleibt immer noch der Hauptgrund für Krebs in der EU und verursacht schätzungsweise 85 bis 90 Prozent aller Lungentumore, 15 bis 25 Prozent aller Fälle von Pankreas-Krebs und ist an etlichen anderen Tumorarten beteiligt."

Bösartige Neubildungen der Bauchspeicheldrüse sind neben Lungenkrebs bei Frauen denn auch die einzigen Tumore, deren Anteil an den Todesursachen in Europa zunimmt. Ärzte wissen, dass Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, starkes Übergewicht, Diabetes und eine familiäre Belastung das Krebsrisiko erhöhen können, doch diese Ursachen zusammen erklären nur 40 Prozent der Pankreas-Tumore. "Hier besteht noch dringender Forschungsbedarf", sagt der Epidemiologe Paolo Boffetta aus New York.

(Süddeutsche Zeitung, 27.1.15, Werner Bartens)

 

 

Müllstandort Schneidenbach

Amtsärztin startet Vorstoß, um Krebs-Zahlen zu ermitteln

Das Gesundheitsamt bietet Beratung an. Die Bürger am Müllstandort Schneidenbach nutzen die Möglichkeit bislang nicht.

Schneidenbach/Plauen. 18 Monate nach den Protesten am kreiseigenen Müllstandort Schneidenbach hat die Gesundheitsbehörde des Vogtlandkreises erneut Anlauf genommen, um Befürchtungen und Hinweise auf eine Häufung von Krebserkrankungen zu erhärten oder zu widerlegen. Wie aus der Beantwortung einer Kreistags-Bürgeranfrage durch Landrat Tassilo Lenk (CDU) hervorgeht, sendete Amtsärztin Kerstin Zenker im Dezember eine Anfrage an das Gemeinsame Krebsregister der ostdeutschen Bundesländer in Berlin. Darin bittet sie um "nochmalige Prüfung eventuell neuer Möglichkeiten durch neue gesetzliche Grundlagen". Eine Antwort aus Berlin steht noch aus.

Sondermüll-Pläne als Auslöser

Im Sommer 2013 waren die weit vorangetriebenen Pläne für ein Sonderabfall-Zwischenlager in Schneidenbach ans Licht gekommen - und mit dieser Debatte machte sich der Unmut über Ausdünstungen der Deponie, Auswirkungen der Müllfirma Glitzner und mögliche Folgen zweier Großbrände plötzlich Luft. Protestaktionen, eine Demonstration, Debatten, jede Menge Fragen folgten. Landrat Tassilo Lenk (CDU) versprach Aufklärung, doch die vorgelegten Berichte waren zwar umfangreich, sie gaben aber nur Teilantworten. Im Umfeld des Müllstandortes nagen bis heute Zweifel.

Eine Auswertung auf Ortsebene sei nicht möglich, hatte die Amtsärztin seinerzeit unter Berufung auf das Krebsregister erklärt. Sie bestätigte nach Sichtung der Totenscheine zwölf belegbare Todesfälle im 400-Seelen-Ort binnen 15 Jahren durch Tumorerkrankungen. Was nicht viel wäre und nicht vollständig sein dürfte, denn nach Aussagen des Deutschen Krebsforschungszentrums stirbt heute jeder vierte Deutsche durch Krebs.

Die Bürgerinitiative (BI) Schneidenbach stellte der unkonkreten amtlichen Aussage ihre durch Gespräche und Klinkenputzen zusammengetragenen Zahlen gegenüber. Dabei konzentrierte sich die BI auf den hauptsächlich betroffenen Bereich. Von den dort lebenden 240 Menschen seien binnen zehn Jahren 34 an Krebs erkrankt (14 Prozent) und 16 infolge Krebs verstorben (6,6 Prozent der Bewohner). Im Hauptbereich der Rauchbildung beider Großbrände (siehe Luftbild-Grafik rechts) lägen die Werte noch höher.

Behörde sieht keine Häufung

Für 2013 vermeldet die Amtsärztin zwei und für 2014 drei Todesfälle in Schneidenbach infolge Krebserkrankungen. "Eine Häufung von Todesfällen konnte nicht bestätigt werden", erklärt Kerstin Zenker.

Die Bürgerinitiative spricht von weiteren Fällen, konnte aber bislang keine Zahlen vorlegen. BI-Mitglied Manja Tröger beklagt einen Krebs-Todesfall in der eigenen Familie.

"Das Gesundheitsamt muss bei gehäuft auftretenden Erkrankungen mit vermutetem epidemiologischem Zusammenhang selbstverständlich reagieren", erklärt die Amtsärztin. In diesen Fällen muss die Behörde Einfluss auf die Gestaltung gesunder Lebensbedingungen nehmen. Das Gesundheitsamt biete den Bürgern dazu Beratung an. Diese Möglichkeit stehe offen, werde aber nicht genutzt. Kerstin Zenker: "Obwohl dies bereits mehrfach 2013 explizit angeboten wurde, machten die Bürger von Schneidenbach davon keinen Gebrauch."

(Freie Presse/Chemnitz, 12.01.2015, Ulrich Riedel)

 

 

Feuerwehr: Krebs als Berufskrankheit?

Bei Großfeuern seien die Feuerwehrleute krebserregenden Stoffen ausgesetzt, sagt der Berufsverband.

Nach den beiden großen Bränden der vergangenen Woche in Hamburg hat der Berufsverband der Hamburger Feuerwehr auf die gesundheitlichen Gefahren für Feuerwehrleute aufmerksam gemacht und die Anerkennung von Krebserkrankungen als Berufskrankheit gefordert.

"Krebsrisiko deutlich erhöht"

Langzeitstudien belegten eindeutig, dass bereits nach einer fünfjährigen Tätigkeit als Feuerwehrmann das Krebsrisiko drastisch steige, sagte Marcus Bätge vom Berufsverband im Gespräch mit NDR 90,3. Die rund 5.000 Hamburger Berufs- und freiwilligen Feuerwehrleute seien bei großen Feuern, aber auch bei Wohnungsbränden krebserregenden Giftstoffen ausgesetzt.

Trotz Atemschutzmasken würden die Einsatzkräfte die Schadstoffe zum Beispiel auf ihrer Kleidung mit auf die Wachen tragen. Das habe sich deutlich nach den letzten Großfeuern in Eimsbüttel und Harburg gezeigt.

Brandmeister erkrankte nach Löscheinsatz

Nach einer solch gewaltigen Rauchentwicklung trügen die Einsatzkräfte die Schadstoffe mit auf die Wachen, sagt der Verband.

Verlässliche Zahlen über Krebserkrankungen bei der Feuerwehr Hamburg gebe es aber nicht. Den aktuellen Fall eines Hauptbrandmeisters, der bei einem Löscheinsatz giftige Rauchgase einatmete und später an Lymphdrüsenkrebs erkrankte, erkennt die Personalärztliche Abteilung nicht als Folgeerkrankung an.

"In anderen Ländern wäre das keine Frage", sagt Bätge. So gebe es in Australien, Kanada, Norwegen und Dänemark bereits die Anerkennung von Krebserkrankungen als Folge des Einsatzdienstes bei der Feuerwehr. Bätge fordert, dass zumindest die kontaminierte Einsatzkleidung noch vor Ort gewechselt werde. Dies soll auch Thema auf der Personalversammlung der Feuerwehr sein.

Innenbehörde winkt ab

Für die Innenbehörde ist das ganze kein Thema, wie NDR 90,3 berichtet. "Es liegen uns keine Studien oder Anfragen vor", sagte ein Behördensprecher.

(NDR, 11.11.14)

 

 

Warnung vor "sozialem Jetlag"

Krebs, Diabetes, Herzinfarkt - Darum kann Schichtdienst lebensgefährlich sein

Schichtdienst und Schlafmangel schlauchen nicht nur, sie können auch das Risiko für schwere Erkrankungen erhöhen und die Gedächtnisleistung verringern. Experten fordern deshalb, Mitarbeiter in Schichtplänen nach "Eulen" und "Lerchen" einzuteilen.

Schichtarbeiter erscheinen zum Dienst, wenn die meisten Menschen noch oder schon schlafen. Krankenschwestern, Piloten oder Fabrikarbeiter leben gefährlich. Denn Schichtarbeit kann langfristig krank machen und sogar das Sterberisiko erhöhen.

Daten von knapp 75.000 Frauen ausgewertet

Wie groß die Gefahr ist, bestätigt jetzt erneut eine Studie. Die Epidemiologin Eva Schernhammer von der Harvard Medical School in Boston hat dafür Daten der „Nurses' Health Study“ ausgewertet, eine Langzeitbeobachtung über die Gesundheitsrisiken von Krankenschwestern. Ihre Ergebnisse hat sie  im „American Journal of Preventive Medicine“ veröffentlicht.

Die Analyse von Schernhammer beruht auf Daten von knapp 75.000 Frauen über einen Zeitraum von 22 Jahren. Das erschreckende Ergebnis:  Je länger die Frauen im Schichtdienst arbeiteten, umso höher war ihr Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

15 Jahre Schichtdienst erhöhen Herzrisiko um 23 Prozent

Frauen, die länger als fünf Jahre im Schichtdienst tätig waren, hatten ein um elf Prozent erhöhtes Sterbe­risiko. Für diejenigen, die sechs bis 14 Jahre im Schichtdienst tätig waren, hatte sich die Gefahr bereits um 19 Prozent erhöht, ab 15 Jahre Schichtdienst sogar um 23 Prozent.

Einfluss auf das Denkvermögen

Doch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht das einzige Risiko, dem sich Schichtarbeiter aussetzen. Jahrelanger Schichtdienst und Nachtarbeit können auch die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen beeinflussen.

Gehirn altert schneller

Jean-Claude Marquié vom Forschungsinstitut CNRS der Universität von Toulouse hat herausgefunden, dass die kognitiven Fähigkeiten von Menschen, die mehr als zehn Jahre zu unregelmäßigen Zeiten arbeiteten, deutlich schneller abnehmen als die anderer Berufstätiger. Diese Belastung würde einem Alterungsprozess von zusätzlich sechseinhalb Jahren entsprechen, schreibt der Forscher. Seine Ergebnisse hat er im November 2014 im Fachjournal "Occupational and Environmental Medicine" veröffentlicht.

Marquiés Versuchsgruppe umfasste 3000 französische Berufstätige aus verschiedenen Branchen, von denen die Hälfte im Schichtdienst arbeitete. Die Teilnehmer absolvierten im Zeitraum 1996 bis 2006 alle fünf Jahre einige Tests, die ihr Lang- und Kurzzeitgedächtnis, ihre Reaktionsfähigkeit sowie ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten überprüften. Schichtarbeiter erreichten dabei wesentlich schlechtere Werte, als Menschen, die nur tagsüber arbeiteten.

Die Ergebnisse müssten weitere Studien jedoch noch bestätigen, schreiben die Forscher.

Erhöhter Cholesterinspiegel und größere Diabetesgefahr

In früheren Untersuchungen konnten Wissenschaftler bereits einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und einem Krebsrisiko, einem hohen Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes belegen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte bereits 2007 Schichtarbeit als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" eingestuft. Da Schichtarbeiter meist zu anderen Zeiten essen, leiden sie zudem oft an Stoffwechselstörungen. Den Grund für all diese Erkrankungen sehen Wissenschaftler vor allem in dem verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus, der unsere innere Uhr stört.

(Focus online, 7.1.15, Sybille Möckl)

 

  

Kommunen fordern mehr Informationen über Stromtrasse Suedlink

Detmold (dpa/lni) - In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen wächst der Widerstand gegen die geplante Nord-Süd-Stromtrasse Suedlink. «Wir haben nichts gegen die Leitung, wir haben aber etwas gegen das Verfahren», sagte der Landrat des niedersächsischen Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), nach einem Treffen von Politikern aus den drei Bundesländern am Freitag in Detmold. Der Netzbetreiber Tennet müsse umgehend alle Planungsunterlagen freigeben. Andernfalls werde eine Klage erwogen.

Die 800 Kilometer lange Höchstspannungsleitung Suedlink soll als ein Herzstück der Energiewende ab 2022 Energie aus Windkraft nach Süddeutschland bringen. Dann soll dort das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Am 3. November will Tennet die Unterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen. Dann könnte es auf Basis des neuen Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABEG) ein schnelles Verfahren geben.

Bislang habe das niederländische Unternehmen Tennet Einsicht in die Unterlagen verwehrt, kritisierten die Kommunen. Noch in diesem Jahr sei eine weiter östlich gelegene Trasse von Tennet selbst als sehr viel besser geeignet gekennzeichnet worden, sagte Bartels. Jetzt sei der Westschwenk mit dem Schlenker über die NRW-Kreise Lippe und Höxter erfolgt. Eine Begründung fehle.

Die auf rechtliche Fragen des Netzausbaus spezialisierte Berliner Anwaltskanzlei DeWitt solle nun Klagemöglichkeiten prüfen, kündigten die Vertreter der Landkreise Lippe, Höxter, Hameln-Pyrmont, Holzminden, der Region Hannover und der nordhessischen Gemeinde Bad Emstal an. Am 22. Oktober soll es ein Gespräch im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin geben.

Sämtliche Möglichkeiten des Widerstandes würden geprüft, sagte Bartels. Dazu gehöre auch eine Verfassungsklage gegen das NABEG. «Wenn Tennet eine Trasse vorlegt, wird auch nur diese von der Bundesnetzagentur geprüft.» Die Verteterin der Region Hannover, Sonja Breunig, kritisierte, ein sonst übliches Raumordnungsverfahren mit der Einbeziehung von Alternativen finde hier nicht statt. Rainer Becker vom Landkreis Holzminden sagte: «Die Frage ist, ob da nicht eine Überbeschleunigung stattgefunden hat.»

