Onkologisches Forum Celle e. V.

Oktober 17: In Nachsorge auf gesunde Ernährung achten
22.11.17: Krebs durch Pommes?

27.09.17: Niedrig dosiertes ASS reduziert Metastasen
10.08.17: Risiko Nachtschicht

29.03.17: Pech-gehabt-Diskussion erneuert
27.03.17: So beugen Jungs Hodenkrebs vor

28.02.17: Stress ist für viele Krebsfälle mitverantwortlich
20.01.17: Stress am Arbeitsplatz kann Krebs begünstigen

05.12.16: Nüsse bringen es!
28.12.06: Neuer Zusammenhang zwischen Krebs und Ernährung entdeckt
25.08.16: Normalgewicht beugt vor
02.06.17: Tumore wachsen - Vorsicht bei Süßigkeiten!
03.06.17: Bauchfett und hohe Zuckerwerte erhöhen Darmkrebs-Risiko

01.07.16: Hautkrebsgefahr nicht unterschätzen!

25.07.16: Alkohol als Krebsauslöser
05.11.16: Alkohol: Über 350.000 Krebstote weltweit
01.04.15: Alkohol verursacht etwa 13.000 Krebsfälle jährlich
06.08.15: Alkohol wird unterschätzt

01.06.16: Forscher entwickeln Impfung
07.12.16: Erweiterter Impfschutz gegen HPV
27.12.16: Studie bringt HPV-Impfung in Verruf
29.03.16: Sollten sich auch Jungs gegen Gebärmutterhalbskrebs-Viren impfen lassen?

13.04.16: Vitamin D gegen Krebs?
19.03.16: Lippenpflegestifte enthalten krebserregende Stoffe
19.01.16: Prostata-Krebs Behandlungsoptionen weiter umstritten
17.12.15: Doch kein Zufall?
30.12.15: E-Zigaretten lösen Krebs aus
27.10.15: Krebs und Fleischkonsum
22.10.15: Anzahl der Leberflecken entscheidend fürs Risiko
17.08.15: Vier Tassen Kaffee schützen ...
23.08.15: Der Jolie-Effekt
10.08.15: Vorsorgeuntersuchungen - Was sie nützen
03.08.15: Entscheidung gegen das Risiko

14.08.15: Diese Lebensmittel steigern das Krebs-Risiko
15.04.16: Angeblich wirksame Mittel
30.06.15: 12 Anzeichen, die Männer gern ignorieren
10.05.15: Ungeschminkte Sprache ist besser
05.04.15: Sport kann Krebs bei Männern im mittleren Alter verhindern
07.07.15: Von wegen "nur" Lungenkrebs
16.06.15: Rauchen begünstigt ein Dutzend Krebsarten
24.04.15: Schlafapnoe könnte Krebswachstum fördern
25.02.15: Apps können keinen Krebs erkennen
15.01.15: Krebs - Wie groß ist die Rolle des Zufalls?
09.02.15: Krebsentstehung: Wohl doch weniger Zufall
27.11.14: Forscher warnen: Auch E-Zigaretten krebsgefährdend
26.11.14: Fast eine halbe Million Krebserkrankungen durch Übergewicht
15.10.14: Wie Sie Krebs vorbeugen können
23.01.15: Neue Studie zu Aspirin
10.01.15: Mut zur Biopsie
15.08.14: Wenig Wissen zu Risiken von Krebsfrüherkennung
30.12.14: Nach PSA-Test-Aus in den USA: Prostatat-Krebs wird seltener erkannt
10.11.14: Ist das vielleicht ein Tumor?
14.11.14: Geschwollene Lymphknoten sind nicht immer gleich Krebs
09.10.14: Wissenslücke Tertiärprävention
07.10.14: Schützt gesundes Essen vor Krebs?
19.08.14: Krebsvorsorge bei Senioren: Zuviel des Guten
13.09.14: Reden wir über Sex, Krebs und die HPV-Impfung
29.09.14: Diagnose per Handy?
25.08.14: Geheilt, aber nicht gesund
04.09.14: Grillen ohne Gefahr
05.09.14: Bewege dich - trotz Krebs!
09.09.14: Vom BH kann man Brustkrebs bekommen. Wirklich?
11.02.15: BH soll Krebstumore erkennen
18.08.14: BUND rät von Deos mit Aluminium ab
18.08.14: Gefährliches Shampoo
26.11.14: Hunde erriechen Prostata-Karzinom
13.04.15: Hunde erschnüffeln Prostatakrebs zu 98 Prozent
18.02.15: Schnüffel-Telefon riecht Krebs
04.06.15: Halbieren Cholesterin-Senker Krebsrisiko?
03.08.15: Verursachen Tatoos Krebs?

 

 

Metaanalyse mit ehemaligen Tumorpatienten:

In Nachsorge auf gesunde Ernährung achten

Eine Metaanalyse mit Daten aus der ganzen Welt zeigt: Indem ehemalige Tumorpatienten sich auf für Industriestaaten typische Weise (ungesund) ernähren, steigern sie ihr Mortalitätsrisiko um den Faktor 1,5. Dieses relative Risiko ermittelten Lukas Schingshackl und Kollegen vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung aus den Daten von fast 210.000 Personen. Als charakteristisch für Industriestaaten-Ernährung galten hohe Anteile gesättigter Fettsäuren, zucker- und salzhaltiger Lebensmittel, von Weißmehlprodukten sowie von prozessierten Lebensmitteln wie Wurstwaren. Die Datenanalyse ließ auch den Umkehrschluss zu: Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Fisch minderte die Mortalität.

Quelle: Schwedhelm et alt. Nutr Rev. 2016; 74 (12):737-48

(Im Focus Onkologie, 2017; 20 (3), Martin Roos)

 

Krebs durch Pommes?

EU beschließt Acrylamid-Verordnung

Brüssel - Kaffee, Keks und Knäckebrot, Pommes, Chips und Flips: Das umstrittene Acrylamid findet sich in kleinen Mengen in Geröstetem, Gebackenem und Frittiertem - und somit auch bei fast allen Europäern auf dem Teller.

Weil der Stoff unter Verdacht steht, Krebs zu erregen, will die Europäische Union ihn zurückdrängen. Die EU-Kommission hat nun endgültig neue Vorgaben für Backstuben, Frittenbuden und Restaurants sowie für Lebensmittelhersteller beschlossen, nachdem eine dreimonatige Einspruchsfrist abgelaufen war. Verbraucherschützer sind zufrieden mit den neuen Regeln, doch die Gastronomie befürchtet ein Bürokratiemonster. Die wichtigsten Antworten zu dem Thema:

Wie gefährlich ist Acrylamid?

Die Debatte über Risiken durch Acrylamid in Pommes, Chips und Spekulatius läuft seit 2002, als schwedische Wissenschaftler den Stoff in Lebensmitteln nachwiesen. Er entsteht bei großer Hitze in stärkehaltigen Waren wie Kartoffeln oder Mehl aus den natürlichen Stoffen Asparagin und Zucker. Die chemische Reaktion kann beim Backen, Braten, Rösten und Frittieren ablaufen - nicht aber beim Kochen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt klar: Tierstudien "haben gezeigt, dass Acrylamid krebserzeugend wirkt". Deshalb sei es "als mutagener und kanzerogener Stoff mit Bedeutung für den Menschen eingestuft". Acrylamid im Essen erhöhe das Krebsrisiko, erklärt auch die europäische Lebensmittelaufsicht Efsa.

Was hat die EU-Kommission beschlossen?

In einer achtseitigen Verordnung mit 26 Seiten Anhang macht die Brüsseler Behörde professionellen Nahrungsmittelherstellern genaue Vorgaben für die Verarbeitung zum Beispiel von Kartoffeln oder Mehl. Denn es gibt kleine Stellschrauben, um die Entstehung von Acrylamid zu drosseln: weniger Zucker im Rohprodukt, möglichst wenig Hitze, möglichst geringe Bräunung.

So will die Kommission unter anderem,

- dass Kartoffelsorten mit wenig Stärke verarbeitet werden

- dass mit Einweichen oder Blanchieren die Stärke vor dem Frittieren ausgewaschen wird

- dass mit möglichst niedrigen Temperaturen gegart und Fritten oder Brot nur so stark gebräunt werden wie eben nötig.

Bei Produkten zum Selberbacken sollen Verbraucher eine genaue Anleitung bekommen, um auch zu Hause Risiken zu vermeiden. Bräunungstabellen sollen einen Maßstab bieten.

Welche Bedenken hat die Gastronomie?

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisiert weniger die Verarbeitungshinweise, sondern vielmehr neue Nachweis- und Dokumentationspflichten, die ebenfalls in dem Vorstoß enthalten sind. Betriebe müssen Proben nehmen und analysieren lassen. Dehoga nennt dies ein "neues Sinnbild einer überzogenen EU-Regelungswut".

Was sagen Verbraucherschützer?

Der europäische Verbraucherverband Beuc vermisst "rechtlich verbindliche Obergrenzen" für Acrylamid, lobt die Verordnung aber als ersten Schritt. Tatsächlich hätten gleiche Lebensmittel sehr unterschiedliche Acrylamidwerte. "Wenn einige Hersteller die Acrylamidwerte drücken können, dann können das andere auch", erklärte Beuc-Direktorin Monique Goyens nach der ersten Abstimmungsrunde im Juli. "Niemand will irgendeine Speise verbieten."

Wann kommen die neuen Regeln?

Die neue Verordnung wurde am Dienstag im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und tritt am 11. Dezember in Kraft. Sie sieht vor, dass die Gastronomie dann noch vier Monate Zeit hat, um sich auf die neuen Regeln einzustellen. Das heißt, spätestens ab 11. April 2018 sollen sie angewendet werden.

Werden Pommes dann teurer?

Davon ist noch keine Rede. "Die Frage des Aufwandes geht nicht damit einher, ob die Preise erhöht werden", hieß es zuletzt vom Hotel- und Gaststättenverband.

(dpa, 22.11.17)

 

Niedrig dosiertes ASS – weniger Metastasen bei Darmkrebs

Die regelmäßige Einnahme von Azetylsalizylsäure hemmt offenbar das Voranschreiten von Darmkrebs.

Seit geraumer Zeit ist bekannt, dass niedrig dosierte Azetylsalizylsäure (ASS), die zur Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAID) gehört, das Risiko für Dick- und Enddarmkrebs reduziert. Doch kann mithilfe von ASS auch der Ausbreitung von Darmkrebs mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe vorgebeugt werden? Darüber berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift BMC Cancer.

In zahlreichen Studien hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen über viele Jahre regelmäßig Azetylsalizylsäure in niedriger Dosierung einnehmen, ein geringeres Risiko für Darmkrebs haben und seltener an der Erkrankung versterben (s. Meldung DKG vom 22. August 2017). In der jetzt veröffentlichten Studie wurden zwei Patientengruppen berücksichtigt – insgesamt über 170.300 Personen im Alter von 40 bis 89 Jahren, die zu Beginn der Studie nicht an Krebs erkrankt waren: eine Gruppe von Personen, die niedrig dosiert ASS einnahmen, und eine Gruppe, die nicht ASS einnahm. Beide Gruppen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und früherer Arztbesuche ausgeglichen und wurden bis zu zwölf Jahre beobachtet.

In der ASS-Gruppe erkrankten signifikant weniger Personen an Darmkrebs. Das relative Risiko war gegenüber der anderen Gruppe um 34 Prozent reduziert, unabhängig vom Lebensalter, der ASS-Dosierung, dem Grund für die ASS-Therapie und dem Geschlecht. Darüber hinaus zeigte sich, dass spätere Krankheitsstadien von Darmkrebs unter den ASS-Anwendern seltener auftraten.

Nach Ansicht der Studienautoren habe Azetylsalizylsäure offenbar einen entscheidenden Einfluss auf das Voranschreiten einer bereits bestehenden Darmkrebserkrankung. 

Quelle: Rodríguez, L. A. G. et al.: New use of low-dose aspirin and risk of colorectal cancer by stage at diagnosis: a nested case–control study in UK general practice. BMC Cancer 2017, 17:637

(Onko-Internetportal, 27.9.17, kvk)

 

 

Nachtschicht: Durchmachen bis zum Krebs

Wer immer wieder nachts arbeitet, stellt nicht nur seinen Biorhythmus auf den Kopf, sondern erhöht auch sein Krebsrisiko. Schuld daran könnte ein Mangel des Schlafhormons Melatonin sein, das an der DNA-Reparatur beteiligt ist.

Ob häufiges Arbeiten in der Nacht krebserregend ist, wird schon lange diskutiert. Bereits vor zehn Jahren hat die International Agency for Research on Cancer Nachtschichten, die einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus verhindern, als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt diese Ansicht. Vorausgegangen war unter anderem eine im Jahr 2001 veröffentlichte Studie, die gezeigt hatte, dass Krankenschwestern, die über 30 Jahre nachts arbeiteten, ein 1,5-fach höheres Brustkrebsrisiko hatten als ihre Kolleginnen, die nachts schliefen und tagsüber arbeiteten.

Nachts funktioniert die DNA-Reparatur besser

Epidemiologen haben nun molekulare Mechanismen, die hinter der erhöhten Brustkrebsrate bei nächtlich arbeitenden Frauen vermutet wird, untersucht. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass der menschliche Körper Schäden an der DNA nachts effektiver reparieren kann als tagsüber. Parveen Bhatti vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle und seine Kollegen hatten in einer vorherigen Studie an Krankenschwestern und anderen Angestellten herausgefunden, dass Menschen, die häufig nachts arbeiteten, weniger 8-Hydroxydesoxyguanosin (kurz: 8-OH-dG) ausschieden.

8-OH-dG entsteht, wenn der DNA-Bestandteil Guanosin oxidiert. „Dazu kommt es routinemäßig, da in normalen Stoffwechselprozessen reaktiver Sauerstoff frei wird. Dieser reagiert mit der DNA und kann dort Mutationen hervorrufen“, erklären die Wissenschaftler den Prozess. DNA-Reparaturenzyme entfernen das schädliche 8-OH-dG und ersetzen es durch unoxidierte Guanosin-Moleküle.

Licht stört den Biorhythmus in der Nacht

Scheidet ein Mensch 8-OH-dG in ausreichender Menge über den Urin aus, gehen Wissenschaftler davon aus, dass ihre DNA-Reparatur intakt ist. Bhatti und seine Kollegen vermuten, dass die verminderte Ausscheidung von 8-OH-dG der häufig nachts arbeitenden Frauen ein (Mit-)Grund für ihre erhöhte Brustkrebsanfälligkeit sein könnte. An der DNA-Reparatur ist offenbar auch das oft als „Schlafhormon“ bezeichnete Melatonin beteiligt.

„Zwischen 19 und 20 Uhr beginnt die Melatonin-Konzentration im Körper anzusteigen. Sie erreicht ihren Peak zwischen 1 und 2 Uhr nachts und fällt dann bis in die frühen Morgenstunden wieder ab“, so die Epidemiologen. Licht sorgt dafür, dass die Zirbeldrüse im Gehirn die Melatoninproduktion reduziert. Auch Licht aus Laptops und Smartphones beeinträchtigen die Synthese des Schlafhormons. „Melatonin synchronisiert die physiologischen Abläufe und den Rhythmus des menschlichen Körpers“, so Bhatti. Das Hormon sei vergleichbar mit dem Mond, der die Gezeiten rhythmisch koordiniert.

Niedriger Melatoninspiegel korreliert mit verminderter 8-OH-dG-Ausscheidung

Die Forscher mutmaßen, dass der menschliche Schlaf unter anderem der Abwehr von Krebs dient. In früheren Studien wurde sowohl Melatonin als auch die DNA-Reparatur von 8-OH-dG mit der Nukleotidexzisionsreparatur (NER) in Verbindung gebracht. Mit diesem System korrigiert der Körper fehlerhafte Stellen, die eine Art „Buckel“ im DNA-Molekül erzeugen und dadurch die Helixstruktur stören.

Bhatti und seine Kollegen haben nun untersucht, ob der Melatonin-Spiegel mit der ausgeschiedenen 8-OH-dG-Menge im Urin korreliert. Dazu nutzte das Team die Daten von 50 Probandinnen, die im vergangenen Jahr an seiner Studie teilgenommen hatten und besonders niedrige Melatonin-Werte aufgewiesen hatten. Die Untersuchungen bestätigten Bhattis Verdacht: Nachtarbeitende Frauen mit einem niedrigen Melatoninspiegel schieden auch etwa 80 Prozent weniger 8-OH-dG aus als ihre nachtschlafenden Kolleginnen.

Melatonin nicht auf eigene Faust einnehmen

Im Moment handelt es sich bei diesem Phänomen jedoch nur um eine beobachtete Korrelation. Einen kausalen Zusammenhang wollen Bhatti und seine Kollegen in einer weiteren Studie untersuchen. Dabei wollen sie die Frage klären, ob die Gabe von Melatonin die nächtliche 8-OH-dG Ausscheidung erhöhen und damit mutmaßlich die DNA-Reparatur verbessern kann. Ist das der Fall, müssten langfristig angelegte Studien klären, ob sich die Gabe von Melatonin bei Schichtarbeiterinnen dauerhaft positiv auf das Brustkrebsrisiko auswirkt. Bhatti warnt ausdrücklich davor, aufgrund der vorliegenden Daten Melatonin auf eigene Faust einzunehmen. Dazu wisse man bisher zu wenig über den Nutzen, eine möglicherweise nützliche Dosierung und Nebenwirkungen, die eine solche Einnahme mit sich bringen könnten.

Bis belastbare Daten vorliegen, rät Bhatti allen Schichtarbeitern, noch mehr als anderen, die gängigen Ratschläge für eine stabile Gesundheit zu berücksichtigen: Ausreichend langer Schlaf, gute Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Quellen:
Shift work and chronic disease: the epidemiological evidence
X-S. Wang et al.: Occupational Medicine, doi: 10.1093/occmed/kqr001; 2011
Oxidative DNA damage during night shift work
Parveen Bhatti et al.: Occup Environ Med, doi: 10.1136/oemed-2017-104414. 2017

(doccheck.com, 10.8.17, Sonja Schmitzer)

 

 

Die Ursache von Krebs

Einfach nur Pech gehabt?

Krebs kann jeden treffen. Mal wird die Ursache dafür im Lebensstil gesucht, mal in der Umwelt oder den Genen. Aber kann es auch reiner Zufall sein? Mit dieser These hat ein berühmter Krebsforscher vor zwei Jahren die Fachwelt erschüttert. Nun legt er nach.

„Stellen Sie sich ideale Verhältnisse vor“, sagt Bert Vogelstein. „Rauchen ist strikt verboten, es gibt keine Industrie, keine UV-Strahlung; alle trinken Grünkohl-Shakes zum Frühstück, Mittag- und Abendessen – Menschen werden trotzdem Tumoren entwickeln.“ Denn, so der Wissenschaftler von der Johns Hopkins University im amerikanischen Baltimore, nicht für jeden Tumor sind negative Umwelteinflüsse verantwortlich. Und auch die richtigen Gene schützen lange nicht immer vor Krebs. Etwa zwei von drei malignen Mutationen, also Erbgutveränderungen, die normale Zellen in Krebszellen verwandeln, seien weder zu viel Stress, Zigaretten, Fast Food noch einer genetischen Disposition zuzuschreiben, glaubt Vogelstein. Nach seinen Berechnungen haben die meisten, die an Krebs erkranken, einfach Pech gehabt: Ihre Geschwulst ist Schicksal, das einen selbst im Paradies ereilen kann.

Zusammen mit dem Bioinformatiker Cristian Tomasetti stellt er in der aktuellen Ausgabe von “Science“ dar, wie er zu dieser Ansicht gekommen ist. Die beiden haben die Teilungsraten von Stammzellen in den einzelnen Organen des Körpers mit den entsprechenden Krebsraten verglichen. Dabei sind sie auf einen eindeutigen Zusammenhang gestoßen. Je häufiger sich diese Zellen teilen, desto größer ist im Prinzip die Wahrscheinlichkeit, dass aus ihnen ein Tumor entsteht. „Wenn Zellen sich teilen“, so argumentieren die beiden Forscher, „machen sie unvermeidbar Fehler.“ Und sie geben ihren Nachkommen eine beschädigte Kopie des Erbguts mit. Je häufiger die Teilung, so die simple Rechnung, desto häufiger auch die Fehler. Da sich die Stammzellen verschiedener Organe sehr unterschiedlich oft teilen, könnte das erklären, warum uns manche Krebsarten viel häufiger heimsuchen als andere. Krebs ist im Dickdarm, wo sich die Stammzellen viel häufiger fortpflanzen, bis zu zwanzigmal häufiger als im Dünndarm, obwohl potentiell krebsfördernde Stoffe in der Nahrung gleichermaßen durch beide Organe transportiert werden.

Alles richtig gemacht und trotzdem Krebs

Tatsächlich könnte die Theorie von Vogelstein und Tomasetti helfen, eines der großen Rätsel in der Onkologie zu lösen: Manchmal scheint sich der Krebs von allen schädlichen Umwelteinflüssen loszulösen. Er attackiert plötzlich Menschen, die gemäß den Gesundheitsratgebern alles richtig gemacht haben. Genauso wenig ließ sich bisher das umgekehrte Phänomen, der Helmut-Schmidt-Effekt, erklären: Warum bekommt eigentlich nur jeder zehnte Raucher Lungenkrebs, obwohl Zigarettenqualm das wohl stärkste krebserregende Umweltgift ist? Allein am Erbe der Eltern, da sind sich die Mediziner einig, kann es nicht liegen. Insgesamt gilt die Schätzung: Nur vier von zehn Tumoren wären durch einen gesünderen Lebenswandel vermeidbar gewesen. Was natürlich zu der Frage führt: Wie steht es mit den anderen sechs, welcher unbekannten Ursache haben diese Patienten ihre Krankheit zu verdanken?

Schon vor zwei Jahren hatten Vogelstein und Tomasetti behauptet, dass es die zufälligen Fehler sind, die im Erbgut einer sich teilenden Stammzelle zwangsläufig entstehen. Zumindest auf Anhieb gelang es ihnen jedoch nicht, jeden Kollegen zu überzeugen. Eher im Gegenteil. Ein Aufschrei ging durch die Fachwelt. Viele fragten sich, was den mehrfach für den Nobelpreis gehandelten Vogelstein zu solchen kruden Thesen getrieben habe. Gerade Epidemiologen fühlten sich auf den Schlips getreten, weil sie durch die Veröffentlichung Sinn und Zweck ihrer Präventionsmaßnahmen in Frage gestellt sahen.

Auch weltweit das gleiche Muster

Unter der Überschrift „Die meisten Krebserkrankungen beruhen nicht auf Pech“ meldete sich auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der WHO, zu Wort. Es sei methodisch äußerst unsauber, aus Daten, die nur in den Vereinigten Staaten erhoben wurden, ein neues Naturgesetz abzuleiten. Denn verschiedene Krebsarten kommen in den verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich häufig vor. Speiseröhrenkrebs zum Beispiel ist in Ostafrika ein häufiges Problem und kommt in Westafrika praktisch nicht vor, die Brustkrebsrate ist in Nordeuropa viermal so hoch wie in Ostasien. Das liege daran, dass Menschen an verschiedenen Orten der Erde durch geographische Gegebenheiten und kulturelle Prägung ganz unterschiedlichen Risikofaktoren ausgesetzt sind. Am Äquator scheint zum Beispiel die Sonne stärker, und die Haut bekommt mehr UV-Strahlung ab, in den Industrienationen essen die Menschen weniger Ballaststoffe, was das Darmkrebsrisiko ansteigen lässt. Wer diese regionalen Unterschiede nicht berücksichtige, müsse zwangsläufig zu falschen Schlüssen kommen, schrieben die Wissenschaftler des IARC. „Der Vergleich verschiedener Populationen hätte andere Ergebnisse erbracht“, schlussfolgerten sie.

Hat er aber nicht, zeigen Vogelstein und Tomasetti in ihrer neuen Analyse. Sie haben sich die Kritik zu Herzen genommen. Diesmal beruhen ihre Berechnungen auf Daten von 69 Staaten, in denen zwei Drittel der Weltbevölkerung leben. Darin enthalten sind auch Daten zu Brust- und Prostatakrebs, die in der ersten Analyse noch gefehlt hatten. Und tatsächlich findet sich diesmal auch weltweit dasselbe Phänomen: Die Höhe der Krebs- und die Teilungsrate korrelieren zu rund achtzig Prozent.

Reiner Zufall oder doch Umwelteinflüsse?

Aber genau bei dieser Zahl sieht Song Wu, Privatdozent für angewandte Mathematik und Statistik an der Stony Brooks University im amerikanischen Bundesstaat New York, ein Problem. „So eine einfache Korrelationsanalyse reicht für die Schlussfolgerung der beiden nicht aus.“ In einem Aufsatz, der bei „Nature“, einer vom Renommee her also durchaus ebenbürtigen Fachzeitschrift, erschien, kritisierte er die Analyse der beiden. Die DNA der Stammzellen könne, während sie vervielfältigt werde, auch durch Umwelteinflüsse mutieren, nicht allein durch zufällige Fehler. Und Vogelsteins Methode eigne sich einfach nicht, um die Einflüsse von Umwelt und Zufall auf die Stammzellen auseinanderzuhalten.

Um das zu verdeutlichen, schlägt er ein Gedankenexperiment vor: Ein radioaktiver Fall-out trifft die ganze Welt. Alle Stammzellen mutieren, und das Risiko aller Krebsarten steigt schlagartig auf das Vierfache. Nun geht also noch höchstens ein Viertel aller Erkrankungen auf zufällige Fehler zurück und drei Viertel auf den radioaktiven Fall-out, also die Umwelt. Nur würde – und das ist der entscheidende Einwand – die Analyse von Vogelstein den gleichen statistischen Zusammenhang zwischen Stammzellteilung und Krebsrisiko finden. Anders ausgedrückt: Die Korrelationsgerade im Koordinatensystem wäre zwar verschoben, hätte aber nach wie vor dieselbe Steigung.

Aber Vogelstein und Tomasetti haben in ihrem neuen Aufsatz auch darauf eine Antwort. In einer zweiten Analyse warfen sie einen Blick in das Genom verschiedener Krebsarten. Sie untersuchten zum Beispiel, wie sich die Erbgutfehler im Lungenkrebs eines Rauchers von denen eines Nichtrauchers unterscheiden. Anhand spezifischer genetischer Muster, die in diese mathematisch deutlich anspruchsvollere Analyse einflossen, wagten die beiden eine Schätzung. Nämlich darüber, welchen Anteil Erbanlage, Umwelteinfluss und Zufall haben, wenn verschiedene Krebsarten entstehen. Im Schnitt fanden sie, dass zwei Drittel aller Mutationen in Krebszellen zufällig waren.

Stammzellen spielen eine entscheidende Rolle

Andreas Trumpp, Direktor des Stammzellinstituts HI-STEM am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, hat die Forschung von Vogelstein mit großem Interesse verfolgt. „Die Ergebnisse“, sagt er „passen gut zu dem, was wir in jüngster Zeit gelernt haben: dass gerade die Stammzellen eine entscheidende Rolle bei der Tumorentstehung spielen.“

Wenn eine Krebszelle Amok läuft und gar nicht mehr aufhört, sich zu teilen, muss ihre Steuerung durch mehrere entscheidende genetische Veränderungen durcheinandergebracht worden sein. Bei einem Bauchspeicheldrüsentumor sind es etwa fünfzig bis hundert Mutationen, beim Raucher-Lungenkrebs einige tausend. „Eine normale reife Zelle mit solchen Veränderungen wird vom Körper in der Regel entsorgt, da sie oft nur kurze Zeit lebt“, erklärt der Molekularbiologe. Anders dagegen eine Stammzelle: Sie widersteht häufig nicht nur diesem Selbstreinigungsprozess, sie gibt auch jede gefährliche Mutation stets an Generationen von Nachkommen weiter, die wiederum oft selber Stammzellen sind und nun die ersten Schritte zur Krebsentstehung bereits hinter sich haben. Fast sechstausendmal, so kalkulieren Vogelstein und Tomasetti, teilt sich eine Dickdarmstammzelle im Laufe ihres Lebens, rund dreihundertmal das Pendant in der Brust, nur sechsmal das in der Lunge. Und bei jeder Teilung produziert die unzuverlässige zelluläre Kopiermaschine durchschnittlich drei neue Mutationen.

Alter als Krebsrisiko

Je älter die Zelle wird, desto mehr solcher Fehler schleichen sich ins Erbgut ein. Vor drei Jahren entdeckten Harvard-Wissenschaftler, dass selbst in den Blutstammzellen gesunder Menschen mutierte Krebsgene zu finden sind. Bei jedem zehnten über siebzig Jahre Alten sind sie zu entdecken, bei jedem fünften über neunzig. „Das muss nicht zwangsläufig zu einer Leukämie führen, aber es zeigt: Der wichtigste Krebsrisikofaktor ist das Alter“, sagt Trumpp. Ähnliches gelte im Prinzip für fast alle anderen Tumoren. Auch das spräche für die Richtigkeit von Vogelsteins These. „Deshalb kann man wahrscheinlich die Entstehung von Krebs nicht komplett verhindern. Aber man kann sie hinauszögern – Umweltfaktoren haben wohl einen entscheidenden Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der sich ein Tumor entwickelt“, sagt Trumpp. Jede Verzögerung kann immerhin bedeuten, dass der Krebs bis zum Lebensende nicht wirklich zum Ausbruch kommt.

Trotzdem scheint das überarbeitete Konzept von Vogelstein und Tomasetti noch Lücken zu haben. Das macht ein Beispiel klar: Das Prostatakarzinom ist in den Vereinigten Staaten bis zu 25 Mal häufiger als in Japan, und das Erkrankungsrisiko japanischer Männer, die nach Nordamerika umziehen, gleicht sich schon nach kurzer Zeit fast an. Das deutet stark auf Umwelteinflüsse hin. Vogelstein und Tomasetti hingegen taxieren den Einfluss des Faktors R, wie sie die unsichtbare Hand des Schicksals nennen, beim Prostatakrebs auf 95 Prozent. Die britische Organisation Cancer Research UK, auf deren Daten sich Tomasetti und Vogelstein wiederholt berufen haben, geht sogar davon aus, dass kein einziger Fall von Prostatakrebs durch Prävention verhindert werden kann.

Der immer noch nicht überzeugte Song Wu interpretiert den Befund anders. Gerade an diesem Beispiel sehe man doch, „dass wir viele Umweltfaktoren noch nicht kennen oder noch nicht richtig verstehen. Da muss noch viel geforscht werden.“ Ähnlich äußert sich Karin Michels, Leiterin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie der Universitätsklinik Freiburg. Sie meint, dass Unterschiede wie beim Vorkommen des Prostatakarzinoms stärker auf Umweltfaktoren und Lebensumstände zurückzuführen sind, als es Vogelsteins Analyse nahelegt. „Durch die Stammzellteilungsraten allein lassen sich solche Unterschiede sicherlich nicht erklären“, sagt sie.

Prävention bleibt wichtig

Trotzdem klingt Karin Michels ein bisschen frustriert, wenn sie einräumt, dass man in ihrem Fach bisher immer wie auf eine Wand gestoßen sei: „Es ist uns nie gelungen, den Großteil der Krebserkrankungen mit Lebensstil- und Umweltfaktoren zu erklären – ganz anders zum Beispiel als bei Herzinfarkt und Diabetes. Dass der Zufall hier eine Rolle spielen muss, war vielen von uns eigentlich schon lange klar.“ Dennoch seien etwa vierzig Prozent der Krebsfälle verhinderbar: „Das heißt, dass man eine nicht zu vernachlässigende Chance hat, durch Prävention gesund zu bleiben.“

Sollte das nicht gelingen, stecken eben möglicherweise allzu oft nicht das unvernünftige Leben, nicht die Zigarren, der Whisky oder die vielen Grillwürste hinter einem Tumor – und auch nicht die Sonnenbrände der Kindheit oder ein anderes vermeintliches Verschulden. Mit dem Segen der Wissenschaft kann man nun sagen, dass es auch ganz einfach ein tragischer Zufall sein kann.

(FAZ/FAS, 29.3.17, Michael Brendler und Jakob Simmank)

 

 

So beugen Jungs Hodenkrebs vor

Für Frauen ist Krebsvorsorge beim Frauenarzt selbstverständlich. Viele tasten selbst ihre Brust ab, um Tumore früh zu erkennen. Junge Männer dagegen sind eher vorsorgescheu. Dabei sollten auch sie ihren Körper kennen, um Veränderungen früh zu bemerken.

Spätestens, wenn das Thema Verhütung ansteht, geht fast jedes Mädchen zum Frauenarzt. Bei Jungs sieht es anders aus. Dass mit den eigenen Geschlechtsorganen etwas nicht in Ordnung sein könnte, halten die meisten für ausgeschlossen.

Wozu also zum Arzt gehen? «Die Jungs fühlen sich häufig unverwundbar», sagt Prof. Christian Wülfing, Urologe und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Es erkranken aber immerhin 4000 Männer pro Jahr an Hodenkrebs. Erkennt man den Tumor früh genug, sind die Heilungschancen hervorragend. «Deswegen ist Vorsorge wichtig», sagt Wülfing. Er will Jungs dazu ermutigen, sich regelmäßig selbst zu untersuchen. «Die meisten Männer erkranken zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr», erklärt der Arzt. Mit der Selbstuntersuchung beginnen junge Männer also am besten im Alter von 14 Jahren.

Eine besondere Hodenabtast-Technik gibt es nicht, sagt Wülfing. Entscheidend sei, die eigenen Hoden etwa einmal monatlich zu betasten. So lernt man mit der Zeit, wie sie sich normalerweise anfühlen - nämlich «prall-elastisch», wie Wülfing erklärt. Findet ein Junge merkwürdige Verhärtungen, sollte er einen Termin beim Urologen oder Kinderarzt machen. «Da passiert nichts schlimmes», sagt Wülfing. Der Arzt tastet ebenfalls ab und macht dann eventuell eine Ultraschalluntersuchung.

Selbst wenn sich bestätigt, dass sich tatsächlich ein Tumor gebildet hat, müsse man nicht verzweifeln. Die Heilungschancen stehen Wülfing zufolge bei mehr als 80 Prozent - selbst, wenn der Krebs bereits gestreut hat. «Je früher wir den Tumor entdecken, desto weniger Chancen hatte er aber, Metastasen zu bilden.» Das mache die Behandlung einfacher.

Mit einer neuen Kampagne wollen die Urologen junge Männer zur Vorsorge ermuntern. Auf der Website «hodencheck.de» informiert die DGU unter anderem über die Selbstuntersuchung.

(Saarbrücker Zeitung, 27.3.17, dpa)

 

 

Analyse von 160.000 Daten

Bislang unterschätzt: Stress kann Ihr Krebsrisiko um 32 Prozent steigern

Wer sich gesund ernährt, wenig Alkohol trinkt, nicht raucht und UV-Strahlung meidet, kann Krebs vorbeugen. Das ist den meisten Menschen bewusst. Weniger bekannt ist dagegen, dass bestimmter Stress Krebs auslösen kann. Zu dieser Erkenntnis gelangten jedoch britische Wissenschaftler.

Die Forscher des University College in London und der University of Edinburgh untersuchten Daten von mehr als 163.000 Frauen und Männern aus 16 unabhängigen Studien. Die Probanden hatten einen standardisierten Fragebogen zu ihrem psychischen Wohlbefinden ausgefüllt. Ein Ergebnis von null Punkten stand für ein sehr geringes Stresslevel, zwölf Punkte markierten besonders viel Stress.