Entlang der geplanten Strecke haben sich in allen Bundesländern zahlreiche Bürgerinitiativen formiert. In der lippischen Gemeinde Lügde würde die Trasse durch ein halbes Dutzend Ortsteile führen. «Wir sind nicht davon überzeugt, dass die Trasse überhaupt nötig ist», sagte Martin Hottel von der Initiative «Aktion gegen Stromtrasse» der Nachrichtenagentur dpa.

Der Grund für den West-Schwenk der Trasse ist für Hottel klar: In Niedersachsen sind 400 Meter Abstand zu Wohngebäuden vorgeschrieben, in NRW nicht. Die Staatskanzlei in Düsseldorf bestätigt das. Erst der neue Landesentwicklungsplan werde solche Abstände fordern. Auch Tennet-Mitarbeiter hätten unumwunden zugegeben, dass man den 400-Meter-Abstand in NRW nicht überall einhalten werde. Das spart Kosten und erleichtert die Planung.

«Wir fürchten, dass es Gesundheitsprobleme durch Ionisierung geben könnte», sagte Hottel. «Die steht in Verdacht, Krebs zu erregen.» Die Ankündigung, auch Erdkabel statt der bis zu 70 Meter hohen Strommasten einzusetzen, hält Hottel für eine «Alibiveranstaltung». Andernorts sei das wie am Rennsteig auch ausgeschrieben gewesen. «Am Ende wurde aber, angeblich wegen technischer Probleme, kein Meter unter der Erde verlegt.»

Tennet betonte, Erdkabel seien fünf- bis achtmal so teuer wie Freileitungen. Landrat Bartels bezweifelte das und sprach von Legendenbildung.

Auch Ruben Emme von der Bügerinitiative Warburger Land ist besorgt über mögliche Gesundheitsgefahren durch die Gleichstromleitung. Dafür gebe es noch keine Langzeitstudien. «Und ich möchte nicht unter den Ersten sein, an denen das ausprobiert wird.»

(Allgemeine Zeitung/Rhein-Main-Presse, 19.09.14, Matthias Benirschke, dpa)

 

 

Hochspannungsleitungen und Krebs:

Forscher bestätigen vermehrte Fälle von Leukämie

Suche nach Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Nähe zu Hochspannungsleitungen

Kaum ein Mensch möchte in der Nähe einer Hochspannungsleitung wohnen. Neben dem ästhetischen Aspekt sorgen sich viele auch um mögliche gesundheitliche Folgen.

Die erzeugten elektromagnetischen Felder könnten durchaus den menschlichen Körper beeinflussen, so die Theorie. Britische Forscher wollten nun endlich verbindliche Aussagen treffen und untersuchten die Auswirkungen der Hochspannungsleitungen in einer großen Studie mit 53.515 Menschen.

Zusammenhang oder Zufall?

Alle litten an Krebs und waren zwischen den Jahren 1968 und 2008 geboren worden. Die Forscher ermittelten, wie nah diese Patienten an einer Hochspannungsleitung gelebt hatten. Das unerfreuliche Ergebnis: Ganze 7.347 Krebspatienten lebten weniger als 600 Meter von einer solchen Leitung entfernt.

Anscheinend gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Masten und dem Auftreten von Krebs. Besonders gehäuft waren die Fälle bei jenen, in den 1960ern und den 1970ern in der Nähe von Hochspannungsleitungen gelebt hatten. Dennoch betonen die Forscher, dass man es sich nicht zu leicht machen darf. Immerhin gab es auch etliche Krebsfälle, die fernab der Hochspannungsleitungen auftraten. Für sie kann man die magnetischen Felder nicht verantwortlich machen.

Krebs durch Ionisierung der Schadstoffe?

Kritiker betonen sofort, es sei denkbar, dass ionisierte Schadstoffe aus der Region der Hochspannungsleitungen über den Wind transportiert worden waren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der "Corona-Ionen-Hypothese". Diese geht davon aus, dass die Hochspannungsleitungen die Schadstoffe in der Luft ionisieren und damit krebserregend machen.

Gegen diese Annahme spricht laut den britischen Forschern jedoch die Tatsache, dass in ihrer Studie auch die Windrichtung berücksichtigt worden war. Es gab dabei keinen Zusammenhang. Sie sagen daher nur, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen Leukämie und Hochspannungsleitungen gibt, die derzeitigen Erklärungsversuche aber noch unzureichend sind.

(Paradisi online, 4. November 2014)

 

 

Tschernobyl

Häufung von aggressivem Schilddrüsenkrebs

Fast 30 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl haben die Einwohner in den betroffenen Regionen immer noch mit Spätfolgen zu kämpfen. Bei einem Screening sind vermehrt aggressive Formen von Schilddrüsenkrebs aufgefallen.

SAN FRANCISCO. Wissenschaftler um Dr. Lydia B. Zablotska von der Universität in San Francisco haben bereits früher zeigen können, dass radioaktives Jod-131 dosisabhängig das Risiko für Schilddrüsenkarzinome erhöht.

Jetzt haben sie sich die Tumoren der Schilddrüse anhand der Befunde eines Screenings von Einwohnern Weißrusslands in der Region von Minsk und Gomel genauer angeschaut, das in drei Etappen - zwischen 1997 und 2000, 2002 und 2004 sowie 2004 und 2006 - vorgenommen worden war (Cancer 2014; online 28. Oktober).

Teilgenommen hatten fast 12.000 Einwohner, die zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls jünger als 18 Jahre waren. Die Kohorte ist damit fast so groß wie die Kohorte einer ähnlichen Studie 2006 mit Teilnehmern in der Ukraine.

Die Strahlendosis, der sie aufgrund des Jod-131 in der Schilddrüse ausgesetzt waren, war zwei Monate nach dem Unfall individuell gemessen worden. In der ersten Screeningrunde hatten 65 Prozent der Teilnehmer eine Jodkonzentration von weniger als 100 ?g/l im Urin, was der WHO-Definition zufolge als Jodmangel gewertet wird.

Viele histopathologische Varianten

Bei insgesamt 158 von 269 Studienteilnehmern, die nach einer Feinnadelbiopsie operiert worden waren, entdeckten die Ärzte ein Schilddrüsenkarzinom, bei 71 war das in der ersten Screeningrunde der Fall, bei 87 in den beiden folgenden Runden. Außerdem erkrankten 57 Patienten an einem follikulären Adenom und 49 entwickelten einen nodulären oder adenomatösen Kropf.

Anhand der Screeningbefunde stellten die Ärzte zudem fest, dass die Exposition mit radioaktivem Jod-131 mit einer ganzen Bandbreite von histopathologischen Varianten der Schilddrüsenveränderungen dosisabhängig assoziiert ist, von der follikulären und papillären über die solide bis zur diffus sklerosierenden Variante des Schilddrüsenkarzinoms.

Risiko für lymphatische Invasion

Im Vergleich zu eine Strahlenexposition von weniger als 200 Milligray (mGy) hatten Studienteilnehmer, die mindestens 950 mGy ausgesetzt waren, ein um mehr als das 2,5-Fache erhöhtes Risiko für eine lymphatische Invasion und ein um das Dreifache erhöhtes Risiko für eine Infiltration von Tumorzellen innerhalb der Schilddrüse.

Das höchste Risiko bei hohen Strahlendosen bestand jedoch für die Entstehung multifokaler Tumorherde in der Schilddrüse: Es war in der Studie im Vergleich zur Situation mit der niedrigsten Dosis um fast das Fünffache erhöht.

Und: Das Risiko der Entstehung einer soliden oder diffus sklerosierenden Variante des papillären Schilddrüsenkarzinoms war um das 2,75-Fache erhöht. Das differenzierte papilläre Schilddrüsenkarzinom ist in der Lage, schon in einer Größe von nur wenigen Millimetern zu metastasieren.

(Ärzte Zeitung online, 07.11.2014, Peter Leiner)

 

 

Reaktorkatastrophe in Fukushima

Strahlung verursacht Schilddrüsenkrebs

Eigentlich wollte die Medizinische Universität Fukushima die Bevölkerung mit dieser Studie beruhigen. Doch das Ergebnis ist erschreckend: Nach dem Reaktorunglück sind ungewöhnlich viele Kinder und Jugendliche an Krebs erkrankt.

Schon vier Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima steht fest: Das Risiko für gesundheitliche Schäden ist um ein Vielfaches gestiegen. Aus Zahlen des UN-Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkung der atomaren Strahlung geht hervor, dass Japan bis zu 16.000 zusätzliche Krebserkrankungen, mehr als die Hälfte davon mit Todesfolge, zu erwarten hat. Der Verein Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges in sozialer Verantwortung (IPPNW) vermutet, dass die Zahl in Wirklichkeit viel höher liegt. Man habe sich auf Schätzungen der Internationalen Atomenergie-Organisation gestützt, anstatt die Ergebnisse der unabhängigen Forschung einzubeziehen.
Fast alle Kinder und Jugendlichen in Fukushima haben sich nach dem Super-GAU 2011 inzwischen einer ersten Schilddrüsenuntersuchung unterzogen. Normalerweise gibt es bei 360.000 unter 18-Jährigen etwa eine Schilddrüsenerkrankung. Bei der Reihenuntersuchungen der Medizinischen Universität Fukushima wurde jedoch bei 117 Kindern ein Krebsverdacht festgestellt, von denen die Ärzte in 87 Fällen bereits operieren mussten. Zysten und Knoten in der Schilddrüse seien in der Untersuchungsrunde bei 48,5 Prozent, in der zweiten sogar bei 57,8 Prozent der Patienten gefunden worden. Die Studie war ursprünglich dazu angelegt, zu zeigen, dass nach dem Reaktorunglück keine zusätzlichen Krebsfälle aufgetreten seien.
Gefahren werden verharmlost und kleingeredet
"Die Ergebnisse der zweiten Screening-Runde sind beunruhigend. Zwar ist es noch zu früh, um die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe abschätzen zu können, da bislang nur ein Bruchteil der Nachuntersuchungen vorliegt, doch basierend auf den Erfahrungen aus Tschernobyl rechnen wir mit einer weiter steigenden Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen über die kommenden Jahre", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Alex Rosen.
Der praktizierende Kinderarzt kritisiert, dass die Gefahren, die von der Strahlung ausgehen, gegenüber der japanischen Bevölkerung verharmlost würden. Der Anstieg der Erkrankungen sei so gering, dass statistisch nicht messbar, heißt es vonseiten der Regierung. Außerdem verwehre die Medizinische Universität Fukushima Familien mit einem erkrankten Kind den Einblick in die Krankenakten und eine Zweitmeinung einzuholen sei praktisch unmöglich.
Der Super-GAU in Fukushima sei kein singuläres Ereignis, sondern eine fortschreitende Katastrophe und noch lange nicht vorüber, sagte Rosen. Auch das Cäsium 137, das man nach dem Nuklearunfall von Tschernobyl in bayrischen Morcheln fand, sei noch nicht einmal zur Hälfte zerfallen. Erst nächstes Jahr werde es seine Halbwertzeit überschreiten.

(n-tv.de, 3.3.15, ahe)

 

 

Fukushima

Anstieg Schilddrüsen-Krebs bei Kindern bestätigt

GLOBAL 2000: Zu erwartende Auswirkungen der Super-GAUs wissenschaftlich belegt - Atom-Lobby spielt Auswirkungen seit Beginn herunter

Eine neue Studie im renommierten wissenschaftlichen Fachmagazin "Epidemology" bestätigt die Erwartungen und Befürchtungen der unabhängigen Wissenschaft: Vier Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophen von Fukushima vom 11. März 2011 zeigen sich klare Auswirkungen auf die Schilddrüsenkrebs-Wahrscheinlichkeit von Kindern und Jugendlichen in der vom atomaren Fallout betroffenen Region rund um die Reaktor-Ruinen.

Der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung UNSCEAR spielt, unter Einfluss der pro-atomaren Länder, die Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe auf Null herunter. Zum Beispiel mit Behauptungen wie, dass es keine wahrnehmbaren Anstiege bei Krebs, Erbkrankheiten und Geburtenfehlern gibt, sowie dass das Schilddrüsen-Risiko bei den am meisten exponierten unter 1000 Kindern theoretisch ansteigen könnte. Doch jetzt zeigen sich, genauso wie im zeitlichen Abstand nach der Tschernobyl-Katastrophe, erste Auswirkungen auf Schilddrüsen-Krebs bei Kindern.

Nach einer Latenzzeit von vier Jahren für Schilddrüsen-Krebs zeigt sich bei der zweiten Runde von Tests bei 298.577 Kindern und Jugendlichen in der Fukushima-Region ein klarer Anstieg, insbesondere im zentralen Bereich der Präfektur, wo ein Anstieg um das zwölf-fache im Vergleich zu einer nicht betroffenen Referenz-Region nachgewiesen wurde. Die japanischen AutorInnen der Studie weisen auch darauf hin, dass dieser Anstieg nicht mit vermehrten Tests infolge der Reaktorkatastrophen zu erklären ist.

"Wir und unsere Partnerorganisation Friends of the Earth Japan haben seit Beginn der Katastrophe vor den vermeidbaren Konsequenzen des radioaktiven Fallouts gewarnt, insbesondere vor radioaktivem Jod-131, gegen das zu spät und in zu kleinem Radius die Gabe von Jodtabletten angeordnet wurde", so Dr. Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. "Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft in der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO auf, sich für eine korrekte Einschätzung der Super-GAUs und für adäquate Gesundheitsprophylaxe einzusetzen. Weiters muss Japan seine fahrlässigen Pläne einstellen, in von Erdbeben, Wirbelstürmen und Vulkanismus betroffenen Regionen die alten Atomkraftwerke wieder anzufahren."