Rund 4400 Probanden waren während des Beobachtungszeitraums an Krebs gestorben. Bei der Analyse der Daten fanden die britischen Forscher heraus: Probanden mit einem Stresslevel von sieben bis zwölf hatten ein wesentlich höheres Risiko, an Krebs zu erkranken, als Probanden, die nur zwischen 0 und 6 lagen. Dauerhafter Stress erhöhte das Risiko für Krebs im Schnitt um 32 Prozent. Am stärksten stieg das Risiko für Leukämie, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Da die Probanden ihr Stresslevel subjektiv einschätzten, sind weitere Untersuchungen nötig, um den Zusammenhang eindeutig zu belegen. Trotzdem liefern die Forscher einen ersten Hinweis dafür, dass Stress nicht nur der Psyche schadet – und Sie sich in hektischen Situationen öfter mal eine Auszeit gönnen sollten.

(Focus online, 28.2.17)

  

 

Permanenter Stress am Arbeitsplatz kann Krebs auslösen

Studie untersucht die Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz auf Krebserkrankungen

In der heutigen Zeit leiden immer mehr Menschen unter den Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz. Forscher fanden jetzt heraus, dass Stress bei der Arbeit signifikant die Wahrscheinlichkeit für einige Arten von Krebs erhöht. Zu diesen gehören beispielsweise Magen- und Lungenkrebs.

Die Wissenschaftler der Quebec University stellten bei einer Untersuchung fest, dass bei der Arbeit auftretender Stress zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Preventative Medicine“.

Dauerhafter Stress bei der Arbeit kann zu Krebs führen

Wenn Männer 15 Jahre in einem stressigen Job arbeiten, steigt dadurch ihr Risiko für fünf verschiedene Arten von Krebs. Zu diesen gehörten beispielsweise auch Magen- und Lungenkrebs, sagen die Autoren. Bereits vorher wurde festgestellt, dass Stress im Job den gesunden Blutdruck gefährden kann. Generell sollten Arbeitsunsicherheit, hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck unbedingt als ein Problem der öffentlichen Gesundheit betrachtet werden, erläutern die Experten.

Bisher war die Verbindung zwischen Stress und Krebs noch unbestätigt
Obwohl bereits seit langer Zeit bekannt ist, dass Stress eine Reihe von Problemen bei der menschlichen Gesundheit auslöst, hatte die Forschung bisher nur schwache Beweise dafür, dass Stress auch Krebs auslösen kann, erklären die Wissenschaftler. Einige Studien hätten bereits eine Verbindung zwischen verschiedenen psychologischen Faktoren und einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Krebs ergeben. Andere Studie konnten dagegen diese Ergebnisse nicht bestätigen, berichten die Wissenschaftler.

Arbeitsbelastung und Zeitdruck verursachen Stress am Arbeitsplatz

Die aktuelle Studie versuchte eine Verbindung zwischen Stress bei der Arbeit und Krebserkrankungen zu belegen. Dafür untersuchten die Wissenschaftler der Quebec University die Prävalenz von Krebs bei Männern mit arbeitsbedingtem Stress. Arbeitsbelastung und Zeitdruck waren hier nicht die einzigen beiden Faktoren der Belastung, welche von den Teilnehmern angegeben wurden.

Weitere Gründe für Stress am Arbeitsplatz:

Einige der 3.103 teilnehmenden erwachsenen Probanden, bei welchen Krebs diagnostiziert wurde, klagten auch über Arbeitsunsicherheit, finanzielle Probleme und den Umgang mit Kunden. Andere schlossen beispielsweise anspruchsvolle oder gefährliche Arbeitsbedingungen, Mitarbeiterüberwachung und zwischenmenschliche Konflikte mit ein, erläutern die Autoren.

Zu welchen Krebserkrankungen kann Stress bei der Arbeit führen?

Es konnten signifikante Verbindungen von Stress bei der Arbeit zu Magen-, Lungen-, Dickdarm- und Darmkrebs festgestellt werden. Auch das Auftreten des sogenannten Non-Hodgkin-Lymphoms wurde durch den auftretenden Stress beeinflusst. Die festgestellten gesundheitlichen Probleme wurden bei Männern diagnostiziert, die jeweils 15 Jahre lang arbeitsbedingtem Stress ausgesetzt waren, sagen die Experten. Solche eine Verbindung konnte allerdings nicht festgestellt werden, wenn die Probanden für weniger als 15 Jahre einem hohen Druck am Arbeitsplatz ausgesetzt waren.

Stress führt auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Andere Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass ein stressiges Leben signifikant das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle erhöht. Wissenschaftler der anerkannten Harvard Medical School entdeckten bei ihrer Studie, dass Angst und Stress direkt mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse verbinden das psychische Wohlbefinden mit der allgemeinen körperlichen Gesundheit. Aus diesem Grund sollten Ärzte bei der Behandlung von Menschen mit chronischem Stress besonders auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte achten.

Weitere Forschung ist nötig

Menschen die unter viel Stress leiden, könnten zum Rauchen, zur Überernährung und zum Alkoholkonsum neigen, glauben die Experten. Die am meisten belasteten Arbeitsplätze hatten beispielsweise Feuerwehrleute, Ingenieure und Mechaniker. Die Assoziation zwischen dem am Arbeitsplatz wahrgenommenen psychischen Stress (über die gesamte berufliche Laufbahn) und Krebs bei Männern sei zuvor noch nie beurteilt worden, erläutert der Studienautor Dr. Blanc-Lapierre von der Quebec University. Aber die Forscher sagen auch, dass die Resultate noch nichts beweisen und auf einer zusammenfassenden Bewertung von spezifischen Jobs basieren. Es sei weitere Forschung notwendig, um zuverlässige Belastungsmessungen zu erstellen, welche alle Quellen berücksichtigen.  

(Heilpraxisnet.de, 20.1.17, as)

 

 

 

Ernährung

Eine Handvoll Nüsse pro Tag gegen Herztod und Krebs

London. Vor allem in der kalten Jahreszeit spielen Nüsse eine große Rolle. Etwa für die Tierwelt als Vorrat und für den Menschen als Knabberei oder Zutat für Weihnachtsbäckereien. Britische und norwegische Wissenschafter haben nun allerdings die Bedeutung der Nuss für die Gesundheit unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Wer mindestens 20 Gramm - also eine Handvoll - Nüsse pro Tag verspeist, tut seinem Körper wahrlich Gutes. Der Studie zufolge reduziert sich durch den Nussgenuss das Risiko für Herzkreislauferkrankungen um nahezu 30 Prozent, jenes, an Krebs zu erkranken, um 15 und das Risiko auf einen frühzeitigen Tod um 22 Prozent. Nussfans reduzieren auch die Gefahr, an Diabetes zu erkranken - nämlich um 40 Prozent.

Walnuss, Mandel und Maroni

Die Forscher des Imperial College London und ihre Kollegen von der Norwegian University of Science and Technology analysierten die Daten von rund 820.000 Teilnehmern aus 29 publizierten Studien. Obwohl die Menschen in verschiedenen Regionen leben und auch unterschiedliche Risikofaktoren mit brachten, scheinen Nüsse bei den meisten von ihnen ihre Wirkung zu zeigen.

Walnuss, Mandel, aber auch Maroni etwa zählen zu den Nüssen. Sie "besitzen einen hohen Anteil an Ballaststoffen, Magnesium und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Nährstoffe, die sich vorteilhaft auf das Herzkreislaufsystem auswirken und das Cholesterin reduzieren können", betont Studien-Ko-Autor Dagfinn Aune im Fachblatt "BMC Medicine". Walnüsse und Pecan-Nüsse beinhalten überdies einen hohen Anteil an Antioxidantien, die oxidativen Stress und damit das Risiko für Krebs reduzieren. Der Profit für die Gesundheit lasse sich bei höherem Konsum auch noch etwas steigern, betonen die Forscher. Aber vermutlich nicht in Form von Weihnachtsbäckerei.

(Wiener Zeitung, 5.12.16, gral)

 

 

 

Meta-Analyse

Neuer Zusammenhang zwischen Krebs und Ernährung aufgedeckt

Die Überlebenszeit von Krebspatienten hängt nicht unwesentlich von der Ernährung ab. Zu diesen Erkenntnissen sind Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) gelangt, nachdem sie mehr als 100 Beobachtungsstudien durchgeforstet haben.

Menschen mit Krebs leben heute immer länger. Verglichen mit den 1980er Jahren hat sich das Sterbealter von Krebspatienten um rund drei Jahre erhöht. Heute liegt das durchschnittliche Sterbealter bei 73 Jahren. Doch Menschen, die sich ungesund ernähren, scheinen seltener von diesem Fortschritt zu profitieren. Das legt eine Meta-Analyse des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) nahe, in der alle weltweit in Frage kommenden Studien systematisch ausgewertet wurden. In den 117 Beobachtungsstudien waren die Ernährungsgewohnheiten von insgesamt 209.597 Personen sowohl vor als auch nach der Krebsdiagnose erfasst.

Alle weltweit in Frage kommenden Studien gesichtet

Die Ergebnisse zeigen: Personen, die sich vor oder auch nach der Krebserkrankung von der sogenannten Western-Diät ernährten, hatten ein um bis zu 50 Prozent erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Als Western-Diät werden Lebensmittel bezeichnet, die viel gesättigte Fette, Zucker und Salz enthalten und zudem industriell verarbeitet sind, etwa Wurstwaren, Pommes Frites oder Toastbrot. Am schlechtesten schnitten in der Datenanalyse Brust- und Dickdarmkrebs-Patienten ab. Bei ihnen scheint eine ungesunde Ernährung besonders oft zu einem verfrühten Tod zu führen.  

Alkohol senkt, Mittelmeerdiät erhöht Lebenserwartung

Mit Blick auf einzelne Lebensmittel wirkte sich Alkohol am ungünstigsten auf die Lebenserwartung aus. Dies galt insbesondere für Krebsüberlebende, die an Leberkrebs, Speiseröhrenkrebs und Tumoren im Kopf-Hals-Bereich erkrankt waren. Die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall erhöhte sich nach aktueller Studienlage durch den vermehrten Alkoholkonsum zudem auf 17 bis 31 Prozent.

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine ungesunde Ernährungsweise die Lebenserwartung relativ stark beeinflusst“, erläutert Studienleiter Lukas Schwingshackl vom DIfE. Dies gelte auch umgekehrt. „Auf der anderen Seite sehen wir, dass als gesund angesehene Lebensmittel sowie Ernährungsweisen die Lebenszeit bei Krebsüberlebenden verlängern können“, so der Ernährungswissenschaftler weiter. So lebten der Studie zufolge zum Beispiel Menschen länger, die eine so genannte Mittelmeer-Diät mit viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Fisch zu sich nahmen.

Basierend auf ihren Daten sprechen die DIfE- Wissenschaftler eine eindeutige Empfehlung aus: Ehemalige Krebspatienten sollten ungesunde Lebensmittel unbedingt meiden.

Die Studienergebnisse sind kürzlich im Fachmagazin „Nutrition Reviews“ erschienen. 

(Gesundheitsstadt Berlin, 28.12.16, ham)

 

 

Forscher: Normalgewicht beugt Krebs vor

Wer übergewichtig ist, hat Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für viele Arten von Krebs. Das war für einige Krebsarten bekannt und wurde nun von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC für weitere bestätigt. Dazu hatten Forscher rund 1000 Studien zum Zusammenhang von Krebs und Gewicht analysiert.

«Die umfassende Auswertung unterstreicht den Nutzen, den die Beibehaltung eines gesunden Körpergewichts hat, um das Risiko mehrerer unterschiedlicher Krebs-Typen zu reduzieren», erklärte Studienleiterin Béatrice Lauby-Secretan heute in der IARC-Mitteilung. Die Agentur, die zur Weltgesundheitsorganisation gehört, sprach von einem «krebsvorbeugenden Effekt des Nicht-Fettleibigseins».

Mit den Studien zum neuen «Handbuch der Krebsprävention» bestätigten die Forscher einerseits eine Auswertung von 2002, der zufolge das Beibehalten des Normalgewichts das Risiko für Darm- und Enddarmkrebs, Brustkrebs nach den Wechseljahren, Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs und Nierenzellkrebs senkt. Nun gebe es hinreichende Belege für weitere Krebsarten, die bei Übergewicht vermehrt auftreten: darunter Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs und Karzinome im oberen Magenbereich. Das Ergebnis gilt nach IARC-Angaben für Erwachsene mittleren Alters.

Die Daten wiesen auf einen Zusammenhang von «Dosis und Wirkung» hin, sagte der beteiligte Epidemiologe Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: «Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit ist, desto höher das Krebsrisiko». Die Datenlage reicht laut Kaaks nicht aus, um zu prüfen, ob eine drastische Gewichtsabnahme bei Übergewichtigen das Krebsrisiko wieder senken könnte. Ein Schritt zur Krebsprävention sei daher eher, erst gar keine überzähligen Pfunde anzusammeln. Nach internationalen Schätzungen ließen sich in Deutschland 25.000 Krebsfälle verhindern, wenn kein Mensch Übergewicht hätte.

(Pharmazeutische Zeitung, 25.8.16, dpa)

 

 

Tumore wachsen - Vorsicht bei Süßigkeiten!

Studie zeigt, dass Zucker bestimmte Krebsart fördert

Viele Krebszellen ziehen ihre Energie aus Zucker. Das bestätigte nun eine Untersuchung von Forschern der Universität Dallas. Sie fanden heraus: Eine bestimmte Krebsart steht besonders auf Süßes. Ihre Studie liefert einen guten Grund, auf eine zuckerarme Ernährung zu achten.

Krebs braucht Zucker, um zu wachsen – aber nicht jede Krebsart expandiert gleichermaßen durch den süßen Energiespender. Wissenschaftler der Universität Dallas haben jetzt entdeckt, dass sogar die Unterarten eines Karzinoms – in diesem Fall Lungenkrebs – unterschiedlich auf Zucker reagieren. Nur der Krebs, der von der oberen Zellschicht der Bronchien ausgeht, das sogenannte Plattenepithelkarzinom, stürzte sich darauf. Nicht auf zuckerhaltige Ernährung reagierten Adenokarzinome, die aus drüsenartigem Gewebe entstehen.

Verantwortlich dafür ist ein Protein, das den Glukosetransport in alle Zellen des Körpers reguliert. Dieses GLUT1 fand sich im Plattenepithel-Krebs der Lunge in auffallend hoher Konzentration. Als die Forscher in einem Versuch an Mäusen die GLUT1-Ausschüttung hemmten, schrumpften die Tumore oder wuchsen viel langsamer.

Daraus schöpfen die Wissenschaftler jetzt Hoffnung auf einen neuen Therapieansatz für einen ansonsten schwer behandelbaren Krebstyp. Als nächstes wollen sie in einem Tierexperiment untersuchen, wie sich eine zuckerarme Ernährung auf Lungenkrebs auswirkt. Möglicherweise lassen sich manche Krebserkrankungen tatsächlich aufhalten, wenn man den Tumoren den Zucker entzieht.

(Focus online, 2.6.17)

 

 

Bauchfett und hohe Zuckerwerte erhöhen Darmkrebs-Risiko

Viel Bauchfett und eine erhöhter Blutzuckerspiegel sind eine gefährliche Mischung, vor allem für Herz und Gefäße. Jetzt haben Ernährungswissenschaftler aus Potsdam gezeigt, dass auch das Risiko für Darmkrebs steigt.

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs gilt seit etlichen Jahren als hinreichend belegt, so auch für Darmkrebs. Daher sind neueste Ergebnisse des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) nicht allzu überraschend, wonach eine Gewichtszunahme das Darmkrebsrisiko signifikant erhöht. Die aktuelle Studie zeigt, dass Erwachsene, die über einen Zeitraum von 30 Jahren mehr als 9 Kilogramm Gewicht zulegten, ein um 54 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Bei Personen, die ihr Gewicht über die Jahrzehnte halten konnten, fanden die Forscher dagegen kein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs. Für Enddarmkrebs schien das Gewicht allerdings keine Rolle zu spielen.

Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen spielen eine Rolle bei Dickdarmkrebs

Eine weitere Erkenntnis der Studie von Heiner Boeing und Krasimira Aleksandrova vom DIfE: Nicht nur der wachsende Bauchumfang, auch erhöhte Blutzuckerwerte scheinen am Krebsgeschehen beteiligt zu sein. Der in der Studie analysierte HbA1C-Wert ist ein wichtiger Indikator für die durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vergangenen acht bis zwölf Wochen. Dieser Wert war auch bei einem Großteil der Übergewichtigen Krebspatienten erhöht. „Wir nehmen an, dass der beobachtete Zusammenhang zwischen einer Gewichtszunahme und Dickdarmkrebs mit physiologischen Veränderungen einhergeht, die zumindest teilweise auf eine Zunahme des Bauchfetts und eine Störung des Zuckerstoffwechsels zurückzuführen sind“, sagt Erstautorin Krasimira Aleksandrova.

Ob jedoch ein über lange Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel das Dickdarmkrebsrisiko direkt negativ beeinflusst, wisse man derzeit noch nicht. „Zumindest liefert die neue Studie weitere Ansatzpunkte, die sich weiterverfolgen lassen, um die molekularen Mechanismen der Dickdarmkrebs-Entstehung aufzuklären“, so Aleksandrova. 

Gewichtszunahme vermeiden

Auf jeden Fall legen die Ergebnisse nahe, wie wichtig es ist, lebenslang mit Hilfe eines gesunden Lebensstils Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen zu vermeiden. „Die neuen Daten zeigen schon jetzt, dass man im Alter nicht übermäßig an Körperfett zunehmen sollte", meint Heiner Boeing, der die Potsdamer EPIC-Studie und die Abteilung Epidemiologie am DIfE leitet.

Die Studie schloss die Daten von 266 erstmals an Dickdarmkrebs und 186 an Enddarmkrebs erkrankten Menschen sowie die Daten von 452 nicht an Krebs erkrankten Kontrollpersonen ein. Die Daten wurden aus der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ (EPIC) Studie gewonnen, an der rund 519.000 Erwachsene aus zehn europäischen Ländern beteiligt sind.

(gesundheitsstadt-berlin.de, 3.6.17, ham)

 

 

Hautkrebs: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Die Haut kann so manches wegstecken. Aber wer sich ungeschützt der Sonne aussetzt, lebt gefährlich. Im schlimmsten Fall droht Hautkrebs. Auf welche Warnsignale man achten sollte.

Wenn die Sommersonne vom Himmel brennt, lebt die Haut besonders gefährlich. Das Risiko für Hautkrebs werde von vielen unterschätzt, sagen Experten. Besonders hellhäutige Menschen, die sich leicht einen Sonnenbrand einfangen, seien gefährdet. Ein Überblick über zentrale Fakten zu schwarzem und weißem Hautkrebs: 

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an, sagt der Ärztliche Koordinator des Hauttumorzentrums Mannheim, Jochen Sven Utikal. «Sind genügend Schäden vorhanden, funktioniert die Reparatur der Zellen nicht mehr effektiv - dann kommt es zum Krebswachstum.» Risikofaktoren für Hautkrebs sind laut Experten schwere Sonnenbrände, vor allem in der Kindheit, und Solarienbesuche. «Gebräunt zu sein ist nach wie vor ein Schönheitsideal - dabei gibt es die gesunde Bräune nicht», sagt Oberärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Die Bräune zeige an, dass die Haut geschädigt worden sei - und sich das nächste Mal schützen wolle.

Hautkrebs-Symptome: Wenn's blutet und juckt

Anfangs haben die meisten Menschen beim schwarzen Hautkrebs Experten zufolge so gut wie keine Beschwerden. «Man sieht einfach ein Muttermal, das sich verändert hat», erläutert Utikal. «Beim weißen Hautkrebs wächst irgendetwas, ein Knötchen an der Haut, oft im Gesicht.» In beiden Fällen könne es bluten und jucken. Während der weiße Hautkrebs überwiegend an Körperstellen auftritt, die oft der Sonne ausgesetzt sind, kann sich der schwarze Hautkrebs laut Medizinern auch anderswo bilden.   

Weißer Hautkrebs häufiger als schwarzer

Der schwarze Hautkrebs tritt viel seltener auf als der weiße. «Bei schwarzem Hautkrebs gehen wir pro Jahr von 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner aus», sagt Facharzt Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum Bonn Friedensplatz. Er komme besonders oft zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr vor und mit Mitte 50. Experten beobachten in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei jungen Frauen. Bei dem hellen Hautkrebs spricht Reinhold von bis zu 400 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Einwohner. «Weißer Hautkrebs tritt häufiger bei Männern auf, die durch fehlende Kopfhaare oder Berufe unter freiem Himmel eher gefährdet sind.»

Schwarzer Hautkrebs kann Utikal zufolge schon ab einem Millimeter Tumordicke streuen, das mache ihn so heimtückisch. Betroffen sein könnten etwa Lymphknoten, Lunge und Gehirn. «Dort wächst er weiter und kann lebenswichtige Strukturen schädigen.» Sei dieser Krebs erst einmal weit fortgeschritten, könne er nur sehr schwierig behandelt werden, sagt Hassel. «Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zu denen zu gehören, die das langfristig packen.»

Die Medizinerin geht davon aus, dass heute wegen neuer Therapien bei etwa 35 Prozent der Patienten der gestreute schwarze Hautkrebs langfristig kontrollierbar ist. «Das bedeutet aber auch, dass wir mehr als 50 Prozent der Patienten nicht langfristig helfen können und sie daran sterben. Da können wir allenfalls eine Lebensverlängerung erreichen.» Laut Reinhold ist der schwarze Hautkrebs im Alter von 18 bis 30 Jahren die zweithäufigste Todesursache.

Schwarzer Hautkrebs zwingt zur Operation

Der helle Hautkrebs streut sehr viel seltener. Er könne aber die Lebensqualität der Patienten deutlich einschränken, weil oft operiert werden müsse, sagt Reinhold. «Meist sind das sonnenexponierte Stellen wie Nase oder Ohren und das kann verbunden sein mit Funktionseinschränkungen.» Hassel erläutert, je mehr Tumoren jemand habe, umso mehr OPs müsse er über sich ergehen lassen. «Das kann prinzipiell zu einer Entstellung führen.» Das Risiko, dass der weiße Hautkrebs streue, sei aber bei einem gesunden Immunsystem klein.

Beim schwarzen Hautkrebs gibt es Mediziner Reinhold zufolge im Anfangsstadium keine Alternative zur Operation. Hat der Tumor gestreut und kann nicht mehr operiert werden, gibt es neue Therapien, die das Immunsystem gegen den Tumor stimulieren, wie Utikal aus Mannheim sagt. «So kann man versuchen, dass der Patient möglichst lange gut lebt.»

Bei sehr frühen Formen von weißem Hautkrebs kann laut Reinhold eine Tumortherapie mit Medikamenten eingesetzt werden, verabreicht als Creme. «Außerdem gibt es noch die photodynamische Therapie, bei der man mit Creme und Licht behandelt. Bei einem weiter fortgeschrittenen Tumor ist die Operation die Therapie der Wahl.» 

Vorsorge besonders wichtig

Die Heilungschancen hängen davon ab, in welchem Stadium die Krankheit entdeckt und behandelt wird. Beim schwarzen Hautkrebs sei eine früh erkannte, dünne Geschwulst in hohem Maße heilbar, sagt Reinhold. «Bei den Frühformen beträgt die Heilungschance 93 Prozent. Wenn man zu lange gewartet hat, sinken die Heilungschancen auf bis unter 50 Prozent.» Dank neuartiger Therapien haben sich Utikal zufolge die Prognosen im fortgeschrittenen Stadium massiv verbessert.

Die Heilungschancen beim weißen Hautkrebs sind den Experten zufolge sehr gut. Hassel sagt, nach Operationen betrügen sie für den einzelnen Tumor fast 100 Prozent. Ein Problem sei aber, dass in der Folge meist weitere Tumoren entstünden.

(Augsburger Allgemeine, 1.7.16, Christine Cornelius/dpa)

 

 

Krebsverdacht: Alkohol kann Auslöser von mindestens sieben verschiedenen Krebsleiden sein

Studie findet Beweise für die Verbindung zwischen Alkohol und Krebs

Der Konsum von Alkohol kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen und psychischen Problemen führen, dieser Fakt dürfte den meisten Menschen schon lange bekannt sein. Forscher fanden jetzt allerdings heraus, dass selbst geringe Mengen von Alkohol sieben verschiedene Krebsformen verursachen können.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern stellte bei der aktuellen Untersuchung fest, dass der Alkoholkonsum zu sieben verschiedenen Krebsformen führen kann. Auch wenn Menschen nur geringe Mengen Alkohol trinken, erhöht dies bereits ihr Risiko für die Krebsarten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Addiction“.

Neue bessere Aufklärungskampagnen gefordert

Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen klar, dass wir mehr Aufklärungskampagnen benötigen, die besser über die Gefahren von Alkohol und Krebs informieren, sagen die Autoren. In der Öffentlichkeit bestehe eine weit verbreitete Unkenntnis über den engen Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs, fügen die Experten hinzu. Die Forscher der Studie fordern jetzt, dass regelmäßige Trinker dringend alkoholfreie Tage einführen sollten. Außerdem müssten Verpackungen von Alkohol deutliche Warnhinweise tragen.

Eindeutige Beweise für Alkohol als Ursache für Krebserkrankungen

Eine erneute Analyse von Daten aus den letzten Jahren ergab jetzt, dass Alkohol an der Entwicklung von Brust-, Dickdarm-, Leberkrebs und anderen Arten von Krebs beteiligt ist. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass es eindeutige Beweise dafür gibt, dass Alkohol eine direkte Ursache für Krebs ist, sagt Autorin Jennie Connor von der Otago University in Neuseeland

Alkohol verursacht mindestens sieben Arten von Krebs, wahrscheinlich sogar mehr

Es gibt starke Hinweise dafür, dass Alkohol die Entstehung von Krebs an sieben Stellen in unserem Körper verursacht, wahrscheinlich sind es sogar noch mehr, erläutern die Experten. Auch ohne eine vollständige Kenntnis der biologischen Mechanismen, wie Alkohol den Krebs auslöst, unterstützen die epidemiologischen Erkenntnisse die Aussage, dass Alkohol das Risiko für Rachen-, Speiseröhren-, Leber-, Dickdarm-, Mastdarm-, Brust- und Larynxkrebs erhöht, erklären die Mediziner.

Auch ein geringer Konsum kann Krebs verursachen

Es gibt darüber hinaus zunehmende Hinweise darauf, dass Alkohol Haut-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht. Dabei scheint sich das Risiko mit der getrunkenen Menge zu erhöhen. Die höchsten Risiken stehen im Zusammenhang mit starken Trinken, aber auch ein geringer oder mäßiger Verbrauch von Alkohol stellt eine erhebliche Belastung unserer Gesundheit dar, erläutern die Autoren. In Großbritannien gibt es Richtlinien die besagen, dass Männer maximal sieben Liter Bier pro Woche trinken sollten. Natürlich sollten auch Frauen diese Schwelle keineswegs überschreiten, raten die Experten.

Die Menschen müssen generell besser über die Risiken von Alkohol informiert werden. Wir wissen durchaus, dass neun von zehn Menschen sich nicht bewusst über den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs sind, fügen die Mediziner hinzu. Wichtig ist hier auch der Einfluss von Eltern auf den Nachwuchs. Denn Eltern beeinflussen maßgeblich den Alkoholkonsum ihrer Kinder.

Wie reduziere ich meinen Alkoholkonsum?

Jede Woche einige alkoholfreie Tage einzuhalten, ist eine gute Möglichkeit, die Menge an getrunkene Alkohol zu reduzieren. Sie können auch versuchen kleine Portionen zu trinken oder kleine Gläser nutzen, raten die Wissenschaftler. Größere Gläser führen dazu, dass Sie mehr trinken. Trinken Sie mehr Getränke ohne Alkohol oder wählen sie Getränke mit einem niedrigen Alkoholgehalt. Vermeiden Sie außerdem einen Vorrat an Alkohol zu Hause zu haben, fügen die Mediziner hinzu.

(Heilpraxis.net, 25.7.16, as)

 

 

Alkohol: Über 350.000 Menschen sterben jährlich an Krebs

Laut einer Studie kann Alkohol verschiedene Arten von Krebs auslösen. Betroffen davon sind hauptsächlich Patienten in wohlhabenden Regionen.

Am Mittwoch ist eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) veröffentlicht worden, die festgestellt hat, dass mehr als 700.000 Menschen jedes Jahr aufgrund ihres Alkoholkonsums an Krebs erkranken. 365.000 Todesfälle von Patienten mit Leber-, Speiseröhren-, Darm-, Hals- oder Brustkrebs stehen demnach mit Alkohol im Verbindung, so heißt es in der Studie.

Alkohol erhöht vor allem Brustkrebs-Risiko

"Viele Menschen wissen nicht, dass Alkohol Krebs hervorrufen kann", sagte der Ko-Autor der Studie, Kevin Shield. Dabei zeigt der Bericht, der auf Zahlen aus 2012 beruht, dass Alkohol fünf Prozent der jährlichen Neuerkrankungen an Krebs und 4,5 Prozent der Todesfälle verursacht. Gerade Patienten in wohlhabenden Regionen sind betroffen: Australien, Nordamerika und Europa. Der Schwerpunkt liege hier aber auf den osteuropäischen Ländern. Gefährdet seien auch Schwellenländer wie Indien und China.

Die Studie belegt, dass Alkoholkonsum vor allem das Risiko für Brustkrebs erhöht. Bei mehr als einem Viertel der 704.000 jährlich neu diagnostizierten Krebsfälle im Zusammenhang mit Alkohol tritt diese Krebsart auf, gefolgt von Darmkrebs (23 Prozent). In einer früheren Studie hatte Shield bereits herausgefunden, dass schon eine verhältnismäßig geringe Dosis an Alkohol - weniger als zwei Gläser Wein pro Tag - das Brustkrebsrisiko um fünf bis zehn Prozent erhöhen kann.

(Augsburger Allgemeine, 5.11.16, afp/sh)

 

 

Alkohol verursacht jährlich etwa 13.000 Krebsfälle in Deutschland

Aktuell sind in Deutschland etwa 13.000 Krebsfälle jährlich auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Alkohol ist neben Tabak ein wichtiger Risikofaktor für verschiedene Krebsarten, wie Tumoren der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre und des Kehlkopfes, aber auch für Darm-, Brust- und Leberkrebs.

Etwa drei Prozent aller Krebsneuerkrankungen sind in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Insgesamt waren es im Jahr 2010 ca. 8.700 Fälle bei Männern und 4.900 Fälle bei Frauen. Die höchste Anzahl absoluter Fälle ergab sich für die häufigen Krebsarten Darm- und Brustkrebs. Der höchste relative Anteil (PAR, populations-attributables Risiko) zeigte sich hingegen für Speiseröhrenkrebs, wo bei Männern 47,6 Prozent der Fälle und bei Frauen 35,8 Prozent der Fälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Hinsichtlich der konsumierten Alkoholmenge zeigte sich, dass der moderate Konsum (weniger als 3 Getränke/Tag) bei Darm- und Brustkrebs einen wesentlichen Anteil an den zuschreibbaren Fällen ausmacht.

Bei den Organen des oberen Atem- und Verdauungstraktes ist bekannt, dass Alkohol und Tabak synergistisch auf die Krebsentstehung wirken. Der moderate sowie hohe Konsum von Alkohol spielt unter Nichtrauchern keine besondere Rolle. Bei Rauchern hingegen trägt der moderate Konsum von Alkohol wesentlich zum Gesamtwert der alkohol-attributablen Krebsfälle bei, insbesondere bei Frauen. Bei den Männern spielt zudem der hohe Alkoholkonsum (mehr als 3 Getränke/Tag) unter Rauchern eine wichtige Rolle bei Mundhöhlen- und Rachenkrebs. Insgesamt verdeutlichen die Zahlen den Einfluss des moderaten sowie hohen Alkoholkonsums auf die Krankheitslast durch Krebs in Deutschland und legen nahe, dass Präventionsmaßnahmen auf allen Konsumebenen ansetzen sollten.

Die Zahlen berechneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut. Dazu wurden Daten der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland ausgewertet sowie Erhebungen zur Häufigkeit und Menge des konsumierten Alkohols aus dem bevölkerungsweiten Gesundheitssurvey des RKI (DEGS1, Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) herangezogen. Daten zur Erhöhung des Krebsrisikos unter Alkoholkonsumenten (relative Risiken) wurden publizierten Meta-Analysen entnommen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift Cancer Causes & Control (DOI: 10.1007/s10552-015-0566-8).

Weitere Informationen

Abstract der Publikation in "Cancer Causes and Control" (Die Vollversion ist kostenpflichtig)

(Robert Koch Institut, 1.4.15)

 

 

Darm, Mund, Rachen, Brust

Schweizer unterschätzen Krebsrisiko durch Alkohol

Viele Schweizerinnen und Schweizer wissen nicht, dass der Konsum von Alkohol auch zu Krebs führen kann. 

Die Schweizer Bevölkerung weiß zwar mehr über die Gefahren des Alkoholkonsums als noch vor einigen Jahren. Aber vor allem das Krebsrisiko und die Schwelle zum Risikokonsum werden oft unterschätzt.

So habe nur rund die Hälfte der Befragten einen Zusammenhang hergestellt zwischen Alkoholkonsum und Darm-, respektive Mund- und Rachenkrebs, schreibt Sucht Schweiz in einer Mitteilung vom Donnerstag. Sie bezieht sich dabei auf die wissenschaftliche Studie von Suchtmonitoring Schweiz für das Jahr 2014. Dazu waren 2863 Schweizerinnen und Schweizer befragt worden.

Nur gerade 20 Prozent der Befragten wussten, dass Alkoholkonsum auch das Risiko für Brustkrebs erhöhe, heißt es weiter. Der Kenntnisstand habe sich seit 2012 nicht verbessert. Gemäß Sucht Schweiz sterben jedoch pro Jahr fast 500 Personen an alkoholbedingtem Krebs; Das entspricht rund einem Drittel aller Alkoholtoten in der Schweiz.

Während das Krebsrisiko bereits ab dem ersten Glas Alkohol steigt, erhöht sich die Gefahr für andere gesundheitliche Schäden für Männer beim regelmäßSDA)igen Konsum von drei Gläsern pro Tag und für Frauen bei zwei Gläsern. Ein Viertel der Befragten glaubt, dass Männer diese Menge noch risikolos konsumieren können, ein Drittel sieht dabei für Frauen keine Gefährdung.

Ein Glas entspricht einem Deziliter Wein, drei Deziliter Bier oder 0,2 Deziliter Schnaps. Obwohl 95 Prozent der Befragten meinen, genügend über die negativen Auswirkungen von Alkohol informiert zu ein, schätzen viele Befragte auch die Grenze für «chronisch risikoreichen Alkoholkonsum» falsch ein.

So glauben 45 Prozent der Befragten, dass Männer innerhalb von sechs Stunden ohne Gesundheitsrisiko fünf Gläser oder mehr trinken könnten. Bei dieser Menge gehe man international aber von einer akuten Gefährdung für die Gesundheit aus, schreibt Sucht Schweiz.

Bei den Frauen liegt die Grenze für eine akute Gefährdung bei vier Gläsern in sechs Stunden. Hier glauben über 50 Prozent, dass Frauen diese Mengen risikolos konsumieren können. Rauschtrinkende und jüngere Altersgruppen können die Risiken noch schlechter einschätzen.

(Blick/Zürich, 6.8.15, SDA)

 

  

 

Schritt im Kampf gegen Krebs:

Forscher aus Mainz entwickelt maßgeschneiderte Impfung

MAINZ - Immuntherapien gegen Krebs gibt es bereits, und sie funktionieren gut – in 20 bis 30 Prozent der Fälle. Aber nun wurde in Mainz eine neue Therapie entwickelt, die viel effektiver arbeitet und das Potenzial hat, den Kampf gegen den Krebs viel weiter nach vorn zu bringen

Das Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech und ihr Partnerinstitut für translationale Forschung (Tron) an der Unimedizin stellen nun in der renommierten britischen Fachzeitschrift "Nature" eine entsprechende Studie vor.

Professor Ugur Sahin, BioN Tech-Vorstandschef und Geschäftsführer von Tron: "Es ist ein bedeutender Schritt zur vollständig personalisierten Krebsimmuntherapie – für alle Arten von Krebs."

Körpereigene Abwehr aktivieren

Im Gegensatz zur Chemotherapie und Bestrahlung zerstört eine Immuntherapie die Krebszellen nicht von außen, sondern aktiviert die körpereigene Abwehr. Wenn nun bestehende Immuntherapien nicht anschlagen und der Krebs unkontrolliert weiter wächst, liegt das daran, dass das Immunsystem, auch wenn es durch die Therapie angeregt wird, den Krebs nicht erkennt – auch weil der Tumor bei jedem Mensch ganz anders ausgeprägt ist. Der Mainzer Ansatz liegt nun darin, dem menschlichen Immunsystem exakte Informationen zu dem zu bekämpfenden Tumor zu geben und es damit zu stimulieren – eine personalisierte, eine maßgeschneiderte Therapie.

Die Forscher erklären, dass das Vorgehen "bestechend einfach" sei. So werden extremst kleine Teilchen, sogenannte Nano-Partikel (ein Nanometer = 1 Millionstel Millimeter), leicht negativ aufgeladen, mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff versehen und in den Blutkreislauf gebracht, durch das sie in das Lymphsystem gelangen. Die RNA (Ribonukleinsäure) trägt den exakten Bauplan des Tumor-Antigens in sich und transportiert ihn zu bestimmten Immunzellen des körpereigenen Abwehrsystems, das so den Feind kennenlernt und ihn bekämpfen kann.

Zellen als Instrukteure des Immunsystems

"Diese dentritischen Zellen sind quasi die Instrukteure des Immunsystems. Sie präsentieren die von uns eingebrachten Antigene wie ein Fahndungsfoto. Die anderen Immunzellen kommen vorbei und schauen sich das an", sagt Sahin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Abwehrzellen könnten daraufhin die Tumorzellen bekämpfen.

Auch wenn der Begriff der Impfung beim Laien den Gedanken auslösen kann, man könne sich so als Gesunder vor Krebs schützen, zielt diese Immuntherapie auf bereits Erkrankte. Sie wurde bislang an Mäusen erprobt, aber auch an drei Patienten, die schwer an schwarzem Hautkrebs erkrankt waren. Obwohl der Impfstoff laut Auskunft der Forscher schwach dosiert war, wurde eine starke Immunreaktion ausgelöst. Die Patienten seien stabil, die Tumore würden nicht mehr weiter wachsen, so Sahin. Außerdem sei nach bisherigem Stand die Verträglichkeit des Impfstoffs sehr gut und es wurde keine ernsthafte Giftigkeit beobachtet.

Sahin ist sicher, dass sich die Immuntherapie auch auf andere Krebsarten anwenden lasse, demnächst würden weitere Studien in diese Richtung gestartet. Sollte die Therapie einschlagen, wäre das ein gewaltiger Gewinn für BioNTech, wo alle kommerziellen Verwertungsrechte des Konzepts liegen, aber auch ein Imagegewinn für die Unimedizin. Nach erfolgreicher Teilnahme von Uniklinik-Forschern am Bio-GO-Gründerwettbewerb des Bundesforschungsministeriums war das Unternehmen 2008 von Professor Sahin and Professor Christoph Huber ausgegründet worden.

(Allgemeine Zeitung, Mainz, 1.6.16, Michael Bermeitinger)

 

 

 

Krebs-Prävention

Erweiterter Impfschutz gegen HPV

Zervixkarzinome werden von Humanen Papillomviren (HPV) verursacht. Der Impfstoff Gardasil®9 verbessert den Schutz.

Seit dem Frühjahr ist in Deutschland erstmals ein Impfstoff gegen neun Hochrisiko-Typen des Humanen Papillomvirus (HPV) verfügbar. Durch den breiten Impfschutz lassen sich bis zu 90 Prozent der zervikalen, vaginalen und vulvären Karzinome verhindern.

Gardasil®9 (Sanofi Pasteur MSD) schützt zusätzlich zu den HPV-Typen 6, 11, 16 und 18, die schon seit zehn Jahren mit dem tetravalenten Impfstoff abgedeckt waren, vor Infektionen mit den Typen 31, 33, 45, 52 und 58 .

Die neun Virustypen sind für rund 90 Prozent der Zervix-, Vulva-, Vaginal- und Analkarzinome verantwortlich (Papillomavirus Res 2015, 1: 90).

Der Impfstoff ist für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab neun Jahren zugelassen, und zwar gegen die Vorstufen maligner Läsionen und Karzinome an Zervix, Vulva, Vagina und Anus, die durch die Impfstoff-HPV-Typen verursacht werden.

Ebenso ist die Impfung zur Prävention von Genitalwarzen (Condylomata acuminata) durch diese HPV-Typen zugelassen. Bei Mädchen und Jungen ab neun Jahren genügen zwei Impfdosen im Abstand von 5 bis 13 Monaten. Junge Frauen und Männer ab 15 Jahren werden laut Fachinformation nach einem 3-Dosen-Schema (0, 2, 6 Monate) geimpft.

In Deutschland wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) allen Mädchen im Alter von neun bis 13 Jahren zur Reduktion von Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen empfohlen. Dazu kann ausdrücklich auch der neue Impfstoff verwendet werden.

Versäumte Impfungen sind nachzuholen. Da der Impfstoff nicht gegen alle onkogenen HPV-Typen schützt, müssen geimpfte Frauen die Zervixkarzinom-Früherkennung weiter in Anspruch nehmen, betont die STIKO.

(Ärzte-Zeitung, 7.12.16, eis)

 

 

HPV-Impfung

Studie zu HPV ist ein Fest für Impfgegner

Eine Studie in einem Fachmagazin sät Zweifel an der Impfung gegen den Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. Die Arbeit enthält nach Ansicht vieler Wissenschaftler grobe Mängel. Die Studie japanischer Forscher müsse zurückgezogen werden, fordern sie. Die Wirksamkeit und Sicherheit von HPV-Impfungen ist gut belegt. Dennoch ist die Impfskepsis in einigen Ländern groß.

Das Postfaktische hat im ausklingenden Jahr eine überraschend steile Karriere hingelegt. Vergessen wird dabei gern, dass die Ignoranz gegenüber Tatsachen keineswegs ein neues Phänomen ist - zum Beispiel was Impfungen betrifft. Aktuell betrifft es die Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren, kurz HPV. Das zeigt ein Streit um ein Forschungspapier, das vor wenigen Wochen im Open Access Journal Scientific Reports erschien.

Japanische Wissenschaftler wollen darin belegen, dass extrem hohe Dosen des HPV-Impfstoffs Gardasil in Mäusen ein schweres neurologisches Syndrom verursachen können. Die Autoren der Studie nennen es HANS, für "HPV associated neuro-immunopathetic syndrome". Mehrfach legen die Forscher nahe, dass die Impfung das Syndrom auch im Menschen auslöst, obwohl ihre Arbeit eine solche Deutung nicht zulässt - unter anderem, weil den Mäusen eine tausendfach höhere Dosis verabreicht wurde.

Nach Angaben des Journals Science fordern nun zahlreiche Wissenschaftler von Scientific Reports, die Arbeit der Japaner zurückzuziehen - um zu vermeiden, dass sie von den Impfgegnern für weitere Kampagnen missbraucht werden kann. Die Publikation der Japaner ist ein Fest für die "Anti-Vaxxer". So werden Impfgegner genannt, die vornehmlich in sozialen Netzwerken Verschwörungstheorien über Impfstoffe verbreiten. Es ist ein Feldzug gegen den wissenschaftlichen Sachstand, denn es gibt keinen belegbaren Grund, Impfungen zu verteufeln, auch nicht Vakzine gegen Krebsviren. "Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass die HPV-Impfung sicher und wirksam ist", sagt der Krebsimmunologe Andreas Kaufmann vom Frauenklinikum der Berliner Charité.

Das hätten zahlreiche hochwertige Studien gezeigt. Studien haben zudem belegt, wie wichtig die HPV-Impfung ist. Humane Papillomviren sind die Ursache mehrerer Krebsarten, insbesondere des Gebärmutterhalskrebses bei Frauen. Und fast jeder sexuell aktive Mensch kommt mit HPV in Berührung. Auch Männer infizieren sich und stecken ihre Partner an. Das hat Folgen. Jährlich sterben weltweit fast 270 000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, in Europa sind es 30 000. In Deutschland erkranken jährlich fast 5500 Frauen. Screenings können frühe Formen des Krebses zwar durch einen Abstrich sichtbar machen. Dazu müssen die Frauen aber regelmäßig zum Arzt gehen. Und verhindern kann der Abstrich den Krebs nicht.

Eine Immunisierung dagegen schützt umfassend und dauerhaft vor der Erkrankung. Der neue Impfstoff Gardasil 9 schützt sogar vor neun Typen des Krebsvirus, er könnte die Sterblichkeit an Gebärmutterhalskrebs um 90 Prozent senken. Einzige Voraussetzung: Es wird geimpft, bevor die Mädchen sexuelle Erfahrungen machen. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt, die Immunisierung vom neunten Lebensjahr an vorzunehmen.

Die Mängel der Studie sind so gravierend, dass sie nie hätte erscheinen dürfen

Doch die Kampagnen der Impfgegner haben deutliche Effekte: Seit der Zulassung des ersten Impfstoffs vor gut zehn Jahren konnten Berichte von angeblichen Nebenwirkungen systematische Zweifel säen. In Deutschland erhält deshalb nicht einmal jedes zweite Mädchen den Schutz vor dem Krebsvirus. "Besonders schlimm ist es in Dänemark", sagt Kaufmann. Dort hätten die Anti-Vaxxer den ursprünglichen Erfolg von 90 Prozent Impfquote völlig zerstört. In Indien wurde das Impfprogramm zeitweise komplett eingestellt. Und in Japan ist die Impfquote von 70 Prozent auf nahezu null Prozent gefallen. Dabei sind es vor allem Eltern aus gebildeten, wohlhabenden Schichten, die ihre Töchter nicht mehr impfen lassen.

Fachleuten bleibt diese Verweigerung ein Rätsel. Doch sie wehren sich. Auch gegen die Studie der Japaner. Unter anderem bemängelt das belgische HPV-Präventionskomitee der Universität von Antwerpen in einem Brief an Scientific Reports die Qualität der Untersuchungen. "Der Aufbau des Experiments entspricht nicht einer Immunisierung gegen HPV, sondern stellt eine extreme Überdosierung und Manipulation dar", schreiben die Forscher. Kaufmann hält die Mängel für so schwerwiegend, dass das Papier niemals hätte veröffentlicht werden dürfen. Ob es aber hilft, wenn die Arbeit wieder zurückgezogen wird? "Der Schaden ist angerichtet", sagt Kaufmann. "Die Impfgegner werden diese Studie benutzen."

(Süddeutsche Zeitung, 27.12.16, Kathrin Zinkant)

 
 

 

Krebsimfpung

Sollten sich Jungs gegen Gebärmutterhalskrebs-Viren impfen lassen?

Mediziner debattieren, ob der bislang für Mädchen empfohlene Schutz vor HPV auch jugendlichen Männern angeboten werden soll. Die Idee ist extrem umstritten.

Eine Impfung gegen die Gebärmutterhals-Krebs auslösenden Humanen Papillomviren (HPV) soll Frauen vor schwerer Krankheit schützen. Jetzt fordern Wissenschaftler, die Impfung nicht nur Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr anzubieten, sondern auch für Jungs vorzusehen. Das mag abwegig klingen - schließlich hat ein Mann keine Gebärmutter.

Doch Studien weisen darauf hin, dass die sogenannten Humanen Papillomviren nicht nur die Gebärmutter befallen, sondern auch Anal-, Mund-Rachen-Krebs sowie Genitalwarzen verursachen. Bei Frauen wie auch bei Männern. Zudem wären geimpfte, nicht infizierte Männer keine Überträger mehr. Ist es also angebracht, auch Männer gegen HPV zu impfen?

Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Impfung nur für Frauen. Das könnte sich ändern, sollte die Ständige Impfkommission (Stiko) dem Ratschluss der US-Gesundheitsbehörde CDC folgen. Diese rät Eltern dringend dazu, auch Jungs noch vor dem ersten Sex impfen zu lassen.

Immer mehr Oralsex

Die amerikanische Behörde beruft sich auf eine Studie, die den Zusammenhang von Mund-Rachen-Krebs und HPV untersucht hat. Forscher haben darin berechnet, dass in den USA die Häufigkeit dieser Krebsart - ausgelöst von HPV - die Zahl der Gebärmutterhalskrebs-Fälle bis zum Jahr 2020 sogar übersteigen könnte. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler die Zunahme von Oralsex. Beim Schleimhautkontakt werden Viren übertragen, die im Mund Krebs auslösen können. Es seien also keineswegs nur Frauen gefährdet.

Bislang sind die Gesundheitsbehörden vieler Länder, auch in Deutschland, davon ausgegangen, dass das Virus aufgehalten werden kann, wenn allein Mädchen geimpft werden. Je mehr Frauen geschützt sind, desto seltener könnte das Virus beim Sex übertragen werden, so die Logik. Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich etwa 266 000 Frauen an einem sogenannten Zervix-Karzinom sterben.

Doch der Plan funktioniert nicht. Wissenschaftler vermuten, dass in Deutschland nicht mehr als 40 Prozent der Mädchen gegen HPV geimpft sind. Für einen flächendeckenden Schutz könnte das zu wenig sein - das Virus kann sich daher weiter ausbreiten. Jetzt fordern Experten, dass auch Jungen den Pieks bekommen.

Es regt sich Widerstand gegen die HPV-Impfung für Jungs

"Ich erhoffe mir von der Impfung von Jungs einen indirekten Effekt für die Gesundheit von Frauen", sagt Kinderarzt Ulrich Heininger vom Universitäts-Kinderspital Basel, der Mitglied der Ständigen Impfkommission ist. Zudem profitieren schwule Männer nicht vom Impfschutz der Frau. Vielen Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren, sei das Risiko einer HPV-Infektion nicht bewusst. Eine Impfempfehlung könnte das ändern.

Doch es regt sich auch Widerstand. Unter Ärzten und Wissenschaftlern ist umstritten, wie gefährlich HPV für Männer tatsächlich ist. Die Zahl der durch HPV ausgelösten Tumore bei Männern ist in Deutschland nach wie vor überschaubar. Laut Schätzungen der Impfkommission erkranken 1500 Männer pro Jahr an einem von HPV ausgelösten Krebs.

Hinzu kommt, dass noch nicht einmal die Impfung der Frauen unumstritten ist. Zwar ist belegt, dass Humane Papillomviren an der Gebärmutter Schaden anrichten - ob eine breit angelegte Impfkampagne aber das richtige Mittel gegen die Erreger ist, sehen manche Ärzte kritisch. Die bisher zugelassenen Impfstoffe wirken lediglich gegen die Hochrisikotypen des in vielen Formen auftretenden Virus.

Rechtfertigt die Zahl der Krankheitsfälle eine flächendeckende Impfung?

Kritiker bemängeln, die Impfung decke nicht alle Virustypen ab und schalte nur einzelne, wenngleich die gefährlichsten Typen aus. Was aber, wenn dadurch anderen, bislang als weniger bedenklich angesehenen HPV-Varianten der Weg geebnet wird? Auch gibt es Streit um die Frage, ob die Zahl der Krankheitsfälle eine flächendeckende Impfung für Mädchen und Jungs rechtfertigt.

Günther Egidi, Allgemeinarzt und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, sorgt sich um die hohen Kosten einer Impfempfehlung für Jungs: "Wir wissen nicht, ob die Impfung wirklich nutzt, die Krankenkassen sollen aber Hunderttausende Euro dafür raushauen." Ein vollständiger Impfschutz kostet derzeit etwa 460 Euro. Man müsse sich daher grundsätzlich fragen, so der Mediziner, für welche Leistungen eine Gesellschaft im Gesundheitswesen Geld ausgeben will.

Eine Studie aus Australien zeigt: Krebsvorstufen sind seit Beginn der Impfungen zurückgegangen

Es gibt derzeit keine Zahlen, die eindeutig belegen, ob die Impfung erfolgreich ist. Das Problem ist eine Datenlücke: Anders als bei anderen Viren liegen oft Jahre zwischen der Infektion mit dem HP-Erreger und einem Krankheitsausbruch. Ob eine heute geimpfte junge Frau in 20 Jahren tatsächlich von einem Tumor verschont bleibt, können erst langfristige Studien belegen.

Allerdings zeigt eine Untersuchung aus Australien, dass Krebsvorstufen bei jungen Frauen seit Beginn einer umfassenden Impfkampagne zurückgegangen sind. Auch ist die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalstumore in Deutschland laut Krebsregister in den vergangenen dreißig Jahren um die Hälfte gesunken. Heute sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 1600 Frauen an der Krebsart.

Der Grund für den erfreulichen Rückgang der Todesfälle könnten aber nicht nur Impfungen sein, sondern auch Vorsorgeuntersuchungen und eine konsequentere Verhütung mit Kondomen. Genau hier sieht Allgemeinarzt Günther Egidi eine Gefahr: "Ich höre in meiner Praxis von vielen jungen Frauen, dass sie nicht mehr zur Vorsorge gehen oder auf Kondome verzichten, weil sie ja geimpft seien."

Eine Impfung für Männer ist schon heute möglich

Der Irrglaube, eine Impfung biete vollständigen Schutz, könnte durch eine Kampagne für die Impfung von Jungen weiter zunehmen, befürchtet Egidi. Auch die Ständige Impfkommission rät geimpften Frauen weiterhin zu Vorsorgeuntersuchungen.

Um eine Impfempfehlung für Jungs auszusprechen, müssten die Experten der Impfkommission zunächst Argumente anhören und zahlreiche Studien auswerten. Eine Entscheidung kann Monate dauern. Eine Impfung für Männer ist allerdings schon heute möglich - auch ohne Empfehlung der Impfkommission.

Für Jungen ab neun Jahren ist ein Impfstoff in Deutschland zugelassen. Bereits heute entscheiden sich manche Eltern für eine Impfung ihrer Söhne. Ihr Argument: Besser ein schlechter Schutz als gar kein Schutz.

(Süddeutsche Zeitung, 29. März 2016, Felix Hütten)

 
 

 

Das Sonnenhormon Vitamin D: Schutz vor Krebs?

Seit langem wird diskutiert, ob Vitamin D das Risiko chronischer Krankheiten wie Krebs senkt. Eine neue Studie stützt diese Theorie.

Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit der Knochen und soll zudem vor einigen chronischen Krankheiten schützen. Diese Annahme nährt eine Studie amerikanischer Forscher. Danach haben Frauen mit einer höheren Vitamin-D-Menge im Blut ein um 67 Prozent geringeres Krebsrisiko als Frauen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel.

In der im Fachblatt „Plos One“ veröffentlichten Auswertung wurden zwei frühere Untersuchungen zusammengefasst, an denen zusammen 2300 Frauen mit je nach Vitamin-D-Einnahme unterschiedlich hohen Blutspiegeln des Vitamins teilnahmen. Die Beobachtungszeit betrug knapp vier Jahre. Frauen, die mehr als 40 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blutserum (ng/ml) aufwiesen, hatten ein „substanziell geringeres Risiko“, an Krebs zu erkranken, heißt es in der Studie. Cedric Garland von der Universität Kalifornien in San Diego, einer der Autoren, sieht sich bestätigt. Um Krebs „im Keim zu ersticken“, rät er Frauen vom neunten Lebensjahr an, täglich 4000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D zu schlucken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt dagegen, allenfalls 800 IE am Tag zu sich zu nehmen.

Andere Wissenschaftler sind skeptisch. Die Zahl der Krebsfälle in der Studie sei zu gering und die Beobachtungszeit zu kurz, um eindeutige Schlüsse zu ziehen, bemängelte Harvey Risch von der Universität Yale. „Der Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und dem Blutspiegel von Vitamin D ist noch nicht gesichert“, sagte Risch dem amerikanischen Internetdienst „Medscape“.

(Tagesspiegel, 13.4.16, Hartmut Wewetzer)

 

 

Mineralölstoffe

Viele Lippenpflegestifte enthalten potentiell krebserregende Stoffe

Kosmetikprodukte auf Mineralölbasis enthalten einer aktuellen Studie nach oft Stoffe, die als potentiell Krebs auslösend gelten. Vor allem Lippenpflegeprodukte sind betroffen.

In Deutschland erhältliche Kosmetika auf Mineralölbasis enthalten nach Informationen von BR und WDR offenbar nach wie vor Substanzen, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Bei einer Studie im Auftrag des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe 31 Kosmetika untersucht, darunter vor allem Lippenpflegeprodukte. Bei neun Proben seien so genannte aromatische Kohlenwasserstoffe („Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons“, MOAH) nachgewiesen worden. Diese gelten als potenziell Krebs auslösend.

Bei Lippenpflegeprodukten sind die Stoffe besonders kritisch

Dieser Befund sei „besonders kritisch zu sehen, da eine orale Aufnahme vorhersehbar“ sei, so das Untersuchungsamt in dem siebenseitigen Untersuchungsbericht, der BR und WDR vorliegt. Nach Ansicht von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel ist dieses Studienergebnis „beunruhigend, solche Stoffe gehören einfach nicht in Pflegemittel.“

Studie: Kritische Werte bis zu 3.000 mal höher als erlaubt

Den höchsten MOAH-Gehalt wies der Untersuchung zufolge ein Hautschutzmittel auf (4,85 g pro 100 g). Bei den Lippenpflegeprodukten lagen die ermittelten Werte zwischen 0,06 g und 0,18 g pro 100 g. „Lebensmittel werden bereits bei Gehalten größer 0,5 mg/kg (entsprechend 0,00005 g/100 g MOAH) als nicht mehr rechtskonform beurteilt“, betont das Untersuchungsamt in seiner Bewertung. Das heißt, dass die Werte bei Lippenpflegeprodukten bis zu mehr als 3.000 mal höher lagen als die Werte, bei denen Lebensmittel noch als rechtskonform gelten. Mineralöle werden seit Jahrzehnten in Form von Paraffin oder Wachs in den meisten Kosmetika eingesetzt.

Lippenpflegeprodukte mit Mineralölstoffen sollten gemieden werden

Das NRW-Verbraucherschutzministerium hat die Untersuchungsergebnisse dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin vorgelegt. Eine Sprecherin dieses Ministeriums teilte mit, das Ressort habe vom Bundesinstitut für Risikobewertung eine Stellungnahme angefordert. Sobald diese vorliege, werde das Ministerium weiteren Handlungsbedarf prüfen. Das Bundesinstitut betonte auf Anfrage, das krebserregende Potenzial bei MOAH könne nicht ausgeschlossen werden. Deswegen sollte „auf eine Minimierung entsprechender Gehalte im Endprodukt hingewirkt werden.“ Aufgrund bestehender Datenlücken seien allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.

Birgit Rehlender, Chemikerin von der Stiftung Warentest, bezeichnete die Untersuchungsergebnisse als bedenklich: „Wir raten davon ab, Lippenpflegeprodukte mit Mineralölkomponenten zu verwenden und appellieren an die Hersteller, ihre Risikobewertung zu verstärken.“ Die Stiftung Warentest hatte im vergangenen Jahr eine ähnliche Untersuchung veröffentlicht und dabei in allen von ihr untersuchten Kosmetika entsprechende Substanzen nachgewiesen.

(Augsburger Allgemeine, 19.3.16)

 

 

Prostatakrebs-Studie

"Der deutsche Mann lässt sich nicht gerne für eine Studie rekrutieren"

Was tun bei Prostatakrebs im Frühstadium? Eine groß angelegte Untersuchung soll das klären. Doch das Vorhaben droht zu scheitern.

Die Enttäuschung ist groß, die Irritation auch. Dabei wäre die Studie grundsätzlich sinnvoll, und die Ärzte in Deutschland könnten endlich zeigen, dass auch sie eine große, relevante klinische Untersuchung im Weltklasseformat auf die Beine stellen können. Zumeist kommen solche Studien aus den USA, Kanada oder Großbritannien. Doch nun sind die Ärzte enttäuscht, wie mau die Beteiligung bisher ist. Undankbar, diese Patienten! Da will man ihre Behandlung verbessern - aber sie machen nicht mit.

Doch der Reihe nach. Im Jahr 2013 wurde an verschiedenen deutschen Unikliniken mit einer großen urologischen Untersuchung, der Prefere-Studie, begonnen. Es geht um die Frage, wie Männer am besten zu behandeln sind, bei denen ein Krebs der Prostata gefunden wird. Kein fortgeschrittener Krebs, sondern einer im Frühstadium, der lokal auf die Vorsteherdrüse begrenzt und wenig entartet ist. Niedrig maligne nennen Ärzte das, weil dieser Krebs nur langsam wächst. Gelegentlich kommt er sogar ganz zum Stillstand und bereitet den Männern manchmal gar keine Beschwerden. Und wenn, dann oft erst Jahre später.

Die Urologen wissen nicht genau, wie sie Patienten mit einem solchen Befund optimal behandeln - und ob eine Therapie überhaupt sinnvoll ist. Es ist daher längst an der Zeit, die vier Behandlungsmöglichkeiten im Vergleich zu untersuchen. Soll die Prostata vollständig entfernt werden? Eine solche radikale Prostatektomie beseitigt den Krebs mit großer Wahrscheinlichkeit. Doch bleiben nach dem Eingriff zwischen zehn und 35 Prozent der Männer inkontinent, impotent oder beides. Die Strahlentherapie von außen ist die zweite Option. Sie ist ähnlich zuverlässig, aber auch ähnlich häufig mit Nebenwirkungen verbunden.

Vier Methoden, welche ist die beste? "Jeder Urologe hat seine Vorlieben"

Etwas neuer ist die dritte Methode, die Bestrahlung durch dauerhaft in der Prostata platzierte, kleine Strahlenquellen. Sie wird als Brachytherapie oder Seed Implantation bezeichnet, weil die Metallkügelchen wie kleine Samenkörner aussehen. Die vierte Option ist weniger handgreiflich, sie erfordert vom Urologen vor allem Zurückhaltung: Aktive Überwachung bedeutet, dass regelmäßig ärztliche Kontrollen stattfinden, die Behandlung aber erst einsetzt, wenn die Erkrankung fortschreitet. Vier Methoden, welche ist die beste?

"Jeder Urologe hat seine Vorlieben", sagt Michael Stöckle, Chef der Urologie an der Uniklinik Homburg/Saar. "Was einer gut kann und gut macht, das macht er auch häufiger." Allerdings sollte die optimale Behandlung eines Mannes nicht davon abhängen, was dem Arzt gefällt, sondern was Patienten nutzt. Eine Studie, in der alle vier Optionen miteinander verglichen werden, ist überfällig. Unter Beteiligung der Deutschen Krebshilfe, der gesetzlichen wie der privaten Krankenversicherungen wurde daher 2013 die Prefere-Studie begonnen.

25 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. 7600 Männer sollen untersucht, behandelt und bis zum Jahr 2030 beobachtet werden. Die Rekrutierungsphase ist bis 2017 geplant, knapp 2000 Männer müssen dazu jedes Jahr gewonnen werden. Jetzt, im Januar 2016, sind gerade mal etwas mehr als 300 Probanden beteiligt. Nicht im Monat, nicht im vergangenen Jahr, sondern insgesamt. Ein Debakel? Oder eine Überforderung für Ärzte wie Patienten?

Häufig raten Ärzte dazu, einfach abzuwarten

Urologe Stöckle sagt, "der deutsche Mann lässt sich nicht gerne für eine Studie rekrutieren". Zudem habe es "negative Propaganda" gegeben, vor allem im Internet, wo die Studie kritisiert wurde, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Dass bei guten klinischen Studien Patienten randomisiert werden, also den Behandlungsgruppen per Zufallsprinzip zugeteilt werden, löst bei Laien womöglich Bedenken aus, dass wie bei einer Tombola Lose gezogen werden.

Der Arzt sollte doch wissen, was richtig ist. Und wenn es vier Möglichkeiten gibt, von denen eine Nichtstun bedeutet, kann die Krankheit ja wohl nicht so schlimm sein. Warum sich dann einer Operation oder Bestrahlung unterziehen, mit dem erheblichen Risiko, hinterher impotent und oder inkontinent zu sein? Andere Patienten mögen denken: Ich habe Krebs, da muss man doch sofort etwas tun und kann nicht abwarten oder die Therapieentscheidung auswürfeln.

Was immer in den betroffenen Männern vorgeht - sie beteiligen sich kaum an der Prefere-Studie. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie, hat schon mehrmals "das Akzeptanzproblem" der Studie beklagt, und dass "der Zeitplan jetzt wohl kaum mehr zu halten" sei. Michael Stöckle, der Urologe aus Homburg, sagt, dass "der Patient in der Prefere-Studie das Präferenz-Recht hat, zwei Behandlungsmethoden abzuwählen", bevor er randomisiert wird. Doch macht es das wirklich einfacher für einen Patienten, wenn nur noch ausgelost wird, ob er bestrahlt oder operiert wird, ob abgewartet oder interveniert?

Ausnahmsweise raten Ärzte auch mal abzuwarten

"Für keine der vier Möglichkeiten gibt es bisher eine ausreichende Evidenz", sagt Mirjam Renz von der Deutschen Krebsgesellschaft. Wie und ob ein Patient überhaupt behandelt wird, hängt davon ab, an welchen Arzt er gerät. Im Durchschnitt wird bei niedrig-malignem Prostata-Krebs in Deutschland fünfmal so oft operiert wie bestrahlt. Nur in wenigen Kliniken überwiegt die Bestrahlung. Und ausnahmsweise raten die Ärzte auch mal dazu abzuwarten.

Erst in der neuesten Leitlinie der europäischen Urologenvereinigung steht, dass nicht klar sei, welche Option die beste ist und dass dies den Männern "adäquat" zu erklären sei. Doch wie sollen Ärzte Patienten glaubhaft vermitteln, dass Bestrahlung oder Abwarten vielleicht genauso gut hilft wie die Operation, wenn sie selbst jahrelang die Prostata mit dem Skalpell entfernt haben?

Viele Betroffene seien nach der Diagnose eines Prostata-Krebses im Frühstadium nicht angemessen und unvoreingenommen darüber aufgeklärt worden, dass Ärzte nicht wissen, was die beste Therapie ist, klagt die Deutsche Krebshilfe. "Das geht nicht, unter solchen Bedingungen kann eine Studie nicht funktionieren", bemängelt Geschäftsführer Gerd Nettekoven. Wie so oft in der Medizin hapere es an der Kommunikation.

Der Mann entschloss sich, nichts zu tun - und lebte 15 Jahre lang beschwerdefrei

Michael Stöckle erzählt von einem Patienten, der sich im Jahr 2000 mit damals 53 Jahren beim Urologen Blut abnehmen ließ. Der Test auf das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ergab erhöhte Werte, die weiteren Untersuchungen sprachen für begrenzten Krebs im Frühstadium. Der Mann entschloss sich, nichts gegen den Tumor zu unternehmen. Im Sommer 2015, der Mann ist inzwischen 68, ging er erneut zum Urologen, der Tumor war etwas weiter fortgeschritten.

"Womöglich bekommt der Patient Metastasen und lebt noch bis 2022 oder 2023", sagt Urologe Stöckle. "Vielleicht hätte er sich doch anders entscheiden sollen." Hätte er das wirklich? So lebte der Mann 15 Jahre weitgehend beschwerdefrei und ohne medizinische Eingriffe. Im Jahr 2022 wird er 75 sein. Hat er durch seine abwartende Haltung Lebensqualität gewonnen oder verloren - wer will das beurteilen? Weil Urologen immer häufiger bei beschwerdefreien Männern einen Bluttest auf PSA machen, steigt die Häufigkeit der Diagnose "Prostatakrebs im Frühstadium" rasant.

1980 wurde in Deutschland bei 22 000 Männern ein Tumor der Vorsteherdrüse festgestellt; inzwischen bekommen 65 000 Männer jedes Jahr die Diagnose, bei den meisten handelt es sich um Frühformen, von denen man ahnt, dass sie oft keiner Therapie bedürfen. Weil die Männer in vielen Fällen nur verunsichert werden, ist der PSA-Test äußerst umstritten und die Krankenkassen erstatten ihn nicht.

"I prefer not to know"

Michael Stöckle, der wissenschaftliche Leiter der Prefere-Studie, glaubt, "dass die vier Therapie-Arme mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle gleich gut sind". Doch wie soll in einer Studie unvoreingenommen geprüft werden, was am besten hilft, wenn jeder Urologe schon vorher zu wissen meint, was besser ist und was nicht?

Jürgen Windeler, Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, fühlt sich angesichts der Prefere-Studie an Herman Melvilles literarische Figur Bartleby erinnert, die zu jeder Gelegenheit "I prefer not to" entgegnete. In diesem Fall müsse man ergänzen: I prefer not to know. "Nicht wissen, aber trotzdem handeln und behandeln zu wollen, das geht nicht", sagt Windeler.

(SZ, 19.1.16, Werner Bartens)

 

 

Krebsentstehung: Doch überschätzte Rolle des Zufalls bei Krebs?

Die Rolle unvermeidbarer Zufälle bei der Entstehung von Krebs bleibt umstritten. Und wie entscheidend ist der fatale Einfluss von Krebs auslösenden Schadstoffen wirklich?

Anfang dieses Jahres machten die Krebsforscher Bert Vogelstein und Cristian Tomasetti von der Johns Hopkins University mit einer Studie Schlagzeilen, mit der sie eine unterschätzte Ursache für die Entstehung von Krebs thematisierten: Pech. Ihrer Analyse zufolge spielen zufällige negative Mutationen rein quantitativ – bezogen auf alle Krebsarten – eine bedeutendere Rolle als etwa Risikofaktoren im Lebenswandel. Und dies auch, wenn der Einzelne natürlich mit einem ungesunden Lebenswandel – etwa Rauchen – und durch andere äußere schädliche Einflüssen sein Risiko für das Entstehen dieser Mutationen insgesamt deutlich erhöhen kann.

Nur diese letzte Schlussfolgerung unterstreichen nun Forscher um den Krebsforscher Yusuf Hannun von der Stony Brook University in New York. Sie hatten versucht zu berechnen, wie stark äußere Einflüsse tatsächlich einwirken – etwa der Umzug eines Patienten von einer gesunden Umgebung in eine, in der bekannte Krebs auslösende Umwelteinflüsse stärker wirken; oder eine stärkere oder schwächere durchschnittliche UV-Einstrahlung. Dabei beobachteten sie einen unerwarteten Effekt: Tatsächlich scheinen unterschiedliche Störeinflüsse in verschiedenen Geweben doch unterschiedlich schwer zu wirken – was einige der Schlussfolgerungen von Vogelstein und Tomasetti zum Teil entkräftet.

Denn diese hatten den Zufall als eine Hauptursache postuliert, weil sie eine auffällige Korrelation der Teilungs- und Krebsraten in 31 Geweben feststellen konnten. Sie vermuteten daher, dass sich die Stammzellen in den unterschiedlichen Organen nur unterschiedlich schnell teilen, aber eben nicht per se unterschiedlich häufig entarten, sondern statistisch gleich oft und zufällig. Dies muss angesichts der Daten von Hannun und Kollegen nun modifiziert werden: Tatsächlich scheinen unterschiedliche Krebs auslösende Faktoren doch auf unterschiedliche Stammzellen unterschiedlich schädlich zu wirken. Dies müsse einkalkuliert werden, meint Hannun: Der Einfluss des Zufalls ist daher doch geringer, der von mutagenen Umwelteinflüssen größer als gedacht.

Beide Forschergruppen streiten noch um Details ihrer Studien, berichtet "Nature News" – beide weisen aber immerhin übereinstimmend darauf hin, dass Prävention und das Vermeiden bekannter Krebsauslöser wichtig bleiben. Wie wichtig genau, wird wohl weiter diskutiert werden.