(oekonews.at, 8.10.15)

 

 

Atomkraft

Nukleararbeiter bekommen häufiger Krebs

Internationale Forscher werteten die Daten von 308.000 Nukleararbeitern aus und stellten fest, dass diese häufiger an Leukämie sterben. Dabei liegt deren Strahlendosis noch weit unter dem Grenzwert.

Selbst niedrige Strahlendosen führen über einen längeren Zeitraum zu einem erhöhten Leukämierisiko. Für Mitarbeiter der Nuklearindustrie ist die Gefahr, an Leukämie zu erkranken, besonders hoch - etwa vier Mal so hoch wie bei anderen Arbeitnehmern.

Dies ist das Ergebnis der "International Nuclear Workers Study" (INWORKS), die von der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert wurde und im medizinischen Fachmagazin Lancet Haematology veröffentlicht wurde.

Die Forscher werteten die Strahlenexpositionen und Erkrankungen von 308.000 Mitarbeitern aus, die bei Atomunternehmen in Frankreich, Großbritannien und USA beschäftig waren und verfügten so über umfangreiche Datensätze aus den Jahren zwischen 1944 und 2005. Da alle diese Personen im Dienst mit Dosimetern - Messgeräten zur Messung der Strahlendosis - ausgestattet waren, lag den Forschern die persönlich erhaltene Strahlenbelastung jeder einzelnen Person vor. Zusätzlich der Daten von Erkrankungen und die Zahl der Todesfälle.

Zusätzliche Todesfälle durch Niedrigstrahlung

Demnach lag die durchschnittliche zusätzliche Strahlenbelastung der überwachten Nukleararbeiter bei 1,1 Millisievert pro Jahr. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung auf der Erde liegt im Durchschnitt bei etwa 2,4 Millisievert pro Jahr. Kurzum: Die Mehrbelastung ist eigentlich gering.

Nach Angaben der IARC zeigt die Studie, dass auch anhaltend niedrige Dosen von ionisierenden Strahlungen zu Leukämie führen können. "Bis heute liefert diese Studie die präzisesten Daten zur Bewertung des Leukämierisikos für Nukleararbeiter durch niedrige Strahlendosis", so Studienautor Ausrele Kesminiene. "Es zeigt, dass ein kleines erhöhtes Risiko besteht, dass die von uns untersuchten Nukleararbeiter an Leukämie sterben."

Risiko doppelt so hoch wie bisher angenommen

Strahlenexperten bewerten die Studie aus mehreren Gründen als hilfreich: Zum einen wurde mit der Studie nachgewiesen, dass auch mit niedriger Strahlendosis das Krebsrisiko steigt. "Es zeigt, dass eine niedrige Strahlendosis über Jahre die gleichen Folgen haben kann, wie eine einmalig hohe Strahlung", so Strahlenexperte Alfred Körberlein. "Man findet heute einen vergleichbaren Risikofaktor wie nach Hiroshima und Nagasaki. Es hängt also nur von der Gesamtdosis ab."

Auch die Zunahme von Röntgenstrahlen erhöht das Risiko

Zum anderen stellten die Wissenschaftler mit der umfangreichen Langzeitstudie jetzt fest, dass das Risiko durch Strahlung an Leukämie zu erkranken etwa doppelt so hoch ist, wie bisher angenommen. Es ließe sich aber aus der Studie auch kein Schwellenwert finden, unter dem eine Strahlendosis als unbedenklich angesehen werden kann.

Strahlung im Gesundheitswesen

Nach Einschätzung des IARC sind die Daten der Studie nicht nur für Angestellte der Nuklearindustrie von Bedeutung, sondern auch für den Gesundheitsbereich. In den letzten Jahren nimmt die Zahl der ionisierenden Strahlen durch mehr Röntgenuntersuchungen zu, vor allem auch durch die Computertomographie. Die Internationale Ärzteorganisation zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) setzt sich schon seit Jahrzehnten für eine geringere radioaktive Belastung ein, und fordert auch im Gesundheitsbereich mehr Aufklärung, Patienten sollten mit Broschüren besser informiert werden. So müsse zum Beispiel klar gesagt werden "macht bitte bei eurem Kind kein Röntgenbild, wenn es nicht unbedingt notwendig ist", so Kinderarzt Alexander Rosen von IPPNW.

Risiken von Strahlung unterschätzt: Der schleichende Tod durch Verstrahlung

Deutschlands oberste Strahlenschutzbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz (Bfs), begrüßt, dass durch die internationale Studie das zuvor bekannte Risiko von niedriger Strahlendosis jetzt präzise dokumentiert und bewertet worden ist. Nach Ansicht des Bfs ergibt sich allerdings daraus nicht automatisch eine Veränderung des Arbeitsschutzes für Mitarbeiter der Nuklearindustrie. "Wir erwarten nicht, dass sich die Empfehlung der internationalen Strahlenschutzkommission der internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) ändern wird", sagt Pressesprecherin Ina Stelljes vom Bfs.

In Europa beträgt die erlaubte Jahresdosis für Nukleararbeiter und medizinisches Personal 20 Millisievert. Während eines ganzen Berufslebens dürfen es nicht mehr als 400 Millisievert sein. Körberlein kritisiert daran vor allem, dass die Festlegung dieser Werte in "Hinterzimmern erfolgt". Er wünscht sich, dass es über Strahlenrisiken eine breite Debatte gibt.

(Deutsche Welle, 31.7.15, Gero Rueter)

 

 

Strahlenschäden bei Atomarbeitern

Ausstieg aus der Verharmlosung

Die Langzeitstudie zu den Leukämieerkrankungen von Atomarbeitern zeigt: Auch Niedrigstrahlung löst Krebs aus.

Radioaktive Strahlung transportiert Energie. Wenn man ein wenig dramatisiert, könnte man von einem kleinen Bombardement sprechen. Energiegeladene Teilchen sausen durch unseren Körper, attackieren Gewebestrukturen und können auch die DNA schädigen. Im schlimmsten Fall resultiert daraus eine Krebserkrankung. Wie gefährlich Radioaktivität – auch in kleinsten Dosen – ist, darüber streiten Forscher und Strahlenschützer seit Jahrzehnten mit verbissener Emphase.

Jetzt liefert eine im britischen Medizinerjournal The Lancet veröffentlichte Studie neue Erkenntnisse. Die Kollegen von Nature sprechen von einem echten „Meilenstein“. Die Studie liefert ungewöhnlich datenschwere Belege für den Zusammenhang von Niedrigstrahlung und Leukämie bei Atomarbeitern.

Das eigentlich Erstaunliche: Die aufgenommene Strahlung war extrem niedrig und dennoch ist ein signifikanter Leukämie-Anstieg erkennbar. Auch andere Blutkrebserkrankungen wie Lymphome und multiple Myelome waren erhöht, allerdings nicht in statistisch-signifikantem Ausmaß. In ihrem Summary sprechen die Forscher von „einer starken Evidenz“ für das Auftreten gehäufter Leukämien bei Niedrigstrahlung über längere Zeiträume.

Schon allein die nackten Zahlen der Studie sind beeindruckend: 308.297 Atomarbeiter aus Frankreich, Großbritannien und den USA wurden im Durchschnitt fast 27 Jahre lang beobachtet. Das ergibt 8,2 Millionen Personen-Jahre, die in die Studie eingeflossen sind. Im Beobachtungszeitraum starben 531 Atomwerker an Leukämie, 814 an Lymphomen und 293 an einem multiplen Myelom. Gegenüber den im „Normalfall“ zu erwartenden Krebsfällen waren die Anstiege zwar nur gering, aber bei den Leukämien dennoch signifikant. Zum Vergleich: In Deutschland erkranken jährlich etwa 12 von 100.000 Menschen, aber nicht immer verläuft die Leukämie tödlich.

Die riesige Kohorte, das jahrzehntelange Monitoring und die angesichts der seltenen Krankheiten relativ hohen Zahlen von Blutkrebserkrankungen sollen nun endlich belastbare Auskunft geben zu den Risiken radioaktiver Niedrigstrahlung. Die Ergebnisse sind nicht unbedingt überraschend: Auch andere, kleinere Studien seien zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen, sagt die deutsche Physikerin und Strahlenschutzexpertin Inge Schmitz-Feuerhake.

Aber diesmal, so die Professorin, würden die beobachteten Zusammenhänge von der Autorität anerkannter Forscher aus dem Establishment des Strahlenschutzes getragen, die diese Studie verantworten. Und von einem aufwendigen, ja einmaligen Studiendesign. Und ausgerechnet in Frankreich, dem Land mit der höchsten Dichte an Atomkraftwerken, liegt das wissenschaftliche Headquarter für die Studie: das Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) in Fontenay-aux-Roses.

Natürliche Strahlenbelastung

Alle in die Studie aufgenommenen Atomarbeiter haben mindestens ein Jahr lang in einer militärischen oder zivilen Atomanlage gearbeitet. Alle haben ein Dosimeter getragen, das ihre Strahlenbelastung gemessen hat. Die dabei ermittelten Werte lagen im Durchschnitt bei 1,1 Millisievert im Jahr, ein sehr niedriger Wert. Die „natürliche“ radioaktive Hintergrundstrahlung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert. Der Grenzwert für Beschäftigte in der Atomindustrie wurde in Deutschland auf 20 Millisievert im Jahr festgelegt.

In Japan hat man nach der dreifachen Fukushima-Kernschmelze den Grenzwert für die Atomarbeiter auf 250 Millisievert erhöht

In Japan hat man nach der dreifachen Fukushima-Kernschmelze den Grenzwert für die Atomarbeiter auf 250 Millisievert erhöht. Die Erklärung der beteiligten Forscher, es müsse alles getan werden, um „den Strahlenschutz zu verbessern und Strahlenbelastungen so stark wie irgend möglich zu reduzieren“, klingt angesichts der ungenierten Heraufsetzung der Werte in Japan wie ein eher verzweifelter Hilferuf.

Die Studie“, so kommentiert Nature eher ernüchternd, werde „die bestehenden Richtlinien im Strahlenschutz nicht verändern“. Aber: Die noch immer weit verbreitete Ansicht, es könne einen Schwellenwert für Radioaktivität geben, bei dessen Unterschreitung keine Gefahr mehr besteht, diese „populäre Idee ist jetzt zerstört worden“. Und die Wissenschaft hat nun harte Zahlen im Gepäck, um die täglichen kleinen Strahlenrisiken besser einzuschätzen.

Das gilt nicht nur für die untergehende Atomindustrie. Das gilt vor allem auch für die Medizin. In allen Industrieländern haben die Strahlenbelastungen durch neue bildgebende Verfahren wie etwa die Computertomografie stark zugenommen und sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt oder verdreifacht.

Medizinische Strahlenbelastungen

Die medizinische Belastung wird in den USA auf jährlich 3 Millisievert geschätzt, das ist fast dreimal so viel, wie die 300.000 Atomwerker aus der Studie im Schnitt abbekommen haben. In Deutschland sind es 1,9 Millisievert im Jahr.

US-Forscher David Richardson, einer der an der Studie beteiligten Epidemiologen, sieht die Medizin als einen der wichtigsten Verursacher ionisierender Strahlung mit weiter zunehmender Intensität. Ein einziger CT-Scan des Brustkorbs verursache bereits eine Strahlung von mehr als 10 Millisievert, rechnet Richardson vor. Allein in den USA werden jährlich Millionen CT-Scans veranlasst, auch Kinder kommen immer öfter in die Röhre.

Und nicht nur Patienten, auch das medizinische Personal ist stark gefährdet – etwa wenn Katheter unter radiologischer Beobachtung in Blutgefäße geschoben werden. Viele als „minimalinvasiv“ gelobte Verfahren, die medizinisch immer wichtiger werden, bringen Strahlenbelastungen für Patienten und Personal mit sich, wobei die medizinischen Helfer Tag für Tag kleinen Dosen ausgesetzt sind. Nutzen und Risiken vieler Untersuchungen müssen nun neu bewertet werden.

Wie ist die Studie aufgenommen und diskutiert worden? Natürlich sind die Zusammenhänge hochkomplex und es existieren neben der Strahlung noch andere multiple Einflussgrößen für Krebs. Doch an der Seriosität und Sorgfalt der Studie gibt es keinen Zweifel. Die Mainzer Bio-Statistikerin Maria Blettner, Mitglied der Strahlenschutzkommission, kritisiert, dass Lifestyle-Faktoren, medizinische Strahlenbelastungen oder Risiken durch chemische Stoffe nicht berücksichtigt worden seien. Aber warum sollten diese Faktoren in der Atomwerker-Kohorte besonders gravierend sein und die Ergebnisse verfälschen?

Ein wichtiger Wendepunkt

Ein anderer Kritikpunkt mag die ausschließliche Fixierung auf Blutkrebs-Erkrankungen sein. Aber sie sind die am häufigsten mit radioaktiver Strahlung assoziierten bösartigen Erkrankungen. Andere Krebse der Organe oder Herzkrankheiten, die nach Tschernobyl gehäuft auftraten, sind nicht untersucht worden.

Der Berliner Epidemiologe und Herausgeber des Strahlen-Pschyrembel, Christoph Zink, bewertet die Studie dennoch als möglicherweise wichtigen Wendepunkt im Strahlenschutz und „Einstieg in ein neues Zeitalter realistischer Risikobetrachtungen“. Zink fordert nach dem Atomausstieg auch einen Ausstieg aus der alten Verharmlosungsstrategie durch die Internationale Strahlenschutzkommission.