(Spektrum der Wissenschaft, 17.12.15, Jan Osterkamp © Spektrum.de)

 

 

Erster Nachweis: E-Zigaretten lösen Krebs aus

E-Zigaretten schädigen Zellen auf eine Weise, die zu Krebs führen kann. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Veterans Affairs Healthcare Ceters in San Diego, USA. Die Schäden waren auch bei den nikotinfreien Varianten zu beobachten – dann jedoch in schwächerer Form.

„Unsere Studie weist sehr deutlich darauf hin, dass elektronische Zigaretten nicht annähernd so sicher sind, wie die Hersteller behaupten“, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Oral Oncology.

Streit um E-Zigaretten

Seit einigen Jahren streiten Wissenschaftler über Nutzen und Schaden von E-Zigaretten. Im Kern stand bislang die Frage: Können E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen oder verführen sie Nichtraucher zum Rauchen? Der Dampf der E-Zigaretten galt bislang als relativ unschädlich – doch ohne konkrete wissenschaftliche Grundlage. Erste Untersuchungen kratzen jetzt an diesem Image. Schon vor einigen Wochen konnte eine Studie zeigen, dass aromatisierte E-Zigaretten zur sogenannten Popcorn-Lunge führen können.

Die schlechte Studienlage zu E-Zigaretten bemängelt auch Dr. Jessica Wang-Rodriguez, die Leiterin der aktuellen Untersuchung: „Es gab bislang keine gute Laboruntersuchung von den Effekten dieser Produkte auf menschliche Zellen!“

Schwere Zellschäden durch E-Zigaretten

Um das zu ändern, extrahierte sie zusammen mit ihrem Team Teile des Dampfs von E-Zigaretten zweier großer Hersteller. Diesen Extrakt vermengten sie dann in Petrischalen mit menschlichen Zellen. Die Folge: Die Zellen zeigten verschiedenste Formen der Schädigung, darunter auch sogenannte Strangbrüche. Das sind Brüche im strickleiterartigen System der DNA. Sie sind für den Körper schwer zu reparieren und gelten als Ursprung von Krebszellen.

Bei ihrem Experiment nutzten die Wissenschaftler E-Zigaretten mit und ohne Nikotin. Beide führten zu den beschriebenen Schäden, der jedoch bei den nikotinhaltigen E-Zigaretten größer ausfiel.

„Es gibt viele Studien, die zeigen, das Nikotin Zellen schädigt“, sagt Wang-Rodriguez. Aber bei den E-Zigaretten sei es nicht der einzige Stoff mit dieser Wirkung. „Es muss weitere schädliche Substanzen in den E-Zigaretten geben, die bisher noch unerkannt sind.“ Diese wolle sie mit ihrem Team nun genau bestimmen. 

(Praxisvita.de, 30.12.2015)

 

 

Fleischkonsum und Krebs: Müssen Steak-Fans sich sorgen?

Es geht um die Wurst: Verarbeitetes Fleisch erhöht nach Erkenntnissen von Forschern das Krebsrisiko. Auch bei rotem Fleisch gibt es entsprechende Hinweise. Müssen Steak-Fans sich Sorgen machen? Foto: dpa

Lyon. Es geht um die Wurst: Verarbeitetes Fleisch erhöht nach Erkenntnissen von Forschern das Krebsrisiko. Auch bei rotem Fleisch gibt es entsprechende Hinweise. Müssen Steak-Fans sich Sorgen machen?

Gut 38 Kilo Schweinefleisch und fast 9 Kilo Rindfleisch isst jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation warnt nun, dass Steaks und Würstchen bei regelmäßigem Konsum langfristig das Krebsrisiko steigern könnten. Ernährungsexperten meinen aber, dass Fleischliebhaber deshalb nicht zum Vegetariertum überlaufen müssen - sie werben für bewussteren Fleischkonsum.

Weshalb halten die Forscher Fleisch für krebserregend?

Die Experten haben mehr als 800 Studien ausgewertet, die sich mit dem Zusammenhang von Fleischverzehr und Krebsarten beschäftigen. Bei verarbeitetem Fleisch wie Würstchen, Schinken oder Corned Beef sind sie aufgrund der Daten sicher, dass es Krebs verursachen kann. Bei sogenanntem rotem Fleisch halten sie das für wahrscheinlich - das gilt zum Beispiel auch für das Rinder-Steak aus der Pfanne oder das Schweinekotelett vom Grill. Um weißes Fleisch, also Geflügel, geht es in dem Bericht nicht.

Nach Angaben der Agentur verstehen Forscher noch nicht komplett, warum Fleisch das Krebsrisiko beeinflusst. Beim Kochen oder bei der Verarbeitung von Fleisch könnten aber Stoffe entstehen, die als krebserregend bekannt sind.

Um welche Krebsarten geht es?

Vor allem um Darmkrebs. Für verarbeitetes Fleisch gibt es auch Hinweise auf Verbindungen zu Magenkrebs, dies ist aber nicht erwiesen. Bei rotem Fleisch könnte es zudem Verbindungen zu Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs geben.

Muss ich nun ganz auf Fleisch verzichten?

Wie so oft: Die Menge macht’s. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Fleisch habe auch positive Effekte: „Wir führen damit zum Beispiel Eisen, hochwertiges Eiweiß und bestimmte Vitamine zu.“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren pro Woche zu sich zu nehmen. Die Realität sehe aber bundesweit anders aus, sagt DGE-Pressesprecherin Antje Gahl in Bonn. „Männer verzehren etwa doppelt so viel mit 1092 Gramm pro Woche.“ Frauen seien gerade so im Rahmen - die Daten stammen allerdings aus 2005 bis 2007. Die Krebsforschungsagentur betont, dass man anhand der vorliegenden Informationen nicht sagen könne, ob es ein sicheres Maß an Fleisch gibt. Klar scheint aber: Je mehr, desto höher das Risiko.

Was heißt das konkret?

Pro 50 Gramm verarbeitetes Fleisch täglich steigt das Darmkrebsrisiko nach Einschätzung der Experten um 18 Prozent. Dabei stützen sie sich auf Daten aus zehn Studien. Bei rotem Fleisch ist die WHO-Agentur noch zurückhaltender, aber Daten aus den Studien legen nahe, dass 100 Gramm täglich das Risiko um 17 Prozent erhöhen könnten.

Hoher Fleischkonsum ist auch Umweltschützern ein Dorn im Auge - warum eigentlich?

Nach Angaben des „Fleischatlas 2014“ wird die weltweite Fleischerzeugung bis Mitte dieses Jahrhunderts von jetzt 300 Millionen Tonnen auf dann fast eine halbe Milliarde Tonnen steigen. Dafür werde sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln. Damit werden mehr Flächen für den Futteranbau benötigt - und größere Viehbestände tragen auch zu mehr Treibhausgasen bei.

(Neue Osnabrücker Zeitung, 27.10.15, dpa)

 

 

Vorsorge

Anzahl der Leberflecken entscheidend für höheres Krebs-Risiko

Die Entwicklung von Hautkrebs geht auch auf abnormale Leberflecken zurück. Forscher haben nun nachgewiesen, dass vor allem die Anzahl der Leberflecke am rechten Arm in der Diagnostik hilfreich sein kann. Wer mehr als elf Leberflecken dort aufweist, für den besteht ein höheres Risiko an Hautkrebs zu erkranken.

Die Zahl der Hautkrebs-Erkrankten steigt. Dabei spielt nicht nur das ungehemmte Aussetzen der Haut gegenüber der Sonne eine Rolle. Es gibt auch genetische Dispositionen. Wie Forscher am King’s College London jetzt nachweisen konnten, muss die Zahl der Leberflecken am rechten Arm bei der Diagnostik eine viel größere Rolle spielen. Demnach gibt es einen Zusammenhang mit dem Risiko, Melanomzellen zu entwickeln.

Hierfür werteten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 3.500 Zwillingen aus. Das Ergebnis: Wer mehr als elf Leberflecken am rechten Arm hat, weist ein größeres Hautkrebs-Risiko auf. Der rechte Arm kann als Indikator genutzt werden, um die Gesamtzahl der Leberflecken auf dem Körper zu ermitteln. Das spart sehr viel Zeit.

Die Zwillinge wurden auf ihren Hauttyp, ihre Sommersprossen, ihre Haar- und Augenfarbe und ihre Leberflecken hin analysiert. Die Untersuchungen zeigten, dass Frauen mit mehr als sieben Leberflecken, neigten dazu, am ganzen Körper mehr als 50 Leberflecken zu haben. Wer mehr als elf Leberflecken am rechten Arm aufwies, tendierte dazu, über 100 Leberflecken am ganzen Körper zu haben. Damit hatten diese ein deutlich höheres Risiko ein Melanom zu entwickeln.

Vor allem im Bereich des Ellenbogens ist die Anzahl der Leberflecken besonders aussagefähig. „Die Ergebnisse könnten erhebliche Auswirkungen auf die Grundversorgung haben“, sagt Simone Ribero vom King’s College. Die Ärzte könnten die Gesamtzahl der Leberflecken genauer und über einen leicht zugänglichen Körperteil schätzen. „Das würde bedeuten, dass mehr Patienten mit einem Risiko, Melanome zu entwickeln, identifiziert und überwacht werden könnten.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr zwei bis drei neue Fälle von hellem Hautkrebs und 250.000 neue Fälle mit malignem Melanom auftreten. In Mitteleuropa erkranken jedes Jahr 10 bis 20 Personen pro 100.000 Einwohner. „In den meisten westlichen Ländern werden darüber hinaus ca. 4 Prozent mehr Melanomfälle pro Jahr festgestellt, sodass das maligne Melanom die Krebserkrankung mit der Weltweit stärksten Zuwachsrate darstellt“, so die Deutsche Krebsgesellschaft.

(Deutsche Gesundheits Nachrichten, 22.10.2015)

 

 

Vier Tassen Kaffee schützen vor Krebs-Rückfall

Regelmäßiges Kaffee-Trinken könnte bei Darmkrebs die Chancen erhöhen, die Krankheit endgültig in die Schranken zu weisen. Anlass zu dieser Hoffnung gibt eine neue Studie: Darmkrebspatienten, die gern und viel koffeinhaltigen Kaffee tranken, hatten seltener einen Rückfall.

"Wir haben herausgefunden, dass Kaffee-Trinker ein geringeres Risiko für eine Rückkehr des Krebses und eine deutlich größere Überlebens- und Heilungschance hatten", sagt Studienleiter Charles Fuchs vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, USA. Der größte Vorteil war bei Studienteilnehmern zu sehen, die vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, was in etwa 460 Milligramm Koffein entsprach. Bei ihnen lag die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs erneut auftrat, um 42 Prozent niedriger als bei Teilnehmern, die keinen Kaffee tranken, berichten die Krebsforscher im Journal of Clinical Oncology. Auch die Gefahr, im Studienzeitraum an Krebs oder einer anderen Krankheit zu sterben, lag mit 33 Prozent deutlich niedriger. Bei zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag war der positive Effekt dagegen nur moderat, bei maximal einer Tasse kaum noch vorhanden.

Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, möchte Fuchs jedoch keine Empfehlungen aussprechen, bevor sich die Erkenntnisse nicht in weiteren Studien bestätigt haben. Sein Rat lautet: Wer ein passionierter Kaffee-Trinker ist und wegen Darmkrebs behandelt wird, sollte nicht damit aufhören. Wer jedoch keinen Kaffee trinke und nun überlege, damit zu beginnen, sollte dies mit seinem behandelnden Arzt besprechen. An der Studie hatten fast 1.000 Menschen mit Darmkrebs im Stadium III teilgenommen, die sich einer Operation mit anschließender Chemotherapie unterzogen hatten. Von Stadium III sprechen Ärzte, wenn der Darmkrebs soweit fortgeschritten ist, dass die benachbarten Lymphknoten mitbefallen sind, jedoch noch keine weiteren Metastasen auftreten. Die meisten Rückfälle treten Fuchs zufolge innerhalb von fünf Jahren nach einer Therapie auf.

(aponet.de, 19.8., HH)

 

 

 

Brustkrebs und Eierstockkrebs

Jolie-Effekt hat Nachfrage nach Gentests zu erblichem Krebs verdoppelt

Das Beispiel von Angelina Jolie macht auch in Deutschland Schule. Immer mehr Frauen lassen sich auf erblichen Brustkrebs und Eierstockkrebs testen. In vielen genetischen Beratungsstellen hat sich die Zahl der durchgeführten Gentests fast verdoppelt.

Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen mit Brustkrebs oder Eierstockkrebs liegt ein verändertes Brutskrebsgen BRCA1 oder BRCA2 vor. Prominentestes Beispiel ist Angelina Jolie. Die Schauspielerin hatte sich aufgrund ihres hohen Krebsrisikos Brüste und Eierstöcke entfernen lassen – und öffentlich darüber gesprochen. Das Beispiel hat offenbar auch in Deutschland Schule gemacht. Laut Verband der Ersatzkassen (vdeK) ist zwischen 2013 und 2014 die Zahl der entsprechenden Gentests von 1.700 auf 3.100 gestiegen. Das heißt, bei fast doppelt so vielen Frauen mit einem Verdacht auf erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs wurde ein diagnostischer Gentest durchgeführt.

Experten warnen vor kommerziellen Gentests 

Ausgewertet wurden die Daten der 13 gendiagnostischen Beratungszentren, mit denen Ersatzkassen wie DAK, Barmer Techniker Kasse usw. bislang Verträge haben. Die „Dunkelziffer“ könnte um einiges höher liegen, denn kommerzielle Gentests sind für viel Geld auch auf dem freien Markt zu haben. Experten warnen allerdings zur Vorsicht. „Kommerzielle Gentests müssen kritisch hinterfragt werden, denn sie bergen die Gefahr der unkritischen Anwendung und Interpretation ohne erkennbaren klinischen Nutzen und sogar zum Schaden der Betroffenen“, betonte Prof. Rita Schmutzler vom Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln. Da die Diagnose einer erblichen Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs weitreichende Folgen für die betroffenen Frauen und ihrer Angehörigen habe, sollte sie immer an einem spezialisierten Beratungszentrum erfolgen. „Die Ärzte müssen gut qualifiziert sein, denn falsche Testergebnisse führen zu falscher Beratung und Therapie.“

Familiäre Vorgeschichte für Gentest unabdingbar

Ein Gentest auf erblichen Brustkrebs und Eierstockkrebs wird an gendiagnostischen Beratungszentren nicht ohne weiteres durchgeführt. Patientinnen müssen bestimmte Voraussetzungen für eine genetische Analyse erfüllen. Dazu zählt eine entsprechend auffällige Familiengeschichte, wenn etwa die Mutter in jungen Jahren an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt ist. Erst dann übernehmen auch die Kassen Kosten, die bei Brustkrebs rund 3.800 Euro betragen.  „Wir wollen, dass die Ersatzkassenversicherten von den modernen gendiagnostischen Verfahren profitieren. Aber die Beratung und Gentestung sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern dort stattfinden, wo das ärztliche Know-how gebündelt ist und hohe Qualitätsstandards gelten“, mahnte auch die vdek-Vorstandsvorsitzend Ulrike Elsner.

Künftig wird es mehr gendiagnostische Beratungszentren geben

Aufgrund der hohen Nachfrage soll das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen um vier weitere qualifizierte Beratungsstellen sogenannte Konsortialzentren ausgeweitet werden. Vorgesehen ist außerdem, dass die insgesamt 17 Konsortialzentren künftig mit ausgewählten zertifizierten Brustzentren und Gynäkologischen Krebszentren an Kliniken kooperieren. Durch bessere Wissensvermittlung neuester Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Gendiagnostik sollen künftig auch behandelnde Ärzte einen Teil der Aufklärung und Anfangsdiagnostik übernehmen können. Ärzte und Kassen erhoffen sich davon eine verbesserte und flächendeckende Beratungssituation für Frauen.  

Andrea Hahne, Vorsitzende des BRCA-Netzwerks – Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs e.V., sieht in den geplanten Kooperationen einen wichtigen Schritt: „Gute Beratung, eine optimale genetische Diagnostik und eine aussagekräftige Risikoprognose sind unabdingbar, bevor oftmals schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden können. Dass die Fachkompetenz nun auch an qualifizierte Zentren weitergegeben wird, begrüßen wir sehr.“

(Gesundheitsstadt Berlin, 23.8.15, Beatrice Hamberger)

 

 

Was sie bringen, wie sie ablaufen

Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung

Viele scheuen den Gang zur Krebs-Vorsorge, weil sie Angst vor dem Prozedere haben. Dabei sind die Untersuchungen meist harmloser als vermutet.

War eigentlich gar nicht so schlimm.“ Mit dieser Einschätzung sind sich so gut wie alle einig, die einmal bei der Darmspiegelung oder beim Hautkrebs-Screening waren. Trotzdem scheuen viele Menschen den Gang zur Früherkennung. Dabei können sie Leben retten. „Ein frühzeitiges Erkennen von Tumoren verbessert die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung um ein Vielfaches“, sagt Dr. Sabine Fromm-Haidenberger, Fachärztin für Strahlentherapie und Radiologie am Diagnostik-Zentrum München im Gespräch mit der AZ . Welche Untersuchungen wann sinnvoll sind und wie sie ablaufen:

Darmkrebs

Sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste Krebsart. Dabei bilden sich bösartige Wucherungen an der Darmschleimhaut. Pro Jahr erkranken daran rund 62 000 Menschen in Deutschland.

Ab wann zur Vorsorge: Frauen und Männer sollten spätestens ab 50 Jahren zur Vorsorge gehen. Wer in seiner Familie bereits Darmkrebs-Fälle hatte, sollte das auch schon in jüngeren Jahren tun.

Was bei der Vorsorge passiert: Die effektivste Methode ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei wird das Koloskop, ein Schlauch mit Kamera, über den After in den Dünndarm eingeführt. Allein diese Vorstellung empfinden manche schon als unangenehm. Doch die Angst ist unberechtigt. Bevor es losgeht, wird der Patient durch ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel in einen narkoseähnlichen Zustand versetzt. Dieser Dämmerschlaf sorgt dafür, dass die Koloskopie schmerzfrei abläuft. Auf Wunsch kann auch ein richtiges Narkosemittel eingesetzt werden.

Was die Vorsorge bringt: Bei der Koloskopie werden Darmpolypen gefunden und mit Hilfe einer elektrischen Schlinge vollständig entfernt, bevor sie zu Darmkrebs werden können. Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, können sich aber im Laufe der Jahre zu bösartigem Darmkrebs entwickeln. Es kann zehn Jahren dauern, bis aus solchen Schleimhautveränderungen Krebs entsteht.

Prostatakrebs

Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Das „Prostatakarzinom“, so die medizinische Bezeichnung, ist ein bösartiger Tumor an der sogenannten Vorsteherdrüse, der Prostata.

Ab wann zur Vorsorge: Sabine Fromm-Haidenberger rät Männern spätestens ab 60 Jahren regelmäßig zur Prostatakrebsvorsorge zu gehen. Bereits ab 45 Jahren haben Männer einen gesetzlichen Anspruch auf die Früherkennungsuntersuchung.

Was bei der Vorsorge passiert: Dazu gehört die Tastuntersuchung von Bauch, Hoden, Penis und Prostata. Vor allem Letzteres treibt so manchem Mann den kalten Schweiß auf die Stirn. Völlig unnötig, wie Urologen immer wieder betonen. Die Tastuntersuchung dauert nur etwa 30 Sekunden und tut nicht weh. Urologen beschreiben es höchstens als ein wenig unangenehm. Der Arzt zieht sich einen Handschuh über, benetzt ihn mit Gel und führt einen Finger in den After des Patienten ein. Er ertastet so die etwa kastaniengroße Prostata, die in der Nähe des Enddarms liegt. Der Patient liegt dabei auf der Seite. Der Arzt kontrolliert, ob die Prostata verhärtet oder verändert ist. Zusätzlich zur Tastuntersuchung kann auch noch der PSA-Test gemacht werden. Hierbei wird das prostataspezifische Antigen (PSA) aus einer Blutprobe bestimmt.

Was die Vorsorge bringt: Werden bei der Tastuntersuchung Veränderungen an der Prostata festgestellt, kann der Arzt weitere Untersuchungen machen wie etwa Ultraschall. Dazu führt er eine Sonde über den After ein. Der PSA-Test zeigt, wie viel Antigene ein Mann im Blut hat. Bei einem Prostatakarzinom ist die PSA-Konzentration im Blut meist erhöht. Der Normalwert liegt bei gesunden Männern im Bereich null bis zweieinhalb Milliardstel Gramm pro Milliliter Blut. Der PSA-Test ist allerdings immer wieder umstritten: Ob Männer länger und vor allem besser leben, wenn sie die Untersuchung regelmäßig machen lassen, ist nicht erwiesen.

Brustkrebs

Es ist die häufigste, allerdings nicht die gefährlichste Krebserkrankung bei Frauen. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings ist das sehr selten. Laut Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft kommt auf etwa 115 Erkrankungen bei Frauen nur eine bei Männern. Der Krebs entsteht meist in den Milchdrüsen oder den Milchgängen der Brust. Etwa ein Viertel der Tumore sind bösartig.

Ab wann zur Vorsorge: Spätestens ab 30 Jahren sollten Frauen einmal jährlich ihre Brust untersuchen lassen. Frauen, die ein erblich bedingt erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, sollten sich bereits früher – spätestens ab dem 25. Lebensjahr – alle sechs Monate einer Untersuchung unterziehen. Zwischen 50 und 69 Jahren wird auch ein Mammografie-Screening, also eine Röntgenuntersuchung der Brust, empfohlen. Generell steigt das Erkrankungsrisiko ab dem vierten Lebensjahrzehnt an und nimmt dann ab 70 Jahren wieder ab. Wichtig: Frauen sollten ihre Brust auch regelmäßig selbst abtasten.

Was bei der Vorsorge passiert: Bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren und ab 70 Jahren tastet der Arzt die Brustdrüsen und die Lymphknoten in den Achselhöhlen ab. Die Brustwarze wird vorsichtig gedrückt, um zu überprüfen, ob Flüssigkeit austritt. Auch Form und Größe der Brustwarzen werden überprüft. Bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren wird zusätzlich alle zwei Jahre ein Mammografie-Screening empfohlen. Dazu muss die Brust zwischen zwei strahlendurchlässigen Plexiglas-Scheiben leicht zusammengedrückt werden. Im Normalfall ist die Untersuchung harmlos. Allerdings berichten manche Frauen, dass das Zusammendrücken der Brust etwas schmerzhaft sein kann. Das Screening dauert nur wenige Minuten.

Was die Vorsorge bringt: Durch das Abtasten kann der Arzt Knoten ab einer Größe von ein bis zwei Zentimeter finden – je nach Dichte und Größe der Brust. Auch Symptome wie Veränderungen der Haut oder Absonderungen aus der Brustwarze kann der Arzt feststellen. Beim Mammografie-Screening können auch kleinere Knoten entdeckt werden, die durch das Abtasten nicht gefunden wurden.

Hautkrebs

Unter dem Begriff „Hautkrebs“ wird eine Vielzahl verschiedener Krebserkrankungen, die an der Haut entstehen oder sichtbar sind, zusammengefasst. Am meisten gefürchtet ist der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom. Viel häufiger ist der weiße Hautkrebs. Er wird auch Oberhautkrebs genannt und umfasst das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom sowie dessen Vorstufen.

Ab wann zur Vorsorge: Gesetzlich Anspruch auf eine Vorsorge hat jeder ab 35, manche Kassen zahlen ein Haukrebs-Screening ab 20 Jahren. Grundsätzlich gilt: seine Haut selber im Auge behalten und bei auffälligen Muttermalen oder Leberflecken sofort zum Arzt!

Was bei der Vorsorge passiert: Das Hautkrebs-Screening ist wohl die harmloseste aller Früherkennungs-Untersuchungen. Das Ganze dauert 15 Minuten und ist eine Untersuchung von Kopfhaut, Armen, Beinen, Brust, Bauch, Rücken, Gesäß sowie Händen und Füßen inklusive Zehenzwischenräumen – Zentimeter für Zentimeter. Fällt dem Arzt etwas auf, kann er ein Dermatoskop zu Hilfe nehmen – eine Lupe mit Licht. Auch Mundschleimhaut, Zahnfleisch und Zunge werden kontrolliert.

Was die Vorsorge bringt: Der Arzt kann Veränderungen frühzeitig erkennen und gegebenenfalls eine Gewebeprobe nehmen und diese untersuchen lassen.

Von der Darmspiegelung bis zum Screening - Das zahlt die Kasse

Auf folgende Leistungen haben Versicherte gesetzlich Anspruch:

Ab 20 Jahren (Für Frauen)

* Jährliche Untersuchung zu Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane: Inspektion des Muttermunds, Abstrich vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhals, gynäkologische Tastuntersuchung

Ab 30 Jahren (für Frauen)

* Jährliche Untersuchung der Brust: Inspektion und Abtasten der Brust und der Achselhöhlen (Lymphknoten), Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust

Ab 35 Jahren

* Alle zwei Jahre Anspruch auf Hautkrebsvorsorge. Das beinhaltet eine Inspektion der Haut am kompletten Körper (Hautkrebs-Screening)

Ab 45 Jahren (für Männer)

* Jährliche Untersuchung zu Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane: Inspektion und Abtasten der äußeren Geschlechtsorgane, Tastuntersuchung der Prostata, Abtasten der Lymphknoten im Lendenbereich

Ab 50 Jahren

* Jährliche Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung: Gezielte Beratung, Test auf Blut im Stuhl

* Für Frauen: alle zwei Jahre Früherkennung von Brustkrebs durch ein Mammographie-Screening, einer Röntgenaufnahme der Brust. Zum Untersuchungstermin werden die anspruchsberechtigten Frauen schriftlich eingeladen.

Ab 55 Jahren

* Erweiterte Untersuchung zur Darmkrebs-Früherkennung: Wahlweise Test auf Blut im Stuhl (alle zwei Jahre) oder zwei Darmspiegelungen (im Abstand von zehn Jahren)

(Abendzeitung/München, 10.08.2015, Verena Lehner)

 

 

Immer mehr Frauen mit genetischer Vorbelastung lassen sich die Brüste entfernen, um die Krebsgefahr zu senken

Entscheidung gegen das Risiko

Am Anfang steht ein Test. Er sorgt für Gewissheit – nicht, ob die Krankheit bereits zugeschlagen hat, sondern ob das Risiko hoch ist, sie zu bekommen. Es geht um Brust- und Eierstockkrebs. Denn bei bestimmten Genmutationen ist das Risiko stark erhöht. Und dann stehen Frauen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie sich prophylaktisch die Brüste und Eierstöcke entfernen lassen? Hollywood-Star Angelina Jolie hat sich dafür entschieden. Vor gut zwei Jahren ließ sie sich die Brüste abnehmen, im März außerdem die Eierstöcke entfernen. Ihre Oma, Tante und Mutter waren an Krebs gestorben.

Auf eine genetische Veranlagung wird in Deutschland aber nur unter bestimmten Voraussetzungen getestet, denn sie steckt längst nicht hinter jedem Brust- und Eierstockkrebs. Von den etwa 70 000 Frauen, die jährlich an Brustkrebs erkranken, basieren weniger als 10 Prozent der Fälle auf Hochrisiko-Genen, sagt Kristin Bosse vom Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik Tübingen.

Gen-Test gibt Hinweise

Deshalb müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, bevor der Gen-Test erfolgt. Sind zum Beispiel zwei Frauen in der Familie erkrankt und eine davon vor dem 50. Lebensjahr, dann liegt die Mutationswahrscheinlichkeit bei der Betroffenen laut Bosse bei etwa zehn Prozent. „Man braucht solche Indizien“, sagt Christof Sohn von der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. „Dann startet man mit der Diagnostik.“

„Getestet werden dabei zwei Gene, das BRCA1- und BRCA2-Gen“, erklärt Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte. BR steht dabei für „Breast“, CA für „Cancer“, also die englischen Worte für Brust und Krebs. Wird ein verändertes BRCA1-Gen bei einer noch gesunden Frau gefunden, liegt für sie das Risiko, im Lauf ihres Lebens Eierstockkrebs zu bekommen, bei rund 40 bis 55 Prozent, das für Brustkrebs bei 60 bis 80 Prozent. Bei einem veränderten BRCA2-Gen beträgt das Risiko für Eierstockkrebs 10 bis 20, für Brustkrebs 45 bis 80 Prozent. „Ohne diese Veränderungen liegt das Risiko für Eierstockkrebs bei 1,5 Prozent, das Risiko für Brustkrebs bei 10 Prozent.“

Der Test hat mittlerweile eine große Akzeptanz, sagt Bosse. Sie hat nicht die Erfahrung gemacht, dass ihn viele Frauen aus Angst vor dem Ergebnis meiden. „Das Nichtwissen ist mittel- und langfristig nicht besser zu ertragen als das Wissen und die damit verbundenen Möglichkeiten, handeln zu können.“

Das kann auch Cindy Eibisch bestätigen. Sie arbeitet für den Psychoonkologischen Dienst mit dem Krebszentrum Dresden zusammen: „Die meisten Patienten lassen sich testen“, sagt sie. Und nur selten komme danach eine Rückmeldung wie: „Ach, hätte ich das nur nicht gewusst.“ Eher seien die Patientinnen froh, über das eigene Krebsrisiko Bescheid zu wissen. So könne man es auch ein Stück weit in die eigene Hand nehmen, sagt Bosse. Denn hat die Frau ein verändertes Gen, kommt sie in ein engmaschiges Früherkennungsprogramm. „Damit kann man Krebs nicht verhindern, aber früh entdecken“, sagt Sohn. Jedes halbe Jahr steht dann für Frauen ab dem 25. Lebensjahr eine Ultraschalluntersuchung an, einmal im Jahr ein MRT und ab 40 alle ein bis zwei Jahre eine Mammografie, erklärt Bosse. Diese Untersuchungen sollten in einem der darauf spezialisierten bundesweit 15 universitären Zentren des deutschen Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs stattfinden. Dort werden die Risikopatientinnen auch über präventive Maßnahmen wie eine vorsorgliche Entfernung der Brüste und Eierstöcke beraten.

„Das ist ein Prozess, der in einem geschehen muss“, sagt Sohn. Vor einem solchen Eingriff stehen laut Eibisch viele Sorgen, die besprochen werden müssen. Wie wird das Ergebnis? Wie reagiert mein Partner? Werde ich in der Bewegung eingeschränkt sein? Über die Ängste sprechen die Patientinnen vorab mit Eibisch und ihren Kollegen aus der Psychoonkologie. Zum Teil treffen sie sich auch mit Frauen, die sich schon operieren lassen haben. Über das BRCA-Netzwerk können sich Betroffene untereinander austauschen.

Bosse hat eine steigende Tendenz bei der vorsorglichen Brustdrüsenentfernung beobachtet. Gründe dafür seien, dass der Eingriff keine seltene OP mehr ist. Nur so kann das Erkrankungsrisiko maximal reduziert werden – und die kosmetischen Ergebnisse werden immer ansprechender. Entfernt werden bei dem Eingriff die Brustdrüsen – je nach Fall auch die Brustwarzen, erklärt Sohn. Dann erfolgt in einer Operation der Wiederaufbau, entweder mit Eigengewebe oder Implantaten, das entscheiden Patientin und Ärzte individuell. Wichtig zu wissen ist: „Man wacht immer mit einer rekonstruierten Brust auf“, sagt Bosse.

Hormontherapie als Hilfe

Die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke steht besonders bei jüngeren Frauen weniger zur Debatte. Denn die Familienplanung sollte dafür abgeschlossen sein. Die prophylaktische Entfernung wird in der Regel erst ab dem 40. Lebensjahr empfohlen, sagt Bosse. „Das Risiko steigt erst mit 40 deutlicher an.“ So entwickeln nur etwa drei bis vier Prozent der Frauen unter 40 mit einem veränderten BRCA1-Gen Eierstockkrebs. Bei Frauen zwischen 40 und 50 sind es bereits rund 25 Prozent.

„Wenn die Eierstöcke entfernt werden, werden keine Östrogene und Gestagene mehr produziert“, erläutert Albring. „Es entsteht dann eine Situation wie in den Wechseljahren.“ Bei Frauen um die 40 ohne Brustkrebs in der Vorgeschichte ist eine Hormonersatztherapie sinnvoll. Sie kommen so nicht zwangsläufig sofort in die Wechseljahre und beugen einer Osteoporose vor, sagt Bosse. „Schwieriger ist es bei denen, die mal an Brustkrebs erkrankt sind.“ Bei ihnen sei die Hormongabe nicht ohne weiteres möglich. Gegen etwaige Wechseljahrbeschwerden, insbesondere Schlafstörungen, kommen dann aber zum Beispiel andere nicht-hormonelle Medikamente zum Einsatz.

Doch nicht nur körperlich macht sich ein solcher Eingriff bemerkbar. Auch psychisch kann er nachwirken. Manchmal komme ein Gefühl des Verlustes von Weiblichkeit hoch, schildert Eibisch – aber gar nicht so häufig. „Eigentlich geht es mit einer deutlichen Angstreduktion einher“, hat Bosse beobachtet. „Darüber hinaus kann auf die engmaschigen, durchaus auch belastenden Früherkennungsuntersuchungen verzichtet werden.“

Vor allem, wenn ein sehr intensiver Entscheidungsprozess vor dem Eingriff stattgefunden hat, kommen Patientinnen im Anschluss in der Regel gut damit zurecht, sagt auch Eibisch. Und Albring fügt hinzu: „Die Frauen haben den Eindruck, wenn auch mit einem großen Opfer, die Macht über ihr Leben wieder zurückzubekommen.“

(Weser Kurier, 3.8.15, Lea Sibbel) 

 

 

Diese Lebensmittel steigern die Krebsgefahr

Etwa 14 Millionen Menschen weltweit erkranken jedes Jahr an Krebs – die Zahl soll Experten zufolge in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Ein wichtige Ursache ist falsche Ernährung; 35 Prozent aller Krebserkrankungen rühren hier her. Bekannt ist beispielsweise, dass sich beim Grillen, wenn Fett ins Feuer tropft, der krebserregende Kohlenwasserstoff Benzopyren bildet. Doch auch andere Lebensmittel, die auf dem Speisezettel vieler Menschen weit oben stehen, können Krebs fördern.

Rohe Champignons enthalten beispielsweise oft Agaritin, ein in Tierversuchen krebserregender Stoff. Abhilfe schafft hier die Erhitzung auf über 70 Grad Celsius, dann wird Agaritin zerstört. Gegen Arsen dagegen ist Hitze chancenlos. Das Gift wird durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt und gelangt über die Meere in den Körper von Fischen und Meeresfrüchten. Ist die von Menschen aufgenommene Menge Arsen zu hoch, kann sie unter anderem Hautkrebs auslösen.

Überraschende Erkenntnis bei Bitterschokolade

Arsen kommt aber nicht nur in Meerestieren vor – auch in Reis aus China kann es angelagert sein. Durch das Grundwasser können die Pflanzen es aufnehmen und damit ab einer bestimmen Konzentration für den Menschen langfristig gefährlich werden.

Ebenfalls ein Risiko geht von Bitterschokolade aus. Eigentlich gilt diese als Nahrungsmittel, dass das Krebsrisiko senken kann. Nicht so allerdings bei Bitterschokolade aus Südamerika. Hier kommt vermehrt die Substanz Cadmium im Kakao vor – das Schwermetall greift vor allem Nieren und Knochen an und kann zudem das Krebswachstum anregen. 

(yahoo-Nachrichten, 14.8.15)

 

 

 

Angeblich wirksam

Mittel gegen Krebs? Wenn Ihnen ein Freund dazu rät, seien Sie skeptisch

Pseudo-Studien gegen Krebs helfen. Doch sind die Mittel tatsächlich effektiv? Diese sechs vermeintlichen Heilmittel sollten Sie im wahrsten Sinne des Wortes mit Vorsicht genießen.