Fast alle Risikobetrachtungen und Grenzwerte gründeten sich auf Studien zu den Hiroshima-Überlebenden. Jetzt liegen aber ganz andere Daten vor. Zink: „Die Studie bietet die Chance, uns wissenschaftlich endlich ehrlich zu machen.“

(taz, 30.7.15, Manfred Kriener)

 

 

Krebs-Studie

Piloten und Flugbegleiter haben erhöhtes Hautkrebsrisiko

Eine Studie zeigt: Die Gefahr an Hautkrebs zu erkranken ist für Piloten und Flugbegleiter mehr als doppelt so hoch wie bei der Gesamtgesellschaft. Grund dafür sind unter anderem die Wolken, die UV-Strahlen reflektieren.

Piloten und Bordpersonal sind laut einer Studie durch ihren Beruf einem deutlich erhöhten Hautkrebsrisiko ausgesetzt. Die Auswertung von 19 Einzelstudien mit Einbeziehung von 226.000 Personen habe ergeben, dass das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, bei Piloten und Flugbegleitern gegenüber der Gesamtgesellschaft mehr als doppelt so hoch ausfalle.

So heißt es in einer am Mittwoch von der Fachzeitschrift "Journal of the American Medical Association Dermatology" veröffentlichten Vergleichsstudie. Ultraviolette Strahlen treten demnach in einem größeren Umfang in die Flugzeuge ein als bislang bekannt.

Wolken reflektieren UV-Strahlen

UV-Strahlen gelangen nicht nur über die direkte Bestrahlung durch die Sonne in die Flugzeuge, sondern auch durch die Reflexionswirkung von Wolken. Rund 85 Prozent der schädlichen Strahlen könnten von dichten Wolkendecken nach oben reflektiert werden, heißt es in der Studie. Die Strahlenbelastung der Piloten liegt mit einem Faktor von gut 2,2 noch höher als die des Flugpersonals. Dieses liegt geringfügig niedriger bei knapp 2,1.

In den USA wurden 2014 insgesamt 76.000 Fälle von Hautkrebs diagnostiziert. Nach den Erfahrungswerten muss damit gerechnet werden, dass gut 9.700 der Betroffenen an der Erkrankung sterben.

(Focus online, Donnerstag, 04.09.2014, Quelle: dpa)

 

 

 

Alte Dämmstoffe können laut TÜV Rheinland Krebs erzeugen

Köln. Der TÜV Rheinland weist darauf hin, das Dämmstoffe, die vor 1996 benutzt wurden, im Verdacht stehen Krebs zu erzeugen. Hausbesitzer müssten sich keine Sorgen machen, wenn die Materialien sorgfältig verarbeitet wurden. Dämmstöffe, die nach dem Jahr 2000 verwendet wurden, seien nicht krebserregend.

Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern wie Glas-, Stein- oder Schlackenwollen, die vor dem Jahr 1996 verwendet wurden, stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Darauf weist der TÜV Rheinland in Köln hin. Hausbesitzer müssten sich aber keine Sorgen machen, wenn die Materialien einwandfrei verbaut wurden.

Daneben ist es laut dem TÜV-Schadstoffexperten Walter Dormagen wichtig, dass das Material dicht vom Innenraum abgetrennt ist. Dann gebe es keinen Handlungsbedarf. Dämmstoffe, die nach dem Jahr 2000 verwendet wurden, seien dagegen nicht krebserregend.

(Westfalenpost, 8.10.2014, dpa)

 

 

Rückruf 

Giftiger Stoff in Handschuhen gefunden

Die Firma Dunlop hat Garten- und Arbeitshandschuhe zurückgerufen, wie das Schnellwarnsystem "Rapex" der Europäischen Kommission berichtet. Kunden sollten die beige-blauen Handschuhe der Größe L mit dem Barcode 8715349601307 und der Chargennummer  337847 auf keinen Fall mehr tragen.

 

Die in China produzierten Kleidungsstücke waren unter anderem in verschiedenen Online-Shops erhältlich. Sie enthalten das aromatische Amin 3.3'-Dimethoxybenzidin.

Krebs und Unfruchtbarkeit

Die Konzentration ist mit einem Wert von 263 mg/kg hoch. Der Stoff wird zur Herstellung von Azorfarbstoffen verwendet und gilt als krebserregend. Über die Haut aufgenommen könnte er zudem Zellmutationen begünstigen und zu Unfruchtbarkeit führen.

(t-online.de, 8.10.14)

 

 

Krebsrisiko: BfR warnt vor Gift in bunten Bäckertüten

Bunt bedruckte Papierservietten und -verpackungen wie Bäckertüten können krebserzeugende und erbgutverändernde aromatische Amine enthalten, die in Lebensmittel gelangen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es fordert eine Prüfung der Grenzwerte. Verbraucher sollten Kuchen, Brot und andere Lebensmittel vorsorglich nicht über längere Zeit in gelb-, orange- oder rotbedrucktem Papier aufbewahren.

(Test 10/2014, Oktober, 25.09.14)

 

 

 

Bundeswehr warnt vor Krebs durch Carbonfasern

Kohlefaser-Werkstoffe gelten als Material der Zukunft. Beim Bau von Flugzeugen und schnellen, teuren Autos ist das Material kaum noch wegzudenken. Was bislang nicht bekannt war: Carbonfasern haben auch eine dunkle Seite. Nach Recherchen des NDR Regionalmagazins Hallo Niedersachsen geht bei Unfällen mit Bränden ein nicht zu unterschätzendes Krebsrisiko von der Wunderfaser aus - auch wenn der Brand längst gelöscht ist. Während Experten der Bundeswehr vor dem sorglosen Umgang mit CFK warnen, hat der Verband CFK-Valley in Stade bislang keine Stellung zu den Gefahren durch Carbonfasern bei hohen Temperaturen genommen.

Aus dem Flugzeug-Wrackteil schießt eine drei Meter hohe Flamme. Daneben steht ein Feuerwehrmann in voller Montur - schwarz-neongelber Feuerschutzanzug, Helm, Atemschutzmaske. Er fühlt sich absolut geschützt vor allen schädlichen Auswirkungen des Feuers. Was ein Forschungsinstitut der Bundeswehr hier macht, ist Grundlagenforschung. Und mit seinen Ergebnissen betritt das Institut aus Erding bei München Neuland. Der Verdacht: In dem simulierten Flugzeug-Wrack steckt die Gefahr von Krebs. Das Tückische daran: Auch der Feuerwehrmann könnte gefährdet sein, sogar wenn er während des Brandes seine Atemschutzmaske trägt. Denn ausgerechnet hinterher, in der unscheinbaren Asche der abgebrannten Reste, geraten die Fasern in die Atemluft. Die Hitze hat sie zerstört und sie können nun in die Schleimhäute eindringen. Experten der Bundeswehr warnen deshalb vor den Folgen von Unfällen mit Material aus Carbonfasern.

Wie gefährlich ist der Wunder-Werkstoff CFK?

Der Verbundwerkstoff CFK gilt als Spitzenmaterial - strapazierfähig, formbar und leichter als Metall. Doch der Wunder-Werkstoff steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

CFK steckt schon bald in Autos, Häusern und Schiffen

Der Stoff, von dem die Gefahr ausgeht, heißt CFK. Eigentlich ein beeindruckendes Material - biegsam, stabil, federleicht. Schon in wenigen Jahren wird man es überall finden: in Autos, in Wohnhäusern, in Kreuzfahrtschiffen. Bereits jetzt wird es in Flugzeugen verbaut, aber zum Beispiel auch in Windrädern. CFK steht für kohlenfaserverstärkter Kunststoff. Wegen seiner Eigenschaften gilt CFK als "schwarzes Gold".

Bei Schnittverletzungen droht schnelle Eiterbildung

Professor Sebastian Eibl ist niemand, der einen Stoff oder eine Technik verteufeln würde. Technik ist sein Leben. Eibl arbeitet am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) der Bundeswehr in Erding. Seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit dem Brandverhalten von Kohlenfaserstoffen in Flugzeugteilen. Der WIWeB-Forscher soll im Auftrag anderer Stellen der Bundeswehr Gefahren untersuchen, die den Soldaten drohen, wenn sie mit bestimmten Stoffen zu tun haben. Gefahren für Flugermittler zum Beispiel, die nach einem Flugunfall die Ursachen suchen.

Was passiert, wenn die Kohlenstofffasern aus dem Flugzeugteil in der Atemluft umherfliegen? Das wollte Eibl wissen. "Für uns war die entscheidende Fragestellung: 'Kommt es überhaupt zu relevanten Konzentrationen bei einem realen Absturz, beim Brand eines Flugzeuges? Und was müssen wir unternehmen, um unsere Soldaten zu schützen?'", so Eibl. Der Versuch mit dem brennenden Wrackteil sollte diese Fragen klären.

Bei starkem Feuer bricht die Faser

Problem 1: Schneidet man sich an CFK, können Fasern sehr schnell in der Haut stecken bleiben. So entwickelt sich eine eitrige Entzündung - schmerzhaft, aber vorübergehend.

Problem 2: Bei hohen Temperaturen könnten die Folgen alles andere als vorübergehend sein. Denn die Untersuchungen zeigen, dass sich CFK ab 650 Grad in einen gefährlichen Partikelstaub verwandelt, der auch in die Lunge geraten kann. Bei diesen Temperaturen verändern sich die mikroskopisch kleinen Carbonfasern: Sie werden noch feiner. So bleiben sie nicht mehr in der Nasenschleimhaut stecken, sondern kommen tief in die Lunge.

Knapp 480 Kilometer entfernt in Hannover, beschäftigen sich Wissenschaftler ebenfalls mit solchen Phänomenen. Am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin arbeitet Dr. Otto Creutzenberg. Er bestätigt: "Wenn Sie sehr dünne Fasern mit einem Durchmesser kleiner als drei Mikrometer inhalieren, können diese die Lungenbläschen, also die tiefe Lunge erreichen."

Lungenforscher: Fasern können Krebs auslösen

Was die Fasern dort anrichten können, beschreibt Creutzenberg so: "Wenn Sie höhere Dosen an Fasern haben, können die Fasern auch in den Lungenspalt, den Pleuraspalt, wandern und sie lösen dort spezielle Tumoren aus, die man besonders als Wirkung von Asbest kennt." Anders als bei Asbest werden die Fasern bei CFK erst nach hohen Temperaturen lungengängig. Bisher hat noch keine Studie die Krebswirkung bewiesen. Deswegen stufen auch die Wissenschaftler der Bundeswehr den Stoff nur als krebsverdächtig ein. Allerdings: Bis sich so ein Krebsverdacht erhärtet, können Jahre oder gar Jahrzehnte vergehen.

Die Industrie hingegen nimmt bislang keine Stellung zu den Auswirkungen von CFK bei hohen Temperaturen. Der Verband CFK-Valley Stade e. V., in dem forschende und produzierende Einrichtungen Mitglied sind, äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht. Oberstleutnant Andreas Kern von der Abteilung Flugsicherheit in der Bundeswehr erinnert daran, dass Gefahren oftmals erst lange nach der Begeisterung für einen neuen Stoff erkannt wurden: "Das war bei der Nutzung von Bleibechern im Römischen Reich so, bei der unbekümmerten Anwendung von Röntgenstrahlen Anfang des 20. Jahrhunderts und dem jahrelang sorglosen Umgang mit Asbest."

Die Bundeswehr rät zu Schutz von Haut und Schleimhäuten

Auch wenn die positiven Eigenschaften von CFK faszinierend sind, rät Kern zu einem bewussten Umgang mit den Risiken. Er will die Menschen auf die Gefahren hinweisen, die beruflich mit abgebrannten CFK-Teilen zu tun haben könnten. Davon betroffen sind eine ganze Menge Berufsgruppen: Freiwillige Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungssanitäter, Abschlepp-Lkw-Fahrer. Alle, die im Ernstfall an einen Unfallort kommen. Jeder Kontakt mit Haut und Schleimhäuten sollte vermieden werden. Die Flugunfall-Untersucher der Bundeswehr werden inzwischen sogar mit Lack ausgerüstet, der die Fasern wenigstens etwas bindet. Wenn sie mit der Asche direkt in Berührung kommen, tragen sie einen Vollschutzanzug wie bei Asbestentsorgern. Aus ihrer Sicht wird dieser Schutz umso wichtiger, je mehr CFK im Alltag verwendet wird.

(von Björn Siebke und Angelika Henkel, NDR, Hallo Niedersachsen, 11.8.2014)

 

 

John Meyers wühlte sich wochenlang durch die Trümmer

9/11-Polizist erkrankte an Krebs, doch das geschah zwei Monate zu früh

Viele 9/11-Helfer atmeten Giftstoffe ein und sind heute krank

Sie haben Giftstoffe eingeatmet und Trümmer geräumt - heute sind viele der 9/11-Helfer deswegen krank. Entschädigungszahlungen bekommen viele nicht. Ein Polizist, der vier Tumore hatte, wartet bis heute auf finanzielle Hilfe. Entscheidend waren in seinem Fall zwei Monate.

Der ehemalige Polizist John Meyers gehört zu den ersten, die am 11. September 2001 nach dem Anschlag auf das World Trade Center am Unfallort eintreffen. Wochenlang arbeitet er 14-Stunden-Schichten in den Trümmern, atmet Staub und Chemikalien ein.

Jahre nach den Aufräumarbeiten bekommt der Amerikaner eine erschreckende Diagnose: Mundrachenkrebs – mit 46 Jahren. Bis heute hat er keine finanzielle Entschädigung von seiner Versicherung erhalten. Dem amerikanischen Sender "CNN" hat er seine Geschichte erzählt.