So manche Schlagzeilen machen Hoffnung, einfache Methoden könnten Krebs vorbeugen oder heilen. Wenn Ihnen jemand mit diesen angeblichen Wundermitteln kommt, sollten Sie genauer hinschauen:

1. "Brokkoli hilft gegen Krebs"

Eine Studie des Texas A&M Health Science Centers will zeigen, dass Brokkoli dabei helfen kann, Krebs aktiv zu bekämpfen. Das enthaltene Sulforaphan hemmt die Entstehung von Prostata- und Darmkrebszellen.

Bisher liegen allerdings nur Ergebnisse aus Untersuchungen an Mäusen und Mini-Studien mit sehr geringer Teilnehmerzahl vor.

2. "Algen transportieren Medikamente in die Tumorzellen"

Forscher aus Australien wollen ein Mittel gegen Krebs gefunden haben: Kieselalgen sollen Krebsmedikamente direkt in die Tumorzellen transportieren.

Doch bevor Sie sich jetzt mit Algen eindecken: Im Test an Mäusen konnten die mit Medikamenten angereicherten Algen zwar bis zu 90 Prozent der bösartigen Tumorzellen zerstören. An Menschen wurde die Methode aber bislang noch nicht getestet.

3. "Nahrungsergänzungsmittel halten gesund und schützen vor Krebs"

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben häufig damit, dass unser Essverhalten keinen ausreichenden Schutz vor Krankheiten bietet – und wir zusätzlich Vitamine einnehmen sollten.

Dabei lässt sich ein ungesunder Lebensstil mit ein paar Tabletten nicht ausgleichen. Außerdem deuten Studien darauf hin, dass hochdosierte Vitamintabletten das Krebsrisiko sogar steigern könnten, warnt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums.

4. "Ingwer hemmt die Krebszellen"

Immer wieder weckt eine Studie Hoffnung auf die heilende Wirkung von Ingwer. Forscher konnten bereits zeigen, dass bestimmte Bestandteile der Knolle das Wachstum von Krebszellen hemmt.

Doch alle Versuche fanden bislang nur im Reagenzglas statt. Der Weg zu einem effektiven Ingwer-Medikament ist noch lang. Ingwer zu essen oder als Tee zu trinken, hilft nicht gegen Krebs.

5. "Die Graviola-Frucht hilft besser als jede Chemotherapie"

Die Tropenfrucht Graviola soll Krebs heilen, behauptet eine Studie, die im „Journal of Natural Products“ erschien. Im Netz kursiert die Annahme, die Frucht könne Krebs 1000-mal besser heilen als eine Chemotherapie.

Doch die Studie beschreibt nur einen Laborversuch. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf den menschlichen Körper übertragen.

6. "Täglich ein paar Aspirin-Tabletten"

Forscher des Medizinischen Universitätszentrums Leiden haben Daten von mehr als 13.000 Menschen mit Krebs im Verdauungstrakt ausgewertet. Sie behaupten: Eine geringe Dosis Aspirin pro Tag verlängert das Überleben von Krebspatienten.

Doch die Untersuchung ist mit Vorsicht zu genießen. Die Forscher verknüpften die Daten der Patienten mit Arzneimittelverordnungen. Möglicherweise haben nicht alle Patienten die verschriebenen Medikamente auch tatsächlich eingenommen. Andere könnten sich Aspirin ohne Rezept besorgt haben. Die Wissenschaftler kündigten bereits eine Folgestudie mit höheren Standards an.

(Focus online, 15.4.16)

 

 

Glasklares Ejakulat, öfter auf die Toilette

12 Anzeichen für Krebs, die Männer gerne ignorieren

Männer gehen nicht zum Arzt und wenn, ist es oft zu spät. Dabei gibt es Warnzeichen für Krebs, die Männer jedoch verdrängen. Die meisten Symptome treten nämlich schmerzfrei auf, etwa im Ejakulat. Deshalb nehmen Männer das nicht ernst. Die wichtigsten Symptome, auf die Männer besonders achten sollten.

* Druckgefühl in den Hoden kann Anzeichen für Hodenkrebs sein.

* Ständige Heiserkeit ist oft ein Symptom für Kehlkopfkrebs.

* Knoten in der Brust ist Anzeichen für Brustkrebs – auch bei Männern.

Der Urinstrahl ist nicht mehr ganz so stark wie früher? Die Hose sitzt viel lockerer – ohne Diät? Veränderungen wie diese sind für die meisten Männer kein Anlass, zum Arzt zu gehen. Denn die Symptome sind alles andere als besorgniserregend. Trotzdem könnte es sich um die Anzeichen von Krebs handeln.

Auf diese scheinbar harmlosen Symptome sollten Männer achten und sie vom Arzt abklären lassen:

1. Hoden: Die Hoden fühlen sich anders an. Sie können schwerer sein und drücken. Das könnte ein erstes Anzeichen für Hodenkrebs sein. Nicht immer ist es nämlich ein Knoten. Nehmen Sie jede Veränderung der Hoden ernst. Krebs wächst in diesem Bereich ziemlich schnell und sollte deshalb möglich rasch behandelt werden. Eine Blutuntersuchung und Ultraschall zeigen, ob Krebs vorhanden ist.

2. Änderungen im Ejakulat: Das Sperma ist auf einmal glasklar oder bräunlich. Das deutet auf Probleme in der Prostata oder Nebenhoden hin, im schlimmsten Fall Krebs. Abtasten, Blutuntersuchung und Ultraschall helfen dabei, die Diagnose zu stellen.

3. Urin: Öfter zum Pinkeln und dann läuft der Strahl nicht mehr so dick und stark wie früher – diese Anzeichen sind ebenfalls typisch für eine Erkrankung der Prostata, aber auch der Blase. Vor allem Raucher sollten jedoch daran denken, dass Blasenkrebs dahinter stecken könnte. Neben Lungenkrebs tritt diese Krebsform besonders häufig unter Rauchern auf. Bluttest, Ultraschall und Blasenspiegelung bringen Klarheit.

4. Stuhlgang: Erst Durchfall, dann wieder Verstopfung, Schleimauflagerungen oder etwas Blut – jedes einzelne dieser Symptome kann bei Darmkrebs auftreten. Die Darmspiegelung ist das wichtiges Diagnosemittel.

5. Achseln und Leiste: Druckgefühl in Achseln oder der Leiste, aber auch am Hals, kann durch veränderte Lymphknoten kommen. Beim Abtasten fühlen sich die kleinen, bohnenförmigen Knoten dann hart an und schmerzen. Diese Lymphknotenschwellung entsteht häufig durch Infekte und klingt danach auch wieder ab, kann jedoch auch auf einen Krebs hindeuten.

6. Brust: Ein Prozent aller Brustkrebsfälle betreffen Männer. Knoten in der Brust, wenn sich eine Delle nach außen bildet oder sich die Brust an einer Stelle einzieht, sollten auch Männer medizinisch abklären lassen. Ultraschall und Röntgen geben sofort Aufschluss.

7. Abnehmen: Wer Gewicht verliert, ohne Kalorien zu reduzieren, Sport zu treiben oder Stress zu haben, sollte mit dem Arzt darüber sprechen. Viele Krebsarten, etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs, rauben dem Körper sehr viel Energie und das zeigt sich auch in Gewichtsabnahme.

8. Mund: Flecken auf den Lippen oder im Mund, etwa auf der Zunge, sollte der Arzt abklären. Vor allem Raucher sind gefährdet für Krebs in diesen Bereichen. Meist reicht bereits ein Blick vom Zahnarzt auf die Hautveränderung, um zu entscheiden, ob es sich um eher harmlose Aphten und Herpes handelt, oder um einen bösartigen Tumor.

9. Haut: Jede Hautveränderung kann Krebs bedeuten. Muttermale, die sich verändern, kleine Wunden, die nicht heilen wollen, schuppige Hautstellen – Hautkrebs muss nicht immer als schwarzer, relativ großer Fleck auftreten. Er zeigt sich auch unauffälliger. Hautscreening schafft rasch Klarheit.

10. Husten: Hält Husten länger als vier Wochen an oder tritt Kurzatmigkeit auf, kann das vor allem bei Rauchern auf Lungenkrebs hindeuten. Eine Röntgenuntersuchung klärt das ab.

11. Heiserkeit: Wer sich ständig räuspern muss, die Stimme heiser ist oder sich verändert hat, könnte ein Problem mit dem Kehlkopf haben. Auch hier sind Raucher besonders gefährdet.

12. Sodbrennen: Nicht immer ist zu viel Kaffee, Alkohol oder Stress schuld an saurem Aufstoßen und Sodbrennen. Wenn sich diese Beschwerden nur mit den frei verkäuflichen Medikamente gegen Sodbrennen legen und nach Absetzen der Arzneimittel wiederkommen, sollte das ein Arzt untersuchen. Die Magenspiegelung zeigt, was im Magen los ist, ob es sich nur um eine Gastritis handelt oder um Magenkrebs.

(Focus online, 30.06.2015, Monika Preuk)

 

 

Krebsfrüherkennung

Ungeschminkt ist besser

Was bringt die Früherkennung den Patienten wirklich? Und wie soll man ihnen erklären, dass der Nutzen da, aber keineswegs so eindeutig ist? Endlich gilt: Ehrlicher währt länger.

Eine Frage, zwei Antworten. Die gut gemeinte und die richtige Antwort oder besser: die korrektere - jedenfalls nach dem Stand des Wissens. Welche ziehen Sie vor, wenn es um Leben und Tod geht? Was, fragen sich etwa Millionen Menschen seit Jahr und Tag, bringen Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Krebs? Für die meisten Menschen besteht am Nutzen solcher Screenings keinerlei Zweifel. Schließlich liegen die Argumente auf der Hand: Je früher man eine Krebsgeschwulst entdeckt, desto größer sind die Aussichten des Betroffenen, mit dem Leben davonzukommen. Das lässt sich allerdings bei den großen Studien mit zufällig ausgewählten Teilnehmern nicht immer belegen.

So ist bis heute ungewiss, ob die regelmäßige Teilnahme am Mammographie-Screening die (alle Tumorarten umfassende) Krebssterblichkeit von Frauen verringert. Gern ausgeblendet oder heruntergespielt wird zudem, dass die systematische Suche nach bösartigen Tumoren auch Risiken birgt: Lassen tausend Frauen mittleren Alters zehn Jahre lang regelmäßig ihre Brust durchleuchten, werden hundert unnötigerweise in Alarm versetzt und entsprechend mit überflüssigen Zusatzuntersuchungen belastet. Aber auch unter jenen Frauen, bei denen sich der Anfangsverdacht bestätigt, befinden sich fünf bis sieben, die unnötige Operationen, Bestrahlungen oder Chemotherapien über sich ergehen lassen müssen - unnötig deshalb, weil ihr Tumorleiden auch ohne Behandlung keine schwerwiegenden Folgen gehabt hätte. Und was den Nutzen betrifft, kann die Mammographie im gleichen Zeitraum etwa eine von tausend Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahren. Was wiegt nun schwerer, der potentielle Nutzen oder der eventuelle Schaden?

Mammographie neu erklärt

Die Antwort auf diese Frage dürfte von einer Frau zur nächsten unterschiedlich ausfallen. Um eine ausgewogene, den eigenen Ansprüchen genügende Entscheidung treffen zu können, bedarf es gleichwohl sachgerechter, gut verständlicher Informationen. Zu begrüßen ist vor diesem Hintergrund eine entsprechende Initiative des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). So hat der GBA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen unlängst beauftragt, die Informationsbroschüre zum Mammographie-Screening grundlegend zu überarbeiten - mit dem Ziel, die Reihenuntersuchung in ein realistisches und zugleich klares Licht zu rücken. Entscheidungsfreiheit bedeutet allerdings immer auch, die Qual der Wahl zu haben. Paternalismus nach dem Motto „Wir wissen schon, was gut für euch ist“ ist keine Alternative zur Evidenz-basierten Medizin.

So stehen im einschlägigen Informationsblatt der Deutschen Krebshilfe noch Sätze wie: „Der Nutzen eines organisierten Mammographie-Screenings wird manchmal kontrovers diskutiert. Die meisten Expertinnen und Experten weltweit sind aber davon überzeugt, dass ein Mammographie-Screening Leben retten kann.“ Demgegenüber heißt es in der demnächst erscheinenden, neuen Broschüre: „Studien lassen offen, ob Frauen, die regelmäßig zur Mammographie gehen, insgesamt länger leben als Frauen, die die Untersuchung nicht in Anspruch nehmen.“ Die neue Formel ist schwerer verdaulich, zugegeben, und sie dürfte teilweise für Verunsicherung sorgen. Aber zumindest müssen sich die Experten nicht mehr vorhalten lassen, den Fortschritt schönzureden.

(FAZ, 10.5.15, Nicola v. Lutterotti)

 
 

Männer im mittleren Alter

Sport kann Krebs verhindern

Dass Sport Herz und Kreislauf bis ins hohe Alter fit halten kann, ist bekannt. Dass Männer im mittleren Lebensalter durch Fitness aber auch ihr Krebsrisiko deutlich senken können, zeigt jetzt eine aktuelle Studie. Zumindest gilt das für zwei häufige Krebsarten.

BURLINGTON/USA. Körperlich fit bis ins hohe Alter - für Herz und Kreislauf ist dies eindeutig von Vorteil.

Ob sich auch die Krebsinzidenz und die Krebssterblichkeit durch Joggen, Radfahren oder andere Formen der körperlichen Betätigung senken lassen, ist jedoch weit weniger klar.

Retrospektive Analysen sind für solche Fragestellungen ebenso ungeeignet wie Studien, in denen die Teilnehmer lediglich nach ihren körperlichen Aktivitäten befragt werden, die tatsächliche Fitness aber nicht bestimmt wird.

Solche Studien bergen ein großes Risiko für Fehler und Verzerrungen.

Um etwas genauere Aussagen treffen zu können, haben Onkologen um Dr. Susan Lakoski von der Universität in Burlington geschaut, was aus knapp 14.000 Männern im Alter über 65 Jahren geworden ist, die in der Mitte ihres Lebens an der Cooper Center Longitudinal Study (CCLS) teilgenommen hatten (JAMA Oncol, online 26. März 2015).

Ausführlicher Fitnesstest auf dem Laufband

In dieser Studie wurde der Gesundheitsstatus von tausenden US-Bürgern in einer Klinik in Dallas über viele Jahre hinweg zu Präventionszwecken untersucht. Dazu zählte auch ein ausführlicher Fitnesstest per Laufband.

Das Team um Lakoski beschränkte sich in seiner Analyse auf Männer, die sich bei diesem Test in einem mittleren Lebensalter (im Schnitt knapp 50 Jahre) befunden und zwischen 1971 und 2009 an der Studie teilgenommen hatten.

In Medicare-Daten schauen sie, wie viele dieser Männer später im Alter von über 65 Jahren an Lungen-, Darm- und Prostatakarzinomen erkrankten.

Hohe Fitness, geringes Krebsrisiko

Die Männer wurden dabei in drei Gruppen eingeteilt: Solche mit einer niedrigen (20 Prozent aller Teilnehmer), moderaten (40 Prozent) und hohen (40 Prozent) kardiorespiratorischen Fitness.

Bei denjenigen mit niedriger Fitness lag die Maximalleistung im Laufbandtest im Schnitt bei 8,4 metabolischen Einheiten (MET) und in der Gruppe mit moderater Fitness bei 10,4 MET.

Die mit der höchsten Fitness erreichten im Schnitt 13,0 MET und damit das 13-Fache ihres Grundumsatzes.

Im Durchschnitt waren die Männer bei der Analyse knapp 72 Jahre alt.

In den etwa sechseinhalb Jahren, in denen sie bei Medicare seither versichert waren - beginnend also im Alter von 65 Jahren - traten 1310 Prostatakarzinome auf, 181 Kolorektalkarzinome sowie 200 Lungentumoren.

Wurde eine Reihe von Faktoren wie Alter, Körpergewicht, Cholesterinspiegel und Nikotinkonsum berücksichtigt, dann zeigte sich ein dosisabhängiger Effekt der Fitness auf die Lungen- und Darmkrebsinzidenz, nicht aber auf die Häufigkeit von Prostatatumoren.

So war in der Gruppe mit der höchsten Fitness die Lungenkrebsrate um 55 Prozent und die Darmkrebsrate um 44 Prozent geringer als in der Gruppe mit der niedrigsten Fitness. Dagegen lag bei den Fittesten die Rate von Prostatatumoren um 22 Prozent höher.

Krebsmortalität um ein Drittel geringer

Deutlich im Vorteil waren die fitten Männer bei der Krebssterblichkeit: Wer auf dem Laufbandtest im mittleren Lebensalter gut abschnitt, hatte bessere Chancen, eine Tumorerkrankung zu überleben.

Auf alle Krebsarten bezogen war bei diesen Männern die Krebsmortalität um 32 Prozent geringer, und die Sterberate infolge kardiovaskulärer Erkrankungen lag bei fitten Krebskranken sogar um 68 Prozent unter der von trägen Teilnehmern.

Weniger überraschend: Auch Männer ohne Krebsleiden zeigten eine deutlich erniedrigte kardiovaskuläre Mortalität (minus 62 Prozent), wenn sie im mittleren Lebensalter auf dem Laufband eine gute Figur machten.

Ein Rätsel bleibt jedoch die erhöhte Prostatakrebs-Inzidenz bei den körperlich fitten Männern.

Die Studienautoren um Lakoski halten hier eine simple Erklärung für wahrscheinlich: Wer seinen Körper mit Sport in Schuss hält, achtet insgesamt mehr auf die Gesundheit und nimmt auch eher am Prostatakrebs-Screening teil.

Aus diesem Grund seien in dieser Gruppe auch mehr Tumordiagnosen zu erwarten.

Insgesamt sehen die US-Onkologen einen überaus positiven Effekt der kardiorespiratorischen Fitness auf die Inzidenz der häufigsten Tumoren bei Männern und vor allem auf die Tumormortalität sowie die kardiovaskuläre Sterblichkeit.

Da Krebs und Herzkreislauferkrankungen bei älteren Personen die häufigsten schweren Gesundheitsprobleme darstellten, sollte die körperliche Fitness nach Ansicht der Studienautoren stärker in den Blickpunkt der Präventionsmedizin rücken.

(Ärzte-Zeitung online, 5.4.15, Thomas Müller)

 

 

Von wegen "nur" Lungenkrebs

Diese 20 Krebsarten riskieren Raucher

Rauchen schädigt den Körper noch mehr, als bisher gedacht. Die krebsauslösenden Stoffe im Rauch zerstören nicht nur die Lunge, sondern schädigen den gesamten Körper. Die Zahlen des amerikanischen Gesundheitsreports zeigen, wie viele Krebsarten durch Rauchen ausgelöst werden.

* Blasenkrebs steht in Zusammenhang mit Rauchen.

* Rauchen kann auch Leberkrebs verursachen.

* Lungenkrebs fordert die meisten Todesopfer.

Rund 90 krebserzeugende Substanzen, sogenannte Kanzerogene, sind im Tabakrauch enthalten. Mit dem Inhalieren belasten die Giftstoffe nicht nur Organe, die mit dem Rauch direkten Kontakt haben. Über die Lunge gelangen die Kanzerogene ins Blut, werden damit zu jedem Organ geschwemmt und verursachen noch viele weitere Krebsarten.

Das beweist die aktuelle Untersuchung von Forschern der Amerikanischen Krebsgesellschaft, veröffentlicht im Fachjournal JAMA. Die Experten unter der Leitung von Rebecca Siegel analysierten Daten aus dem National Health Interview Survey und der Cancer Prevention Study III. Neben Lungenkrebs kann Rauchen folgende Krebsarten auslösen:

1. Lippenkrebs
2. Mundhöhlenkrebs
3. Zungenkrebs
4. Rachenkrebs
5. Krebs der Nase
6. Krebs der Nasennebenhöhle
7. Kehlkopfkrebs
8. Luftröhrenkrebs
9. Speiseröhrenkrebs
10. Magenkrebs
11. Bauchspeicheldrüsenkrebs
12. Nierenkrebs
13. Krebs der Harnwege
14. Blasenkrebs
15. Darmkrebs
16. Brustkrebs
17. Leberkarzinom
18. Gebärmutterhalskrebs
19. Myeloische Leukämie

Nach Lungenkrebs mit den meisten Todesopfern, forderten folgende durch Rauchen verursachte Krebsarten besonders viele Menschenleben:

* Darmkrebs
* Bauchspeicheldrüsenkrebs
* Leberkrebs
* Speiseröhrenkrebs
* Blasenkrebs

Fast jeder zweite Krebspatient überlebt nicht

In Deutschland nennen die Experten des Deutschen Krebsregisters 500.900 neue Krebsfälle für das Jahr 2014. Fast jeder zweite Patient wird den Kampf gegen den Krebs verlieren, wie frühere Statistiken zeigen. Dabei fordert Lungenkrebs nachweislich die meisten Todesopfer.

Passivrauchen auch in kleinsten Mengen gefährlich

Auch Passivrauchen ist riskant. Bewiesen ist laut dem deutschen Krebsforschungszentrum, dass es Lungenkrebs verursachen kann. Ein Zusammenhang mit Rachen- und Kehlkopfkrebs ist ebenfalls teilweise belegt. Denn einen Grenzwert, unter dem Tabakrauch die Gesundheit nicht gefährdet, gibt es nicht. Bereits kleinste Mengen sind riskant.

(FOCUS-Online, 7.7.15, Monika Preuk)

 

 

Rauchen begünstigt ein Dutzend Krebsarten

Es droht nicht nur Lungenkrebs: Tabak ist auch eine Ursache von Krebsformen, die von medizinischen Laien kaum mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden.

Der Einfluss, den das Rauchen auf die Entstehung von Krebs hat, wird noch immer unterschätzt. Zwar weiß jedes Kind, dass der Konsum von Zigaretten und anderen Tabakprodukten der Gesundheit schadet. Wie viele Krankheiten in welchem Ausmaß auf Nikotin und Co. zurückzuführen sind, ist jedoch weiterhin zu wenig bekannt. Wissenschaftler aus den USA zeigen nun am Beispiel von zwölf Krebsarten, wie groß der Anteil der Tumore ist, die durch Rauchen ausgelöst werden (JAMA Internal Medicine, online).

Rebecca Siegel von der Amerikanischen Krebsgesellschaft und ihr Team haben die Ursachen für den Krebstod von 346 000 Menschen jenseits von 35 Jahren analysiert, die 2011 in den USA an zwölf Tumorarten starben, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen. Fast 168 000 der Todesfälle und damit 48,5 Prozent waren auf Nikotinkonsum zurückzuführen. Am stärksten war der Zusammenhang zu Krebs der Lunge, der Bronchien und der Luftröhre; 80,2 Prozent dieser Tumore gehen auf das Rauchen zurück. Ein fast so großer Zusammenhang besteht mit 76,6 Prozent der Todesfälle zwischen Kehlkopfkrebs und Nikotinabusus. Aber auch andere Tumore wie Speiseröhren-Krebs (50,7 Prozent), Krebs der Mundhöhle und des Rachens (47 Prozent), sowie der Harnblase (44,8 Prozent) sind etwa zur Hälfte aufs Rauchen zurückzuführen.

Sogar bei Krebsformen, die von medizinischen Laien kaum mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden, findet sich ein Zusammenhang. Bei Tumoren der Leber und der Gallenblase (23,6 Prozent), des Gebärmutterhalses (22,2 Prozent), des Magens (19,6 Prozent), von Niere und Nierenbecken (16,8 Prozent), bei Myeloischer Leukämie (14,6 Prozent), Krebs der Bauchspeicheldrüse (12,1 Prozent) und des Dick- und Enddarms (9,7 Prozent) löst Tabakkonsum in etlichen Fällen Krebs aus. Tumore der Leber sowie von Dick- und Enddarm werden erst seit kurzem mit dem Rauchen in Verbindung gebracht.

Tumore der Leber werden erst seit kurzem mit Tabak in Verbindung gebracht

"Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der Raucher in den USA zwar von 23,2 auf 18,1 Prozent zurückgegangen, doch im Gegensatz zu diesem erfreulichen Trend gibt es Anzeichen dafür, dass die Krebsrisiken bisher unterschätzt worden sind", sagt Rebecca Siegel.

In einem begleitenden Kommentar wird Michael Ong von der University of California in Los Angeles deutlicher. "Die Bemühungen im Kampf gegen das Rauchen reichen noch nicht aus", ermahnt er Ärzte, Forscher und Gesundheitspolitiker. "Zusätzlich zu dem erschreckend hohen Anteil der Krebstoten, die auf Tabak zurückzuführen sind, müssen weitere 17 Prozent der Todesfälle gezählt werden, bei denen Rauchen ebenfalls die Ursache ist, auch wenn diese Leiden noch nicht als nikotinbedingte Erkrankungen etabliert sind."

Ärzte sollten Raucher stärker dabei unterstützen, sich ihr Laster abzugewöhnen. Schließlich ist aus Umfragen bekannt, dass 70 Prozent aller Tabakkonsumenten gerne aufhören würden; 50 Prozent haben im zurückliegenden Jahr einen erfolglosen Versuch hinter sich.

Eine Studie von Harvard-Medizinern in derselben Ausgabe des Fachmagazins zeigt, dass Ärzte Patienten zwar nach ihren Rauchgewohnheiten fragen und sie zum Aufhören animieren - konkrete Unterstützung bieten sie jedoch selten an. "Wenn Ärzte Raucher zur Beratung schicken, ihnen hilfreiche Mittel verschreiben und nachhaken, wie es klappt, hören auch mehr Menschen auf", sagt Elyse Park, die Leiterin der Studie. "Im Gegensatz dazu hat die Hälfte der Ärzte in unserer Untersuchung nicht mal mit den Patienten darüber geredet, wie sie das Rauchen beenden können."

(Süddeutsche Zeitung, 16.6.15, Werner Bartens)

 

 

 

Schlafapnoe könnte Wachstum von Krebs begünstigen

Tierversuche weisen auf Gefahr hin - Risiko könnte drei bis vier mal so hoch sein

Nächtliche Atemstillstände - sogenannte Schlafapnoe - können das Wachstum von Krebszellen begünstigen. "Es ist Spekulation, da noch keine Menschenversuche vorliegen, aber eine Krebsinzidenz ist vorhanden", erklärte Primar Josef Bolitschek von der pneumologischen Abteilung am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz bei einer Pressekonferenz. Das Risiko sei drei- bis viermal so hoch.

Stimulation durch Sauerstoffmangel

Aktuell liegen nur die Ergebnisse von Versuchen mit Mäusen vor. "Der wiederholte kurzfristige Sauerstoffmangel führte bei den Tieren dazu, dass sich die Krebszellen schneller vermehrten." Wie es zu diesem Phänomen kommen kann, erklärte der Mediziner so: "Bei zu wenig Sauerstoff kommt es zu einer Kaskade an Gegenmechanismen im Körper."

Diese angeborenen Reaktionen bewirken Gutes, können sich aber auch ins Negative verqueren. Tumorzellen würden durch den Sauerstoffmangel stimuliert werden. Die Schlafforschung werde sich einem Zusammenhang zwischen Mensch und Tier stärker annehmen. "Wir bräuchten einen angeborenen Sauerstoffbunker, dann hätten wir viele Probleme nicht", sagte Bolitschek.

Konferenz zur Schlafmedizin

Von Freitag bis Samstag findet die "Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (ÖGSM)" zum Thema "Abenteuer Schlaf" im Fortbildungszentrum der Elisabethinen in Linz statt. Heimische und internationale Referenten referieren dabei zu verschiedenen Themen aus dem Bereich Schlaf und Schlafstörung.

Neben Vorträgen zu "Schlafberatung bei Säuglingen und Kleinkindern" oder "Albträume bei Kindern" werden auch Gebiete wie der bekannte "Jetlag" behandelt. Generell sei dies ein Phänomen der vergangenen 70 Jahre.

Tipps gegen Jetlag

Besonders Schlafempfindliche können sich bei der Wahl des Reiseziels schon Erleichterung verschaffen: "Üblicherweise verkraften wir Ost-West-Flüge leichter als West-Ost" erklärte der Wiener Neurologe Michael Saletu im Rahmen der Pressekonferenz. Dies liege darin, dass es uns leichter fällt, länger aufzubleiben als früher schlafen zu gehen.

Generell rät Saletu bei Reisen in eine andere Zeitzone: "Setzen Sie sich dem Sonnenlicht aus." Mit Schiffsreisen sei man früher durch Aufenthalte an Deck automatisch in der neuen Zeitzone angekommen. Bei Reisen in den Westen sollte man gezielt die Abenddämmerung wählen. Nach Ostflügen sei der Aufenthalt im Morgenlicht ratsam, um die innere Uhr an die neuen Zeitverhältnisse anzupassen.

(Der Standard/Wien, online, 24.4.15)

  

 

Strafe: Apps können keinen Krebs erkennen

Es gibt in den Appstores eine Reihen von Anwendungen, deren Entwickler behaupten, damit Krankheiten erkennen zu können. Die Federal Trade Commission hat mindestens bei zwei Stück dieser Aussage nun einen Riegel vorgeschoben. Die Apps können keinen Hautkrebs erkennen.

Die fraglichen Apps MelApp und Mole Detective behauptete, Melanome erkennen zu können, selbst im Frühstadium. Das ist natürlich absoluter Bullshit – selbst Hautärzte haben damit gelegentlich Probleme. Die Apps erlauben es, Fotos zu machen und geben dann eine Diagnose ab.

Es geht nicht darum, dass die App fälschlicherweise sagt: Oh Gott, das ist Krebs und euch fälschlicherweise Angst macht. Es geht darum, dass sie auch sagt: Das ist keiner. Wer sich darauf verlässt, kann tödliche Folgen davon tragen.

Die Apps dürfen nach dem Spruch der FTC nun nicht mehr mit solchen Versprechen werben und die Entwickler müssen eine empfindliche Strafe (18.000 US-Dollar) zahlen. Leider gibt es noch immer viele Apps, die ähnliche Heilsversprechen geben. Finger weg davon.

(gizmodo.online, 25.2.15, Andreas Donath)

 

 

Streit um Tumorentstehung

Krebs - Wie groß ist die Rolle des Zufalls?

Einer Studie zufolge lassen sich Tumoren oft nicht verhüten. Gesundheitswissenschaftler warnen dennoch davor, die Vorbeugung zu vernachlässigen.

Ob man an Krebs erkrankt, ist zu einem wesentlichen Teil eine Sache des Zufalls. Mit dieser Kernaussage erregte eine Studie Aufsehen, die kurz vor Jahresende im Fachblatt „Science“ erschien (Der Tagesspiegel berichtete) – und bald darauf heftigen Widerspruch erntete, darunter auch von Wissenschaftlern der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie befürchten vor allem, dass die Krebsvorbeugung nun einer neuen Lässigkeit im Umgang mit Risiken wie Rauchen oder schlechter Ernährung weichen könnte.

Verfasser des Reports war dabei kein Geringerer als Bert Vogelstein von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, ein renommierter Krebsforscher, Mitautor der Biomathematiker Cristian Tomasetti. Vogelsteins Prominenz tat das Ihrige, um die Botschaft von der „Pechsache“ Krebs zu verbreiten.

Noch mehr Strahlkraft hatte die Nachricht, weil die Journalisten die wesentliche Botschaft der Studie zu stark vereinfachten und zwei Drittel aller Krebsfälle dem Zufall zuschrieben. Die Schlussfolgerung schien nahe zu liegen, war aber dennoch unzutreffend.

Vogelstein und Tomasetti hatten nämlich gar nicht die Ursachen von Krebs in der Bevölkerung untersucht, sondern lediglich das Tumorrisiko bestimmter Organe mit der Häufigkeit von Stammzellteilungen in diesen Geweben verglichen und einen „zwei-Drittel“-Zusammenhang gefunden. Je häufiger sich in einem Organ Stammzellen teilen, desto größer ist das Krebsrisiko.

Das ist eine plausible Verknüpfung. Stammzellen teilen sich unablässig, um den Nachschub an Zellen zu gewährleisten. Sie haben oft Milliarden Nachkommen. Bei den Zellteilungen kommt es jedoch unvermeidlich zu Kopierfehlern im Erbgut, genetischen Veränderungen. Diese zufälligen Mutationen können sich in einer Stammzelle anhäufen und dazu führen, dass Krebs ausbricht, unkontrolliertes und zerstörerisches Zellwachstum.

Nach Ansicht der Wissenschaftler können solche Zufallsereignisse zu zwei Dritteln erklären, warum manche Tumoren häufiger als andere sind. Das liege einfach an den häufigeren Stammzellteilungen und damit an einem erhöhten Mutationsrisiko in den betroffenen Organen. Das verbleibende Drittel schreiben die Forscher vererbten genetischen Risiken und Umweltfaktoren zu. Viele Tumoren seien kaum zu verhüten und deshalb Pechsache, folgert Vogelstein. Die Früherkennung müsse daher einen größeren Stellenwert bekommen.

Ganz gewiss kein Zufall war es, dass diese Äußerung bei Gesundheitswissenschaftlern auf Kritik stieß. „Zu behaupten, dass ,Unglück’ der Hauptgrund von Krebs ist, führt in die Irre und kann davon ablenken, die Ursachen der Krankheit zu erkennen und ihnen wirksam vorzubeugen“, sagt Christopher Wild, Direktor der zur WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC, laut einer Pressemitteilung.

Die Experten der IARC weisen auf methodische Schwächen der Vogelstein-Studie hin, in der häufige Tumoren wie Prostata-, Brust-, Magen- und Gebärmutterhalskrebs nicht berücksichtigt wurden. Als Maß für das Krebsrisiko wurden zudem nur Daten der US-Bevölkerung zugrunde gelegt. „Der Vergleich verschiedener Bevölkerungen hätte unterschiedliche Ergebnisse gebracht“, schreiben sie.

Die letzten 50 Jahre der epidemiologischen Forschung hätten gezeigt, wie sehr die Häufigkeit von Krebsarten von Region zu Region schwanke und sich zudem ändern könne. So sei Speiseröhrenkrebs bei Männern in Ostafrika häufig, in Westafrika aber selten. Darmkrebs habe sich in Japan innerhalb von 20 Jahren vervierfacht. Umweltfaktoren und Lebensstil hätten also großen Anteil am Tumorrisiko.

„Gerade die häufigsten Tumoren hängen sehr stark von Umwelteinflüssen und dem Lebensstil ab“, sagt der Epidemiologe Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Nahezu die Hälfte aller Krebsfälle weltweit sei vermeidbar, glauben die Forscher der IARC. Der Zufall ist für sie keine konstante Größe wie für Vogelstein, sondern ein mit zunehmendem Wissen immer weiter schrumpfender Posten.

Tomasetti und Vogelstein bekommen auch Zustimmung. „Was die Studie über die Bedeutung der Stammzellen für die Häufigkeit von Tumoren aussagt, passt hervorragend zu den Daten, die in letzter Zeit zu Blutkrebs erhoben wurden“, sagt der Stammzellforscher Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Und die Behauptung der Kritiker, jeder zweite Tumor sei vermeidbar? „Das würde ich bezweifeln“, sagt Trumpp.

In Prozentwerten ausgedrückte Krankheitsrisiken, wie sie Epidemiologen für eine Bevölkerung ermitteln, lassen sich auf den Einzelnen nur begrenzt übertragen. Denn es handelt sich um statistische Mittelwerte, die für ein Individuum ganz anders aussehen können. Sie vermitteln lediglich Orientierung, kein absolutes Wissen über ein persönliches Risiko.

Ausgerechnet der Oxford-Forscher Richard Doll, Übervater der Gesundheitswissenschaft, hatte deshalb weniger Probleme mit dem Zufall: „Ob jemand, der sich einem Risiko ausgesetzt hat, an Krebs erkrankt oder nicht, ist größtenteils Glückssache“, kommentierte er trocken in Zusammenhang mit der Frage nach den Ursachen von Lungenkrebs.

Nun ist Lungenkrebs gerade jene Krankheit, die zu Recht beispielhaft für die Verdienste der Vorbeugung ist, kann man doch durch Verzicht auf den Tabak sein Risiko drastisch verringern. Doch von fünf starken Rauchern erkrankt nur einer bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs, schätzte Doll. 80 Prozent sind zumindest diesem Raucher-Risiko entronnen. Das spricht nicht für das Rauchen. Aber es zeigt, wie mächtig der Zufall trotz allem ist.

(Der Tagesspiegel/Berlin, 15.1.15, Hartmut Wewetzer)

 

 

Krebsentstehung

Wohl doch weniger Zufall

Vor etwa einem Monat wurde in der Wissenschaftszeitschrift "Science" eine Forschungsarbeit veröffentlicht, die die Bedeutung des Zufalls bei der Entstehung von Krebs hervorhob. Inzwischen sorgte die Interpretation der damals vorgestellten Ergebnisse für reichlich Widerspruch. Auch "Forschung aktuell" berichtete am 2. Januar über die besagte Studie.

Der renommierte Krebsforscher Bert Vogelstein und der Statistiker Cristian Tomasetti veröffentlichten am 2. Januar 2015 eine Forschungsarbeit, die für reichlich Aufsehen sorgte. Sie hatten die Teilungsraten von Körperzellen und die Entstehung von Krebszellen in verschiedenen Körpergeweben verglichen. Dabei kamen sie zu dem einfachen Ergebnis: Je häufiger sich die Zellen in einem Körpergewebe teilen, umso größer das Krebsrisiko. Denn jedes Mal wenn Zellen sich teilen, kann zufällig ein Fehler passieren – eine Mutation, die zu Krebs führen kann. Die Johns Hopkins-Universität fasste die Studie in einer Mitteilung so zusammen:

"Das Pech zufälliger Mutation spielt die herausragende Rolle bei Krebs."

Auch die Wissenschaftszeitschrift "Science" sprach von Pech als Hauptursache von Krebs – und viele Journalisten übernahmen diese einfache Formel.

Vereinfachte Darstellung, heftiger Widerspruch

"Krebs entsteht meist zufällig", schrieb der "Tagesspiegel". Und die "Welt" titelte: "Warum manche Krebsarten einfach Pech sind"

Die Diskussion im Internet war eröffnet, und auch die Forscher aus Baltimore meldeten sich erneut zu Wort.

"Wir sind uns bewusst, wie verstörend das klingt, dass der wichtigste Faktor bei der Krebsentstehung außerhalb unserer Kontrolle liegt."

Diese vereinfachte Darstellung stieß auf heftigen Widerspruch – in Kommentarforen, in Zeitungen und auch durch die internationale Agentur für Krebsforschung, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört.

"Wenn das bedeutet, dass Pech die Hauptursache von Krebs ist, könnte das alle Anstrengungen beeinträchtigen, die Ursachen von Krebs aufzuspüren und Krebs zu verhindern."

Tatsächlich befassen sich die Daten der Forscher aus Baltimore nicht mit Epidemiologie. Die Wissenschaftler haben lediglich die Teilungsrate von Zellen in verschiedenen Geweben verglichen und in Beziehung gesetzt zur Krebsrate. Dabei untersuchten sie nur einige ausgewählte Formen von Krebs. Es fehlten wichtige Krebsformen wie Brustkrebs oder Prostatakrebs. Auch stammten die untersuchten Beispiele ausnahmslos aus den USA.

Faktoren Umwelt und Lebensführung sehr wohl wichtig bei Krebsentstehung

Das Ergebnis der Studie lautete: Die Unterschiede der Krebsraten verschiedener Gewebe hängen zu zwei Dritteln vom Zufall ab. Das heißt aber nicht, dass zwei Drittel aller Krebsfälle allein dem Zufall geschuldet sind, wie es viele Medien formulierten – unter anderem das Nachrichtenmagazin "Focus".

"Zwei Drittel aller Krebsfälle sind einfach Pech."

Diese und ähnliche Aussagen brachten viele Mediziner und Wissenschaftler auf die Palme - auch die internationale Agentur für Krebsforschung in ihrer Stellungnahme:

"Es ist seit Langem bekannt, dass die Zahl der Zellteilungen die Häufigkeit von Mutationen erhöht – und damit das Krebsrisiko. Es steht aber auch fest: Die Mehrzahl der verbreiteten Krebsformen weltweit hängen zusammen mit den Faktoren Umwelt und Lebensführung. Das bedeutet: Im Prinzip lässt sich die Hälfte aller Krebsfälle weltweit verhindern."

Nach vier Wochen aufgeregter Diskussion bleibt festzuhalten: Niemals ist allein der Zufall verantwortlich für Krebs. Auch die Gene, die Umwelt oder der Lebensstil sind nie alleinige Ursache. Jedes Mal, wenn Krebs entsteht, sind Zufall, Gene, Umwelt und Lebensstil beteiligt. Den Anteil der einzelnen Faktoren zu beziffern bleibt schwierig – und ist im Einzelfall unmöglich. Ob der Zufall wirklich die Hauptrolle spielt, dazu gibt es vorerst – auch unter Fachleuten - unterschiedliche Positionen.

(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 9.2.15, Michael Lange)

 

 

Forscher warnen: 

In E-Zigaretten finden sich krebserregende Stoffe

Die als gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten gepriesenen E-Zigaretten enthalten Wissenschaftlern zufolge mitunter mehr krebserregende Stoffe als klassischer Tabak. Eine in Tokio veröffentlichte Studie im Auftrag des japanischen Gesundheitsministeriums kommt zu dem Schluss, dass die Inhaltsstoffe der zu verdampfenden nikotinhaltigen Flüssigkeit stark variieren.

Die Forscher testeten fünf verschiedene solcher sogenannten Liquids, bei einer Marke fanden sie sogar zehnmal so viel krebserregendes Formaldehyd wie bei normalen Zigaretten.

Schadstoffgehalt steigt bei Hitze

Für ihre Untersuchung ließen die Wissenschaftler ein eigens dafür entwickeltes Testgerät von allen fünf getesteten Liquid-Marken jeweils zehnmal 15 Züge paffen. Dabei entdeckten sie neben dem Formaldehyd weitere krebserregende Stoffe wie Acetaldehyd, Acrolein, Glyoxal und Methylglyoxal. Insbesondere wenn der batteriebetriebene Verdampfer zu heiß werde, "werden offenbar mehr schädliche Substanzen produziert", sagte der Forscher Naoki Kunugita vom japanischen Gesundheitsinstitut.

Langzeitfolgen bisher unbekannt

Das japanische Gesundheitsministerium will nun auf Grundlage der Studie über den künftigen Umgang mit E-Zigaretten entscheiden. In Japan sind die Geräte zwar auch auf dem Vormarsch, haben aber noch nicht den durchschlagenden Erfolg wie in Europa und den USA. Viele Menschen inhalieren den nikotinhaltigen Dampf als Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. Über mögliche Folgen des Gebrauchs von E-Zigaretten wird in Deutschland und auf EU-Ebene seit geraumer Zeit debattiert. Kritiker warnen, dass mögliche Langzeitfolgen des Konsums von E-Zigaretten noch unbekannt seien.

(AFP, 27.11.2014)

 

 

Fast 500.000 Krebsfälle jährlich durch Übergewicht

Studie: Frauen stärker betroffen als Männer

Fast eine halbe Million neuer Krebsfälle jährlich werden in einer aktuellen Studie mit Übergewicht in Verbindung gebracht. Übergewicht und Fettleibigkeit seien zu einem bedeutenden Risiko geworden, das im Jahr 2012 für 3,6 Prozent aller neuen Krebsfälle weltweit bei Erwachsenen oder für etwa 481.000 Krebsfälle verantwortlich gewesen sei, heißt es in der vom britischen Fachmagazin "The Lancet Oncology" veröffentlichten Studie. Reiche Länder in Europa sowie insbesondere die USA sind demnach am stärksten davon betroffen.

Die Studie des Internationalen Krebsfoschungszentrums (IARC), einer spezialisierten Agentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stützt sich auf eine umfangreiche Datenbasis aus 184 Ländern. Demnach traten 2012 in den reichen Länder mit 64 Prozent die meisten neuen Krebsfälle im Zusammenhang mit Übergewicht und Fettleibigkeit auf. Fast ein Viertel aller Fälle weltweit wurde in Nordamerika mit 111.000 neuen Krebsfällen gezählt. Innerhalb Europas war Osteuropa mit 65.000 Fällen am stärksten betroffen. Die wenigsten Fälle gab es im südlichen Afrika.

Die Studie zeigte den Angaben zufolge auch, dass Frauen von Krebserkrankungen wegen Übergewicht stärker betroffen sind als Männer. Ein großer Teil betrifft Gebärmutterkrebs und Brustkrebs nach den Wechseljahren. Während bei den Frauen 5,4 Prozent aller neuen Krebsfälle weltweit (345.000 Fälle) mit Übergewicht und Fettleibigkeit in Verbindung gebracht wurden, waren es bei den Männern im Jahr 2012 nur 1,9 Prozent oder 136.000 Fälle.

Nach Einschätzung der Autoren der Studie hätte ein Viertel der Krebsfälle wegen Übergewicht oder Fettleibigkeit weltweit vermieden werden können, wenn die betroffenen Bevölkerungen einfach ihr Durchschnittsgewicht von vor 30 Jahren gehalten hätten. Nach Angaben der WHO hat sich die Zahl der Fälle von Fettleibigkeit seit den 1980er Jahren verdoppelt. Übergewicht betrifft 1,4 Milliarden Menschen im Alter über 20 Jahren.

(AFP, 26.11.14, Waltraud Grubitzsch, cp/fs/ju/ki)

 

 

Gesundheit

Wie Sie Krebs vorbeugen können

Wenn es um Krebs geht, ist Vorbeugung alles. Gesundheitsexperten der WHO haben jetzt eine Liste herausgegeben: Diese zwölf Verhaltensregeln können Ihr Leben verlängern.

Das Schicksal in der Hand

Eine Krebsdiagnose trifft immer hart und unerwartet. Dabei ließen sich fast die Hälfte aller Krebsfälle vermeiden. Allein an etwa jedem fünften Tumor ist das Rauchen schuld. Der giftige Tabakrauch verursacht nicht nur Lungenkrebs, sondern auch viele andere Tumorarten. Rauchen ist der häufigste eigenverschuldete Grund für Krebs - aber nicht der einzige.

Rauchen erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, enorm. Kein Wunder also, dass der Verzicht auf Zigaretten und alle andere Tabakprodukte eine gute Wahl ist. Aber das ist nicht der einzige gesunde Ratschlag.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation in Lyon, hat in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission eine "europäische Vorschrift gegen Krebs" herausgegeben. Der Ratgeber stellt Informationen bereit, wie Menschen in Europa durch einen gesunden Lebensstil Krebs vorbeugen können.

Die Zahl der Krebsfälle in der EU steigt, sagt IARC-Leiter Christopher Wild im DW-Interview. Und alle heilen könne man nun mal nicht. Der Ratgeber sei ein Versuch, der Bevölkerung in Europa zu erklären, wie sie Krebs vermeiden können. "Er basiert auf wissenschaftlichen Fakten, ist aber in einer klaren und direkten Sprache verfasst."

Altbekanntes und Wenigbekanntes

Einfach zu verstehen sind die Regeln in der Tat. Nummer eins und zwei auf der Liste lauten: "Rauchen Sie nicht. Sorgen Sie für ein rauchfreies Zuhause." Es folgen ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung mit viel Vollkorn, Gemüse und Obst. Außerdem soll man seinen Alkoholkonsum einschränken, zu viel Sonnenbestrahlung meiden und sich bei der Arbeit vor krebserregenden Substanzen schützen, indem man Sicherheitsvorschriften beachtet.

Erst dann folgen Ratschläge, die noch nicht jedem bekannt sind, beispielsweise, dass Stillen das Krebsrisiko der Mutter senkt und dass Kinder gegen Hepatitis B geimpft werden sollten. Dieses Virus befällt die Leber und durch eine chronische Leberentzündung können Entartungen entstehen - Leberkrebs ist die Folge.

Handeln und dadurch Ängste bekämpfen

Der Ratgeber will der Bevölkerung ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie sich mit dem gefürchteten, todbringenden Feind auseinandersetzen kann. In Großbritannien beispielsweise ist die Angst vor Krebs unter Erwachsenen ab 16 Jahren weit verbreitet. Laut einer Umfrage der Wohltätigkeitsorganisation Cancer Research UK aus dem Jahre 2010 steht die Angst vor Krebs mit 20 Prozent aller Befragten auf Platz eins. Die Briten fürchten sich laut Umfrage mehr vor Krebs als vor Schulden, Messerstechereien - in Großbritannien ein großes Kriminalitätsproblem -, Alzheimer und Jobverlust.

Im Jahr 2012 starben 1,75 Millionen Menschen in Europa an Krebs. Im gleichen Jahr gab es auch 3,45 Millionen neuer Krebsfälle. Bei Männern war die tödlichste Krebsart der Lungenkrebs mit etwa 254.000 Toten, gefolgt von Dickdarm- und Prostatakrebs. Die meisten Frauen, etwa 131.000 insgesamt, starben an Brustkrebs, darauf folgten Dickdarm- und Lungenkrebs.

Viele dieser Krebserkrankungen wären vermeidbar. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben Nichtraucher ein etwa 90 bis 95 Prozent geringeres Lungenkrebsrisiko. Andere, statistisch weniger wichtige Risikofaktoren für Lungenkrebs seien Asbest- und weitere Stäube, die beispielsweise Steinmetze einatmen.

Höhere Ziele

Der Ratgeber richtet sich nicht nur an Individuen, sagt Christopher Wild. "Wir hoffen, dass Mediziner und Regierungen sich die Liste ebenfalls ansehen und sie als Basis nehmen, um Prioritäten bei Krebskontrollmaßnahmen zu setzen." Solche Maßnahmen seien beispielsweise strengere Nichtraucherschutzgesetze oder das Verbieten von Solarien.

Verbesserte Diagnose

In Deutschland liegt die Zahl der Krebsfälle im europäischen Durchschnitt. Lungen- und Dickdarmkrebs sind verantwortlich für die meisten Krebstode. Bei den Männern kommt noch der Prostatakrebs hinzu, bei Frauen führt der Brustkrebs die Liste an.

Prostatakrebs ist nach Aussage einer Pressesprecherin des DKFZ sogar nur deshalb auf der Liste, weil die Menschen heutzutage immer älter werden. "Das ist eine Erkrankung alter Männer." Da die Lebenserwartung heute höher ist als noch vor ein paar Jahrzehnten, erreichen mehr Männer ein Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit hoch ist, an Prostatakrebs zu erkranken. Auch wird die Krankheit heutzutage viel häufiger erkannt, da Untersuchungsverfahren wie die Biopsie heute viel besser und weiter verbreitet sind.

Das Gleiche gilt auch für Brustkrebs: Immer mehr Frauen über 50 Jahren unterziehen sich regelmäßig einer Mammografie, einer Röntgenuntersuchung, mit der sich Brustkrebs nachweisen lässt. Um dieser Krebsart sowie Magen- und Dünndarmkrebs vorzubeugen, gibt es einen relativ einfachen Trick: nicht zu viel Gewicht zulegen.

In Form bleiben

Auf sein Gewicht zu achten, ist eine gute Art, Krebs vorzubeugen, sagt Rudolf Kaaks, Epidemiologe am DKFZ. Denn Fettgewebe schüttet Hormone aus, die den Stoffwechsel anregen. Das führt zu mehr Zellteilungen - so können auch Krebszellen entstehen.

Sich ungesund zu ernähren und viel Fettgewebe mit sich herumzutragen, erhöht das Risiko für Dickdarm- und Brustkrebs - wenn auch niemals so stark wie Rauchen die Wahrscheinlichkeit hochtreibt, an Lungenkrebs zu erkranken. Trotzdem wird die Gewichtszunahme mehr und mehr zum Problem: Die Fettleibigkeit in den westlichen Industrienationen steigt stark an. Und, wie es die DKFZ-Pressesprecherin ausdrückte: Eine geringe Risikozunahme bei vielen Menschen ist genauso schlimm wie eine starke Riskozunahme bei wenigen Menschen.

(Deutsche Welle, 14.10.14, Carla Bleiker / Brigitte Osterath)

 

 

Neue Studie erregt Aufsehen

Mit Aspirin gegen Krebs - diesen Patienten könnte die Pille helfen

Aspirin ist die einfachste Vorsorge gegen Tumore - neben dem Rauchverzicht und einem gesunden Gewicht. Das haben britische Forscher herausgefunden. Ihr Versprechen, bald müsse niemand unter 80 mehr an Krebs sterben, ist aber übertrieben.

Jeden Tag eine Aspirintablette und der Krebs kann einem nichts mehr anhaben? Was klingt wie ein Wunschtraum, haben Wissenschaftler jetzt offenbar tatsächlich belegt.

Eine Studie des University College London kommt zu dem Ergebnis, dass eine tägliche Dosis Acetylsalicylsäure (ASS), der Wirkstoff in Aspirin, die beste Krebsprävention ist. Der Leiter der Studie, Jack Cuzick, rät dazu, im Alter zwischen 50 und 65 zehn Jahre lang mindestens 75 Milligramm Aspirin pro Tag einzunehmen. Dann sei der Effekt zu bemerken.

Medikament senkt Sterberisiko

Cuzick hat sich für seine Studie unterschiedliche Untersuchungen anderer Forscher angesehen und ausgewertet. Er fand heraus: Aspirin kann die Gefahr um sieben (Frauen) bis neun Prozent (Männer) verringern, an Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall zu sterben. Die Ergebnisse seiner Untersuchung sind in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Annals of Oncology“ veröffentlicht.

Studienleiter Cuzick erklärt: „Täglich eine Aspirintablette einzunehmen ist - nach dem Nichtrauchen und einem gesunden Gewicht - die wichtigste Vorsorge, die wir treffen können, um das Krebsrisiko zu reduzieren.“

Forscherin lobt die Studie

Epidemiologin Cornelia Ulrich forscht am Huntsman Cancer Institute (HCI) der University of Utah ebenfalls auf diesem Gebiet und war lange Leiterin der Abteilung Präventive Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum. Sie bewertet die Studie gegenüber FOCUS Online positiv, sie sei „sehr gründlich und gut durchgeführt“.

Ulrich bestätigt: „Für Menschen, die 50 bis 65 Jahre alt sind und die keine Unverträglichkeit gegenüber ASS haben, scheint die Einnahme einer geringen Dosis täglich einen erheblichen Nutzen in der Prävention mehrerer chronischer Erkrankungen zu haben.“ Besonders relevant sei dabei die Vorsorge vor Darmkrebs.

Entzündungen fördern Tumorentwicklung

Der Grund ist bereits durch mehrere Studien gut belegt: Chronische Entzündungen, wie sie häufig im Magen-Darm-Trakt auftreten, können die Tumorentwicklung fördern.

Aspirin kann diese entzündlichen Prozesse hemmen und so vor allem Tumore verhindern, die hier entstehen. Aber auch für andere Tumorarten, wie etwa Magen- oder Speiseröhrenkrebs, zeigte sich die Wirkung.

Vorteile überwiegen die Nebenwirkungen

Diese Art der Vorsorge ist jedoch nicht für alle Menschen geeignet. Vor allem ältere Menschen leiden häufig unter den schweren Nebenwirkungen von Aspirin. Das Medikament kann Magenblutungen verursachen und das Risiko für Geschwüre erhöhen. Studienleiter Cuzick wiegelt ab: "Die Nebenwirkungen von Aspirin sind für Menschen unter 70 Jahren gering." Die Vorteile würden überwiegen.

Die Studie zeige, „in welcher Altersgruppe der größte Nutzen einer ASS Anwendung mit den geringsten Risiken“ zu erwarten sei, erklärt Krebsforscherin Ulrich. Nämlich im Alter zwischen 50 und 65 Jahre.

Studie über Krebs im 21. Jahrhundert

Cuzicks Studie ist Teil einer gerade erschienenen, zusammenfassenden Untersuchung des University College London, die den Krebs im 21. Jahrhundert thematisiert.

Die Autoren gehen noch einen Schritt weiter als Cuzick: Sie behaupten, dass es im „Jahr 2050 kaum noch Todesfälle durch Krebs vor Erreichen eines hohen Alters geben wird“.

Geeignete Präventionsmaßnahmen, ein gesünderer Lebensstil und die immer bessere Behandlung von Krankheiten könne die Zahl der Sterbefälle extrem reduzieren, schreiben die Studienautoren. Schon heute seien mehr als die Hälfte der Krebsopfer in Großbritannien älter als 75 Jahre.

Kinder werden weiterhin erkranken

Nicht beachtet haben die Forscher in ihre Studie allerdings diejenigen Tumorarten, die vor allem Kinder betreffen.

Ihre These basiert zum Großteil auf einer statistischen Hochrechnung und auf der Hoffnung, dass sich in den kommenden Jahren sowohl die Krebsvorsorgemaßnahmen wie auch die medikamentösen, chirurgischen und radiologischen Behandlungen immer weiter verbessern:

Die Sterberaten seien seit 1990 bereits um mehr als 20 Prozent zurückgegangen, schreiben die Autoren. Und die vier häufigsten Krebsarten - Brust-, Lungen, Darm- und Prostatakrebs - forderten immer weniger Todesfälle: Seit 1993 seien die Zahlen schon um 30 Prozent gesunken.

Kinder erkranken jedoch am häufigsten an Leukämie, Lymphomen oder Gehirntumoren. Zwar haben sich auch ihre Überlebenschancen in den vergangenen 30 Jahren deutlich verbessert. Doch auf Null wird die Rate sicher nie sinken. Das Versprechen, dass 2050 niemand unter 80 mehr an Krebs sterben wird, ist daher utopisch.

Verbindung zu Bayer

Allerdings hinterlassen die Lobeshymnen auf das Medikament auch einen schalen Beigeschmack: Vier der Autoren arbeiten mit dem Aspirin-Produzenten Bayer zusammen. Und wer, wenn nicht Bayer hat ein Interesse daran, eine Langzeit-Aspirin-Versorgung zu empfehlen und dadurch Hunderttausende Tabletten zu verkaufen?

Studienleiter Cuzick etwa sitzt im Beratungsausschuss des Konzerns. Ein anderer Autor arbeitet für die Unternehmensberatung der Firma. Immerhin sind alle Nebentätigkeiten der Autoren in der Veröffentlichung unter dem Punkt „Bekanntgabe“ aufgeführt - und die Studienergebnisse statistisch signifikant.

(Focus online, 23.1.15, Sybille Möckl)

 

 

Diagnose bei Krebs

Mut zur Biopsie

Die Vorstellung hält sich hartnäckig: Die Entnahme von Gewebeproben soll angeblich dazu beitragen, dass Krebs streut. Das ist falsch - und nicht der einzige Irrglaube im Umgang mit Krebs.

Die Vorstellung ist ziemlich beängstigend, und dieses Bild prägt sich sofort ein: Irgendwo im Körper haben sich schlummernde Krebszellen versteckt. Noch richten sie keinen Schaden an, aber dann kommt die Biopsie-Nadel, dringt in das Gewebe ein, die Probe wird entnommen. Viele medizinische Laien - und auch manche Ärzte - glauben, dass auf diese Weise der Tumor erst dazu angeregt wird, sich auszubreiten und im Körper zu streuen. Liegt es etwa am Doktor und der Gewebeuntersuchung, wenn Krebs wuchert und Absiedlungen bildet?

Dieser Irrglaube gehört zu den zahlreichen Mythen um Krebs und seine Entstehung. Ärzte aus Florida haben das Vorurteil von der schädlichen Biopsie nun widerlegt. Im Fachmagazin Gut von diesem Samstag zeigen sie, dass Patienten davon profitieren, wenn die Diagnose mithilfe von Gewebeproben detaillierter erstellt wird. Kranke mit einem Krebs der Bauchspeicheldrüse, denen mittels Feinnadel-Aspiration eine Probe aus dem verdächtigen Bereich entnommen wurde, lebten länger und konnten besser behandelt werden als Patienten, deren Tumor nicht feingeweblich untersucht wurde.

"Unsere Studie zeigt, dass Ärzte wie Patienten gewiss sein können, dass die Biopsie sicher ist", sagt Michael Wallace, der die Untersuchung geleitet hat. "Weltweit werden jedes Jahr Millionen Krebsbiopsien vorgenommen, aber Einzelfallberichte haben den Mythos begründet, dass Gewebeproben Krebs streuen lassen."

Zwar werden nach Biopsien der inneren Organe gelegentlich verschleppte Krebszellen in der Bauchhöhle entdeckt, doch das ist klinisch ohne Bedeutung. 2013 hatte das Ärzteteam um Wallace bereits gezeigt, dass Krebspatienten nicht öfter einen Rückfall nach der Therapie erleiden, wenn bei ihnen eine Gewebeprobe entnommen wurde. Auch für andere Krebsformen gilt dieser Befund, weder Rückfälle noch Metastasen kommen nach einer Biopsie häufiger vor. Und die Prognose verbessert sich sogar.

Schließlich liefert die Untersuchung genauer Aufschluss über die Art, den Schweregrad und andere Charakteristika des Tumors. Davon hängt ab, ob besser operiert, chemotherapiert oder bestrahlt werden sollte. "Biopsien haben auch deshalb einen hohen Stellenwert, weil sie es erlauben, die Therapie auf jeden Patienten individuell abzustimmen", sagt Wallace.

Ähnlich verbreitet wie die Mär von Metastasen nach der Punktion ist der Irrglaube an die "Krebs-Persönlichkeit". Demnach erkranken in sich gekehrte Menschen eher an Tumoren. Diese Unterstellung ist zwar längst widerlegt, Krebs trifft Laute wie Leise, Scheue wie Polterer. Trotzdem hält sich der Analogschluss, wer alles "in sich hineinfrisst", wird irgendwann vom Krebs zerfressen.

Das größte Risiko für Krebs ist vielmehr das Alter - wenn man nicht Kettenraucher in einer Asbestfabrik ist. Erst diese Woche hat eine Analyse gezeigt, dass die Mehrzahl der Tumore aus zufälligen Mutationen entsteht, und davon erlebt man mit zunehmendem Alter nun mal mehr. Es gilt das Diktum der Freiburger Krebsärztin Charlotte Niemeyer: "Krebs ist ein unfaires Unternehmen, wenn es trifft, trifft es."

(Süddeutsche Zeitung, 10.1.14, Werner Bartens)

 

 

Studie

Wenig Wissen zu Risiken von Krebsfrüherkennung

Gütersloh/Hamburg. Die möglichen Nachteile der Krebsfrüherkennung sind wenig bekannt: Unter knapp 1800 Patienten habe lediglich jeder dritte gewusst, dass eine Früherkennungsuntersuchung auch Risiken, etwa falsche Befunde, haben könne, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Nach Einschätzung der Studienautorin Sylvia Sänger vom Universitätsklinikum Eppendorf wird der Nutzen der Krebsfrüherkennung selbst von den Ärzten überschätzt.

(dpa, Hamburger Abendblatt, 15.8.14)

  

 

Nach Nein zum PSA-Screening in den USA:

Prostata-Krebs wird seltener erkannt

Vor zwei Jahren hat sich die US-Präventionsbehörde gegen ein generelles PSA-Screening ausgesprochen. Seitdem ist die Zahl der Biopsien deutlich gesunken. Allerdings werden auch gefährliche Tumoren immer seltener erkannt.

TORONTO. Im Mai vor zwei Jahren hatte die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) entschieden: Der PSA-Test taugt wenig zum Prostatakrebs-Screening.

Sie riet daher davon ab, bei Routineuntersuchungen den Wert des Prostata-spezifischen Antigens zu bestimmen.

Vorausgegangen waren drei große Studien: In einer ließ sich das Risiko, an einem Prostatatumor zu sterben, durch das Screening nicht senken, in den beiden anderen gab es zwar signifikante Unterschiede bei der Prostatakrebs-Mortalität, allerdings waren die Numbers Needed to Screen, um einen Todesfall zu verhindern, mit 300 bis 1000 Patienten recht hoch.

"Es besteht eine moderate bis hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Test keinen Nettonutzen zeigt oder dass der Schaden den Nutzen überwiegt", heißt es entsprechend in dem USPSTF-Statement.

Zahl der Biopsien um 38 Prozent gefallen

Doch wird diese Empfehlung auch in der Praxis berücksichtigt? Und falls ja, welche Auswirkungen hat sie auf die Diagnose von Prostatatumoren?

Diese Frage stellten sich Urologen um Dr. Bimal Bhindi von der Universität in Toronto (J Urol 2014, online 3. Dezember).

Sie hatten für ihre Studie mehr als 3400 Biopsien aus dem Raum Toronto ausgewertet und sowohl die Zahl der Biopsien als auch die Befunde vor und nach dem Nein der US-Behörde zum PSA-Test analysiert.

Sie vermuteten offenbar, dass sich auch die kanadischen Ärzte an den US-Empfehlungen orientieren.

Und das taten sie tatsächlich. Lag die monatliche Zahl der Biopsien im Jahr vor der US-Empfehlung noch bei 58 pro Monat, sank diese auf knapp 36 (minus 38 Prozent) im Jahr danach.

Die Zahl der Männer, die sich erstmals einer Biopsie unterzogen, ging in dieser Zeit sogar um fast die Hälfte zurück (von 43 auf 24 pro Monat).

Nur noch halb so viele aggressive Tumoren wie zuvor erkannt

Schauten sich die Urologen nun die Verteilung der Befunde an, so gab es kaum Unterschiede zwischen der Zeit vor und nach dem USPSTF-Statement.

Bei etwa der Hälfte der Biopsien ließen sich Tumorzellen nachweisen, und auch der Anteil von Tumoren mit geringem Sterberisiko (kein Gleason-Muster über 4) sowie hohem Sterberisiko (Gleasonwert 7-10) war vergleichbar.

Das bedeutet allerdings auch, dass sowohl die absolute Zahl der nachgewiesenen Tumoren mit geringem Risiko als auch die der Tumoren mit hohem Risiko zurückging - bei Letzteren von 17,5 im Jahr vor den Empfehlungen auf 10 im Jahr danach.

Gerade den Umstand, dass nur noch knapp halb so viele aggressive Tumoren diagnostiziert werden, halten die Urologen um Bhindi für äußerst bedenklich.

Schaut man sich den gesamten Untersuchungszeitraum an, dann wurden im Oktober 2009 die meisten Hochrisikotumoren innerhalb eines Monats detektiert - ihre Zahl lag bei 34.

Nach den negativen Ergebnissen der im selben Jahr veröffentlichten Studie "Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening" (PLCO) sackte der Wert auf 5 im Januar 2010 ab und stieg dann wieder auf etwa 25 an, um nach dem Mai 2012 dauerhaft zu sinken.

Im letzten Monat der Untersuchung, im Mai 2013, wurden nur noch sieben Hochrisikotumoren detektiert. Ohne die Empfehlung gegen den PSA-Test hätten es nach den Berechnungen der Urologen mehr als doppelt so viele sein müssen.

Die Studie hat zwar nicht direkt einen Rückgang des PSA-Screenings nach dem USPSTF-Statement nachgewiesen - dieser gelang bereits in anderen Untersuchungen.

Für die Autoren um Bhindi sind die Vorbehalte gegenüber dem PSA-Test jedoch die plausibelste Erklärung für den deutlichen Rückgang sowohl bei den Biopsien als auch bei den nachgewiesenen Tumoren.

(Ärzte Zeitung online, 30.12.2014, Thomas Müller)

 

Prostata-Karzinom:

Prävalenz, Inzidenz, PSA, Vorsorge, Früherkennung, Heilung, Linderung?

Ich bleibe dabei: Krebs-Risiken als Prävalenz-, Inzidenz- und Mortalitätswahrscheinlichkeiten lassen sich durch allgemeine Vorsorgeuntersuchungen bzw. verschiedene Früerkennungs-Screenings nur detektieren oder ausschließen. Die Mortalität s e l b s t lässt sich dadurch n i c h t senken. Dies geschieht nur durch die Behandlung selbst. Die Krankheitshäufigkeit wird durch Früh-Detektion virtuell erhöht, indem die vorher niedrigere Inzidenz sich der grundsätzlich höheren Prävalenz angleicht.

Primäre und sekundäre Krebsmortalitäten werden nahezu ausschließlich durch "Staging", "Grading", Evidenz-gestützte Therapieverfahren (OP, Radiatio, Chemotherapie), alternative oder adjuvante Verfahren bzw. Nebenwirkungen und/oder ernsthafte Komplikationen definiert. Der "demografische Faktor" führt in allen postindustriellen Gesellschaften bei steigender Lebenserwartung und sinkender Reproduktionsrate zu Prävalenz- und Inzidenz-A n s t i e g nicht nur bei Krebserkrankungen.

Die bis in die 90er Jahre praktizierte, veraltete und besonders radikale Brustkrebs-OP nach Rotter/Hallstedt führte z. B. zu h ö h e r e r Brustkrebsmortalität als aktuell differenzierte loko-regionäre OP-Verfahren, auch mit präoperativer Chemotherapie, intraoperativer Radiatio oder Hormon-/Rezeptor-Analysen kombiniert: Vollkommen u n a b h ä n g i g von den damals bis heute durchgeführten Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen.

Die Entscheidung der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) vom Mai 2012, der PSA-Test tauge wenig zum Prostatakrebs-Screening, war auf eine irregeleitete Hypothese zurückzuführen: Risiken, an einem Prostatatumor zu sterben, könnten durch das Screening selbst gesenkt werden? Darum sind Studienergebnisse inkonsistent, insignifikant oder widersprüchlich. Um einen Todesfall zu verhindern, ist die "Number Needed to Screen" mit 300 bis über 1000 Patienten für substanzielle Ergebnisse deshalb unerreichbar hoch.

Die Schlussfolgerungen der Publikation von B. Bhindi et al. (Universität Toronto/CAN) mit dem Titel: "Impact of the U.S. Preventive Services Task Force Recommendations Against PSA Screening on Prostate Biopsy and Cancer Detection Rates" sind inhaltlich dramatisch. Die Anzahl der Biopsien sinkt in Abhängigkeit von seltenerem PSA-Screening um 38 bis knapp 50 Prozent. Dass im Einzugsgebiet der Studie die Zahl der aufgedeckten niedrig malignen Prostatakarzinome geringer geworden ist, mag noch ermutigend sein, aber der plötzliche Absturz der Detektionsrate von hochmaligem Vorsteherdrüsen-Karzinomen mit Gleason-Score 7-10 sei beunruhigend, so die Autoren ["Conclusions - Following the USPSTF recommendation, the number of biopsies performed (total and first-time biopsies), based on referrals from our catchment area, have decreased. This is likely due to decreased use of PSA-screening. Although encouraging that fewer low risk PCs are being diagnosed, the sudden decrease in the detection rate of Gleason 7-10 PCs is concerning."]

Die Prävalenz u n e r k a n n t e r Prostata-Karzinome steigt, w e n i g e r inzidentelle, insbesondere hochmalige Prostatakarzinome werden frühzeitig detektiert. Die urologische Versorgung, Heilung und Linderung von frühen Stadien mit unterschiedlichen Malignitätsgraden sinkt. Kann das im Interesse unserer Patienten sein?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

(Kommentar von Dr. Thomas G. Schätzler zum Bericht der Ärzte-Zeitung vom 30.12.14)

 

 

Ist das vielleicht ein Tumor?

So deuten Sie die Warnsignale für Krebs richtig

Im Frühstadium lassen sich Tumore am erfolgreichsten behandeln. Allerdings bemerken sie die Betroffenen da kaum, denn Krebs entsteht ohne Vorwarnung. Wer erste Alarmsignale einer Tumorerkrankung erkennt, kann rechtzeitig handeln.