Diagnose zu früh – keine Entschädigung

Mehrere bösartige Tumore griffen John Meyers Körper an: Einer saß in der Kehle, zwei auf den Lymphknoten, ein weiterer nahe des Schlüsselbeins. Diagnostiziert wurden sie drei Jahre und zehn Monate nach 9/11. Etwa zwei Monate zu früh, um Anspruch auf finanzielle Entschädigung geltend zu machen.

Nur wenn der Krebs vier Jahre nach dem Anschlag oder später diagnostiziert wird, können erkrankte 9/11-Helfer auf Unterstützung hoffen, heißt es in dem CNN-Bericht. Das Institut, dass diesen Zeitraum festgelegt hat, sagt in einer Stellungnahme gegenüber dem Sender: Sie hätten eine „Minimum-Latenzzeiten auf Basis der aktuellen Wissenschaft“ ausgewählt.

Anwalt hält Latenzzeit für „unausweichlich falsch“

Meyers überlebte die Erkrankung - lebt aber in ständiger Angst, dass sie zurückkehrt. Er ist der Meinung, er und die vielen anderen Betroffenen seien hinters Licht geführt worden. „Sie wissen überhaupt nicht, wie lange die Latenzzeit sein sollte. Vier Jahre könnten richtig oder falsch sein.“

Sein Anwalt Noah Kushlefsky hält die angesetzte Zeitperiode für das Auftreten von Krebs für „unausweichlich falsch“. Er vertritt viele der einstigen Helfer von 9/11 im Kampf um Entschädigungssummen.

Es geht nicht ums Geld, sondern darum, nicht vergessen zu werden

Zusammen mit einer weiteren Anwaltskanzlei vertritt Kushlefskys insgesamt 7500 Menschen, die bei ihrer Arbeit an Ground Zero Giftstoffen ausgesetzt waren. So heißt es in dem "CNN"-Bericht weiter. 39 von ihnen erhielten wie Meyers die Diagnose Mundrachenkrebs.

Wegen der Vier-Jahres-Regel wurde etwa einem Viertel von ihnen Entschädigungsgeld verweigert. Es gehe ihm weniger um das Geld, sagt Meyers "CNN". "Es geht vielmehr darum, nicht vergessen zu werden."

(Focus online, dpa, 11.09.14)

 

 

 

Kosmetika für Kids können Krebs auslösen

Chemiker warnen vor asiatischen Schminksets für Kinder - Konsumentenschützer fordern mehr Transparenz.

Plastiklippenstifte mit Arielle-Bildern oder Nagellacke im Mickymaus-Design: Das Angebot an Kosmetika speziell für Kinder ist riesig. Doch solche Produkte bergen Risiken. Das Basler Kantonslabor hat am Dienstag zum vierten Mal einen Bericht zur Qualität von Kinderkosmetika veröffentlicht. Dabei wurden vorwiegend Nagellacke und Lippenpflegeprodukte aus Warenhäusern, Spielzeugläden und Boutiquen in den Kantonen Basel-Stadt, Aargau und Zürich untersucht. Das Resultat: 9 der 44 untersuchten Produkte wurden sofort aus dem Verkehr gezogen. Grund dafür waren zu hohe Konzentrationen von krebserzeugenden Substanzen oder von Stoffen, die zu schlimmen Allergien führen können.

Produkte kommen aus dem Fernen Osten

«Diese Produkte enthalten Stoffe, die man in vielen Kosmetika findet», sagt Urs Hauri, der die Studie geleitet hat. «Jedoch mussten wir feststellen, dass die Konzentration dieser Stoffe bei Kinderprodukten oft viel höher ist.» Das könne dazu führen, dass die Kinder auf diese Substanzen allergisch werden, und dies ein Leben lang bleiben. «Wenn sie sich dann später mit einer herkömmlichen Seife, die den entsprechenden Stoff nur in sehr geringen Mengen enthält, das Gesicht waschen, können unschöne Ausschläge entstehen.» Dabei sollte man ja eigentlich gerade bei Produkten für Kinder besonders vorsichtig sein.

Der Grund für das Problem sieht Hauri vor allem darin, dass Kinderkosmetika häufig aus dem Fernen Osten kommen. «Etablierte Unternehmen bieten solche Produkte oft gar nicht an, es entsteht also ein Nischenmarkt.» So stammen Kinderlippenstifte und -Nagellacke oft aus Ländern, die viel niedrigere Qualitätsstandards haben als die Schweiz.

Schweizweit Kontrollen gefordert

Laut Hauri sprechen die meist attraktiv verpackten Kosmetiksets vor allem Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren an. «Vor allem bei Kindern, die lernen wollen, sich selbst zu schminken, kommen diese Produkte gut an.» Allerdings dürfen die gesundheitlichen Risiken nicht unterschätzt werden. «Da ist es viel sinnvoller und sicher auch gesünder, wenn die Kinder ab und zu mit dem Lippenstift von Mami üben können.»

Die Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert jetzt Maßnahmen. Vor allem müsse man die Kosmetika schon vor der Markteinführung testen. Zudem stört Stalder, dass die Untersuchungen nur in drei Kantonen durchgeführt wurden. «Wir fordern, dass schweizweit vernetzte Kontrollen durchgeführt werden.»

Detailhändler kennen das Problem

Auch Bea Heim (Sozialdemokratin aus Solothurn) fordert weitere Schritte. Sie stört vor allem, dass nicht publiziert wird, welche Produkte als gefährlich einzustufen sind. «Wenn ich meinem Kind ein gesundheitsschädliches Schminkset gekauft habe, will ich das wissen.»

Das Basler Kantonslabor will aber nicht sagen, in welchen Boutiquen oder Warenhäusern die schädlichen Produkte gefunden worden sind. Von den großen Schweizer Detailhändlern war heute lediglich Manor für eine Stellungnahme erreichbar. Dort ist das Problem aber sehr aktuell. Gerade im Januar wurde ein Kinderschminkset wegen Grenzwertüberschreitungen aus dem Sortiment genommen. «Wir nehmen das Problem sehr ernst», sagt die Mediensprecherin Elle Steinbrecher. Im Bereich der Kinderkosmetik würden regelmäßig stichprobenartige Kontrollen durchgeführt.

(20min.ch, 4.3.15, Florian Meier)

 

 

Gefährliches Shampoo

Chinas Staats-TV entdeckt Produktfälschungen

Der chinesische Fernsehsender CCTV lässt mehrere Shampoos aus dem Internet testen . Das Ergebnis: Fast die Hälfte der bestellten Produkte ist gefälscht, einige enthalten gefährliche Substanzen, die sogar Krebs erregen können.

Chinesische Reporter des Staatsfernsehens CCTV haben in einem Produkttest Dutzende gefährliche Chemikalien in Shampoos gefunden. Im Internet bestellten sie auf chinesischen Seiten verschiedene Markenshampoos und analysierten sie. Das unschöne Ergebnis: Von acht getesteten Haarwaschmitteln waren drei gefälscht, und bei weiteren zwei ließ sich die Herkunft nicht ermitteln.

In den nachgemachten Shampoos stellten die Journalisten zu allem Übel auch eine Mischung gefährlicher Chemikalien fest. Die Benutzung des Shampoos kann zu Gesundheitsproblemen führen und sogar Krebs auslösen.

China versucht seit Jahren, über einen großen Markt gefälschter Produkte Herr zu werden. Die Fälscher verkaufen ihre oft qualitativ minderwertigen und unsicheren Produkte im Internet, zu sehr günstigen Preisen. Oft ist für den Käufer nicht ersichtlich, ob er Original-Produkt von einer offiziellen Website kauft, oder ob er eine Fälschung vor sich hat.

(n-tv.de, 18.08.14, dsc/dpa)

 

 

BUND rät von Deos mit Aluminium ab

Erwiesen ist es nicht, dass Aluminium in Deos Krebs verursacht. Gerade nach der Rasur kann es aber trotzdem ratsam sein, auf solche Produkte zu verzichten, meint der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Deos enthalten oft Aluminium. Laut der Naturschutzorganisation BUND stehen die Aluminiumsalze im Verdacht, die Entstehung von Alzheimer und Brustkrebs zu fördern. Sie rät daher davon ab, sie zu verwenden. Ausreichend Beweise für die schädliche Wirkung gibt es bislang nicht. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hatte im Februar aber bekanntgegeben, dass die menschliche Haut unter anderem durch Deos deutlich mehr Aluminium aufnimmt, als es EU-Vorgaben entspricht.

Der BUND empfiehlt, beim Kauf darauf zu achten, ob "Aluminium Chlorohydrate" als Bestandteil aufgelistet wird - bei vielen Antitranspiranten sei das der Fall. Gerade nach der Achselrasur sollten Verbraucher auf solche Deos verzichten, denn dann können größere Mengen an Aluminium über kleinste Hautverletzungen in den Körper gelangen.

"test": Niedrigere Aluminiumgehalte in Deosprays als erwartet

Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest ist der Aluminiumgehalt in vielen Deosprays allerdings geringer als vielfach angenommen. Laut den Prüfern kam keines der 24 getesteten Produkte über den Wert von 7,4 Prozent. Das BfR sei bislang davon ausgegangen, dass der Wert üblicherweise bei 20 Prozent liege, hieß es in der Zeitschrift "test".

(Bonner General Anzeiger, dpa/tmn, 18.08.14)

 

 

 

Krebs und Demenz

Wie gefährlich ist Aluminium in Deos?

Aluminiumsalze, die zum Beispiel in Deos enthalten sind, stehen unter Verdacht, Krebs und Demenz auszulösen. Die Studien dazu sind widersprüchlich. Forscher suchen dringend nach belastbaren Daten.

Ohne Deo aus dem Haus? Das ist für viele kaum vorstellbar. Doch seit Monaten wird darüber diskutiert, ob der gute Geruch vielleicht krebserzeugend ist oder dement machen könnte. Aber kann ein Deo in diesem Deutschland, reich an Gesetzen und Bürokratie, wirklich so gefährlich sein?

Wissenschaftler sind sich darüber nicht einig. Denn unklar ist, ob Aluminiumsalze, die beispielsweise in Deos und Schokoladenpapier enthalten sind, den Körper dauerhaft und schädlich beeinflussen. Aluminiumchloride, Aluminium-Zirconium-Hydrochlorid oder Aluminiumchlorhydrate verengen in Deodorants beispielsweise die Poren. Aus den Achseln tritt dann weniger Schweiß aus.

Wegen der unsicheren Faktenlage riet im Februar vergangenen Jahres das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine oberste Bundesbehörde, die nicht gerade zum Alarmismus neigt, zur Vorsicht. Auf frisch rasierter Haut solle man nur aluminiumfreie Deos auftragen, um die Belastung des Körpers gering zu halten.

Deo ohne Aluminiumsalz funktioniert nicht

Dass da wirklich ein Problem liegen könnte, ahnt die Kosmetikindustrie offenbar schon lange. Sehr lange: Seit 1973 empfiehlt der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel seinen Mitgliedern den Aufdruck "Direkt auf die saubere, abgetrocknete, intakte – heile oder gesunde – Haut sprühen!".

Doch ohne Aluminiumsalze wirken Deos nicht. Deshalb verzichten die wenigsten Hersteller auf sie, den freiwilligen Warnhinweis drucken viele aber auch nicht auf ihre Produkte. 2013 prüfte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 24 Deoroller für Männer. Es fand reichlich Aluminiumsalze, aber nur auf 14 Prozent der fraglichen Produkte den freiwilligen Hinweis.

Grenzwert für Aluminium in Kosmetik gefordert

Nun fordert das Bundesinstitut für Risikobewertung sogar einen Grenzwert für Aluminium in Kosmetika. Denn aus dem französischen Nantes kam 2012 eine Studie von Alain Pineau, der Deosticks, -roller und -sprays an isolierten Hautproben getestet hatte.

Den Stick setzte der Toxikologe auch an geschädigter Haut an, die er zuvor durch Aufkleben und Abziehen eines Klebebands mikroskopisch so leicht verletzt hatte, wie es auch bei jeder Rasur passiert.

Der Forscher entdeckte, dass durch die verletzte Haut viel mehr Aluminium hindurchgeht als durch die intakte Barriere – und viel mehr als bisher angenommen: Statt 1,81 Mikrogramm je Quadratzentimeter fand er plötzlich 11,50 Mikrogramm je Quadratzentimeter.

Problem auf verletzter Haut

Das hat die Behörden aufgeschreckt und noch einmal nachrechnen lassen: Wenn die rasierte oder anderweitig verletzte Haut wirklich so viel Aluminium hindurchlässt, wie die Franzosen im Experiment gemessen haben, würde schon ein Deo täglich in den rasierten Achseln mehr Aluminium in den Körper bringen, als für Toxikologen und Behörden hinnehmbar ist.

Da die Verbraucher jeden Tag auch noch erhebliche Mengen Aluminium über die Nahrung aufnehmen, geht das BfR von einer dauerhaften Überschreitung des akzeptablen Tagesgrenzwertes aus. Ein unhaltbarer Zustand für die Behörde.

Dennoch ruft die ungeahnte Aluminiumdurchlässigkeit der verwundeten Haut ältere Studien in Erinnerung. Eine Reihe von Forschern vermutet einen Zusammenhang zwischen Aluminium und Brustkrebs.

Alles fing damit an, dass man 2001 entdeckte, dass Brustkrebs oft im zur Achselhöhle gelegenen Teil der Brust auftritt. Dann fanden Forscher 2007 im Gewebe solcher Tumoren mehr Aluminium als andernorts. Das Deo könnte schuld sein, so die Hypothese.

Doch dann gab es Widerspruch von anderen Experten: Die höheren Gehalte rührten einfach vom dichterem Wuchs des Gewebes in dieser Brustregion. Gesundes und Krebsgewebe unterschied sich bei Patientinnen auch gar nicht im Aluminiumgehalt.

Auch ist es nicht durchweg so, dass, je mehr Aluminium Verbraucherinnen aufnehmen, umso mehr Brustkrebs auftritt. Nur eine Studie sprach dafür, zwei aber dagegen.

Widersprüchliche Daten

Viele Publikationen später vertreten die Behörden jedenfalls die Ansicht, dass Aluminium in "ernährungsrelevanten Dosen", wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schreibt, eher keinen Krebs hervorruft.

Aber das war 2008, als man noch nichts vom Deoeffekt auf rasierte Haut ahnte. 2013 hat sich Guy Eslick von der Universität Sydney gemeinsam mit seinen Kollegen alle vorhandenen Studien noch einmal zur Brust genommen: "Die Daten sind sehr widersprüchlich und dürftig", schickt er vorweg.

"Aber bis jetzt gibt es keinen klaren Beweis, dass Aluminiumsalze aus Deos Krebs begünstigen." Er findet, dass Frauen weiterhin bedenkenlos die Kosmetika verwenden können. Ganz anders der Initiator der Debatte, Alain Pineau: "Aluminium ist wahrscheinlich beteiligt, wenn Metastasen entstehen, also wenn der Brustkrebs streut."

Aluminium kann ins menschliche Gehirn gelangen

Brustkrebs ist heute gut behandelbar, aber seine Metastasen sind meist tödlich. Aluminium sei ein Stoff, wird Pineau sehr deutlich, der nicht in den Körper gehöre, und deshalb müsste der Gehalt in Deos dringend gesenkt werden.

Jene, die zur Vorsicht mahnen, stützen sich auch noch auf einen anderen Zusammenhang. Aluminium gelangt zu einem Teil nachweislich ins menschliche Gehirn und reichert sich dort im Laufe eines Lebens an.

Und weil einige Wissenschaftler es in höherer Konzentration in Gewebeproben von Demenzpatienten fanden, vermuten sie, dass das Leichtmetall die Alterserkrankung begünstigt. In Mäusen sieht man, dass das Metall – allerdings in sehr hohen Mengen – die Nervenzellen schädigt, indem Tau-Proteine verklumpen, ähnlich wie es bei Demenzerkrankungen geschieht.

Alzheimer durch Aluminium?

"Als vor vierzig, fünfzig Jahren die Dialyse von Nierenkranken populär wurde, starben die ersten Patienten nach einem halben Jahr", erinnert sich der Toxikologe Robert Yokel von der University of Kentucky.

"Sie starben an einer Dialysedemenz, die durch Aluminium in der Dialyseflüssigkeit hervorgerufen wurde." Da die Nieren das Metallsalz gewöhnlich aus dem Blut filtern, reagieren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion besonders sensibel auf den Fremdstoff.

Aber trotz der Hinweise auf eine hirnschädigende Wirkung des Aluminiums muss Yokel auch nach Jahrzehnten der Forschung einräumen: "Wir wissen nicht, ob es in geringen Mengen die Alzheimersche Erkrankung auslöst.

Es könnte sein, dass die Aluminiumanhäufung im Kopf der Demenzpatienten eine Folge, nicht aber die Ursache ist. Wir wissen nur, dass es in hohen Dosen schädlich für das Nervengewebe ist." Vorsichtshalber verwendet Yokel deshalb morgens lieber aluminiumfreie Deos.

Auch das Berliner BfR hält die Studien bisher für widersprüchlich. Dass Aluminium die Alzheimerkrankheit auf den Plan ruft, sei nicht erwiesen. Es gibt aber "dringenden Forschungsbedarf" und "die Langzeiteffekte sind unklar".

Beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel versucht man zu beschwichtigen: Einige Kosmetikhersteller bereiten eine Studie vor, deren Ergebnisse sie dem BfR übergeben wollen. Die stellvertretende Geschäftsführerin Birgit Huber hält Kosmetika mit Aluminium für sicher und benutzt sie angeblich selbst eifrig: "Alusalze sorgen dafür, dass Lippenstift länger auf den Lippen bleibt und Cremes die Haut samtig und seidig machen", behauptet sie. Für Deos gäbe es auch keine alternativen Stoffe, die genauso wirksam wären.

Und trotzdem: "Wir können nachvollziehen, dass die Diskussion bei einigen Verbrauchern zur Verunsicherung geführt hat", räumt Huber ein. Es wurde eine Verunsicherung dadurch ausgelöst, dass ein so altes Produkt wie das Deo, nachdem es Jahrzehnte als harmlos galt, plötzlich gefährlich sein könnte. Es ist letztlich eine Verunsicherung über die Verlässlichkeit der Wissenschaft und der Kontrollinstanzen.

Forscher wissen nicht gründlich Bescheid

Dabei wissen Forscher über so vieles in Cremes und Parfüms bis heute nicht wirklich gründlich Bescheid. Umstritten ist etwa, ob bestimmte Konservierungsstoffe, die Parabene, in Deos vielleicht die Brustkrebsfunde erklären. Man könnte viele Stoffe nennen. Silber ist noch so ein Kandidat der Unwägbarkeiten.

Neuerdings könnte man Silber sogar in winzigsten Partikeln, in Nanometergröße, in Kosmetika mengen. Solche Teilchen sollen die Haut besonders gründlich reinigen, weil sie Bakterien abtöten. Hersteller in Asien und Amerika nutzen den Stoff auch schon rege.

"Oft ist es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis Firmen solche Produkte auch auf den europäischen Markt bringen wollen", weiß Andrea Haase vom BfR aus Erfahrung. Das BfR sähe das allerdings nicht gerne, weil es aufgrund zu vieler Wissenslücken nicht sagen kann, ob solche Produkte sicher wären.

In isolierten Zellen schädigt das Nano-Edelmetall nämlich das Erbgut und "es gibt Verdachtsmomente, dass es die Fortpflanzung beeinträchtigt", erklärt Haase. Und dann sind Silbersalze, ob nanoskalig oder nicht, auch noch bewährte Bakterienkiller und werden zum Beispiel in Krankenhäusern eingesetzt.

Nanosilber kann Mikroben resistent werden lassen

"Die Mikroben sind aber clever und erfinderisch", wendet Haase ein. Ständig auf die Haut aufgetragen, könnte Nanosilber nach und nach resistente Mikroben wachsen lassen, gegen die der Mensch ein Mittel weniger in der Hand hat. Noch sind aber in Deutschland nach Auskunft des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel keine Produkte mit dem Stoff auf dem Markt.

Was bleibt, wenn die Verunsicherung geht und man wieder sorglos rollert, vielleicht aluminiumfrei, vielleicht nicht, ist die Gewissheit, dass es sicher nicht das letzte Mal gewesen ist, dass neue Erkenntnisse über Kosmetika Empfehlungen umkrempeln. Das ist nicht schön, aber unausweichlich.

(Die Welt, 12.1.15, Susanne Donner)

 

 

PCB-Belastung in Schulen

Lernen unter Gifteinflüssen?

Schulen und Hochschulen in NRW sind immer noch mit PCB belastet – Jahrzehnte nach dem Verbot des Giftstoffs, der Krebs erregen und das Erbgut schädigen kann. Aus Sicht der Landesregierung ist das Thema abgearbeitet. Doch sind belastete Schulen in NRW wirklich nur Einzelfälle? markt hakt nach.  

Dreharbeiten an der Ruhruniversität Bochum sind nur mit Schutzanzug und Atemmaske erlaubt. Dort werden Fußbodenbeläge und Fugenmassen entfernt. Diese enthalten PCB. Ein Gift, das Krebs erregen und das Erbgut schädigen kann. Und das nicht nur, wenn es in großen Mengen eingeatmet wird. Selbst die ständige Belastung durch kleinere Mengen kann zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen.

Kein Einzelfall

Die Lehrerin Saskia Reuter war in ihrer Schule in Neuss solchen PCB-Ausdünstungen ausgesetzt. Auch, als sie mit ihren beiden Jungen schwanger war. Dabei ist PCB besonders riskant fürs ungeborene Leben. Sie hofft, dass die beiden trotzdem gesund sind. Seit kurzem unterrichtet sie in einer giftfreien Umgebung – in einem Container. Die 37-Jährige ist Kunst- und Englischlehrerin am Alexander von Humboldt-Gymnasium in Neuss. Gut acht Jahre lang arbeitete sie mit ihren Schülern in Räumen, die PCB belastet waren. Dort dünstete das Gift aus Fugen, Lampen oder auch Deckenverkleidungen aus.

Seit 2001 ist die überhöhte Belastung an ihrer Schule bekannt, doch erst jetzt wird saniert. Aus Sicht der Landesregierung handelt es sich dabei um einen Einzelfall. Sie verweist auf den Städte- und Gemeindebund, der schon vor einem Jahr gegenüber dem Landtag erklärte: "Das Thema ist aus kommunaler Sicht abgearbeitet." Abgearbeitet? PCB-belastet waren auch die beiden Nachbarschulen des Alexander von Humboldt-Gymnasiums. Eine wurde erst vor kurzem saniert, die andere ganz geschlossen. Und noch weitere Schulen in NRW sind bis heute nicht PCB-frei. Kein Zufall, aus Sicht der Piraten im Landtag. "Wenn man böse wäre, könnte man sagen, es findet eine systematische Verschleppung statt. Positiv gemessene Schulen werden Jahre oder Jahrzehnte lang nicht wahrgenommen, die Unterlagen verschwinden in Schubladen", so Lukas Lamla von den Piraten: "Und in diesen Tagen gehen Tag für Tag Lehrer und Schüler in diese Schulen und setzen sich halt dieser Gefahr aus."

Bekanntes Risiko

So wie vor der Sanierung auch in Neuss. Erst nach Protesten von Eltern und Lehrern veröffentlichte die Stadt schon zehn Jahre zuvor gemessenen PCB-Werte und sanierte. Aus Sicht der Eltern war das reichlich spät. Denn die PCB-Richtlinie des Landes NRW verlangt, dass mittelfristig saniert wird. Wir wollen von der Landesregierung wissen, was "mittelfristig" heißt? Die erklärt uns, das sei ein "unbestimmter Rechtsbegriff“, vielleicht drei, vielleicht fünf, vielleicht mehr Jahre. Für Schulen seien ohnehin die Kommunen zuständig.

In Neuss ist Bürgermeister Herbert Napp zuständig. Von ihm wollen wir wissen, ob eine Sanierung nach mehr als zehn Jahren noch „mittelfristig“ ist. Ein Interview erhalten wir nicht. Schriftlich teilt man uns mit, man habe Prioritäten setzen müssen. Und PCB sei eben "nachrangig“ gewesen. Nachrangig sei dann wohl auch der Schutz für Schwangere wie sie, meint Reuter. "Ich bin zweimal schwanger durch das Gebäude gelaufen. Ich hab in dem Gebäude gearbeitet und wusste sehr wohl, dass PCB in dem Gebäude verarbeitet wurde, und dass ich dieser Gefahr ausgesetzt worden bin", sagt die Lehrerin.

Experten fordern Reaktion

Das wäre ihr an der Ruhruniversität Bochum nicht passiert. Dort gilt, dass schwangere und stillende Mütter nicht in belasteten, noch nicht sanierten Räumen arbeiten. Das schreibe das Mutterschutzgesetz vor, so die Uni. Erst nach der Sanierung, wenn die PCB-Belastung in der Raumluft unter 300 Milliardstel Gramm PCB liegt, dürfen Schwangere und Stillende zurück an ihren Arbeitsplatz. Aber in welchen Schulen und Hochschulen in NRW überhöhte PCB-Werte gemessen und saniert wurde und wo nicht, das weiß niemand. "Die Landesregierung muss jetzt reagieren und muss dafür sorgen, dass alle Ergebnisse, die in Vergangenheit gemessen worden sind, irgendwo zentral veröffentlicht werden. Damit alle Betroffenen und Interessierten sich darüber informieren können", fordert Lamla.

Von der Landesregierung haben Schüler und Lehrer wohl dahingehend nichts zu erwarten. Die hat bis heute kein Kataster eingeführt. Und so kann Saskia Reuter nicht sicher sein, ob ihre Kinder später in giftfreien Räumen lernen.

(WDR-Fernsehen, Hans-Carl Schulze und Gregor Witt, 18.08.14)

 

 

 

Asbest und die Folgen:

Der harte Kampf um die Entschädigung

Schon nach einem Atemzug können die tödlichen Fasern Asbestose, Lungenerkrankungen und sogar Krebs verursachen: Immer noch sterben und erkranken Menschen an den Spätfolgen des Kontakts mit Asbest-Staub.

Tendenz steigend - denn erst jetzt machen vor über vierzig Jahren eingeatmete Fasern krank. Michael Mühlenbruch hatte vor drei Jahren Lungenkrebs. Ein Teil der Lunge wurde ihm entfernt. Nun ist sein Immunsystem komplett geschwächt. Die Ursache für seine Krankheit liegt, so vermutet sein Arzt Ralf-Willi Hammentgen, über vierzig Jahre zurück: "Das ist ein seltenes Karzinom, das in der Lunge entstanden ist. Karzinome haben eine Ursache durch Zellschädigung. Und die Zellschädigung in seinem Fall hat Rahmenbedingungen, so dass er wirklich gefährlichen Stoffen ausgesetzt war, die solche Tumore erzeugen."

Denn schon als Auszubildender atmete Michael Mühlenbruch krebserregende Asbeststäube ein. "Wir haben damals Glasalplatten gesägt. Das sind Zementfaserplatten, in denen ein gewisser Anteil Asbest vorhanden ist. Dabei entstanden massive Stäube, die wir auch direkt eingeatmet haben." Heute ist der Gladbecker 59 Jahre alt und zu 100 Prozent berufsunfähig.