Krebs kann sich durch endlos viele Symptome zeigen. Es gibt jedoch kaum Symptome, die exklusiv auf Krebs oder gar auf eine bestimmte Krebsart hinweisen. Besonders am Anfang können Auffälligkeiten andere, vielleicht völlig harmlose Ursachen haben. Manche Menschen ignorieren alarmierende Signale des Körpers auch, aus Angst vor einer möglichen Krebsdiagnose. Zwischen Unbekümmertheit („wird schon nichts sein“) und übertriebener Angst („bestimmt ist das Krebs“) müssen wir eine gesunde Balance finden, um Warnzeichen einzuordnen. Ein Beispiel: Wenn jemand immer eine sehr regelmäßige Verdauung hatte, und plötzlich ständig Verstopfung oder Durchfall, sollte er zum Arzt gehen. Es muss nicht, aber es kann sich um Darmkrebs handeln. Leidet jemand  chronisch an Verdauungsstörungen,  wäre es dagegen erst einmal kein besorgniserregendes Signal.

Alarmierend: anhaltende, untypische, unerklärliche Veränderung

„Der Mensch hat ein ganz gutes Gespür für seine körperliche Normalität. Ist sie nachhaltig gestört, deutet das erst einmal auf Krankheit hin, nicht unbedingt auf Krebs“, sagt Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. „Nachhaltige Veränderungen, die untypisch sind und keine erklärbare Ursache haben, sind Alarmsignale, denen ein Arzt nachgehen sollte.“ Der Mediziner gibt ein Beispiel: „Wenn eine Lymphknotenschwellung auffällt, könnte es sich um die typische Begleiterscheinung eines Infekts handeln. Ist sie nach zehn oder 14 Tagen immer noch da, sollte sich das ein Arzt ansehen.“

Johannes Bruns nennt drei generelle Krebssignale: 1. eine Veränderung, die auf ein unkontrolliertes Zellwachstum schließen lässt, etwa ein Leberfleck, der immer größer wird, 2. alle Formen untypischer Blutungen, etwa wiederholte Zwischenblutungen, sowie 3. eine Veränderung von Körperfunktionen, etwa Schluckbeschwerden. „Symptome wie chronische Müdigkeit, Gewichtsverlust und Schmerzen treten häufig erst auf, wenn der Krebs bereits fortgeschritten ist“, erklärt der Krebsmediziner.

Die Amerikanische Krebsgesellschaft hat sieben Warnzeichen für Krebs unter der plakativen Abkürzung CAUTION zusammengestellt. Es bedeutet „Achtung“ oder „Vorsicht“ und steht für die Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe von:

* Veränderungen der Darm- oder Blasenfunktion: Der Stuhl verändert Farbe oder Konsistenz. Verstopfung und Durchfall wechseln sich ab. Im Stuhl oder im Urin ist Blut.

* Nichtheilende Wunden: Entzündete, wunde Stellen bessern sich nicht, werden größer oder schmerzhafter, fangen an zu bluten.

* Ungewöhnliche Blutungen oder Ausfluss: Blut im Stuhl oder im Urin, genitale Blutungen jenseits der Wechseljahre, Magenbluten, Flüssigkeitsabsonderung aus Brustwarze oder Penis.

* Knoten: Fühlbare Verhärtungen in der Brust oder im Hoden, Schwellungen unter der Haut in jeder anderen Körperpartie.

* Schluckbeschwerden: Engegefühl im Hals oder in der Brust, Völlegefühl ohne viel gegessen zu haben.

* Hautveränderung in Muttermalen, Warzen oder Schleimhaut: Verdächtige ABCDE-Zeichen sind Asymmetrie (ungleichmäßige Form), Begrenzung (verschwommener Rand), Color (verschiedene Farbschattierungen in einem Hautmal), Durchmesser (größer als fünf, sechs Millimeter), Erhabenheit (mehr als ein Millimeter über dem Hautniveau).

* Husten, Heiserkeit: Raue, veränderte Stimme, anhaltender Husten, Blut im Auswurf.

Die US-Krebsgesellschaft rät zum Arztbesuch, wenn Beschwerden, die auf Krebs deuten können, keine andere, eindeutige Ursache haben und länger als zwei Wochen andauern.  Johannes Bruns sagt dazu: „Die Auflistung früher Warnsignale soll die Menschen sensibilisieren, auf Veränderungen zu achten.“

Hirntumore machen sich früh bemerkbar

Nur wenige Krebsarten lösen bereits Symptome aus, wenn der Tumor noch sehr klein ist. Ein Hirntumor gehört dazu, je nachdem wo er entsteht. Von Kopfschmerzen über neurologische Ausfälle bis zur Persönlichkeitsveränderung reichen die Symptome. Bauchspeicheldrüsenkrebs dagegen macht sich erst bemerkbar, wenn er auf umgebendes Gewebe drückt. Behindert er den Gallenfluss, kann der Betroffene eine Gelbsucht bekommen. Die auffällige Hautfarbe macht eventuell erst auf den Krebs aufmerksam.

Außerdem können einige Symptome bei bestimmten Krebsarten häufiger und frühzeitiger vorkommen als bei anderen:

* Unerklärlicher Gewichtsverlust ist häufig verbunden mit Krebs in der Lunge, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre oder im Magen.

* Wiederholtes oder anhaltend leichtes Fieber kann ein frühes Zeichen für Blutkrebs sein.

* Schmerzen zu Beginn der Erkrankung sind mit Knochenkrebs verbunden. Und Rückenschmerzen sind ein mögliches Signal für Darm- oder Gebärmutterkrebs.

* Juckreiz und gelblich-braune Haut sind mit Leberkrebs verbunden, Rötungen auf der Brust können auf Brustkrebs hinweisen.

Vorsicht, wenn Krebs sich in der Familie häuft

Und dann gibt es noch eine Art Frühwarnung, bevor Zellen entarten: die medizinische Familiengeschichte. Jede familiäre Häufung von Krebserkrankungen sollte ein Signal für erhöhte Wachsamkeit sein – etwa Früherkennungsuntersuchungen konsequent zu nutzen

(FOCUS-Online, 10.11.14, Petra Apfel)

 

 

Hinter geschwollenen Lymphknoten muss kein Krebs stecken

Bei einem geschwollenen Lymphknoten fürchten viele gleich das Schlimmste: Krebs. Oft steckt aber etwas ganz Harmloses dahinter - oder die Schwellung ist gar kein Lymphknoten.

Ein geschwollener Lymphknoten ist kein Grund zur Panik. Viele Betroffene haben zum Beispiel während einer Erkältung dicke Knötchen am Hals. Doch auch wenn die Lymphknoten im Leistenbereich oder unter den Achseln plötzlich anschwellen, muss das kein Zeichen für eine Krebserkrankung sein. «So eine Schwellung ist in den allermeisten Fällen eine Reaktion des Immunsystems», erklärt Hans-Michael Mühlenfeld vom Deutschen Hausärzteverband. Sie kann ein Hinweis auf eine Entzündung sein, gegen die der Körper ankämpft. Und das zeigt, dass der Körper «gut funktioniert».

Wenn der Lymphknoten nach drei, vier Tagen immer noch dick ist, sollten Betroffene die Schwellung vom Hausarzt abklären lassen, rät Mühlenfeld. «Der Arzt guckt dann, ob es sich überhaupt um einen Lymphknoten handelt.» Denn manchmal entpuppt sich der Lymphknoten als Talgdrüsenentzündung. Das kann gerade bei Frauen, die ihre Achseln regelmäßig rasieren, die Ursache für die Schwellung sein.

Ein geschwollener Lymphknoten im Leistenbereich ist manchmal auch ein Hinweis auf eine Verletzung am Fuß, zum Beispiel auf eine Nagelbettentzündung. Betroffene sollten den Lymphknoten generell ruhig abtasten. «Ein Lymphknoten, der beim Drücken schmerzt, ist meist ein Hinweis auf eine Infektion», sagt Mühlenfeld. Schmerzt der Knoten nicht, hat die Schwellung andere Ursachen. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass etwas Schlimmes dahinterstecken muss.

Manchmal hilft es auch, in Absprache mit dem Arzt zunächst vier Wochen zu warten und zu schauen, wie der Lymphknoten sich entwickelt. Geht die Schwellung nicht zurück, wird der Lymphknoten punktiert. Dabei wird eine Gewebeprobe des Knotens entnommen, die unter dem Mikroskop untersucht wird. «Aber das passiert wirklich nur in den seltensten Fällen», betont Mühlenfeld.

(Ostthüringer Zeitung u.a., 14.11.2014, dpa/tmn)

 

 

Krebs

Wissenslücke Tertiärprävention

Patienten mit einer Krebserkrankung überleben heute deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Doch mit den Spätfolgen ihrer Erkrankung fühlen sie sich oft allein gelassen. Die Stiftung Lebensblicke will das ändern.

"Krebs ist vielfach kein Todesurteil mehr. So leben inzwischen fast zwei Drittel der Patienten mit Darmkrebs länger als fünf Jahre.

Die Patienten wollen wissen, was sie tun können, dass sie gesund bleiben", sagt Professor Jürgen Riemann, der Vorsitzende der Stiftung Lebensblicke e.V. , die sich bisher vor allem für die Früherkennung von Darmkrebs stark gemacht hat.

Es sei an der Zeit, sich nun verstärkt auch der Tertiärprävention zuzuwenden. Dieses Thema sei in der öffentlichen Wahrnehmung bislang unterrepräsentiert, so Riemann.

Zehn Jahre später noch Beschwerden

Krebsforscher, Onkologen und Psychologen legten bei dem Auftakttreffen zu einer konzertierten Aktion "Tertiärprävention bei Krebs" am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg den Finger in die Wunde:

So wüssten etwa 40 Prozent der Patienten nichts über Langzeitfolgen und Spätkomplikationen nach Krebs und ebenso viele litten unter emotionalen Folgeproblemen, für die sie keine professionelle Hilfe erhalten.

Über 70 Prozent klagten noch länger als zehn Jahre nach der Ersterkrankung über Gesundheitsprobleme, berichtete Professor Georgia Schilling, Onkologin an der Klinik für Tumorbiologie Freiburg Ergebnisse aus amerikanischen Befragungen von Krebspatienten.

Nachsorge ist mehr als Rezidivsuche

Die strukturierte Nachsorge sei beim kolorektalen Karzinom im Stadium II und III durch die S3-Leitlinie während der ersten fünf Jahre zwar geregelt und werde auch wahrgenommen, doch "Nachsorge muss mehr sein, als die Fahndung nach Rezidiven", sagt Professor Hans-Helge Bartsch, Klinikumsvorstand der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg.

Häufig sei unklar, wer die Nachsorgebetreuung zu welchen Zeitpunkten übernehme. Der Hausarzt? Der Onkologe? Das Krebszentrum?

Detaillierte Nachsorgepläne und spezielle Informationsveranstaltungen beziehungsweise -materialien sowie eine verbesserte Koordination der Nachsorge könnten die Schnittstellenproblematik zu den niedergelassenen Hausärzten, die einen Großteil der Patienten im Laufe der Nachsorge übernehmen, lösen, heißt es in dem Positionspapier der Initative.

Konkrete Ratschläge erwünscht

Patienten wünschten klare Empfehlungen, wie sie ihr Überleben verlängern können. So zeigten beobachtende Studien schon jetzt einen klaren Nutzen von Sport und Bewegung in der Tertiärprävention von Darmkrebs.

Auch gäbe es positive Hinweise für die Einnahme von Aspirin zur Senkung des Rezidivrisikos. Welche Patienten davon profitierten, müsse in klinischen Studien geklärt werden, sagt Professor Cornelia Ulrich.

Evidenzbasierte Leitlinien für Ärzte und Patienten in Bezug auf Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, sportliche Aktivität, Chemoprävention wie Aspirin und NSARs sollen mit der ColoCare-Studie unter der Leitung der Heidelberger Krebsforscherin entwickelt werden.

Positionspapier aufgelegt

Um Daten über die Zahl der Rezidive zu gewinnen und eine geeignete Risikostratifizierung anhand moderner Biomarker vorzunehmen ist nach Auffassung der Initiative das bundesweite Nationale Krebsregister eine einzigartige Möglichkeit, die man nutzen sollte.

Das Positionspapier zur Tertiärprävention bei Darmkrebs soll in Kürze veröffentlicht und den Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen zugeleitet werden.

 

(Ärzte Zeitung App, 9.10.14, bd) 

 

 

 

Schützt gesundes Essen vor Krebs?

Bestimmte Ernährungsgewohnheiten erhöhen das Krebsrisiko. Die genauen Zusammenhänge sind aber komplex – und verleiten zu Missverständnissen

Eine ausgewogene Ernährung senkt das Risiko für Krebs und andere Krankheiten

„Rotes Fleisch steigert das Krebsrisiko“ – „grüner Tee verhindert Tumorwachstum“: Solche Nachrichten rund ums Essen und dessen Folgen für die Gesundheit kursieren regelmäßig. Tatsächlich haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahrzehnten einige solcher Zusammenhänge aufgedeckt, die allerdings häufig überinterpretiert oder verkürzt dargestellt werden. Denn dass bestimmte Lebensmittel eine Krebserkrankung direkt auslösen, verhindern oder gar heilen könnten, lässt sich nicht belegen.

„Essgewohnheiten scheinen in erster Linie über ihre Auswirkung auf das Körperfett das Erkrankungsrisiko zu beeinflussen“, stellt Dr. Tilmann Kühn vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) fest. Das konnten Untersuchungen wie die sogenannte EPIC-Studie zeigen, die seit 20 Jahren am DKFZ läuft. Demnach prädestiniert Übergewicht zu verschiedenen Tumorerkrankungen.

„Es gibt allerdings schon Hinweise darauf, dass einzelne Nahrungsinhaltsstoffe, zum Beispiel besondere Verbindungen in rotem Fleisch, darüber hinaus krebsauslösend wirken könnten,“ ergänzt der Epidemiologe. „Das ist aber sehr schwer zu beweisen.“ Denn Krankheitsmodelle auf den Gesamtorganismus zu übertragen, sei gleichermaßen schwierig, wie von Krankheitshäufungen auf deren Ursachen zu schließen. Welche ernährungsphysiologischen Mechanismen im Detail schützend oder eben auch fatal wirken, ist daher schwierig zu beantworten.

Welche Essgewohnheiten begünstigen Krebs?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benennt Übergewicht als einen Risikofaktor für Darm-, Speiseröhren-, Brust-, Nieren-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Mehrere Studien haben gezeigt, dass dicke Menschen häufiger an diesen Tumoren erkranken. Genaugenommen erhöht also vor allem eine übermäßige Kalorienaufnahme die Krebsgefahr. „Kaloriendichte“ – also sehr fettige oder gezuckerte – Nahrung schlägt besonders leicht auf Hüften und Bauch.

Fast Food und Fertignahrung sollten daher nicht all zu oft konsumiert werden. Ballaststoffhaltige Lebensmittel wie bestimmte Getreideprodukte, Gemüse und Obst erleichtern hingegen eine ausgewogene Energiebilanz und gelten damit als gesundheitsfördernd. Wissenschaftler nehmen an, dass der Körper bedingt durch die Überernährung Hormon- und Immunsystem umstellt, was das Tumorwachstum begünstigen soll.

Sind Alkohol, Salz oder rotes Fleisch krebserregend?

Alkohol schädigt nicht nur Nerven und Leber, sondern erhöht auch das Risiko von Mund-, Kehlkopf- und Brustkrebs. Deshalb sollte die durchschnittliche tägliche Trinkmenge reinen Alkohols bei Männern nicht über 24 Gramm und bei Frauen nicht über 12 Gramm liegen (das entspricht etwa einem großen, beziehungsweise einem kleinen Bier).

Einige Studien deuten darauf hin, dass mit der Konsummenge roten Fleisches auch die Gefahr von Darmkrebs ansteigt und dass salzige Kost Magenkrebs begünstigt. Es handelt sich bei diesen Ergebnissen aber ganz überwiegend um epidemiologische Daten, die eine Beziehung zwischen Krebs und genannten Ernährungsweisen aufzeigen, nicht aber deren Ursächlichkeit.

Es gibt zwar einige Theorien darüber, wie salz- oder fleischlastige Kost Tumorwachstum anschieben könnte, doch sind diese im lebenden Organismus bislang nicht eindeutig bestätigt. Auch die Auswirkungen von Acrylamid, das beim Braten und Frittieren entsteht, sind nicht abschließend geklärt.

Wie stark ist Essen durch krebserregende Stoffe belastet?

Umweltgifte machen vor Nutzpflanzen und Schlachtvieh nicht Halt, und auch bei der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln kann es zu deren Kontamination mit schädlichen Substanzen kommen. Meldungen wie unlängst die von durch krebserregenden Toxinen belastetem italienischen Hartkäse verunsichern die Öffentlichkeit stark.

Allerdings gelten in Deutschland sehr strenge Lebensmittelvorschriften, so dass Gesundheitsschäden durch derartige Rückstände im Normalfall nicht zu erwarten seien sollten. Auch Produktionszusätze und Pflanzenschutzmittel unterliegen sehr genauer Kontrolle: Es dürfen nur ungefährliche Stoffe beziehungsweise Stoffe in ungefährlicher Dosis nachweisbar sein, so dass nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft hierdurch keine erhöhte Krebsgefahr besteht.

Wie gut kann die richtige Ernährung vor Krebs schützen?

Nach genannten Erkenntnissen senkt eine ausgewogene, ballaststoffreiche und maßvolle Ernährung die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Wesentlich dafür ist es, das Gewicht zu normalisieren. Nach den Daten der EPIC-Studie gilt ein Bodymass-Index (BMI) unter 25 und über 22,5 als optimal. Allerdings kann auch das gesündeste Essen Krebs im Einzelfall nicht sicher verhindern, da die Erkrankung stets durch mehrere Einflüsse entsteht.

Mit Zurückhaltung sind auch Nachrichten zu interpretieren, die aussagen, dass bestimmte Inhaltsstoffe wie Catechine in Grünem Tee oder Antioxidantien in Obst und Gemüse vor Krebs schützen würden. Die betreffenden Studienergebnisse stammen in aller Regel aus Zellexperimenten, die nicht ohne Weiteres auf den Gesamtorganismus zu übertragen sind. Dass der Verzehr von Broccoli, Himbeeren oder Tee tatsächlich vor Krebs bewahre, ist nicht bewiesen. Allerdings haben Studien in jüngerer Vergangenheit gezeigt, dass die Einnahme von Vitaminpräparaten oder Selen das Krebsrisiko sogar erhöhen kann.

Müssen Krebspatienten eine besondere Diät halten?

Krebskranke sollten in genanntem Sinne auf eine gesunde Ernährung achten, um ihre Kräfte zu mobilisieren und die Behandlung zu unterstützen. Dass aber bestimmte Diäten sich eigneten, um den Krebs zu heilen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Entsprechende Therapieangebote berufen sich meist auf nicht ausreichend erforschte Theorien, häufig aber auch auf unvollständige Zusammenhänge oder esoterische Vorstellungen. Gefährlich können sie werden, wenn durch einseitige Ernährung der kranke Körper zusätzlich geschwächt wird.

Gleichwohl gerät das Essen für Krebspatienten häufig zu einem wichtigen Thema, etwa wenn es therapiebedingt zu Übel- und Unverträglichkeiten kommt oder wenn Eingriffe an Mund, Magen oder Darm die Nahrungsaufnahme erschweren. Solche Probleme müssen im Einzelfall mit Ärzten und Ernährungsberatern gelöst werden. Gleiches gilt auch für den Fall, dass es durch den Tumor zu starkem Gewichtsverlust, der sogenannten Tumorkachexie, kommt.

(Dr. Christian Guht / www.apotheken-umschau.de; 07.10.2014)

 

Krebsvorsorge bei Senioren

Zu viel des Guten

Krebsabstrich an einem Organ, das bereits entfernt wurde: Forscher kritisieren die übertriebene Früherkennung bei Senioren. Sie steigere nicht nur die Gesundheitsausgaben, sondern schädige auch die Patienten.

Es gibt viele Argumente, die gegen Früherkennungsuntersuchungen auf Krebs sprechen: Die Tests sind ungenau, die Fehlalarme zahlreich - und an der Lebenserwartung ändert sich häufig auch nichts. Doch selbst glühende Anhänger des flächendeckenden Tumor-Screenings müssen zugeben, dass sich die spärlichen Vorteile der Untersuchungen - wenn überhaupt - nur in einer bestimmten Alterspanne erzielen lassen, die zumeist zwischen 50 und 70 Jahren liegt. Wird in jüngerem Alter regelmäßig untersucht, sind die Tumoren entweder so selten oder so schwer zu entdecken, dass Nebenwirkungen den potenziellen Nutzen überwiegen.

Umso überraschender sind die Befunde, die Ärzte um Trevor Royce von der University of North Carolina jetzt im Fachblatt JAMA Internal Medicine (online) zusammengetragen haben, nachdem sie eine landesweite Gesundheitserhebung mit mehr als 27 000 Seniorinnen und Senioren ausgewertet hatten.

Demnach wurden in der Altersgruppe jenseits von 65 Jahren zwischen 47 und 64 Prozent der Teilnehmer auf eine bestimmte Krebsform untersucht, obwohl die voraussichtliche Lebenserwartung der Probanden entweder nur noch wenige Jahre betrug oder der Test in diesem Alter schlicht nicht mehr empfohlen wurde. Besonders absurd: Bei 34 bis 56 Prozent der Frauen jenseits der 65 wurde noch ein Krebsabstrich am Gebärmutterhals entnommen, obwohl ihnen das Organ schon Jahre vorher entfernt worden war.

"Wir haben angesichts unserer Ergebnisse ziemliche Bedenken, dass es bei älteren Menschen zu einem massiven Über-Screening kommt", sagt Royce. "Das steigert nicht nur die Gesundheitsausgaben, sondern schädigt auch die Patienten." Ärzte wie Patienten müssten besser über die Grenzen der Früherkennung aufgeklärt werden - und zudem wieder Vernunft in der Klinik einkehren, damit Alte und Kranke nicht unnötigen Untersuchungen ausgesetzt sind.

In einer weiteren Studie im selben Fachblatt zeigen Ärzte um Frank van Hees, dass häufigere Darmspiegelungen bei älteren Menschen keine Vorteile bringen. Der Test wird von 55 an alle zehn Jahre empfohlen, aber nicht mehr jenseits der 75. "Das Krebs-Screening verliert im 21. Jahrhundert seinen Glanz", schreibt Cary Gross in einem begleitenden Kommentar. "Wir sehen immer mehr Beweise dafür, dass viele Formen der Früherkennung nicht so nützlich sind, wie anfangs gedacht."

(Süddeutsche Zeitung, 19.08.14, Werner Bartens)

 

 

Reden wir über Sex, Krebs und die HPV-Impfung

Experten raten Eltern, Kindern nicht alles über die Impfung gegen sexuell übertragbare Viren zu sagen

Wien - Es gibt Einfacheres, als mit dem neunjährigen Kind über Krebs zu sprechen. Oder über Sex. Oder überhaupt gleich über beides zusammen. Die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) wäre nun ein Anlass dazu: Seit diesem September ist sie Teil des Schulimpfprogramms, in dessen Rahmen derzeit die Viertklässler in den Volksschulen geimpft werden. Seit Februar können sich neun- bis zwölfjährige Buben und Mädchen in Österreich kostenlos impfen lassen. Die Anmeldung erfolgt auf freiwilliger Basis durch die Eltern.

HPV wird vor allem durch sexuelle Kontakte übertragen und kann verschiedene Krebsarten auslösen - sowohl bei Buben als auch bei Mädchen. Was davon soll man seinem Kind erzählen, wenn man sich für die Impfung entscheidet? Der Psychologe, Klinische Sexologe und Leiter des Österreichischen Instituts für Sexualpädagogik, Wolfgang Kostenwein, rät zur Vorsicht - vor allem, wenn Eltern mit ihrem Kind zuvor noch kaum über Sexualität gesprochen haben: "Es ist ein Problem, wenn man ein so positives Thema wie Sex über etwas so Negatives wie Krankheit hereinholt", sagt Kostenwein.

Vorsichtig thematisieren

Allerdings sei es gesellschaftlich weit verbreitet, dass man sich über negative Themen daran annähert - beispielsweise über Missbrauch oder sexuell übertragbare Krankheiten (etwa auch HIV). Kostenwein zufolge ist die Vermittlung eines positiven Zugangs zum eigenen Körper für den Umgang mit etwaigen Gefahren für dessen Unversehrtheit am wichtigsten. Er rät daher "fast" dazu, Kinder in Bezug auf die HPV-Impfung vorrangig darüber aufzuklären, dass die Impfung gegen krebserregende Viren schützt, die Übertragungsweise bei dem Gespräch aber eher hintanzustellen.

Judith Glazer, Präsidentin der Gesellschaft der SchulärztInnen Österreichs, drückt es so aus: "Jede Erklärung sollte altersentsprechend dem jeweiligen Wissensstand des Kindes angepasst weitergegeben werden. Beängstigung muss dezidiert ausgeschlossen werden." Das gelte sowohl für die Übertragung von HPV als auch für das Thema Krebs. "In den vierten Klassen in den Volksschulen ist Sexualität zwar auch laut Lehrplan bereits ein Thema, ich würde die Informationen in diesem Fall aber darauf reduzieren, dass es eine Impfung gegen Krebs ist."

Günstiger Zeitpunkt

Dass schon Neunjährige geimpft werden, hängt laut Glazer nicht nur damit zusammen, dass man die Impfung vor dem sexuellen Aktivwerden verabreichen will. "Das Immunsystem spricht vor der Pubertät besonders gut darauf an", sagt sie.

Eltern können sich mit der Broschüre über die Impfung informieren, die seit dieser Woche in Schulen verteilt wird und die vom Gesundheitsministerium, der Krebshilfe, dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Frauenministerium finanziert wurde. Dort erfährt man, dass HPV zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viruserkrankungen zählt; dass sich Zwölf- bis 15-Jährige zu einem verbilligten Tarif (40 und 50 Euro) impfen lassen können und dass HPV verschiedene Karzinome verursachen kann - am Gebärmutterhals, im Analbereich, an Penis, Schamlippen und im Mund- und Rachenraum.

Der im Rahmen des Kinderimpfprogramms verabreichte Vierfachimpfstoff wird in zwei Teilimpfungen abgegeben. Studien zufolge senkt er das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, um bis zu 80 Prozent. Ab dem 15. Geburtstag sind die Impfkosten von 170 bis 200 Euro privat zu zahlen.

Oft wurden in der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit der HPV-Impfung Sorgen über schwere Nebenwirkungen laut. Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda zufolge kam es bei 144 Millionen Anwendungen weltweit zu "keiner einzigen nachgewiesenen schwerwiegenden oder tödlichen Nebenwirkung".

(Gudrun Springer, DER STANDARD, Wien, 13.9.2014)

 

 

Diagnose per Handy

Harmlose Hautkrankheit oder gefährlich?
Die Antwort kommt per App

Mit einem auffälligen Muttermal schnell zum Arzt? Eine App soll Patienten den Gang in die Praxis ersparen: Ein Handy-Foto von der Hautveränderung schießen, App „Klara“ leitet es an einen Hautarzt weiter. Rechtlich und medizinisch ist das Verfahren umstritten.

Rote Pusteln am Bauch, die fürchterlich wehtun, ein Muttermal, das gar nicht gut aussieht. Hautausschläge sind vor allem lästig, der Gang zum Arzt meist ebenso. „Unsere Idee hat sich gut bewährt, Hilfe bei Hautproblemen ganz einfach per Handy möglich zu machen“, sagt Simon Bolz, Firmengründer des Start-ups „Klara“ mit Dienstsitz Berlin. Seit 2013 ist der Handy-Hautcheck in Deutschland verfügbar, seit knapp sieben Wochen ist das Unternehmen auch in den USA durchgestartet. Aus dem Stand heraus haben sich dort 40.000 Menschen die App heruntergeladen. In Deutschland sind es bislang 60.000. Weitere 30.000 verteilen sich auf den Rest der Welt.

Ferndiagnose rechtlich umstritten

Auch wenn schon einige 100 Patienten eine Ferndiagnose angefordert haben, die Idee mit der App ist umstritten. „Laut Berufsordnung herrscht hierzulande ein Fernbehandlungsverbot für Ärzte“, erklärt Bolz. Eine endgültige Diagnose dürfen sie somit nicht stellen. Im Sprachgebrauch der ambitionierten Gründer haben sich daher schon diverse Ersatzbegriffe wie „Begutachtung“ und „Empfehlung“ durchgesetzt.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sieht das Projekt berufsrechtlich noch auf wackligen Beinen. "Allerdings birgt die Telemedizin natürlich auch Chancen", sagt Steffen Gass, Vizepräsident des BVDD. Den Heilungsverlauf beispielsweise via Handyfoto zu kontrollieren sei ein guter Weg, um Patienten schnell und unkompliziert zu behandeln. Der Gang in die Sprechstunde bleibt erspart, prallvolle Wartezimmer könnten vermieden werden. Außerdem - so heißt es beim Berufsverband - scheint gerade die Dermatologie als Fach der Körperoberfläche für die Telemedizin besonders geeignet. Die Traumvorstellung der Gründer: Während jetzt zehn Hautärzte im Beratungsverbund von Klara tätig sind, soll es auf lange Sicht ein flächendeckendes Netz ferndiagnostizierender Ärzte geben.

Zwei Fotos hochladen - und ab geht die Post

29 Euro zahlen Patienten für eine erste Einschätzung ihres Hautbilds. Das Versprechen des Start-ups: Innerhalb von 48 Stunden erhalten sie eine Antwort, wenn sie zuvor den Fragebogen ausgefüllt und zwei Fotos hochgeladen haben. „Das konnten wir aber toppen. Bislang gab es bei 60 Prozent der Anfragen am gleichen Tag, oft sogar innerhalb von drei Stunden eine Erstmeinung des Arztes“, berichtet Bolz.

Tatkräftig unterstützt wird das Projekt „Klara“ von Professor Andreas Blum, Dermatologe in Konstanz und zusätzlich in der Lehre an der Universität Tübingen tätig. „Das Prinzip, Hauterkrankungen per Foto zu begutachten, ist grundsätzlich sehr gut möglich“, erklärt Blum. Er betreut seit vielen Jahren ähnliche Programme in Neuseeland und  England. Nach seiner Erfahrung sind Hautdiagnosen via Bildübertragung schnell und zielsicher möglich.

Hautkrebs ist inzwischen die häufigste Krebsart von Männern und Frauen. Etwa 50 Prozent der Hautärzte, so belegen es Statistiken, werden in den nächsten zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen mit jetzt schon bestehenden Nachwuchsproblemen. „Da braucht es Ideen, wie Diagnosen eigentlich künftig gestellt werden sollen", fordert der Dermatologe. Immerhin 230.000 neue Hauttumore entstehen allein in Deutschland jährlich neu - Tendenz deutlich steigend.

Alle Daten, die "Klara"-Nutzer übermitteln, sind passwortgeschützt und anonym. Ähnlich wie beim Online-Banking sind sie zudem sicher verschlüsselt. In einer wissenschaftlichen Studie ermitteln die Gründer gerade, ob Diagnostik und Therapieempfehlung online mit dem übereinstimmen, was Patienten ansonsten persönlich vom Arzt erfahren hätten. „Die Ergebnisse klingen schon jetzt vielversprechend“, sagt Jungunternehmer Bolz. Bis zu 50 Prozent aller Patienten, die heute noch im Wartezimmer Platz nehmen, könnten seiner Meinung nach per Ferndiagnose behandelt werden.

Der Durchschnittsnutzer des Haut-Checks ist männlich und 35 Jahre alt. Acht von zehn Patienten haben Ausschläge, vielfach ausgelöst durch Geschlechtskrankheiten. Vor allem abends, an Wochenenden und feiertags herrscht auf "Klara" Hochkonjunktur. Statistisch erfasst ist ebenfalls: Mütter sind die aktivsten Wiederholungsnutzer, wenn es um Hautprobleme ihrer Kinder geht.

Hinweise dazu, dass der Dienst "Klara" keinen Arztbesuch ersetzt, mussten Simon Bolz und sein Partner Simon Lorenz mehrfach in ihren Informationen zur App unterbringen. So ist es - aufgrund der derzeitigen Rechtslage in Deutschland -  hauptsächlich „ein Angebot für Ratsuchende, die erste Orientierung wollen“.  Regelrecht lebensrettend konnten die Dermatologen von "Klara" aber trotzdem schon tätig sein: So haben sie zwei Patienten ein Melanom (bösartigen Hautkrebs) diagnostiziert - und die beiden gleich zur Behandlung in eine Praxis weitergeschickt.  Mit der Einschätzung „fortgeschrittene Gürtelrose“ lagen die Ärzte auch schon mehrfach richtig, diese Patienten verwiesen sie direkt ins Krankenhaus.

Im ländlichen Raum ist Telemedizin schon lange üblich

Ganz neu ist die „Ferndiagnose“ via Datenübertragung allerdings nicht. So ist schon seit einigen Jahren eine telemedizinische Konsultation chronischer Wunden  möglich. Vor allem im ländlichen Raum, wo nicht immer und jederzeit der richtige Facharzt den Patienten ansehen und versorgen kann, ist Telemedizin gut etabliert. In Modellprojekten beispielsweise in Baden-Württemberg wurde erprobt, wie bettlägerigen Patienten, die sich bereits „wund gelegen“ hatten, die Betreuung via Fernleitung helfen kann. Der Pflegedienst macht in diesen Fällen Fotos von der Wunde (mit der Kamera im Mobiltelefon) und schickt diese zusammen mit weiteren Informationen an einen Facharzt in der beteiligten Klinik. Dort werden Befund und Therapievorschlag erstellt, die der Hausarzt und Pflegedienst dann weiterverfolgen.

Weitere telemedizinische Projekte, die allerdings immer über große Krankenhäuser gesteuert werden, betreffen Patienten nach Schlaganfall oder mit Herzrhythmusstörungen sowie die Überwachung älterer, sturzgefährdeter Menschen.

(Focus online, 29.09.2014, Britta Surholt)

 

 

Geheilt, aber nicht gesund

Eine Krebstherapie kann nicht harmlos sein. Chemotherapeutika sind Gifte, die Zellen töten sollen. Ähnliches gilt für die Bestrahlung. Lange Zeit waren Nebenwirkungen Nebensache im Kampf gegen den Krebs. Doch seitdem immer bessere Therapien die Überlebenschancen steigen lassen, fallen vor allem die sehr langfristigen Folgen der Therapie immer mehr ins Gewicht. Ein Patient, der mit Anfang 20 eine Leukämie überstanden hat, erlebt mit Mitte 40, dass sein Herz schwächer wird. Bei einem Hodgkin-Patienten büßt die Schilddrüse nach der Bestrahlung am Hals ganz allmählich ihre Funktionstüchtigkeit ein. Oft sind diese Spätfolgen gut behandelbar, allerdings nur wenn sie auch erkannt werden. Ein Patient, der mit zehn Jahren einen Hirntumor überstanden hat, kann vielleicht keine Kinder zeugen.
„Es kommt darauf an, dass man an den richtigen Stellen mit den richtigen Methoden nachschaut“, sagt Stefan Bielack, Professor für Kinderonkologie am Klinikum Stuttgart. Er empfängt im Olgahospital die Radfahrer der sogenannten Regenbogenfahrt der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Bei dieser einwöchigen Radtour machen junge Erwachsene darauf aufmerksam, dass auch nach einer Krebserkrankung sportliche Höchstleistungen möglich sind. Schon in den frühen 1980er Jahren stiegen die Heilungschancen bei Krebs im Kinder- und Jugendalter deutlich an. Spätfolgen sind unter Kinderonkologen also schon lange ein Thema, auch weil ihre Patienten nach einem Therapieerfolg noch viele Lebensjahre vor sich haben. Auch die Dokumentation der Therapie ist in der Kinderonkologie oft besonders genau. „Wir wissen, was die Patienten bekommen haben, deshalb sind wir relativ gut darin, mögliche Probleme auch zu entdecken“, sagt Bielack. Hilfreich ist auch, dass die Mediziner auf die Daten des Kinderkrebsregisters Mainz zugreifen können, wo Therapie und Verläufe aller Kinder- und Jugendkrebspatienten gespeichert und ausgewertet werden.
Wenn ein Problem eingekreist ist, reicht Bielack die Patienten oft an Erwachsenenmediziner weiter. „Wenn es darum geht, zum Beispiel ein Schilddrüsenproblem bei einem 30-Jährigen zu behandeln, gibt es andere, die das besser können als wir. Aber man muss eben erst einmal draufkommen, dass man da überhaupt nachschauen muss.“ Das „draufkommen“ ist der Punkt, an dem es oft hakt, vor allem, weil zwischen Therapie und den ersten Spätfolgen oft sehr viel Zeit vergeht. Der Kontakt zum ehemals behandelnden Onkologen ist oft schon verloren gegangen. Hausarzt und Patient kommen oft nicht gleich auf den Gedanken, einen Zusammenhang zur Krebstherapie herzustellen. Viele Beschwerden bleiben so ungeklärt und unbehandelt.
„Spätfolgen sind nach wie vor kein Thema, das in der breiten Öffentlichkeit oder in Fachkreisen im Vordergrund steht“, sagt Peter Borchmann, Onkologe an der Uniklinik Köln. Er leitet die Arbeitsgruppe Survivorship der Deutschen Hodgkin-Lymphom Studiengruppe (GHSG). „Es gibt eben nach wie vor sehr viele Krebsarten, an denen die Patienten schnell sterben. Natürlich wird da die größere Not gesehen als bei einer Erkrankung wie dem Hodgkin-Lymphom, wo man sagen kann: die Patienten werden ja fast alle geheilt, die sollen sich mal jetzt nicht so haben.“
Die GHSG erfasst als eine der wenigen in Deutschland überhaupt systematisch Daten zur gesundheitlichen Situation von Überlebenden von Krebs im Erwachsenenalter. Ihre Mitarbeiter verfolgen die Lebenswege von insgesamt 15?000 ehemaligen Patienten. Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild: 15 Prozent der Patienten leiden zehn bis 20 Jahre nach Therapieende an einer Herzschwäche. Jeder zweite Patient ist nach der Behandlung unfruchtbar. Viele Frauen kommen zu früh in die Menopause, abhängig von der Therapieform und dem Alter bei Therapie erkranken bis zu 20 Prozent an Brustkrebs. 15 bis 25 Prozent klagen über schwere Fatigue. Jeder fünfte Patient berichtet von kognitiven Einschränkungen.
Nicht jede Therapie ist so harsch, wie die zur Behandlung von Hodgkin-Lymphomen, doch die Zahlen machen deutlich, dass Spätfolgen massiv sein können. Und die Zahl der potentiell Betroffenen steigt: Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen leben, deren Krebsdiagnose fünf oder mehr Jahre zurück liegt, bei zwei Millionen Menschen sogar zehn oder mehr Jahre. Rund 30?000 Menschen in Deutschland haben Krebs im Kindes- und Jugendalter überstanden.
„Wir schaffen es, unseren Patienten ein gutes Versorgungsangebot zu machen“, sagt Bielack. „Aber wir müssen daran arbeiten, Strukturen zu schaffen, so dass wir das auf Dauer leisten können.“ Mit diesem Anliegen ist er am Klinikum Stuttgart nicht allein. „Ich bin der Meinung, dass jeder Krebsbehandler die Verantwortung hat, die Folgen der Therapie, die er gemacht hat, zu beobachten und eine entsprechende Nachsorge zu betreiben“, sagt Gerald Illerhaus. Der Onkologe leitet seit November 2012 das Stuttgart Cancer Center. Man müsste, sagt er, auch nach Ende der Therapie die Patienten so begleiten, dass auch die Spätfolgen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
In der Realität bleibt der Anspruch, den Illerhaus formuliert, aber oft unerfüllt. Viel hängt in der Erwachsenenmedizin von der Eigeninitiative der Patienten ab. Illerhaus: „Das Ideal wäre, dass die Patienten selbst Buch führen. Wenn dann ein Patient zehn Jahre nach der Therapie zum Hausarzt kommt und sagt: ‚Ich hab Atemnot beim Laufen, und das könnte an dieser Therapie mit diesem bestimmten Medikament liegen, weil das das Herz schädigen kann.‘ – dann könnte das seine Versorgung deutlich verbessern.“ Für die Kinderonkologie soll eine europäische Initiative (ENCCA) ein neues Werkzeug entwickeln, einen sogenannten Survivor-Passport, der alle wichtigen Therapieinformationen enthalten soll. Bielack: „Das ist eine Form der strukturierten Informationsweiterleitung aus der Kinderonkologie heraus in das spätere Leben, so dass die Nachbetreuenden wissen, worauf es beim einzelnen Patienten ankommt.“ Ein Konzept, das als Vorbild auch für die Erwachsenenonkologie taugt. Bei aller Sorge um Spätfolgen, sagt Bielack, erlebe er immer wieder, dass man den Patienten auch deutlich machen müsse, wann und worum sie sich gerade keine Sorgen machen müssen: „Auch das gehört zu einer guten Versorgung dazu.“

(Stuttgarter Zeitung, Katrin Zöfel, 25.08.2014)

 

 

Gesunder Appetit

Grillen ohne Gefahr

Der Sommer kehrt noch einmal zurück, und mit ihm zieht auch der Grill wieder in den Garten ein. Doch birgt der gesellige Outdoor-Schlemmer-Spaß ein Krebsrisiko, wenn das Grillgut zu stark erhitzt oder falsch gegrillt wird.

 „Wenn Sie grillen, grillen Sie gesundheitsbewußt“, sagt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Mit einfachen Tipps vermeiden sie das Entstehen krebserregender Stoffe und können Ihren Grillspaß bedenkenlos genießen.“

Möglichst schonend grillen

Beim Grillen bilden sich verschiedene Stoffe, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krebserregend eingestuft werden. Dazu zählen heterozyklische Amine, die beim scharfen und langen Anbraten von Fleisch bei hohen Temperaturen entstehen. „Gesundheitsschädliche Stoffe sind insbesondere in dunkelbraun oder schwarz Gegrilltem enthalten“, betont Dr. Jutta Hübner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie (PRIO) der Deutschen Krebsgesellschaft. „Grillen Sie Lebensmittel daher möglichst schonend. Schneiden Sie dunkelgebratene Stelle ab und essen diese auf keinen Fall.“

Unerfreuliche Nebeneffekte vermeiden

Tropft vom Grillgut Fleischsaft, Fett oder Marinade in die Glut, können polyzy-klische aromatische Kohlenwasserstoffe, die ebenfalls als krebserregend gelten, über den Rauch eingeatmet werden oder an das Gegrillte gelangen. Diese unerwünschten Nebeneffekte lassen sich beim Grillen jedoch leicht vermeiden, wenn zehn einfache Tipps beachtet werden:

Kein selbstgesammeltes Holz oder brennbare Abfallstoffe als Brennmaterial verwenden. Stattdessen Holzkohle oder Holzkohlebriketts verwenden. Nach Möglichkeit sollte beim Grillen mit Holzkohle ein Grillgerät mit seitlicher Feuerstelle verwendet werden. So kann austretende Flüssigkeit gar nicht erst in die Glut tropfen.Geduld ist gefragt, da das Grillgut erst aufgelegt werden sollte, wenn die Holzkohle gut durchgeglüht ist. Damit Fleischsaft und -fett nicht in die Glut oder auf die Heizschlange tropfen, helfen Alu-Grillschalen.

Was kommt auf den Grill?

Mageres Fleisch (am besten Geflügel) oder Fisch und feste Gemüsesorten (Paprika, Maiskolben, Kartoffeln) sollten bevorzugt auf dem Grill landen, denn so wird das Vergnügen gesund. Nicht auf den Grill gehören hingegen gepökelte Fleisch- und Wurstwaren: Durch das Erhitzen können krebserregende Nitrosamine entstehen. Nicht jedes Öl ist gleichermaßen für das Kochen im Freien geeignet. Etliche Fette, wie Margarine, Butter, Sonnenblumen- oder Maiskeimöl, sind für hohe Grilltemperaturen ungeeignet. Alternativ können Oliven- oder Rapsöl verwendet werden. Für das besondere Etwas auf der Grillware ist ebenfalls Geduld gefragt: so sollten Gewürze, Kräuter und vor allem Salz erst kurz vor Ende der Grillzeit auf das Fleisch gestreut werden.

Fleisch allein macht nicht glücklich

Verbrannte oder stark angekohlte Lebensmittel sollten konsequent nicht verzehrt werden. Im Zweifel werden zu dunkel gegrillte Stellen vom Fleisch weggeschnitten. Zum ausgewogenen Grillgenuss gehören auch fettarme Soßen und Dips, frische Salate, Gemüse und Obst ergänzen das Gegrillte. Als Nachtisch eignen sich beispielsweise in der Schale gegrillte Bananen.

(© Mindener Tageblatt 2014, 4.9.14, Quelle: krebshilfe.de)

 

 

Bewege dich – trotz Krebs!

Gemeinsam bewegen und damit noch Gutes tun für Mitmenschen - das machen die Teilnehmer am Sonntag bei der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs".

Amateure mit Profis, Krebspatienten mit Ärzten - am Sonntag treten ab 9 Uhr auf dem Neckar bei Neuenheim bunt gemischte Ruderteams in über 50 Rennen gegeneinander an. Höhepunkt ist ein Schauwettkampf gegen 16.30 Uhr mit Weltmeister Marcel Hacker, dem Deutschland-Achter und dem nationalen Frauen-Doppelvierer. Und das alles für einen guten Zweck: Der Erlös von "Rudern gegen Krebs" fließt in das Programm "Bewegung und Krebs" des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Wir haben vorab mit Dr. Joachim Wiskemann vom NCT gesprochen.

Herr Dr. Wiskemann, die Benefizregatta findet zum fünften Mal statt - ist die Veranstaltung endgültig angekommen?

Dr. Joachim Wiskemann: Auf jeden Fall. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist einfach toll: Wir haben mit 60 Booten angefangen, in den letzten beiden Jahren waren schon jeweils 90 am Start. Die Regatta wird sehr wohlwollend wahrgenommen und ist eine wichtige Sportveranstaltung in der Region mit 3000 bis 4000 Zuschauern geworden.

Dr. Joachim Wiskemann ist 34 Jahre alt und Co-Leiter der Arbeitsgruppe "Bewegung und Krebs" am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen. Er ist studierter Sportwissenschaftler und -psychologe und in dem Programm "Bewegung und Krebs" für Forschung und Therapie zuständig. Der Hesse arbeitet seit acht Jahren in diesem Bereich - zunächst vier Jahre am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

Was steckt hinter dem Programm "Bewegung und Krebs"?

Wiskemann: Das Besondere an dem Konzept ist, dass wir Krebspatienten unmittelbar nach der Diagnose vermitteln, dass systematisches Sport- und Bewegungstraining wichtig ist. Wir bieten ihnen auf freiwilliger Basis parallel zur normalen Therapie Training für Kraft, Ausdauer und auch gegen bestimmte Nebenwirkungen - wie zum Beispiel ein extremes Müdigkeitsgefühl - an. Das Training wird individuell auf die Patienten zugeschnitten. Für Personen mit chemotherapiebedingten Nervenschädigungen sind etwa Koordinationsübungen sehr wichtig. Und wir bieten - das ist, denke ich, ein einmaliges Angebot für eine Klinik in Deutschland und vielleicht sogar in ganz Europa - Rudern an. Das geht aber erst, wenn die Akuttherapie - wie Bestrahlung oder Chemotherapie - abgeschlossen ist.

Inwiefern trägt Sport bei Krebspatienten zur Gesundung bei?

Wiskemann: Es gibt erstens sehr große Beobachtungsstudien mit Krebspatienten, die befragt wurden: Diejenigen, die während der Therapie körperlich aktiv waren, haben danach länger gelebt. Und es gibt zweitens eine Reihe von Studien, in denen festgestellt wurde, dass körperlich aktive Patienten besser Chemotherapien vertragen: Sie sind in der Lage, Nebenwirkungen besser wegzustecken, können dadurch länger und höhere Dosen der Medikamente aufnehmen und erhalten damit bessere Behandlungsergebnisse. Außerdem kann sportliche Betätigung relevante Signalwege und das sogenannte Milieu eines Tumors beeinflussen. Erste Studie zeigen, dass dadurch die Krebszellen in Ihrem Wachstum gehemmt werden können.

Wie wird das Programm bei den Patienten aufgenommen?

Wiskemann: Die Teilnehmer bleiben meist noch Jahre bei uns, auch wenn die Therapie bereits abgeschlossen ist. Sie tun dann weiterhin etwas für ihr körperliches Wohlbefinden und wollen mit dem Sport auch das Rückfallrisiko senken - das freut uns natürlich sehr. Bei einigen der beteiligten Patienten kann der Krebs allerdings nicht mehr geheilt werden - bei ihnen wollen wir erreichen, dass sie während ihrer verbleibenden Zeit die bestmögliche Lebensqualität haben.

Was kann mit den Spendengeldern bewegt werden?

Wiskemann: Als Reinerlös blieben bei der letzten Benefizregatta rund 30.000 Euro übrig - damit kann man einen Therapeuten bezahlen, der sich voll und ganz um die Patienten kümmert. Jährlich haben wir um die 300 neue Patienten. Hinzu kommen 200, die bereits dabei sind. Das bei der Regatta gesammelte Geld fließt komplett in das Programm für Therapie und Personal. Wir ermöglichen den Patienten kostenloses Training, da die Krankenkassen das Sportprogramm während der Akuttherapie nicht unterstützen. Wir möchten die Krankenkassen überzeugen, dass ein entsprechendes Sportprogramm begleitend zur Chemo- oder Strahlentherapie sinnvoll ist.

Wer Krebs hat, sollte Sport treiben?

Wiskemann: Die Diagnose einer Krebserkrankung ist immer ein Schicksalsschlag. Jeder sollte aber wissen: Als Betroffener ist man in der Lage, selbst dazu beitragen zu können, dass die Therapie und deren Nebenwirkungen positiv verlaufen. Wir wollen jeden Patienten ermutigen: Treibe Sport, bewege dich trotz der Krebserkrankung! Sport ist hilfreich und kann zur Genesung beitragen. Denn Bewegung ist neben Medikamenten und Operationen ein wichtiger Bestandteil der Krebstherapie - unser Wunsch ist, dass das irgendwann auch die Krankenkassen erkennen und Sporttraining in ihren Leistungskatalog aufnehmen.

(Christian Beister © Mannheimer Morgen, Freitag, 05.09.2014)

 

 

 

Studie vs. Mythos

Vom BH kann man Brustkrebs bekommen. Wirklich?

Unterwäsche soll Brustkrebs auslösen? Forscher gingen diesem Mythos in einer Studie nach. Sie fragten Hunderte Frauen nach Körbchengrößen, BH-Bügeln und danach, wann sie anfingen, einen BH zu tragen.

Es gibt viele kleine, fiese Geschichten darüber, was angeblich alles Krebs auslösen kann. Diese Geschichten erzählen sich meist recht einfach. Ich glaube, wir erzählen sie uns gern, weil sie gegen die Angst helfen. Sie machen die Krankheit überschaubarer.

Auch ich habe Angst vor Krebs, als Frau vor allem vor Brustkrebs, und eine der Geschichten, die ich darüber gehört und im Internet gelesen habe, lautet: Von BHs kann man Brustkrebs bekommen. Von zu engen BHs, womöglich sogar von gut sitzenden BHs. Weil die Bügel und Träger die Lymphbahnen abklemmen und verhindern, dass giftige Stoffe abtransportiert werden. Wer sich schützen will, könnte demnach auf gemütliche BHs oder noch besser gleich auf Unterhemden umsteigen.

Wissenschaftliche Belege gab es dafür auch bislang nicht, die Ärzte vom Deutschen Krebsinformationsdienst etwa schrieben, dass sich nicht eine Quelle dafür finden lasse. Den Geschichtenerzählern war das egal.

Nun haben Krebsforscher aus den USA sich den BH-Mythos in einer Studie vorgenommen. Die Wissenschaftler um Lu Chen, Doktorandin der Washington School of Public Health, fragten 1044 Frauen, die im Alter zwischen 55 und 74 Jahren an Brustkrebs erkrankt waren, und 469 gesunde Frauen der gleichen Altersgruppe über ihre persönliche BH-Geschichte aus.

Wie alt waren die Frauen, als sie zum ersten Mal einen BH trugen? Welche Körbchengrößen trugen sie im Laufe ihres Lebens? Bevorzugten sie Bügel-BHs? Wie viele Stunden am Tag hatten sie Büstenhalter an? Und so weiter. Nur eine der Frauen sagte übrigens, dass sie nie einen BH getragen habe. Die Forscher fragten die Frauen auch nach ihrer Krankheits- und Lebensgeschichte aus. Hatten sie Kinder bekommen, wenn ja, in welchem Alter? Gab es Brustkrebsfälle in der Verwandtschaft?

Risikofaktoren: Übergewicht und Vererbung

Die Forscher kamen zu dem klaren Ergebnis, dass "kein Aspekt des BH-Tragens" irgendeinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko der Frauen gehabt hatte. Sie waren erkrankt oder eben nicht, mit oder ohne Bügel im BH, mit großen oder kleinen Körbchen, ob sie mit zwölf Jahren oder erst mit 18 den ersten BH ausprobiert hatten.

Die kleinen Geschichten über Krebs vereinfachen eine komplizierte, tückische Krankheit. Die Frauen aus der Studie, die an Brustkrebs erkrankt waren, waren etwas häufiger übergewichtig. Und sie hatten häufiger Schwestern oder Mütter, die auch bösartige Tumore in der Brust bekommen hatten.

Wer sein Brustkrebsrisiko verringern will, sollte auf sein Gewicht achten, vor allem nach den Wechseljahren, sich viel bewegen und wenig Alkohol trinken, das raten die Ärzte vom Deutschen Krebsinformationsdienst. Auf die ganze Lebensspanne gerechnet – bis zum angenommenen 80. Geburtstag – erkranke aber leider jede achte Frau an Brustkrebs.

Das ist schwer zu ertragen. Mit ihrem BH bringt sich aber wohl keine von uns in Gefahr.

(Die Welt, 08.09.14, Wiebke Hollersen)

 

 

 

Intelligente Kleidung

BH soll Krebs-Tumore erkennen

Eine Alternative zur Mammografie: Ein amerikanisches Startup hat einen intelligenten BH entwickelt, der als Krebsvorsorge funktionieren soll.

Jede Frau zwischen 50 und 69 kennt es, jede Frau hasst es: Brustkrebsvorsorge. Eine frühe Erkennung ist dabei entscheident – so kann der Ausbruch von Brustkrebs oder dessen Ausbreitung verhindert werden. Dabei wird eine Mammografie erstellt, ein Röntgenbild der Brust.

Ein neues Startup könnte diese unangenehme Prozedur möglicherweise bald ersetzen: Cyrcadia Health hat einen intelligenten BH entwickelt, der als eine Art Brustkrebs-Früherkennungssystem funktioniert. Das Prinzip klingt simpel: Mehrere Sensoren messen die Temperatur der Brust und erkennen so offenbar besser und früher als eine Mammografie Hinweise auf Brustkrebs.

Optisch ist der iTbra eher unauffällig: Geschnitten wie ein Sport-BH, mit einer etwas breiteren Vorderseite, in die die Sensoren eingearbeitet werden. Sie sollen mögliche Temperaturveränderungen innerhalb der Brüste messen oder eine erhöhte Aktivität der Blutkörperchen erkennen – ein erstes Zeichen für die Bildung eines Tumors. Neu ist daran vor allem die Menge an Sensoren, die kleiner und günstiger sind als bisher verwendete Datensammler.

Eine Wlan-Verbindung sendet diese Daten an das Smartphone des behandelnden Arztes und des Patienten. Bislang wurde der iTbra an 500 Patientinnen getestet. Laut Rob Royea, dem Gründer von Cyrcadia Health, könnte er schon 2016 als Alternative für eine Mammografie auf den Markt gehen. Dieser könnte dann von Ärzten verschrieben werden und von Patienten im Internet oder in der Apotheke erworben werden.

 (Wirtschaftswoche online, 11.2.15, jgu)

 

 

BUND rät von Deos mit Aluminium ab

Erwiesen ist es nicht, dass Aluminium in Deos Krebs verursacht. Gerade nach der Rasur kann es aber trotzdem ratsam sein, auf solche Produkte zu verzichten, meint der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Deos enthalten oft Aluminium. Laut der Naturschutzorganisation BUND stehen die Aluminiumsalze im Verdacht, die Entstehung von Alzheimer und Brustkrebs zu fördern. Sie rät daher davon ab, sie zu verwenden. Ausreichend Beweise für die schädliche Wirkung gibt es bislang nicht. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hatte im Februar aber bekanntgegeben, dass die menschliche Haut unter anderem durch Deos deutlich mehr Aluminium aufnimmt, als es EU-Vorgaben entspricht.

Der BUND empfiehlt, beim Kauf darauf zu achten, ob "Aluminium Chlorohydrate" als Bestandteil aufgelistet wird - bei vielen Antitranspiranten sei das der Fall. Gerade nach der Achselrasur sollten Verbraucher auf solche Deos verzichten, denn dann können größere Mengen an Aluminium über kleinste Hautverletzungen in den Körper gelangen.

"test": Niedrigere Aluminiumgehalte in Deosprays als erwartet

Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest ist der Aluminiumgehalt in vielen Deosprays allerdings geringer als vielfach angenommen. Laut den Prüfern kam keines der 24 getesteten Produkte über den Wert von 7,4 Prozent. Das BfR sei bislang davon ausgegangen, dass der Wert üblicherweise bei 20 Prozent liege, hieß es in der Zeitschrift "test".

(Bonner General Anzeiger, dpa/tmn, 18.08.14)

 

 

Gefährliches Shampoo

Chinas Staats-TV entdeckt Produktfälschungen

Der chinesische Fernsehsender CCTV lässt mehrere Shampoos aus dem Internet testen . Das Ergebnis: Fast die Hälfte der bestellten Produkte ist gefälscht, einige enthalten gefährliche Substanzen, die sogar Krebs erregen können.

Chinesische Reporter des Staatsfernsehens CCTV haben in einem Produkttest Dutzende gefährliche Chemikalien in Shampoos gefunden. Im Internet bestellten sie auf chinesischen Seiten verschiedene Markenshampoos und analysierten sie. Das unschöne Ergebnis: Von acht getesteten Haarwaschmitteln waren drei gefälscht, und bei weiteren zwei ließ sich die Herkunft nicht ermitteln.

In den nachgemachten Shampoos stellten die Journalisten zu allem Übel auch eine Mischung gefährlicher Chemikalien fest. Die Benutzung des Shampoos kann zu Gesundheitsproblemen führen und sogar Krebs auslösen.

China versucht seit Jahren, über einen großen Markt gefälschter Produkte Herr zu werden. Die Fälscher verkaufen ihre oft qualitativ minderwertigen und unsicheren Produkte im Internet, zu sehr günstigen Preisen. Oft ist für den Käufer nicht ersichtlich, ob er Original-Produkt von einer offiziellen Website kauft, oder ob er eine Fälschung vor sich hat.

(n-tv.de, 18.08.14, dsc/dpa)

 

 

Hunde erriechen Prostatakarzinom in Urinproben

Schon im August 2013 wurde darüber berichtet. Jetzt zeigte eine Studie weitere Ergebnisse, die die diagnostische Genauigkeit bezüglich Sensitivität und Spezifität untersuchte. Es konnte gezeigt werden, dass das olfaktorische System (Geruchssinn) eines speziell trainierten Hundes Prostatakarzinom-spezifische flüchtige organische Verbindungen (VOCs) in Urinproben erkennen kann. Weitere Studien sind notwendig, um den potenziellen prädiktiven Wert dieses Verfahrens zur Erkennung von Prostatakarzinomen genauer zu untersuchen.

(The Journal of Urology, 21. Oct 2014 Taverna G, et al.)

 

 

  

Italienische Studie

Hunde erschnüffeln Prostatakrebs zu 98 Prozent

Hunde sind die schnellste und angenehmste Wahl, wenn es darum geht, Prostatakrebs zu diagnostizieren! Das hat eine aktuelle italienische Studie des Fachbereichs Urologie des Humanitas Forschungskrankenhauses in Mailand ergeben und stützt damit bestehende Studien zum Thema.

Besonders überraschend: Die Hunde – in diesem Fall zwei Deutsche Schäferhunde – erschnüffelten den Krebs mit einer Trefferquote von 98 Prozent!

Wie lief die Studie ab?

Das Forscherteam ließ die beiden Hunde an insgesamt 900 Urinproben verschiedener Männer schnüffeln – 360 von ihnen hatten Prostatakrebs, 540 waren gesund. Fazit: Hund Nr. 1 hatte eine Trefferquote von 98,7 Prozent, Hund Nr. 2 lag in 97,6 Prozent der Fälle richtig.

Mit ihrer feinen Nase (etwa 1000 mal besser als die menschliche) erschnüffeln die speziell trainierten Hunde in Sekundenschnelle Mikro-Stoffe, die auf Krebs hindeuten – und machen sich dann bemerkbar, z.B. indem sie sich auf den Boden legen oder ein kurzes Winseln von sich geben. Für die Mediziner ein spektakuläres Ergebnis, dennoch bleibt die Frage offen, wie genau die Hunde in der täglichen Praxis Prostatakrebs erschnüffeln sollen.

Experten bemängeln, dass es leider aktuell noch einen Widerwillen gibt, die Hunde-Tests als sicheres Mittel anzuerkennen – die Medizin verlässt sich lieber auf Bluttests, körperliche Untersuchungen oder Biopsien, die für die Patienten teilweise sehr unangenehm sind.

Das Studienergebnis wurde im Fachblatt Journal of Urology veröffentlicht.

(BILD, 13.4.15)

 

 

Genauigkeit von 90 Prozent:

Schnüffel-Telefon riecht Krebs im menschlichen Atem

Krebs-Erkrankungen lassen sich dank einer Erfindung aus Israel schnell und einfach durch die Analyse des menschlichen Atems feststellen. Dabei wird das kleine Analysegerät an ein Telefon angekoppelt. Das neue Sniffphone wurde von einem Team um Professor Hossam Haick von der Forschungseinrichtung Technion entwickelt.

Ausgangspunkt der Arbeiten war die Erkenntnis, dass die Überprüfung von Patienten auf irgendeine Form der Krebs-Erkrankung zeitaufwändig und vor allem teuer ist. Zu den Vorteilen der Atemanalyse mit telefonischer Weitermeldung zählt außer einer beträchtlichen Kostenersparnis, dass dieses Verfahren überaus schnell ist. Damit kann auch die Krebsbehandlung viel früher als sonst üblich einsetzen. Und Menschenleben retten.

Nach Angaben von Professor Haick weist das Atem-Analysegerät bislang eine Genauigkeit von 90 Prozent auf. Zu bedenken ist allerdings, dass nicht nur bösartige Krebsarten sondern auch die Existenz so genannter gutartiger Krebsarten im Körper des Patienten angezeigt werden.

In Kürze auch eine Koppelung mit dem Mobil-Telefon

Die israelischen Forscher arbeiten gegenwärtig an einer Variante des Sniffphone, die die Benutzung von Mobiltelefonen erlaubt.

Der besondere Nutzen wird darin gesehen, dass somit das Sniffphone auch bei Personen eingesetzt werden kann, die selbst kein Festnetz-Telefon besitzen und die so weit von einer ärztlichen Praxis entfernt leben, dass sie nicht einfach zu einem Sniffphone-Test in eine Praxis kommen können.

Am höchsten ist die Genauigkeit bei Lungenkrebs

Lungenkrebs ist generell schwer zu erkennen. Alle praktizierten Verfahren wie Bluttests, Biopsien, CT-Scans und Ultra-Sound-Tests sind zeitaufwändig und teuer und werden vielfach erst unternommen, wenn es für eine Heilung häufig schon zu spät ist. So führt Lungenkrebs zu mehr Todesfällen als Darm-, Brust- und Magenkrebs zusammen, weil die allermeisten an Lungenkrebs erkrankten Patienten erst dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie schon starke Beschwerden haben. Die Sniffphone-Atemanalyse erlaubt dagegen eine sehr frühe, schnelle Krebs-Feststellung.

Denn alle Lungentumore geben so genannte volatile organische Verbindungen (VOC’s) ab, die sich mit dem Analysegerät leicht aufspüren lassen. In 80 Prozent der Testfälle war das Sniffphone sogar in der Lage, zwischen bös- und gutartigen Lungenkrebs-Varianten zu differenzieren.

Finanzielle Unterstützung durch Europäische Gemeinschaft

Die Smarphone-Nutzung für die Krebs-Früherkennung wird von der Europäischen Gemeinschaft finanziell unterstützt. Universitäten und andere Forschungseinrichtungen aus Finnland, Irland, Lettland und Österreich sind an den Arbeiten bei Technion beteiligt. Der Chip zur Krebserkennung wird in ein Gerät installiert das mit dem Smartphone verbunden wird.

Eine App des Smartphone liest dann die Sensor-Daten, analysiert sie und meldet sie entweder direkt weiter oder gibt sie in eine Cloud. Für die Vermarktung dieser Technik gründet Technion in Israel derzeit eine Tochtergesellschaft namens NanoVation-GS.

(Ingenieur.de, 18.2.15, Peter Odrich)

 

 

Aufgedeckt: Halbieren Cholesterinsenker wirklich das Krebs-Risiko?

Eine neue Studie legt nahe, dass sogenannte Statine das Krebs-Risiko stark senken. Viele Medien sind euphorisch. Zu Recht?

Eine Meldung, die scheinbar Unglaubliches verspricht, macht gerade in der internationalen Presse die Runde: Cholesterinsenker, sogenannte Statine, sollen Krebs bekämpfen. Die Überschriften versprechen viel: „Statins could halve the risk of dying from cancer“ – Statine können das Risiko an Krebs zu sterben halbieren – titelt zum Beispiel die englische Times. Andere Schlagzeilen lauten ähnlich.

Auch erste deutschsprachige Medien greifen die Meldung auf. Doch was steckt dahinter? Ursprung ist das jährliche Treffen der American Society of Clinical Oncology in Chicago, das zurzeit stattfindet. Dort wurden gleich zwei Studien präsentiert, die einen Zusammenhang zwischen Statinen und einem geminderten Krebs-Risiko nahelegen.

Die eine leitete Dr. Ange Wang von der Stanford University School of Medicine. Sie untersuchte mit ihrem Team einen Datensatz, in dem der Gesundheitszustand von 146 000 US-Frauen zwischen 1993 und 1998 erfasst wurde. 3000 dieser Frauen starben an Krebs. Wang verglich das Krebsrisiko von Frauen, die Statine bekamen, mit dem von Frauen, die keine einnahmen.

Erhebliche Unterschiede

In der Statin-Gruppe hatten die Frauen ein 55 Prozent niedrigeres Knochenkrebsrisiko, aber auch Darm- oder Brustkrebs trat deutlich seltener auf. Insgesamt lag ihr Krebsrisiko um 20 Prozent niedriger. Auch die zweite Studie zeigte ähnliche Ergebnisse bei einem Datensatz, der auch Männer berücksichtigt. Heißt das, wir sollten schnell Statine nehmen, um uns vor Krebs zu schützen?

„Nein!“, schreibt Dr. Malcolm Kendrick, Experte auf dem Gebiet cholesterinsenkender Medikamente und einer ihrer Kritiker. Er führt dazu mehrere Gründe an.

Direkter Zusammenhang ist nicht bewiesen

Die Studien sind nur Beobachtungsstudien. Diese können zwar mögliche Verbindungen zwischen zwei Faktoren aufzeigen, aber keinen direkten Zusammenhang beweisen. Sie legen also in diesem Fall nur nahe, dass Personen, die Cholesterinsenker nehmen, seltener Krebs bekommen. Sie unterscheiden sich aber auch in vielen anderen Merkmalen von der Vergleichsgruppe. So werden sie zum Beispiel im Schnitt einen höheren Cholesterinwert haben. Auch der könnte sie vor Krebs schützen. Hinzu kommen noch viele andere Merkmale, die den Effekt hervorgerufen haben könnten.

Eine klare Aussage über einen direkten Zusammenhang können nur sogenannte randomisierte kontrollierte Studien liefern. Also Studien, bei denen Wissenschaftler die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen einteilen und den einen in diesem Fall Statine geben, den anderen nicht. Sollte sich dann ein Unterschied im Krebs-Risiko zeigen, wird dieser mit sehr großer Wahrscheinlichkeit durch die Cholesterinsenker hervorgerufen.

Extrem niedrige Cholesterinwerte erhöhen Krebsrisiko

Kendrick führt weiterhin an, dass sehr niedriger Cholesterinwerte sogar mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko in Verbindung stehen. Das zeigte eine japanische Studie bereits im Jahr 2002. Das stützt eher die These, dass die Probanden nicht trotz, sondern wegen ihres erhöhten Cholesterinwerts seltener Krebs bekamen.

Krebs-Risiko nicht halbiert

Hinzu kommt noch, dass das halbierte Krebsrisiko nur bei sogenannten Osteosarkomen beobachtet werden konnte. Sie zählen mit 0,2 bis 0,3 Betroffenen pro 100 000 Menschen zu den seltenen Krebsarten. Zufällige Schwankungen können leicht missinterpretiert werden. Bei anderen Krebsarten war der beobachtete Effekt deutlich geringer. Schon allein deswegen sind Überschriften, die von einem halbierten Krebs-Risiko durch Cholesterinsenker sprechen, irreführend.

Fazit: Es wird noch weitere Studien brauchen, um zu sagen, ob Statine wirklich vor Krebs schützen. Das Krebs-Risiko halbieren werden sie sicherlich nicht.

(praxisvita.de, 4. Juni 2015)

 

 

Verursachen Tattoos Krebs?

BERN - Der Bund hat vor den Gefahren des Tätowierens gewarnt. Tattoos seien zwar «längst salonfähig», aber nicht harmlos. «Läuft beim Tätowieren etwas schief, drohen schwere Infektionskrankheiten. Zudem können Tattoofarben krebserregende Stoffe enthalten.»

Wer sich tätowieren lassen wolle, solle nicht leichtfertig seine Haut riskieren, warnte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Bevor die erste Tätowiernadel die Haut steche, müsse man sich genau informieren.

Beim Tätowieren werden Pigmente mittels speziellen Nadeln in die Dermis-Schicht der Haut eingebracht. Durch das Stechen entsteht eine oberflächliche Wunde, die sich in Verbindung mit Keimen infizieren kann, wie das BLV schreibt.

Tätowierer seien an die Sorgfaltspflicht gebunden und müssten Hygiene- und Arbeitsvorschriften beachten. «Bei Missachtung dieser Vorschriften können schlimmstenfalls bakterielle Infekte entstehen oder Infektionen übertragen werden, zum Beispiel durch Hepatitis-Erreger.»

Über die langfristigen Wirkungen von Farbpigmenten und anderen Zusätzen in Tattoofarben sei noch wenig bekannt, doch «Tattoofarben können krebserregende Stoffe, toxische Schwermetalle oder weitere gefährliche Zusätze enthalten.»

Erst 2014 habe der Verband der Kantonschemiker und Kantonschemikerinnen der Schweiz über zweihundert Tinten für Tattoo und Permanent Make-up untersucht. «Mehr als die Hälfte der kontrollierten Produkte wurden als gesundheitsgefährdend eingestuft und mit einem Anwendungsverbot belegt.»

Die Liste mit diesen verbotenen Tattoofarben findet sich auf der Webseite www.gezeichnetfürsleben.ch. Auf diese hat das BLV Informationen und Merkblätter zur möglichen Gesundheitsgefährdung beim Tätowieren zusammengestellt.

Zudem startete es Anfang August eine Kampagne mittels zweier Postkarten, um auf die Gesundheitsgefahren aufmerksam zu machen. Die Postkarten würden an Standorten wie Badeanstalten, Boutiquen, Konzertlokalen oder in Restaurants aufgelegt.

(Blick.ch, 3.8.15, SDA)

 

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