Höhepunkt in den 1970er Jahren

Baustellen, Schiffswerften, Fabrikhallen. Millionen von Arbeitern atmeten in den 1970er Jahren die todbringenden Asbeststäube ahnungslos ein. Das unbrennbare Material galt als Wunderfaser auf dem Bau. Asbest ist fest, hitze- und säurebeständig, dämmt hervorragend. Aber auch im Schiffsbau kam es zum Einsatz. Telefondrähte und Hochspannungsleitungen schützte es vor Hitze und Feuchtigkeit. Autobremsen und Kupplungen enthielten Asbest ebenso wie Dachziegel, Fassadenplatten, Topflappen, Toaster, Schutzkleidung, Teppichfliesen und Kraftwerksturbinen.

1943 wurde Lungenkrebs als Folge von Asbest als Berufskrankheit anerkannt, und seit 1970 wird die Asbestfaser offiziell als krebserzeugend bewertet. Seit 1993 ist Asbest zwar in Deutschland verboten. Weil aber der tödliche Staub erst nach zwanzig bis vierzig Jahren krank macht, leiden heute noch immer viele Menschen an den Folgen.

Weltweit sterben jährlich 100.000 Menschen

Offiziell tötete nach der Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung der Staub 2012 etwa 1.500 Menschen in Deutschland. Sie verstarben an Lungen-, Kehlkopf oder Bauchfellkrebs oder einer Asbestose. Diese Statistik umfasst aber nur die Todesfälle, deren Erkrankung vorher als Berufskrankheit anerkannt wurde. Die Dunkelziffer der Menschen, die darüber hinaus an Asbest versterben, liege deutlich höher, vermuten Experten. Weltweit sterben nach Angaben der International Labour Organisation der UN jährlich 100.000 Menschen an asbesttypischen Krankheiten.  Und der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, sagen Fachleute.

Immer wieder werden Opfer nicht entschädigt

2012 erkannte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung knapp 3.700 neue Fälle als berufserkrankt durch Asbest an. 500 Millionen Euro zahlte sie 2012 an Entschädigungsleistung. Doch immer wieder streiten mögliche Asbestopfer darum, entschädigt zu werden oder brauchen lange bis ihre Krankheit als Berufserkrankung anerkannt wird. Michael Mühlenbruch ist ein Beispiel dafür. Obwohl sein Arzt den Verdacht hat, dass sein Lungenkrebs durch Asbest verursacht wurde, kämpft er nun schon seit drei Jahren mit der Berufsgenossenschaft. Denn das Gesetz fordert: Er muss beweisen,  dass er Veränderungen an der Lunge oder dem Rippenfell hat, die auf Asbest zurückzuführen sind. Hat er das nicht, wie in seinem Fall, muss er nachweisen, dass er während seiner früheren Tätigkeiten eine bestimmte Menge an Asbestfasern eingeatmet hat - sogenannte 25 Asbestfaserjahre.  Das bedeutet nicht, dass man 25 Jahre Asbest eingeatmet haben muss . Bei Hochbelasteten genügten für diese Kategorie drei Monate, erläutern Anwälte. Die Berufsgenossenschaft hat per Gesetz den Auftrag zu ermitteln, wie viele Asbest ein Betroffener auf der Arbeit eingeatmet hat.

Telefonate mit alten Chefs, Suche nach Zeugen

Die Berufsgenossenschaft hat per Gesetz den Auftrag zu ermitteln, wie viele Asbestfaserjahre ein Betroffener gearbeitet hat. Aber wenn die Arbeitszeiten über vierzig Jahre zurückliegen, kann das schwierig werden. So sammelt jetzt auch Michael Mühlenbruch Dokumente, telefoniert mit seinen alten Chefs, versucht Zeugen zu finden und sucht Belege, dass das Material, mit dem er als Lehrling arbeitete, Asbest enthielt.

In der ersten Instanz hat Michael Mühlenbruch gegen seine Berufsgenossenschaft verloren. Bei ihm streiten sich Gutachter darüber, ob er die 25 Asbestfaserjahre erreicht hat oder nicht.

Seine Berufsgenossenschaft Holz und Metall schreibt dem WDR auf Nachfrage: "Ein im Gerichtsverfahren gehörter Gutachter hat eine berufliche Asbeststaubeinwirkung von mehr als 25 Faserjahren errechnet. Er hat bei seiner Berechnung jedoch Zeiten berücksichtigt, in denen Herr Mühlenbruch nachgewiesenermaßen nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stand, er also unversichert war. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung können nur versicherte Expositionszeiten berücksichtigt werden."

Harter Kampf um Annerkennung

Michael Mühlenbruch ist nach wie vor davon überzeugt, dass er für eine Anerkennung seiner Berufskrankheit ausreichend viele Faserjahre erreicht hat. Er kämpft weiter. Er ist kein Einzelfall. Laut Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung wurden von knapp 9.000 Anträgen für asbestbedingte Berufskrankheiten im Jahr 2012 weniger als 3.700 angenommen. Der Arbeitsmediziner Professor Hans-Joachim Woitowitz hält den Kampf für Asbestopfer teilweise für unzumutbar. Zum Beispiel kritisiert er, dass Patienten, die nachweisen sollten, dass sie durch Asbest an Bauchfell oder Lunge Veränderungen hätten, häufig Gewebeproben der Lunge auf Asbestfasern untersuchen lassen müssten.

Der sogenannte Weißasbest, der anders als Blauasbest zu über 90 Prozent in Deutschland verarbeitet wurde, sei aber häufig in der Lunge gar nicht mehr aufzufinden, weil er sehr schnell zerfalle. Von daher erhielten Patienten oft zu Unrecht ablehnende Bescheide.

Weniger Entschädigungen als im Ausland?

Professor Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie an der Ruhruniversität Bochum, hält dagegen: "Wenn wir Veränderungen finden, die asbesttypisch sind im Gewebe, dann werden wir das formulieren und werden eine asbestassozierte Veränderung zur Anerkennung empfehlen." Professor Woitowitz kritisiert dennoch, dass im Vergleich zum Ausland viel zu wenige an Lungenkrebserkrankte wegen Asbest entschädigt würden. Er beruft sich auf internationale Studien.  

Der WDR befragte dazu die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, den Dachverband aller Berufsgenossenschaften. Sie antwortete, ihr seien solche Studien nicht bekannt. Und weiter heißt es: "Generell ist zur Vergleichbarkeit von Statistiken zu Berufskrankheiten zu bemerken. Das Berufskrankheitengeschehen wird von vielfältigen Faktoren bestimmt. Diese können von Land zu Land extrem voneinander abweichen – was zum Beispiel daran zu sehen ist, dass es europaweit keine einheitlichen Rechtsvorschriften über die Anerkennung von Berufskrankheiten gibt."

Bündnisse kämpfen um Beweiserleichterung

Mittlerweile hat sich ein Bündnis gebildet, das für eine Beweiserleichterung der Asbestopfer kämpft. Ende Juni auf dem Kongress der Asbestoseselbsthilfegruppen in Köln. Auch Gewerkschaften wie die IG-Metall sprechen sich für eine Beweislastumkehr oder zumindest Beweiserleichterungen aus. Der Dachverband der Berufsgenossenschaften, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, schreibt dem WDR zum Thema Beweislastumkehr: "Die Beweislastumkehr wäre ein Bruch mit dem Prinzip, dass die gesetzliche Unfallversicherung die Haftung des Arbeitgebers für Berufskrankheiten übernimmt."

Auch die letzte Bundesregierung lehnte eine Änderung des Berufskrankheitengesetzes in Richtung Beweislastumkehr ab. Begründung: Es habe zum Beispiel mit der Einführung der Faserjahre schon Beweiserleichterungen gegeben. Bündnis90/ DieGrünen will nun in diesem November eine Bundesratsinitiative auf Änderung des Berufskrankheitengesetzes vorantreiben.

WDR befragt deutsche Industrie

Abschließend wollte der WDR wissen, ob sich die deutsche Industrie andere Formen von Entschädigungen für Asbestopfer vorstellen könne. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände antwortete: "Da die Berufsgenossenschaften ausschließlich von den Betrieben finanziert werden, kommen die Arbeitgeber für alle genannten Leistungen auf. In anderen Worten unterhalten die Arbeitgeber mit der gewerblichen Unfallversicherung bereits eine Art Entschädigungsfonds für ihre Beschäftigten."

Die Faserzementindustrie antwortete nicht. Dagegen schreibt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie: "Derzeit erscheint (...) nicht überblickbar, inwieweit der Bedarf eines Hilfsfonds tatsächlich besteht. Zumindest wird auch zu berücksichtigen sein, dass eine soziale Sicherung ohne Anerkennung als Versicherungsfall in der gesetzlichen Unfallversicherung durch die weiteren Zweige der Sozialversicherung in Deutschland durchaus gewährleistet wird (…)."

Millionen hat die Industrie einst an der Verarbeitung von Asbest verdient. Michael Mühlenbruch kämpft um seine Gesundheit und bangt um seine Existenz: "Wenn wir keine Rücklagen gebildet hätten, dann wären wir heute Hartz IV-Empfänger. Ich bekomme eine kleine Unfallversicherung, die aber im nächsten Jahr endet. Wenn ich dann Rente bekomme, kann ich gerade für meine Frau und für mich die Krankenkasse bezahlen."

(WDR 5, 25.8.14, Barbara Ostermann, podcast: http://podcast-ww.wdr.de/medstdp/fsk0/50/505886/wdr5neugiergenuegtdasfeature_2014-08-25_10-05.mp3)

 

 

 

Wiesbaden: Krebsgefahr im Finanzamt?

Ehemaliger Mitarbeiter beschuldigt Dienstherrn wegen Versäumnissen

WIESBADEN - Der ehemalige Finanzbeamte Manfred Thies (63) ist schwer krebskrank. Seine Krankheit führt er auf Umweltbelastungen im Finanzamt Wiesbaden II in der Dostojewskistraße zurück, wo er seit 1983 beschäftigt war.

Dort sollen nämlich Dämmstoffe mit hochgradig krebserregenden Steinfasern verbaut worden sein, die bei diversen Umbaumaßnahmen freigesetzt wurden. Weil nun trotz der seit Jahren vorliegenden Gutachten des Fresenius-Institutes nichts zur Sanierung der Diensträume getan worden sei, hat Thies das Land Hessen vor dem Landgericht wegen Amtspflichtverletzung verklagt. Dem Frühpensionär geht es dabei nicht nur um Schmerzensgeld, wie er sagt, sondern vor allem auch darum, seine Ex-Kollegen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

„Schleichend erkrankt“

Laut Anwalt Jens Kolter sei sein Mandant „schleichend erkrankt“. Es habe mit Juckreiz und Abszessen angefangen, wurde nach einer Entgiftungskur kurzfristig besser und dann, 2005, kam die Krebsdiagnose. Thies wurde ein Nierentumor entfernt, in Folge erkrankte er erneut an Krebs sowie an Nebenwirkungen der starken Medikamente. Wo der Hauptsachbearbeiter arbeitete, waren wegen einer früher dort untergebrachten Lochkarten-Stanzmaschine gesundheitsgefährdende Dämmplatten verbaut. Auch Kollegen aus seiner Abteilung erkrankten besonders häufig, erinnert sich Thies, da die Meldungen über seinen Tisch gingen: Der Krankenstand sei um 30 Prozent über dem anderer Abteilungen gelegen. Nicht nur das. Auch Todesfälle waren zu beklagen. „Die Leute sterben alle an Krebs“, sagt er. Ein Ingenieur, der wegen Steuersachen bei ihm in der Sprechstunde war und die Feinstaubhäufchen sah, die aus Bohrlöchern an der Sockelleiste kamen, sagte zu ihm: „Sie glauben gar nicht, was in den 70er Jahren so alles an Dreck verbaut wurde.“

Bezeichnend sei auch gewesen, dass die Landes-Grünen, kaum waren sie an der Dostojewskistraße ins Umweltministerium eingezogen, alles grundsanieren ließen. Thies glaubt heute, dass schon einiges über die Umweltgifte in den Gebäuden bekannt gewesen war.

Gutachten: karzinogene Steinfasern

Endgültig Gewissheit hätten die Gutachten von Fresenius gebracht. Das Vorhandensein der karzinogenen Steinfasern wurde bestätigt. Allerdings lägen keine Grenzwerte fest, „das hat mit der Berufsunfähigkeitsrente zu tun“, glaubt Thies. Man wolle Ansprüche vermeiden. Darüber hinaus seien die Messungen am Wochenende und nicht bei laufendem Betrieb gemacht worden.

Mittlerweile war der Kranke in der vorgezogenen Altersteilzeit. Die Krankenversicherung bezahlte nicht sämtliche Kosten, also ging es ihm in einem Mediationsverfahren zunächst nur darum, dass der Dienstherr den Ausgleich für die offene Summe von 25.000 Euro übernahm. In einem Brief, den er wegen des Zitates „Die Todesfälle werden von uns nicht kommentiert“ als „zynisch“ bezeichnet, sei ihm mitgeteilt worden, dass das Verfahren beendet sei und er keine Ansprüche habe. Laut Anwalt Kolter bestreitet der Dienstherr die Kausalität, dass die Ursache der Krankheit auf Umweltgifte am Arbeitsplatz zurückgeht. Seitens der Oberfinanzdirektion Frankfurt heißt es, Thies habe bei der Mediation Ansprüche geltend gemacht, „für die es aus Sicht des Landes Hessens keinerlei Berechtigung gibt“.

„Belastung ausgeschlossen“

Laut OFD haben die Gutachten nicht ergeben, dass die Dämmstoffe ausgebaut werden müssten. Es seien im Jahr 2000 in einer Materialprobe zwar künstliche Mineralfasern nachgewiesen worden, eine Raumluftmessung habe aber eine gesundheitliche Gefährdung der Mitarbeiter verneint. Empfohlen wurde lediglich, die Dämmstoffe dauerhaft zu versiegeln, was auch geschehen sei. Erneut habe man 2011 aufgrund des Mediationsverfahrens eine Raumluftuntersuchung in Auftrag gegeben. Laut Gutachtern konnten „keine erhöhten Faserkonzentrationen ermittelt werden, sodass diesbezüglich eine gesundheitliche Belastung ausgeschlossen werden kann“. Auch lägen keine Hinweise auf einen erhöhten Krankenstand in den beiden Wiesbadener Finanzämtern vor.

Jetzt stehen 300.000 Euro Schmerzensgeld im Raum sowie die Erstattung von Krankheitskosten. „Wir haben nicht die Beweise“, sagt dazu Anwalt Kolter, „aber die Fakten.“ Da das Landgericht die nächste Verhandlung zur Beweisaufnahme auf 16. Oktober festgesetzt hat, glaubt Kolter, dass die Fakten stechen und eine Umkehr der Beweislast eingetreten ist.

(Wiesbadener Kurier, 19.09.14, Birgit Ennet)

 

 

Experten wollen zeigen, warum ein Handy Krebs auslösen kann

Delmenhorst. Die Referenten Brigitte Becker und Gary Zörner wollen mit einem Vortrag an der Delmenhorster VHS auf die Gefahren von Elektrosmog hinweisen. Ein Handy auf dem Nachtschrank könne für Schlafstörungen verantwortlich sein.  

Selbst aus zehn Metern Entfernung strahlt ein Handy genug Elektrosmog aus, dass der menschliche Körper belastet wird – davon jedenfalls ist Baubiologin Brigitte Becker überzeugt, die am Freitag, 21. November, einen Vortrag zum Thema Elektrosmog in der Delmenhorster Volkshochschule (VHS) hält. Gemeinsam mit Gary Zörner vom Labor für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) will sie auf die Gefahren aufmerksam machen, die aus der Benutzung von Smartphones, WLAN-Routern und ähnlichen Geräten entstehen. Deren Strahlung könne mit Messgeräten nachgewiesen werden.

„Ich möchte erreichen, dass sich Menschen über Elektrosmog genauso Gedanken machen wie über Ernährung“, erklärt Becker. Schließlich könne die Strahlenbelastung von Elektrogeräten zum Beispiel Schlafstörungen verursachen. „Das kann daran liegen, dass ein Handy auf dem Nachtschrank liegt“, erklärt Becker. Diese Probleme würden oft nicht bekannt.

Gary Zörner, der den Vortrag von Becker ergänzt, spricht von einer „unsichtbaren Gefahr“, die bei Elektrosmog lauere. In Kombination mit anderen Belastungen wie zum Beispiel Quecksilber (in Energiesparlampen enthalten) könne Elektrosmog für Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs verantwortlich sein.

(Delmenhorster Kreisblatt, 13.11.14, Daniel Knoke)

 

 

Handystrahlung verursacht vielleicht keinen Krebs, aber beschleunigt

Elektromagnetische Strahlung mag kein direkter Auslöser von Krebs-Erkrankungen sein, wie immer wieder vermutet wird, kann aber das Wachstum von Tumoren sehr wohl unterstützen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Forschern der Jacobs University Bremen im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Die Erkenntnisse entstanden in Versuchen mit Mäusen. Hier konnte nachgewiesen werden, dass potenziell krebserregende Substanzen signifikant häufiger das Wachstum von Tumoren auslösten, wenn die Tiere lebenslang elektromagnetischen Feldern, wie sie beispielsweise von Mobiltelefonen erzeugt werden, ausgesetzt wurden. Damit bekräftigten die Forscher nicht nur erste Daten aus einer entsprechenden Pilot-Studie des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) aus dem Jahr 2010, sondern fügten neue Erkenntnisse hinzu.

Effekte auch unter Grenzwerten

"Die vom Fraunhofer-Institut 2010 entdeckten Effekte auf Tumore der Leber und der Lunge wurden vollauf bestätigt", erklärte der Biologe Alexander Lerchl. "Außerdem haben wir eine signifikant höhere Rate von Lymphomen festgestellt." Zum Problem in der Praxis könnte die Tatsache werden, dass einige der Effekte auch bei Feldstärken unterhalb der bestehenden Grenzwerte gefunden worden sind.

Die Wissenschaftler deuten die aktuellen Befunde allerdings nicht als Beleg dafür, dass durch Handynutzung Krebs verursacht wird. "Unsere Studie zeigt, dass Mobilfunkfelder die Ausbreitung bereits vorhandener Tumore verstärken. Für die Annahme, dass sie Krebs verursachen können, gibt es hingegen bislang keine Hinweise", betonte der Biologe.

Zusätzliche Forschungsprojekte seien nun notwendig, um die Ursachen der neuen Befunde abzuklären. "Wir können die beschriebenen Effekte eindeutig nachweisen. Nun müssen weitere Untersuchungen die Wirkmechanismen aufklären", so Lerchl. Denn was genau in den Zellen geschieht, wenn sie den Feldern ausgesetzt sind, ist aktuell noch weitgehend unbekannt.

(winfuture.de, 06.03.15, Christian Kahle)

 

 

Verursacht Handy-Strahlung doch Krebs?

Seit es Handys gibt, stehen Mobilfunkgeräte im Verdacht eine Gefahr für die Gesundheit zu sein. Eine aktuelle Studie im Auftrag der US-Regierung liefert jetzt neuen Stoff für Diskussionen.

Eine aktuell durchgeführte Studie im Auftrag der US-Regierung kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass Handy-Frequenzen durchaus zwei Arten von Tumoren verursachen könnten.

Die Forscher vom National Institute of Environmental Health Sciences entdeckten einen schwachen Zusammenhang zwischen Handy-Strahlung und zwei Arten von Tumoren. Allerdings bezogen sich diese Ergebnisse nur auf Ratten. Die Tiere wurden täglich in Zehn-Minuten-Intervallen mit Radiofrequenzen bestrahlt, die mit der Handy-Strahlung vergleichbar sind.

Handystrahlung löst bei Ratten Tumore aus

Als Ergebnis konnten die Wissenschaftler feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Strahlung und Hirntumoren oder Tumoren im Herzen gab. Besonders bei männlichen Tieren waren diese Ergebnisse zu beobachten. Ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen zu übertragen sind, ist bisher noch völlig unklar.

Was bedeutet das Ergebnis für Smartphone-Nutzer?

Eine Untersuchung der Uni Basel kam 2011 zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche nicht häufiger als andere an einem Hirntumor, wenn sie mit dem Handy telefonieren.

Die Autoren der Studie räumten damals allerdings ein, dass unklar ist, wie genau die Angaben der Probanden zu ihrem Handygebrauch über die Jahre sind.

Strahlenbelastung reduzieren

Beim Mobilfunk werden hochfrequente elektromagnetische Felder zur Übertragung von Informationen eingesetzt. Handys erzeugen diese Felder beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung direkt am Kopf. Über den maximalen Strahlungswert bei Smartphones gibt der SAR-Wert Auskunft. Das Bundesamt für Strahlenschutz (Bfs) hat auf seiner Webseite Tipps für den Umgang mit dem Handy zusammengestellt.

(Münchner Merkur, 30.5.16)

 

Bei Mäusen bestätigt

Seife als Auslöser für Leberschäden und Krebs

 Hygiene soll uns vor gefährlichen Bakterien schützen und für Wohlbefinden sorgen. Dass zu viel Reinlichkeit, zumindest mit chemischen Mitteln, mitunter ebenfalls gefährlich sein kann, zeigt das Ergebnis einer Versuchsstudie mit dem Wirkstoff Triclosan. Der bisher als verträglich eingesetzte Bestandteil vieler Hygieneprodukte steht im Verdacht Leberschäden und Krebs zu verursachen.

 San Diego (U.S.A.). Viele Produkte unserer Konsumwelt kommen nicht ohne chemische Zusätze aus. Artikel wie: Seife, Zahnpasta, unterschiedliche Deodorants und Kosmetika bilden da keine Ausnahme. Das sind Produkte, die direkt mit dem Körper in Kontakt kommen und unterschiedliche Wirkungen hervorrufen können. Besonders die Artikel mit antibakteriellen Funktionen sind anscheinend gefährlicher als der gewünschte positive antibakterielle Effekt. In Deutschland ist die Verarbeitung von Triclosan bis zu einem bestimmten prozentualen Anteil, nämlich 0,5 Prozent erlaubt. Diese Chemikalie ist sogar im Blut nachweisbar.

Einfluss auf das Muskelsystem

Galt Triclosan lange Zeit noch als harmlos, gibt es anhand von langfristigen Beobachtungen nun auch vermehrt kritische Stimmen und Meinungen, die vor dem Nutzen dieses Bestandteils warnen. Bekannt sind Erkenntnisse, dass sich die Chemikalie ungünstig auf das Muskelsystem auswirken kann, und das bereits bei niedriger Dosierung. Aufgrund des erlaubten Verwendung eine durchaus alarmierende Nachricht. Während diese Studien bereits vor zwei Jahren veröffentlicht wurden, existiert jetzt eine neue Untersuchung, die sich auf die Organe von Mäusen bezieht.

Umwandlung von Organgewebe in Kollagen kann Krebs begünstigen

Innerhalb von acht Monaten wurden Mäusen eine mit 0,08 Prozent Triclosan angereicherte Nahrung verabreicht. Mei-Fei Yueh von der University of California in San Diego und ihr Team untersuchten nach dieser Zeit die Organe der Tiere wie auch das Verhalten der Gene der Leber auf mikroskopischer Basis. Es ist bekannt, dass sich die Leber bei anhaltender ungünstiger oder giftiger Nahrung vergrößert. Dies konnte auch hier im Fall von Triclosan bestätigt werden. Gene für die Zellteilung, die zu einer Leberfibrose führen, waren hier besonders aktiv, die Leber unnatürlich vergrößert. Die Funktion der Zellteilung und das Entstehen von Entzündungen führen zu einem organischen Prozess, bei dem sich das Lebergewebe verwandelt, und zwar in Kollagen. Dieses Strukturprotein des Bindegewebes entspricht dem am meisten vorkommenden Eiweiß des menschlichen Körpers und kommt auch in der: Haut, Zähnen und Knochen, Sehnen, Bänder und Knorpel vor. Trotz der natürlichen Funktion des Eiweißes kann sich Kollagen auch ungünstig auf die blutreinigende Funktion der Leber auswirken, und dies kann wiederum langfristig Krebs entstehen lassen.

Um die negative Wirkung der Chemikalie auf den Organismus der Versuchstiere zu verdeutlichen, wurde einem Teil der Tiere zusätzlich ein krebsförderndes Mittel verabreicht. Die Tiere, bei denen Triclosan mit in das Futter gemischt wurde, zeigten sich viel anfälliger auf die Entstehung von Leberkrebs. Die Entstehung von Tumoren nahm im Vergleich zu herkömmlich ernährten Mäusen drastisch zu.

Augen auf bei Produkten mit Triclosan als Bestandteil

Durch die Versuchsstudie an den Tieren, meinen die Forscher die Ergebnisse auch auf das menschliche System übertragen zu können. Eine langfristige Einnahme und Belastung von Triclosan kann das Risiko auf Leberkrebs durch Leberfibrose deutlich erhöhen. Das Problem das aus dieser Erkenntnis resultiert, ist die nur eingeschränkte Möglichkeit zur Profilaxe. Menschen können zwar ihr Konsumverhalten steuern und damit Vorkehrungen treffen, einen Einfluss auf die Verwendung in Produkten aus der Herstellung habe man aber nur sehr beschränkt.

(Forschung & Wissen/online, 28.11.14)

 

 

 

DuPont soll Millionen für Krebs-Fall zahlen

New York - Der US-Chemiekonzern DuPont soll einem Gerichtsurteil zufolge 5,1 Millionen Dollar an einen US-Bürger zahlen, der nach Kontakt mit einem Stoff aus der Teflon-Herstellung an Hodenkrebs erkrankt sein soll. Gegen DuPont laufen 3400 weitere Klagen mit ähnlichen Vorwürfen.

Die Geschworenen im Bundesstaat Ohio fällten ihr Urteil am Mittwoch nach einem fünfwöchigen Verfahren. Ein DuPont-Sprecher nahm dazu nicht Stellung. Die Kosten soll allerdings das kürzlich abgespaltene Unternehmen Chemours übernehmen. Eine Sprecherin der Firma kündigte Berufung an und erklärte, man behalte sich vor, DuPont bei der Frage der Haftung zu widersprechen.

Chemours-Aktien fielen um regulären New Yorker Handel um mehr als 22 Prozent, DuPont-Titel um fast 1,8 Prozent.

Hintergrund ist der Vorwurf, DuPont habe jahrzehntelang den Stoff C-8 in einem Werk im nahe gelegenen Bundesstaat West Virginia verwendet, obwohl die Giftigkeit bekannt gewesen sei. Die Chemikalie wurde im Grundwasser nachgewiesen.

Viele der Klagen wurden von Anwohnern eingereicht, die an einer der sechs bekannten von C-8 ausgelösten Krankheiten leiden sollen. Das Urteil vom Mittwoch gilt als richtungsweisend für die Summen, die in den weiteren Fällen gezahlt werden könnten. Darüber hinaus drohen Strafzahlungen.

(cash.ch, 7.7.16, AWP/sda/reu)

 

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